Kapitel 14
Das Verständnis für andere
Worte der Mutter
Es ist eine ganz ausgezeichnete Methode zu lernen, wie man sich identifiziert.
Du bist zum Beispiel mit jemandem zusammen. Diese Person sagt etwas zu dir, du sagst genau das Gegenteil – wie es normalerweise vorkommt, einfach aus Widerspruch –, und es beginnt eine Diskussion. Natürlich führt das nie zu etwas, es gibt nur Streit, wenn du ein schwieriger Mensch bist. Sagt man sich aber, statt zu diskutieren und andauernd in seinem Kopf oder in seinen Worten gefangen zu sein: „Halt inne! Ich will mal zu erkennen versuchen, warum der oder die mir das gesagt hat. Ja, warum wohl?“ Und du konzentrierst dich: „Warum, warum, warum?“ Du probierst es einfach mal so, und die andere Person hört nicht auf zu reden, nicht wahr, und sie ist sehr glücklich, weil du ihr nicht mehr widersprichst! Sie redet und redet und ist sich sicher, dass sie dich überzeugt hat. Du konzentrierst dich nun immer mehr auf das, was sie sagt, wobei du das Gefühl hast, dass du ganz allmählich durch ihre Worte hindurch in ihren Kopf eindringst. Damit dringst du plötzlich in ihre Denkweise ein, und stell dir vor, dann verstehst du, warum sie so redet! Und wenn du eine recht rasche Auffassungsgabe hast und du das, was du jetzt verstehst, mit dem vergleichst, was du zuvor verstanden hast, hast du die beiden Verstehensweisen beisammen und kannst die Wahrheit finden, die die beiden versöhnt. Dann hast du wirklich einen Fortschritt gemacht. Und das ist die beste Art, sein Denken zu erweitern.
Wenn du eine Diskussion beginnst, schweige sofort, augenblicklich. Du musst schweigen, nichts mehr sagen und versuchen, die Sache so zu sehen, wie die andere Person sie sieht – dabei brauchst du gar nicht deine eigene Ansicht zu vergessen, sondern du kannst beide zusammenbringen. Dann hast du wirklich einen Fortschritt gemacht, einen echten Fortschritt.