Kapitel 17

Vivekananda und Ärger

Worte der Mutter

Um ein Beispiel zu nennen: Vivekananda hatte keine Kontrolle über seinen eigenen Ärger, aber er hatte große Kontrolle über das Leben um sich herum.

Dies ist das erste Mal, dass ich das gehört habe. Er hatte keine Kontrolle über seinen Ärger? Wer hat dir diese Geschichte erzählt?

Es steht in seiner Biographie.

Hat er das selbst gesagt? Ist sie authentisch, diese Geschichte?

(Ein anderer Schüler) Ja, manchmal ließ er sich hinreißen.

Aber wusste er das selber?

Ja, er wusste es.

Nun, er hatte keine „große Kontrolle“ über seine Umgebung: er hatte einen großen Einfluss, was etwas ganz anderes ist. Man kann äußere Materie nicht kontrollieren, wenn man die innere Materie nicht beherrschen kann, denn beides ist dasselbe. Aber er hatte einen Einfluss, was etwas ganz anderes ist. Es ist kein Meistern, es ist ein Einfluss. Das bedeutet, er konnte in anderen bestimmte Regungen erwecken, aber er konnte sie nicht kontrollieren; es waren sie, die sich nach dem Wecken selbst beherrschen sollten. Ich sage nicht „er“, – es kann jedermann sein, weißt du, es ist eine allgemeingültige Regel.

Außerdem ist es kinderleicht, denn Meisterschaft meint das Wissen, wie man mit bestimmten Schwingungen umgeht; wenn du weißt, wie du diese Schwingungen handhabst, beherrscht du sie. Das beste Experiementierfeld bist du selbst: zuerst kontrollierst du Dinge in dir selbst, und wenn du dies in dir geschafft hast, kannst du die Schwingungen anderen in dem Maße übermitteln, wie du fähig bist, dich mit ihnen zu identifizieren und so diese Schwingungen in ihnen zu erzeugen. Und wenn du eine Schwingung in dir selbst nicht beherrschen kannst, weißt du nicht einmal, wie du vorgehen sollst. Du weißt sogar nicht, was du tun musst, – deshalb… wie kannst du sie in anderen dann manipulieren? Durch einen Einfluss auf sie kannst du sie vielleicht mit Worten ermutigen, das zu tun, was zum Erlernen von Selbstkontrolle notwendig ist, aber du kannst sie nicht direkt kontrollieren.

Etwas zu kontrollieren, eine Regung, bedeutet, die schlechte Schwingung einfach mit der eigenen Präsenz ohne Worte oder Erklärungen durch die wahre zu ersetzen. Dies ist es, was die Kraft der Meisterschaft ausmacht. Sie liegt nicht im Sprechen, im Erklären, in Worten und Begründungen oder sogar einer bestimmten Ausstrahlung von Macht. Du magst einen gewissen Einfluss auf jemanden haben, aber du beherrschst seine Regung nicht. Die Kontrolle über eine Regung besteht in der Fähigkeit, ihrer Schwingung mit einer stärkeren, wahreren Schwingung, die die andere beenden kann, entgegenzutreten… Ich könnte dir ein Beispiel geben, weißt du, ein sehr einfaches. Zwei Leute streiten sich in deiner Gegenwart; sie streiten nicht nur, sondern stehen kurz vor einer Schlägerei; deshalb erklärst du ihnen, dass man so nicht handeln sollte, gibst ihnen gute Gründe damit aufzuhören, und sie beenden das. Du wirst einen Einfluss auf sie ausgeübt haben. Aber wenn du einfach vor ihnen stehst, sie anschaust und eine Schwingung von Frieden, Gelassenheit und Ruhe übermittelst ohne ein Wort zu sagen, ohne jede Erklärung, kann die andere Schwingung nicht länger bestehen, sie wird von selber aufhören. Das ist Meisterschaft.

Dasselbe gilt für das Heilen von Unwissenheit. Wenn du Worte brauchst um etwas zu erklären, ist es kein echtes Wissen. Wenn ich all das sagen muss, was ich sage, um mich dir verständlich zu machen, ist es keine Meisterschaft, – es bedeutet einfach, dass ich einen Einfluss auf deine Intelligenz nehmen und dir helfen kann zu verstehen, und in dir den Wunsch erwecken kann, dich selbst zu kennen und dich zu disziplinieren et cetera. Aber wenn ich dich ohne etwas zu sagen anschaue, und es mir nicht gelingt, das Licht in dich einfließen zu lassen, das Licht, dass dich verstehen machen wird, dann habe ich die Regung oder den Zustand der Unwissenheit nicht gemeistert. Verstehst du das?

Deshalb kann ich dir wenigsten in dieser Sache mit Sicherheit sagen, wenn es historisch korrekt ist, dass Vivekananda Regungen von Ärger hatte, die er nicht kontrollieren konnte, d.h. bei denen er sich entweder in Wort oder Handlung hinreißen ließ, – nun, – dass er in dieser Sache nicht fähig war, diejenigen um sich herum zu beherrschen. Er konnte nur ähnliche Schwingungen in ihnen erwecken und auf diese Weise wahrscheinlich ihre diesbezügliche Schwäche in die richtige Richtung lenken. Er konnte ihnen mit so vielen Worten sagen: „Zu allererst, – werde nicht wütend“, aber das ist vollkommen nutzlos. Es ist das ewige „Tu, was ich dir sage, aber nicht das, was ich tue.“ Aber das ist wirkungslos.

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