Kapitel 1
Was Gleichmut bedeutet – I
Gleichmut bedeutet, in allen Situationen innerlich unbewegt zu bleiben.
Gleichmut bedeutet ein ruhiges und unbewegtes Mental und Vital. Er bedeutet, nicht von Dingen, die geschehen oder gesagt oder dir getan wurden, berührt oder gestört zu sein, sondern sie mit einem ehrlichen, von durch persönliche Gefühle hervorgerufenen Verfälschungen freien Blick anzuschauen. Man muss versuchen, die Hintergründe zu verstehen, warum sie geschehen, was man aus ihnen lernen soll, was es in einem selbst ist, das durch sie angegriffen wird, und welchen inneren Nutzen oder Fortschritt man durch sie erlangen kann. Es ist die Beherrschung der eigenen vitalen Regungen, – Ärger, Empfindlichkeit und Stolz, wie auch Begehren und der Rest. Man darf ihnen nicht erlauben, das emotionale Wesen zu beherrschen und den inneren Frieden zu stören. Man darf nicht unter dem Andrang und Impuls dieser Dinge sprechen und handeln, sondern dies nur aus einer ruhigen inneren Geisteshaltung heraus tun. Es ist nicht leicht, diese Gelassenheit in einem ganz vollkommenen Maß zu besitzen, aber man sollte immer versuchen, sie mehr und mehr zur Basis des eigenen inneren Zustands und des äußeren Handelns zu machen.
Gleichmut bedeutet noch etwas anderes: einen ruhigen Blick zu haben auf die Menschen und ihre Natur, die sie bewegenden Kräfte und ihr Handeln. Es hilft einem, ihre Wahrheit zu erkennen, wenn man seinen Geist von allen persönlichen Gefühlen im Sehen und Urteilen frei macht und die ganze mentale Voreingenommenheit beseitigt. Persönliches Gefühl verzerrt immer und lässt einen im Tun der Menschen nicht nur die Taten selbst sehen, sondern Dinge dahinter, die es meistens nicht gibt. Missverstehen und falsche Beurteilungen, die hätten vermieden werden können, sind das Resultat; unbedeutende Dinge rücken in den Vordergrund. Ich habe gesehen, dass mehr als die Hälfte der bedauerlichen Geschehnisse dieser Art im Leben diese Ursache haben. Aber im normalen Leben sind persönliches Gefühl und Empfindlichkeit ein fester Teil der menschlichen Natur und mögen dort für eine Selbstverteidigung nötig sein, obwohl ich denke, dass sogar hier eine starke, weite und gleichmütige Haltung Menschen und Dingen gegenüber eine viel bessere Art der Verteidigung wäre. Aber für einen Sadhak ist es ein wesentlicher Teil seiner Entwicklung, sie zu überwinden und vielmehr in der ruhigen Stärke des Geistes zu leben.
Yogische Samata bedeutet Gleichmut der Seele, eine Gelassenheit, die auf dem Gespür für das eine Selbst, das eine Göttliche in Allem gründet, – sie sieht den Einen trotz aller Differenzen, verschiedenen Grade und Ungleichheiten.
Gleichmut ist ein Begriff des Bewusstseins, der in unser ganzes Wesen und unsere Natur die ewige Gelassenheit des Unendlichen bringt. Außerdem ist er eine Bedingung für ein sicheres und vollkommenes göttliches Wirken.