Kapitel 10
Was ist das Beste für uns?
Worte der Mutter
Die Vorstellung davon, was gut für jemanden sei und was schlecht, ist nicht die gleiche für sein entwickeltes Bewusstsein wie für das göttliche Bewusstsein. Was dir gut und vorteilhaft scheint, ist vom spirituellen Gesichtspunkt aus nicht immer das Beste für dich. Das muss man von Anfang an lernen, dass die göttliche Wahrnehmung dessen, was dich am schnellsten zum Ziel führt, von der deinigen völlig verschieden ist und dass du sie nicht verstehen kannst. Darum muss man sich von Anfang an sagen: „Es ist gut. Ich nehme alles an, begreifen werde ich später.“
So oft sieht man Menschen, die ein verhältnismäßig leichtes Leben hatten, bevor sie zum Yoga kamen, und sobald sie mit dem Yoga beginnen, werden sie von all den Gegebenheiten, an denen sie ganz besonders hängen, mehr oder weniger rücksichtslos abgehängt. Dann beunruhigen sie sich und sind vielleicht nicht freimütig genug, es sich einzugestehen, sie benutzen vielleicht andere Gedanken und andere Worte, aber es läuft auf dieses hinaus: „Wie? Ich bin doch gut, und man ist nicht nett zu mir!“
Darin liegt die ganze menschliche Vorstellung von Gerechtigkeit: „Da versucht man also gut zu werden, und dann stößt einem solches Unglück zu! Alle Dinge, die man gern hatte, verlassen einen, alles, woran man Vergnügen fand, verflüchtigt sich, alle Menschen, die man liebte, lösen sich von einem – es lohnt sich wirklich nicht, weise zu sein und sich angestrengt zu haben.“ Und folgerst du genügend tief, stößt du plötzlich auf den nagenden Wurm: Aus Eigennutz wolltest du also den Yoga, aus Eigennutz wolltest du weise sein. Du dachtest, deine Lage würde sich verbessern und deine Weisheit mit einem Bonbon belohnt werden! Und das trifft nicht ein! Nun, diese Verweigerung ist die beste Lehre, die dir überhaupt erteilt werden kann. Denn solange deine Aspiration ein Begehren verdeckt und solange sich in deinem Herzen ein Handel mit dem Göttlichen verbirgt, werden Dinge geschehen und dir Schläge versetzen, bis du zum wahren Bewusstsein in dir drinnen erwachst, ohne Bedingungen und Feilschen.