Kapitel 12
Zwei Geschichten
Eine Geschichte, und eine wahre dazu, wird hier vielleicht aufschlussreich sein. Im Jahr 1922 beklagte sich Amrita, einer der engsten Schüler von Sri Aurobindo, bei ihm über seine Schwierigkeiten in der Sadhana. Sri Aurobindo zeigte auf das Zimmer der Mutter und sagte zu ihm: „Geh und erzähle ihr von diesen Dingen. Nur sie kann dir die notwendige praktische Führung geben. Du wirst sie nicht erhalten, wenn du zwanzig Jahre bei mir bleibst. Ich kann dir nur etwas Kraft geben; den Rest musst du selbst tun. Aber für die Bewältigung der Probleme des physischen Lebens ist sie die okkulte Meisterin.“ Also wandte sich Amrita an die Mutter. Etwa einen Monat später sagte er Sri Aurobindo, dass er mit der Mutter gesprochen habe, doch nach mehreren Bitten seien ihm nur zweimal je fünfzehn Minuten Meditation mit ihr gewährt worden, weiter nichts. „Welche Möglichkeit gab es da“, fragte er, „individuelle Probleme zu besprechen?“ Sri Aurobindo antwortete: „Ja, so ist es im Augenblick. Es ist, weil sie sich nicht in den Vordergrund stellen will. Aber wenn es einen kollektiven Dienst für das Göttliche gibt, wird sie nicht im Hintergrund bleiben können. Sie wird hervortreten, um im Dienst zu helfen, und es wird eine einzigartige Gelegenheit für den spirituellen Fortschritt der Welt sein.“ So lautete der Hinweis und die Prophezeiung von Sri Aurobindo im Jahr 1922. Doch selbst Ende 1952, als Pavitra kam, erkannten nur Amrita und Nolini, wer die Mutter war; die anderen hatten höchstens eine formale Hingabe.
Vision im Matrimandir, Auroville: 21.2.1979
Worte von Champaklal
Ich sah die Mutter mit Ihrem höchsten, süßen Lächeln, wie Sie all Ihre Liebe ausströmte. Die Halle war erfüllt von höchster Liebe. Sie streichelte einige Sekunden lang meinen Kopf mit beiden Händen und setzte mit einem sanften Kuss Ihr Siegel auf meine Stirn. Ich sah in der Halle nichts als strahlendes goldenes Licht. Ich spürte, wie Sie meine beiden Augen mit Ihren Handflächen bedeckte – so wie Sie es getan hatte, als Sie noch im physischen Körper war.
Ich sah die Gründungszeremonie von Auroville am 28. Februar 1968, so wie ich gehört hatte, dass sie damals der Mutter geschildert worden war. Doch nun erkannte ich ihre innere Bedeutung. Ich sah die Mutter über jedem Jugendlichen, der an der Gründungszeremonie teilnahm, mit Ihrem seligen, sanften, höchsten Lächeln. Sie strahlte helles goldenes Licht und Ihre Göttliche Liebe aus. Dies erinnerte mich an Krishnas Ras Lila. Jeder Teilnehmer saß auf einem Löwen, hielt in der einen Hand die Flagge seines Landes und in der anderen die Erde seines Landes und bewegte sich auf die Gründungsurne zu. Der Anblick war prächtig. Die Löwen waren schön und höchst majestätisch, in leuchtend goldener Farbe. Ihre gewaltigen Mähnen reichten fast bis zum Boden. Die ganze Atmosphäre war von einer unsichtbaren Substanz durchdrungen. Dieser Tag, der 28. Februar 1968, war einzigartig in der Weltgeschichte – wie ein altes Sanskritwort sagt: Er hat sich nie zuvor ereignet und wird sich in Zukunft nicht wiederholen!