Kapitel 18
Integrale Darbringung im alltäglichen Leben
Das Leben muss wie eine Blume erblühen, die sich selbst dem Göttlichen darbringt.
Blumen lehren uns den Zauber der Stille und auch die Selbsthingabe, die keine Gegenleistung verlangt.
Zu Beginn fängst du damit an, diese Darbringung in einer allgemeinen Weise zu vollziehen, gleichsam ein für allemal. Du sagst: „Ich bin der Diener des Göttlichen; mein Leben ist ganz und gar dem Göttlichen gegeben; all meine Bemühungen sind auf die Verwirklichung des Göttlichen Lebens gerichtet.“ Doch das ist nur der erste Schritt, denn er genügt nicht. Wenn die Entscheidung getroffen ist, wenn du beschlossen hast, dass dein ganzes Leben dem Göttlichen gegeben werden soll, dann musst du dich immer noch in jedem Augenblick daran erinnern und sie in allen Einzelheiten deines Daseins ausführen. Bei jedem Schritt musst du spüren, dass du dem Göttlichen gehörst; es muss dir zur ständigen Erfahrung werden, dass in allem, was du denkst und tust, das Göttliche Bewusstsein durch dich wirkt. Künftig hast du nichts mehr, was du dein eigen nennen kannst. Du fühlst, dass alles vom Göttlichen kommt, und du musst es seiner Quelle zurückgeben. Wenn du das verwirklichen kannst, wird die kleinste Sache, der du normalerweise nicht viel Aufmerksamkeit oder Sorgfalt widmest, aufhören, trivial und unbedeutend zu erscheinen. Sie wird voller Sinn und eröffnet einen weiten jenseitigen Horizont.
Folgendermaßen musst du anfangen, um deine allgemeine Darbringung umzusetzen in eine, die sich in allen Einzelheiten bewährt: Lebe ständig in der Gegenwart des Göttlichen; lebe im Gefühl, dass es diese Präsenz ist, die dich bewegt und die alles tut, was du tust. Bringe ihr all deine Regungen dar, nicht nur alle mentalen Tätigkeiten, jeden Gedanken und jedes Gefühl, sondern auch die gewöhnlichsten und äußerlichsten Handlungen wie das Essen. Wenn du isst, musst du fühlen, dass das Göttliche durch dich isst. Wenn du so alle Regungen in das Eine Leben zusammenführst, nimmt in dir Einheit den Platz der Trennung ein. Du hast den Zustand hinter dir, in dem ein Teil deiner Natur dem Göttlichen gegeben war, während der Rest in seiner gewöhnlichen Art und Weise verbleibt und von gewöhnlichen Dingen in Anspruch genommen wird. Dein gesamtes Leben hat eine einzige Richtung eingeschlagen; allmählich vollzieht sich eine integrale Umwandlung in dir.
Im Integralen Yoga muss das gesamte Leben bis in die kleinste Einzelheit umgewandelt, vergöttlicht werden. Bei diesem Unternehmen gibt es nichts, was unbedeutend oder gleichgültig wäre. Du kannst nicht sagen: „Wenn ich meditiere, wenn ich Philosophisches lese oder diesen Gesprächen lausche, befinde ich mich in einem Zustand der Offenheit gegenüber dem Licht und strebe danach. Doch wenn ich hinausgehe, um zu spazieren oder Freunde zu besuchen, darf ich das alles vergessen.“ Wenn du diese Einstellung beibehältst, wirst du dich nie umwandeln und nie die wirkliche Einung haben. Du wirst immer geteilt bleiben und bestenfalls einen Abglanz des höheren Lebens erhaschen. Du kannst vielleicht während deiner Meditation gewisse Erfahrungen, gewisse Verwirklichungen im inneren Bewusstsein erlangen, doch dein Körper und dein Leben bleiben unverändert.
Im Laufe deiner Selbst-Darbringung beginnt dein Wesen sich um das herum zu vereinen, das die erste Entscheidung getroffen hat – den zentralen seelischen Willen. All die widerstreitenden Elemente deiner Natur müssen harmonisiert werden, müssen nacheinander genommen und mit dem zentralen Wesen vereinigt werden. Du magst dich mit einer spontanen Regung dem Göttlichen darbringen, aber es ist nicht möglich, dich ohne diese Einswerdung wirklich hinzugeben. Je geeinter du bist, desto mehr bist du fähig, die Selbst-Hingabe zu verwirklichen.