Kapitel 2
Die Umwandlung der motivierenden Kraft unseres Handelns
Worte Sri Aurobindos
Gewöhnlich wird das menschliche Wesen doch nur deshalb aktiv, weil es ein Begehren hat oder ein mentales, vitales oder physisches Bedürfnis oder einen Mangel verspürt. Der Mensch wird durch die Notdurft seines Körpers, durch das Verlangen nach Reichtum, nach Ehre oder Ruhm angetrieben. Oder ihn beherrscht eine Sehnsucht nach der persönlichen Befriedigung seines Mentals oder Herzens, oder ein Drang nach Macht oder Vergnügen. Er mag auch von einem moralischen Bedürfnis oder zumindest von der Notwendigkeit oder dem Verlangen ergriffen und gedrängt werden, seine Ideen, seine Ideale, seinen Willen, seine Partei, sein Land oder seine Götter in der Welt dominierend zu machen. Wenn nun kein solches Verlangen und auch kein anderes die Triebfeder unseres Handelns sein darf, dann könnte es scheinen, als ob jeder Anreiz oder jede Motivkraft fehlt und das Handeln selbst aufhören müsse. Die Gita antwortet mit dem dritten großen Geheimnis des Lebens aus Göttlichem Wesen: alles Handeln muss mehr und mehr in einem auf Gott ausgerichteten und schließlich ganz von Gott beherrschten Bewusstsein geleistet werden. Unsere Werke sollen ein Opfer an Gott sein. Zuletzt soll eine Unterwerfung unseres ganzen Wesens, unseres Mentals und Willens, des Herzens und der Empfindungen, des Lebens und Körpers unter den Einen die Liebe zu Gott und den Dienst an der Gottheit zu unserem einzigen Motiv machen. Diese Transformation der Motivkraft und des eigentlichen Charakters des Wirkens ist die Hauptidee der Gita. Sie ist die Grundlage ihrer einzigartigen Synthese von Wirken, Lieben und Wissen. Am Ende verbleibt nicht unser Verlangen, sondern der bewusst gefühlte Wille des Ewigen als die einzig treibende Macht unseres Handelns und als der einzige Urheber seiner Initiative.
Gelassenheit, Verzicht auf alles Verlangen nach der Frucht unseres Wirkens, Handeln, das als ein Opfer dem höchsten Herrn unserer Natur dargebracht wird – das sind die drei wichtigsten Zugänge zu Gott auf dem Weg des Karma-Yoga der Gita.1
1 Im Integralen Yoga fügen wir hinzu: „eine transformierende Befreiung der Natur von ihren unwissenden Handlungsweisen“.