Kapitel 2

Das seelische Wesen und der Augenblick der Konzeption

Worte der Mutter

Das seelische Wesen ist um den göttlichen Funken angeordnet. Der göttliche Funken ist eins, universell, der gleiche überall und in allem, eins und unendlich, in allem von der gleichen Art. Du kannst nicht sagen, er sei ein Wesen – er ist das Wesen, wenn du so willst, aber nicht ein Wesen. Wenn du zurück zum Ursprung gehst, kannst du natürlich sagen, dass es nur eine Seele gibt, denn der Ursprung aller Seelen ist der gleiche, ebenso wie der Ursprung des ganzen Universums und der ganzen Schöpfung ein Ursprung ist. Aber das seelische Wesen ist ein individuelles persönliches Wesen, das seine eigene Erfahrung hat, seine eigene Entwicklung, sein eigenes Wachstum, seine eigene Organisation; nur ist diese Organisation das Ergebnis des Wirkens des zentralen göttlichen Funkens.

Aber an dem Tag, wo ein äußeres Wesen (physisch, mental, vital) in direkte und beständige Verbindung mit dem seelischen Wesen tritt, kann man ebenso sagen, dass das physische Wesen dieser Person durch das zentrale göttliche Bewusstsein organisiert wird. In dem Augenblick, wo du dich damit in Verbindung setzt, wo du dich ihm unterordnest, wirst du von ihm organisiert, durch das zentrale göttliche Bewusstsein; man kann sagen, dass der Körper durch es organisiert wird, aber es ist ein Körper, nicht eine Seele. Nur die Tatsache, dass er durch den göttlichen Funken organisiert wird, macht ihn nicht zu einer Seele…

Ich muss euch sagen, dass das seelische Wesen, wenn es völlig geformt ist, eine ausgeprägte Gestalt hat, die unserer physischen Form entspricht. Es sieht nicht genauso aus, aber es hat eine ausgeprägte Form. Jedes seelische Wesen unterscheidet sich von einem anderen seelischen Wesen – sie sind nicht schablonengleich, entsprechend einem Muster angefertigt. Sie sind unterschiedlich, jedes hat eine Individualität, eine Persönlichkeit…

Folgendes passiert. Nehmen wir einen göttlichen Funken, der um sich durch Anziehung, durch Affinität und Auswahl die Anfänge eines seelischen Bewusstseins versammelt (diese Arbeit ist schon in Tieren sehr gut wahrnehmbar – denkt nicht, ihr seid außergewöhnliche Wesen, dass nur ihr ein seelisches Wesen habt und der Rest der Schöpfung nicht. Es fängt im Mineral an, es ist etwas mehr entwickelt in der Pflanze, und im Tier findet sich der erste Schimmer der seelischen Gegenwart). Dann kommt ein Augenblick, an dem dieses seelische Wesen genügend entwickelt ist, um ein unabhängiges Bewusstsein und einen persönlichen Willen zu haben. Und dann wird es nach einer Vielzahl mehr oder weniger individualisierter Leben sich seiner selbst, seiner Regungen und der Umgebung, die es für seine Entfaltung gewählt hat, bewusst. An einen bestimmten Punkt des Gewahrseins gelangt, beschließt es – gewöhnlich im letzten Augenblick des Lebens, das es gerade auf der Erde abgeschlossen hat –, wie die Umstände aussehen, unter denen es das nächste Leben verbringen wird. Hier muss ich euch eine sehr wichtige Sache sagen: Das seelische Wesen kann sich nur im physischen Leben und auf der Erde weiterentwickeln und formen. Sobald es einen Körper verlässt, tritt es in einen Ruhezustand ein, der entsprechend seiner Wahl und seinem Maß an Entwicklung mehr oder weniger lang anhält – ein Ruhezustand, um zu verarbeiten, für einen passiven Fortschritt gewissermaßen, ein Ruhezustand für ein passives Wachsen, das demselben seelischen Wesen erlaubt, auf neue Erfahrungen zuzugehen und einen aktiveren Fortschritt zu machen. Aber nachdem es ein Leben beendet hat (das gewöhnlich erst endet, wenn das seelische Wesen getan hat, was es tun wollte), wird es die Umgebung ausgesucht haben, in der es wiedergeboren wird, den ungefähren Platz, wo es geboren wird, die Umstände und die Art des Lebens, in das es geboren wird, und ein sehr genaues Programm an Erfahrungen, die es zu durchlaufen hat, um den Fortschritt zu machen, den es erlangen will.

Ich werde euch ein ziemlich konkretes Beispiel geben. Nehmen wir ein seelisches Wesen an, das sich aus dem einen oder anderen Grund entschlossen hat, in den Körper eines Wesens einzutreten, das dazu bestimmt ist, ein König zu werden, denn es gibt eine ganze Reihe von Erfahrungen, die es nur unter diesen Umständen haben kann. Nachdem es diese Erfahrungen eines Königs durchlaufen hat, stellt es fest, dass es einen ganzen Bereich gibt, in dem es gerade wegen dieser bestimmten Lebensumstände, in denen es sich befindet, keinen Fortschritt machen kann. Deshalb entschließt es sich, nachdem es seine Zeit auf der Erde erfüllt hat und sich entscheidet zu gehen, dass es im nächsten Leben in einer gewöhnlichen Umgebung geboren wird, in gewöhnliche Lebensumstände, weder hoch noch niedrig, sondern so, dass der Körper, den es bewohnt, die Freiheit hat, zu tun, was er will. Denn ich erzähle euch nichts Neues, wenn ich sage, dass das Leben eines Königs das Leben eines Sklaven ist; ein König ist gezwungen, sich einem Protokoll zu unterwerfen und allen möglichen Zeremonien, um sein Prestige zu wahren (das ist für eitle Leute vielleicht sehr erfreulich, aber für ein seelisches Wesen ist es nicht erfreulich, denn dieser Zustand enthält ihm die Möglichkeit für eine große Anzahl von Erfahrungen vor). Nach dem es diese Entscheidung gefällt hat, trägt es in sich alle die Erinnerungen, die ein königliches Leben ermöglichen kann, und es begibt sich für die Zeit, die ihm nötig erscheint, zur Ruhe (ich muss hinzufügen, dass ich hier von einem seelischen Wesen spreche, das ausschließlich mit sich selbst beschäftigt ist, und nicht von einem, das sich einer Arbeit geweiht hat, weil in diesem Fall die Arbeit bestimmend dafür ist, wie die zukünftigen Leben und ihre Umstände aussehen; ich spreche von einem seelischem Wesen, das dabei ist, seine Entwicklung zu vervollkommnen). Deshalb beschließt es, dass es in einem bestimmten Augenblick einen Körper annehmen wird. Da es bereits eine Reihe von Erfahrungen gemacht hat, weiß es, dass sich in einem bestimmten Land ein bestimmter Teil des Bewusstseins entwickelt hat; in einem anderen Land ein anderer Teil und so weiter; es wählt also den Platz, der ihm gute Entwicklungsmöglichkeiten bietet: das Land, die Lebensbedingungen, die ungefähre Natur der Eltern und auch die Verfassung des Körpers an sich, seine physische Struktur und die Fähigkeiten, die es für seine Erfahrungen braucht. Es ruht sich aus und wacht dann im richtigen Augenblick auf und projiziert sein Bewusstsein auf die Erde und zentralisiert es in dem gewählten Bereich und den gewählten Umständen – oder beinahe; denn ihr müsst wissen, dass da ein kleiner Spielraum besteht, weil man im seelischen Bewusstsein zu weit entfernt vom materiell physischen Bewusstsein ist, um eine klare Schau zu haben; es ist eine Annäherung. Es irrt sich nicht bezüglich des Landes oder der Umgebung, und es sieht recht genau die innere Vibration des gewählten Volkes, aber es kann eine leichte Ungenauigkeit geben. Aber wenn gerade in diesem Augenblick ein Paar oder vielmehr eine Frau auf der Erde ist, die selbst eine seelische Aspiration hat und aus dem einen oder anderen Grund, ohne zu wissen warum oder wie, ein außergewöhnliches Kind haben möchte und auf bestimmte außergewöhnliche Bedingungen anspricht – wenn in diesem Augenblick diese Aspiration auf der Erde vorhanden ist, bewirkt sie eine Vibration, ein seelisches Licht, welches das seelische Wesen sofort sieht, und ohne zu zögern eilt es dann auf das Licht zu. Von diesem Augenblick an (es ist der Augenblick der Konzeption) wacht es über die Formation des Kindes, damit diese Formation so günstig wie möglich für den Plan, den es hat, ausfällt; folglich ist sein Einfluss schon in Verbindung mit dem Kind, bevor es in der physischen Welt auftaucht.

Wenn alles gut geht, wenn es keinen Unfall gibt (Unfälle können immer passieren), wenn alles gut geht, eilt die seelische Kraft (vielleicht nicht in ihrer Totalität, aber ein Teil des seelischen Bewusstseins) in das Wesen und gibt ihm vom ersten Schrei an einen Schub auf die Erfahrungen zu, die das Kind machen soll. Das Ergebnis ist, dass selbst wenn die Eltern nicht bewusst sind und selbst, das Kind in seinem äußeren Bewusstsein nicht ganz bewusst ist (ein kleines Kind hat nicht das nötige Gehirn dafür, es bildet sich langsam und allmählich heran), es dem seelischen Einfluss trotz alledem möglich ist, alle die Ereignisse zu lenken, alle die Umstände des Lebens dieses Kindes bis zu dem Augenblick, in dem es fähig wird, in bewussten Kontakt mit seinem seelischen Wesen zu kommen (physisch findet das allgemein zwischen vier und sieben Jahren statt, manchmal früher, manchmal beinahe sofort, aber in solchen Fällen haben wir es mit Kindern zu tun, die nicht „Kinder“ sind, die „übernatürliche“ Fähigkeiten besitzen, wie man sagt – sie sind nicht „übernatürlich“, sondern lediglich der Ausdruck der Gegenwart des seelischen Wesens). Aber es gibt Menschen, die nicht die Gelegenheit oder vielmehr das Glück hatten, wenn man es so nennen will, jemandem physisch konkret zu begegnen, der sie leiten könnte. Und dennoch haben sie das Gefühl, dass jeder Schritt ihres Daseins, jeder Umstand ihres Lebens von jemand Bewusstem arrangiert wird, damit sie den maximalen Fortschritt machen. Wenn sie einen bestimmten Lebensumstand brauchen, stellt er sich ein; wenn sie bestimmten Leuten begegnen sollen, kommen diese Leute; wenn sie bestimmte Bücher lesen sollen, finden sie diese Bücher in ihrer Nähe. Alles ist auf solch eine Weise arrangiert, als würde jemand über sie wachen, damit ihr Leben die maximalen Entwicklungsmöglichkeiten biete. Diese Leute mögen ohne weiteres sagen: „Aber was ist ein seelisches Wesen?“, denn niemand, der mit ihnen gesprochen hat, benutzte jemals diese Worte, oder sie sind nie jemandem begegnet, der ihnen all das erklären konnte; aber für diese Menschen ist oft eine einzige Begegnung ausreichend, nur ein Blick, damit sie aufwachen; ein Wort genügt, um sie erinnern zu lassen: „Aber ich wusste all das!“

Das genau ist es, was einem seelischen Wesen geschieht, das die letzte Stufe seiner Entwicklung erreicht hat. Danach wird es nicht länger gezwungen sein, auf die Erde zu kommen, es wird seine Entwicklung abgeschlossen haben und fähig sein, freiwillig zu entscheiden, ob es sich dem Göttlichen Werk weiht oder anderswohin geht, das heißt, in die höheren Welten. Aber im Allgemeinen erinnert es sich, wenn es diese Stufe erreicht hat, an alles, was mit ihm geschehen ist, und versteht, wie sehr es nötig ist, jenen zu Hilfe zu kommen, die immer noch inmitten von Schwierigkeiten kämpfen. Diese seelischen Wesen geben all ihr Sein dem Göttlichen Werk – das ist nicht absolut, unabdingbar so, sie entscheiden sich freiwillig, aber in neunundneunzig Fällen von hundert fällt die Entscheidung so aus.

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