Kapitel 1
Die Funktionen der Chakren oder Zentren
Worte Sri Aurobindos
Es gibt sieben Zentren oder Chakren:
1. Der tausendblättrige Lotos über dem Scheitelpunkt des Kopfes;
2. das Ajna Chakra in der Stirn (Wille, Vision, dynamisches Denken);
3. das Hals-Zentrum, das sich ausdrückende Mental (das physische Mental);
4. der Herz-Lotos, das emotionale Zentrum; die Seele befindet sich dahinter;
5. der Nabel, das eigentliche höhere Vital;
6. unterhalb des Nabels, das niedere Vital;
7. das Muladhara, das Physische.
Diese Zentren befinden sich in der Mitte des Körpers und man ordnet sie der Wirbelsäule entlang an; in Wirklichkeit jedoch befinden sich all diese Dinge im feinstofflichen Körper, suksma deha, obwohl man, sobald das Bewusstsein erwacht ist, das Gefühl hat, als würden sie im physischen Körper wirken.
Worte Sri Aurobindos
In unserem Yoga hat jedes der Zentren einen bestimmten psychologischen Zweck und eine allgemeine Aufgabe, die all seinen speziellen Eigenschaften und Wirkungsweisen zugrunde liegen. Das muladhara regiert das Physische bis hinunter ins Unterbewusste; das Körper-Zentrum – svadhistana – beherrscht das niedere Vital; das Nabel-Zentrum – nabhipakma oder manipura – beherrscht das größere Vital; das Herz-Zentrum – hrtpadma oder anahata – regiert das emotionale Wesen; das Hals-Zentrum – visuddha – regiert das sich ausdrückende und gestaltende Mental; das Zentrum zwischen den Augenbrauen – ajnacakra – beherrscht das dynamische Mental und den dynamischen Willen, die innere Schau, die mentale Gestaltung; der tausendblättrige Lotos darüber – sahasradala – befiehlt dem höheren, denkenden Mental und öffnet sich zuoberst der Intuition, wodurch das Obermental mit den übrigen Zentren Verbindung oder unmittelbaren Kontakt aufnehmen kann – wenn dies nicht in einer alles überflutenden Unmittelbarkeit geschieht.1
Worte Sri Aurobindos
Ich habe nie von zwei Lotossen im Herz-Zentrum gehört; doch ist es der Sitz von zwei Mächten, im Vordergrund das höhere Vital oder emotionale Wesen, dahinter und verborgen die Seele oder das seelische Wesen.
Die Farben der Lotosse und die Anzahl der Blätter sind im einzelnen von unten nach oben: 1) das muladhara oder physische Bewusstseins-Zentrum, vier Blätter, rot; 2) das Leib-Zentrum, sechs Blätter, tief-purpurrot; 3) das Nabel-Zentrum, zehn Blätter, violett; 4) das Herz-Zentrum, zwölf Blätter, gold-rot; 5) das Hals-Zentrum, sechzehn Blätter, grau; 6) das Stirn-Zentrum zwischen den Augenbrauen, zwei Blätter, weiß; 7) der tausendblättrige Lotos über dem Kopf, blau mit goldenem Licht umgeben. Ihre Funktionen in unserem Yoga sind die folgenden: 1) dem physischen Bewusstsein und dem Unterbewussten zu gebieten; 2) den kleinen vitalen Regungen zu gebieten, den kleinen Begierden, Lüsten und Begehren, den kleinen Regungen der Sinne; 3) den größeren Lebenskräften zu gebieten, den Leidenschaften und größeren Wunsch-Regungen; 4) dem höheren emotionalen Wesen zu gebieten mit der Seele tief dahinter; 5) dem Ausdruck und der ganzen Formgebung der höheren, denkenden Mentalregungen und der mentalen Kräfte zu gebieten; 6) dem Denken, dem Willen, der inneren Schau zu gebieten; 7) dem höheren denkenden Mental, dem erleuchteten Mental und der Öffnung zur Intuition und zum Obermental zu gebieten. Die siebente wird zuweilen, das heißt von manchen mit dem Gehirn identifiziert, doch ist dies ein Irrtum; das Gehirn ist nichts als ein Verbindungskanal zwischen dem tausendblättrigen Lotos und dem Stirn-Zentrum. Ersterer wird manchmal das Zentrum der Leere genannt, sunya, entweder weil er sich nicht im Körper befindet, sondern in der scheinbaren Leere darüber, oder weil man, sobald man sich über den Kopf erhebt, zuerst in die Stille des Selbstes oder des spirituellen Wesens eintritt.
Worte Sri Aurobindos
Es gibt ein Zentrum unterhalb des Nabels (niederes Vital), ein weiteres am Nabel (zentrales Vital), ein weiteres in der Brust (emotionales Vital, Herzzentrum), ein weiteres in der Kehle (physisches Mental), ein weiteres über dem Kopf (höheres Bewusstsein); daneben gibt es das Zentrum in der Stirn (Mental, Wille, Schau) und eines am unteren Ende der Wirbelsäule (Muladhara, physisches Zentrum). Das Wirken in jedem Zentrum richtet sich nach der Natur des Zentrums.
1 In einem Entwurf dieses Briefes schrieb Sri Aurobindo im ersten Absatz: „Ich habe oft über die Zentren geschrieben – aber ohne die Sanskrit-Namen zu verwenden, die nur für Hindus verständlich sind. Sie sind dieselben, aber unsere Interpretation und Anwendung ist nicht ganz identisch. Wir beziehen sie auf die psychologischen Stufen oder Ebenen.“ – Ed.