Kapitel 1

Der Wert von Visionen

Vision, Erfahrung und Verwirklichung

Wenn du Licht siehst, dann ist es eine Vision; wenn du fühlst, dass Licht in dich eintritt, ist es eine Erfahrung; wenn Licht sich in dir festigt und Erleuchtung und Wissen bringt, ist es eine Verwirklichung. Im Allgemeinen aber werden auch Visionen Erfahrungen genannt.

Manchmal wird eine Erfahrung von einer Vision begleitet und ist gleichsam ihre visuelle Wiedergabe oder Begleiterscheinung, die Erfahrung selbst jedoch ist eine Sache für sich.

Vision ist etwas, das im bewussten Zustand gesehen wird (ob mit geschlossenen oder offenen Augen) und das nicht der physischen Ebene angehört. Im „bewussten Zustand“ schließe ich das Bewusstsein von Samadhi ein, wenn man sich der äußeren Dinge nicht bewusst ist, aber der Dinge, die im Inneren vor sich gehen.

Erfahrung ist ein weit gefasster Begriff, der fast alles umfasst, was sich im inneren Bewusstsein abspielt – in der Regel bezeichnet er entweder ein spirituelles Geschehen, z.B. das Herabsteigen des Friedens, das Gefühl der Gegenwart der Mutter, oder eine okkulte Erfahrung, z.B. ein Hinübergehen in die anderen Welten im Traum und das Sehen und Tun von Dingen dort. Es gibt Tausende von verschiedenen Arten von Erfahrungen. Visionen sind eine besondere Art von Erfahrung, bei der das innere Auge aktiv ist.

Visionen kommen nicht von der spirituellen Ebene – sie kommen vom feinstofflichen Physischen, vom Vital, vom Mental, von der Seele oder den Ebenen über dem Mental. Was von der spirituellen Ebene kommt, sind Erfahrungen des Göttlichen, zum Beispiel des Selbstes allenthalben, des Göttlichen in allen, und so weiter.

Der Unendliche ist in allen Dingen und kann durch sie hindurch gesehen werden, wenn sich die Vision öffnet.

Wenn sich jemand tief nach innen wendet, kann er Visionen haben, ein anderer kann ein tieferes Bewusstsein erlangen und keine Visionen sehen und so weiter. Das Ergebnis ist verschieden, wie die menschliche Natur.

Ja, das höhere Bewusstsein kann auf die Mental-Ebene herabkommen und Frieden bringen, Weite, das kosmische Bewusstsein sowie die Verwirklichung des Göttlichen, den Sinn für die kosmischen Kräfte und andere Dinge, ohne dass irgendein Aufreißen des Schleiers durch die innere Schau stattfindet. Bei den meisten Menschen aber kommt im Allgemeinen die innere Schau zuerst.

Ich sprach von der Verwirklichung des Göttlichen im Mental. Wenn die volle Verwirklichung stattfinden soll, ist das Zerreißen des Schleiers unerlässlich.

Im Allgemeinen gehen Visionen den Verwirklichungen voran, in gewisser Weise bereiten sie sie vor.

Visionen und Stimmen haben ihren Platz, wenn es echte Visionen und wahre Stimmen sind. Selbstverständlich sind sie keine Verwirklichungen, sondern nur Schritte auf dem Weg, und man darf sich von ihnen nicht einschließen lassen oder alle als wertvoll betrachten.

Die Vision höherer Ebenen oder die Vorstellung von dem, was sie darstellen, kann man lange vor der Umwandlung haben. Wenn das nicht möglich wäre, wie sollte die Umwandlung stattfinden – die niedere Natur kann sich nicht selbst wandeln, sie wandelt sich durch die wachsende Schau, die Wahrnehmung, die Herabkunft des höheren Bewusstseins, das den höheren Ebenen angehört. Durch Aspiration, durch ein zunehmendes Sich-Öffnen können diese Visionen und Wahrnehmungen zu kommen beginnen – die Verwirklichung kommt später.

Die Wahrnehmung überphysischer Dinge

Nein, es war weder optische Illusion noch Halluzination, weder Zufall noch Autosuggestion, noch sonst einer der schwerfälligen und inhaltslosen vielsilbigen Begriffe, mit deren Hilfe die Naturwissenschaft das wissenschaftlich Unerklärbare wegzuerklären versucht oder, besser gesagt, eine Erklärung umgeht. In diesen Dingen tut der Naturwissenschaftler stets das, wofür er den Nichtfachmann tadelt, wenn letzterer ohne Untersuchung, Experiment oder gesichertes Wissen das Gesetz von Dingen festlegt, über die er sich zutiefst in Unwissenheit befindet, einfach indem er eine Theorie oder a priori-Idee seines eigenen Mentals entwickelt und sie als Etikett auf die unerklärte Sache klebt.

Es gibt, wie ich dir sagte, einen ganzen Bereich oder viele unerschöpfliche Bereiche von Sinnen-Phänomenen, die sich von den äußeren physischen unterscheiden und deren man sich bewusst werden, die man sehen, hören, fühlen, riechen, berühren und „geistig kontakten“ kann – um den neu eingeführten Amerikanismus zu gebrauchen –, sei es in der Trance oder im Schlaf oder in einem inneren, fälschlicherweise als Schlaf bezeichneten Zustand oder einfach und leicht im Wachzustand. Diese Fähigkeit, überphysische Dinge innerlich zu fühlen oder sie sozusagen nach außen zu übertragen, damit sie für das äußere Auge und Ohr, sogar die äußere Berührung sichtbar, hörbar und fühlbar werden, genauso wie grobe physische Objekte – diese Veranlagung oder Gabe ist keine Grille oder Abnormität; es ist eine universale Veranlagung, die in allen menschlichen Wesen vorhanden ist, in den meisten jedoch latent, in einigen nur selten oder mit Unterbrechungen wirksam, in anderen wie durch Zufall vorkommend, aber nur in wenigen häufig oder normal wirksam. Doch so wie jeder mit einiger Übung die Naturwissenschaft erlernen und Dinge tun kann, die seinen Vorvätern wie Wunder erschienen wären, ebenso kann beinahe jeder, wenn er will, mit ein wenig Konzentration und Übung die Veranlagung der überphysischen Schau entwickeln. Wenn man den Yoga beginnt, ist sie oft, wenn auch nicht ausnahmslos – bei manchen ist es schwierig –, eine der ersten Veranlagungen, die aus ihrem latenten Zustand heraustritt und sich offenbart, meist ohne jede Bemühung, Absicht oder vorherige Kenntnis von seiten des Sadhaks. Sie kommt leichter bei geschlossenen als bei geöffneten Augen, kann aber auf beide Arten kommen. Das erste Anzeichen ihres Sich-Öffnens in der äußerlichen Form besteht oft darin, dass man Funken oder kleine leuchtende Punkte, Formen usw. sieht, was auch deine erste Berührung mit der Sache war; ein zweites ist, recht häufig und völlig mühelos runde, leuchtende Objekte zu sehen, die einem Stern gleichen; Farben zu sehen, ist eine dritte anfängliche Erfahrung, die aber nicht immer in dieser Reihenfolge stattfinden. Die indischen Yogis wenden zur Entwicklung dieser Fähigkeit sehr oft die Methode des tratak an, das heißt, die innere Schau auf einen einzelnen Punkt oder ein Objekt zu konzentrieren, vorzugsweise ein leuchtendes Objekt. Dein Betrachten eines Sterns war genaugenommen eine Übung in tratak und hatte die Auswirkung, die jeder indische Yogi dir als normal beschrieben hätte. Denn all dies ist keine Einbildung oder Täuschung, sondern Teil einer okkulten Wissenschaft, wie sie in historischen und prähistorischen Zeitaltern in allen Ländern praktiziert wurde; es war immer bekannt, dass sie in ihren Ergebnissen nicht etwa autosuggestiv oder halluzinatorisch ist, sondern nachweisbar und glaubwürdig, wenn man den Schlüssel zu finden vermag. Dein Skeptizismus mag für einen „modernen“ Menschen, der sich in diese Dinge der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vertieft, natürlich sein, er ist aber nicht gerechtfertigt, da er ganz offensichtlich den beobachteten Tatsachen nicht angemessen ist; wenn du aber einmal die innere Schau hattest, solltest du dich als erstes von dieser völlig schalen Pseudo-Wissenschaft freimachen, diesem nutzlosen Versuch, überphysische Dinge mit physikalischen Erklärungen zu versehen, und den einzig vernünftigen Weg einschlagen. Entwickle die Macht, sammle mehr und mehr Erfahrung, entwickle das Bewusstsein, durch das diese Dinge kommen; in dem Maß, wie sich das Bewusstsein entwickelt, wirst du zu verstehen beginnen und intuitiv die Bedeutung begreifen. Wenn du dich aber auch wissenschaftlich damit befassen willst, dann lerne und wende die okkulte Wissenschaft an, die sich allein mit überphysischen Phänomenen auseinandersetzen kann. Was sich dir zeigte, waren nicht bloß merkwürdige Phänomene, nicht nur ein symbolischer Ausdruck, sondern Dinge, die von beträchtlicher Wichtigkeit sind.

Entwickle diese Veranlagung des inneren Sinns und alles, was sie mit sich bringt. Diese ersten Visionen berühren nur einen Grenzbereich – dahinter liegen ganze Welten der Erfahrung, die das ausfüllen, was dem durchschnittlichen Menschen der Zwischenraum (die innere Leere deines Russell) zwischen dem Erdbewusstsein und dem Ewigen und Unendlichen zu sein scheint.

Die Bedeutung von Visionen

Alle Visionen haben eine Bedeutung der einen oder anderen Art. Diese Fähigkeit der inneren Schau ist für den Yoga sehr wichtig und sollte nicht zurückgewiesen werden, wenngleich sie nicht das Wichtigste ist – denn das Wichtigste ist die Wandlung des Bewusstseins. Alle anderen Fähigkeiten, wie die der inneren Schau, sollten ohne Verhaftetsein als zum Yoga gehörig und für ihn förderlich entwickelt werden.

Die einzelnen Dinge, die man sieht, mögen unwichtig sein, aber die Kraft des Sehens ist von Bedeutung und kann eine große Hilfe im Yoga sein. Sie ermöglicht es, Dinge zu sehen, die zu anderen Ebenen gehören (andere als die physische) und Wissen zu erlangen, das für Sadhana nützlich ist - auch um konkreten Kontakt mit der Mutter in diesen Ebenen (mentale, vitale, seelische Welten) usw. zu haben.

Visionen kommen von allen Ebenen, sind von aller Art und haben unterschiedlichen Wert. Manche sind sehr wertvoll und wichtig, andere sind ein Spiel des Mentals oder Vitals und taugen nur für ihren eigenen bestimmen Zweck, wiederum andere sind Gestaltungen des Mentals und der vitalen Ebene, von denen einige eine Wahrheit enthalten können, während andere falsch und irreführend sind, oder aber etwas Künstliches dieser Ebene darstellen. Sie können von beträchtlicher Wichtigkeit in der Entwicklung des anfänglichen yogischen Bewusstseins sein, jener [Entwicklung] des inneren Mentals, des inneren Vitals, des inneren Physischen, oder auch für ein okkultes Verstehen des Universums. Wirkliche Visionen – ich meine solche, die uns innere Wirklichkeiten aufzeigen – können den spirituellen Fortschritt fördern: man kann zum Beispiel Krishna treffen, mit ihm sprechen und seine Stimme in einer inneren „wirklichen“ Vision hören, die durchaus genauso wirklich ist wie irgend etwas der äußeren Ebene. Nur sein Bild zu sehen, ist nicht das gleiche, genauso wenig wie es das gleiche ist, sein Bild an der Wand zu betrachten und ihn in persona zu treffen. Aber das Bild an der Wand braucht für das spirituelle Leben nicht nutzlos zu sein. Alles, was man dazu sagen kann ist, sich nicht zu sehr an diese Gabe und was sie uns vermittelt zu klammem; es ist aber ebensowenig notwendig, sie herabzusetzen. Sie hat ihren Wert und manchmal einen beträchtlichen spirituellen Nutzen. Aber natürlich ist sie nicht das Höchste – das Höchste ist die Verwirklichung, die Fühlungnahme, die Einung mit dem Göttlichen, bhakti, die Wandlung der Wesensart usw..

Visionen und Erfahrungen (besonders Erfahrungen) sind schon recht; du kannst aber nicht erwarten, dass sich jede Vision in eine entsprechende physische Tatsache umsetzt. Einige tun es, die Mehrzahl tut es nicht, andere gehören gänzlich dem überphysischen an und weisen auf Wirklichkeiten, Möglichkeiten oder Neigungen hin, die von dorther stammen. Inwieweit diese das Leben beeinflussen oder sich in ihm verwirklichen werden oder ob sie es überhaupt tun, hängt von der Art der Vision ab, von der Macht in ihr, manchmal auch von dem Willen oder der gestaltenden Fähigkeit des Schauenden.

Die Menschen halten Visionen für die eine wichtige Sache, da sie ein Schlüssel sind (es gibt andere), um mit anderen Welten, inneren Welten und allem, was es dort gibt, Kontakt aufzunehmen; diese Welten sind Bereiche von ungeheurer Fülle, die jene der gegenwärtigen physischen Ebene weit überschreitet. Man tritt in ein größeres, freieres Selbst und eine größere, plastischere Welt ein; natürlich vermitteln individuelle Visionen nur einen Kontakt und nicht einen wirklichen Eintritt; die Fähigkeit der Vision aber, begleitet von der Fähigkeit anderer feinstofflicher Sinne (Hören, Berührung, usw.), verschafft in dem Maße, wie sie sich entfaltet, tatsächlich diesen Eintritt. Diese Dinge haben nicht die Wirkung einer bloßen Fantasie (wie die eines Dichters oder Künstlers, obwohl auch diese durchaus stark sein kann), sondern bringen, wenn man sie voll auswertet, ein beständiges Wachsen des Wesens und Bewusstseins sowie seiner Fülle der Erfahrung und seines Gesichtskreises mit sich.

Die Menschen schätzen die Fähigkeit der inneren Schau auch aus einem wichtigeren Grund als diesem: sie kann eine erste Fühlungnahme mit dem Göttlichen in seinen Formen und Mächten verschaffen; sie kann der Beginn einer Gemeinschaft mit dem Göttlichen sein, eines Wahrnehmens jener Stimme, die lenkt, der Göttlichen Gegenwart und des Bildnisses im Herzen und von vielen anderen Dingen, die das herbeiführen, was der Mensch über die Religion oder den Yoga zu erreichen sucht.

Weiterhin ist die innere Schau deshalb von Wert, weil sie oft ein erster Schlüssel zu den inneren Ebenen des eigenen Wesens und eigenen Bewusstseins ist, zum Unterschied von den Welten oder Ebenen des kosmischen Bewusstseins. Yoga-Erfahrung beginnt häufig mit einer Art öffnen des dritten Auges in der Stirn (das Zentrum der inneren Schau zwischen den Brauen) oder damit, dass das feinstoffliche Sehen sich auftut und erweitert, was zunächst unwichtig erscheinen mag, aber der Vorhof zur tieferen Erfahrung ist. Und selbst wenn es nicht so ist – denn man kann auf direktem Weg zur Erfahrung gelangen – kann es später zur machtvollen Unterstützung der Erfahrung werden; es kann voller Hinweise sein, die zur Selbsterkenntnis verhelfen oder zur Kenntnis von Dingen oder Menschen; es kann mit der Wirklichkeit übereinstimmen und zu einer Vorahnung, Vorwarnung und anderen Möglichkeiten von geringerer Bedeutung führen, die aber für einen Yogi durchaus nützlich sind.

Kurz gesagt, die innere Schau ist ein großes Instrument, aber nicht absolut unerlässlich.

Wie ich jedoch bereits andeutete, ist Vision und Vision nicht das gleiche, genauso wie Träume und Träume nicht das gleiche sind, und man muss Unterscheidungsvermögen entwickeln, ein Gefühl für Werte und Dinge, und wissen, wie man von diesen Mächten Gebrauch machen kann. Das aber ist eine zu große und verwickelte Sache, um hier behandelt zu werden.

Seine Visionen zwischen den Augenbrauen sind keine Einbildungen – das könnte nur der Fall sein, wenn er sich diese zuerst ausdenken würde und seine Gedanken Form annähmen; da sie aber unabhängig von seinen Gedanken kamen, sind sie keine visuelle Einbildung, sondern Vision. Diese Veranlagung ist im Yoga nützlich, und man kann ihre Entwicklung zulassen; sie sollte nicht verhindert werden. Ich weiß nicht, was er damit meint, dass die Visionen kein sraddha enthalten. Was er jetzt sieht, sind vermutlich nur Bilder von feinstofflichen (suksma) Szenen und Gegenständen; dies aber kann, wenn es entwickelt wird, eine Fähigkeit der symbolischen, bildlichen oder wirklichen Vision werden, die die Wahrheit der Dinge oder Wirklichkeiten dieser oder anderer Welten oder Darstellungen der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft aufzeigt.

Wenn sich die Konzentration auf natürliche Weise in das Zentrum zwischen den Augenbrauen verlagert, dem Zentrum des inneren Mentals und seines Denkens, Willens und seiner Schau, schadet das nichts.

Diese Lichter und Visionen sind keine Halluzinationen. Sie zeigen an, dass sich die innere Schau öffnet, deren Zentrum sich in der Stirn zwischen den Brauen befindet. Lichter sind sehr oft das erste, was man sieht. Lichter zeigen die Tätigkeit oder Bewegung von feinstofflichen Kräften an, die den verschiedenen Seins-Ebenen angehören – wobei die Art der Kraft von der Farbe und Schattierung des Lichtes abhängt. Die Sonne ist das Symbol und die Macht der inneren oder höheren Wahrheit; sie in der Meditation zu sehen, ist ein gutes Zeichen. Das Meer ist ebenfalls oft symbolisch und zeigt meist die vitale Natur an, manchmal die Bewusstseins-Ausweitung in ihrer Bewegung. Man muss der Entwicklung der sich öffnenden inneren Schau stattgeben, allzu viel Wichtigkeit aber braucht individuellen Visionen nicht beigemessen zu werden, solange oder bevor sie nicht ganz offensichtlich symbolisch oder bedeutsam geworden sind oder bestimmte Dinge in der Sadhana erhellen.

Was sich in dir entwickelt hat, ist eine Fähigkeit der wahren inneren Schau – sie wird dir helfen, die Fühlung mit dem Göttlichen aufzunehmen; du musst diese Entwicklung nur zulassen. Zwei weitere Dinge müssen sich entfalten – das Gefühl, dass die Göttliche Gegenwart, Macht und Inspiration hinter deinem Tun stehen, sowie der innere Kontakt mit mir und der Mutter. Strebe mit Glauben und Aufrichtigkeit, dann wird es kommen. Weitere genaue Anweisungen möchte ich erst dann erteilen, wenn ich sehe, was während deines Aufenthaltes hier in dir geschieht; denn obwohl der Pfad allen gemeinsam ist, so hat doch jeder Mensch seine eigene Art, ihm zu folgen.

Die häufige Vision von Lichtern, die er in seinem Brief beschreibt, ist meist ein Zeichen dafür, dass der Betreffende nicht durch sein äußeres Oberflächen- oder Wach-Bewusstsein begrenzt ist, sondern eine latente Fähigkeit hat (die durch Training und Übung vervollständigt werden kann), in die Erfahrungen des inneren Bewusstseins einzutreten, das von den meisten Menschen nicht wahrgenommen wird, sich aber durch die Ausübung des Yoga öffnet. Durch dieses Sich-Öffnen des Bewusstseins wird man sich der feinstofflichen Ebenen der Erfahrung und der Daseinswelten, die von der stofflichen verschieden sind, bewusst. Für das spirituelle Leben ist ein noch weiteres Sich-Öffnen gegenüber einem innersten Bewusstsein erforderlich, durch das man das Selbst und den Geist gewahrt, das Ewige und Göttliche.

Aus dem, was er schreibt, geht hervor, dass er eine Fähigkeit [für Yoga] hat, und es ist wahrscheinlich, dass er mehr Fortschritte gemacht hätte, wenn er die Tür, die sich öffnete, nicht geschlossen hätte. Die auftretenden Visionen zu unterbrechen, war ein Fehler. Visionen und Halluzinationen sind nicht das gleiche. Die innere Schau ist eine offene Tür auf höheren Ebenen des Bewusstseins jenseits des physischen Mentals, die einer umfassenderen Wahrheit und Erfahrung die Möglichkeit gibt, in das Mental zu gelangen und auf es einzuwirken. Es ist nicht die einzige oder wichtigste Tür, sie ist aber jene, die sich am leichtesten für sehr viele öffnet und eine durchaus machtvolle Hilfe sein kann. Sie [die Vision] kommt nicht so leicht zu den Intellektuellen wie zu Menschen mit starker Lebenskraft oder zu den Gefühlsbetonten oder Fantasievollen. Es ist richtig, dass der Bereich der Vision, wie jedes andere Wirkungsfeld des menschlichen Mentals, eine konfuse Welt ist, und es gibt in ihr nicht nur Wahrheit, sondern auch viel Halb-Wahrheit und Irren. Es ist ebenfalls richtig, dass für die Voreiligen und Unbedachten das Eintreten in sie Verworrenheit, irreführende Inspirationen und falsche Stimmen mit sich bringen kann und dass es gefahrloser ist, sich einer sicheren Führung durch jene anzuvertrauen, die das Wissen und die spirituelle und seelische Erfahrung haben. Man muss dieses Gebiet ruhig und mit Unterscheidungsvermögen betrachten, aber die Tore zu schließen und diese oder andere überphysische Erfahrungen zurückzuweisen, würde bedeuten, sich selbst zu begrenzen und die innere Entwicklung zum Stillstand zu bringen.

Visionen und Stimmen dienen nicht dazu, Glauben zu schaffen; sie sind nur dann wirksam, wenn man bereits Glauben hat.

Visionen sind nicht das Wichtigste

Visionen sind nicht unerlässlich; sie sind eine Hilfe, wenn sie von der rechten Art sind – das ist alles.

Jeder, der die Veranlagung hat, kann die Kraft entwickeln, solche Visionen zu sehen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass dies ein Zeichen von großer Yoga-Shakti ist. Geeignete und wirksame Visionen, solche, die Bewegungen in den okkulten Abläufen der Natur offenbaren oder das spirituelle Wachstum fördern, sind eine andere Sache.

Nun, es ist schwierig zu erklären [welche Art von Visionen dem spirituellen Wachstum dienen]. Ich könnte das Beispiel der Vision des Heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus als Beispiel für eine Vision anführen, die wirklich von Bedeutung war. Du selbst hast das Beispiel von Kurukshetra genannt. Aber nicht alle Visionen müssen so gewaltig sein, auch kleine Visionen können nützlich sein.

Aber die Veranlagung, von der ich sprach, war für visionäre Darstellung, nicht für spirituelles Wachstum. Es gibt Menschen, die hunderte von Visionen sehen können, und solche, die das nicht können. Daraus folgt aber nicht, dass der Nicht-Visionär keine entscheidenden spirituellen Erfahrungen oder die Verwirklichung haben kann.

Die Art von Vision, die du dir wünschst, entsteht nur, wenn sich die allgemeine visuelle Kraft öffnet und entwickelt. Es ist nicht die wunderbarste Form der Erfahrung; viele kommen sehr weit und haben hohe Erfahrungen und Bewusstseinsveränderungen ohne sie. Das Wichtigste ist, die Gegenwart der Mutter bei sich und in sich zu spüren, ihr Licht, ihre wirkende Kraft, ihr Ananda. Die Form kann da sein, wenn sich die Vision entwickelt, aber nur als ein Element der Erfahrung.

Ich habe aus deinem Brief nicht ganz verstanden, von welcher diese Anblicke und Objekte sind, die wie ein Kinofilm an dir vorbeiziehen. Wenn es Dinge sind, die durch die innere Vision gesehen werden, dann gibt es keine Notwendigkeit, sie zu vertreiben – man muss sie nur vorbeiziehen lassen. Wenn man Sadhana macht, erwacht ein inneres Mental, das in uns ist, und sieht durch eine innere Vision Bilder von allen Dingen in dieser Welt und in anderen Welten – diese Kraft des Sehens hat ihren Nutzen, obwohl man nicht an ihr hängen muss; man kann sie mit einem ruhigen Mental vorbeiziehen lassen, ohne sich auf sie zu fixieren oder sie zu vertreiben.

Diese Art von Vision [Wasser, eine Rose, einen Tiger zu sehen] kann fast jeder haben, außer denen, die zu sehr im Verstand leben. Für andere ist diese Fähigkeit des Sehens sehr nahe an der Oberfläche. Viele haben sie auf diese elementare Weise, ohne überhaupt Yoga zu praktizieren.

Die Kraft des okkulten Sehens ist in jedem vorhanden, meist latent, oft nahe der Oberfläche, manchmal, aber viel seltener, schon an der Oberfläche. Wenn man sich im tratak übt, ist es ziemlich sicher, dass sie früher oder später zum Vorschein kommt, – obwohl es einigen schwer fällt und bei ihnen Zeit braucht; diejenigen, bei denen sie sofort zum Vorschein kommt, hatten die ganze Zeit diese Kraft des okkulten Sehens nahe der Oberfläche und sie taucht beim ersten direkten Druck auf.

Kein Grund, Visionen zu fürchten

Solche Visionen von menschlichen Gestalten geschehen oft, wenn das innere Auge geöffnet ist. Das waren offensichtlich zwei Kräfte aus der überphysischen Welt. Man muss ruhig sehen, was auch immer von dieser Art kommt – es gibt keinen Grund, sich davor zu fürchten, genauso wenig wie wenn man ein Bild oder bewegte Figuren im Kino sieht.

Falsche Visionen und Stimmen

Wenn die Sadhana fortschreitet, bekommt man fast immer die Kraft der Vision; was man sieht, ist wahr, wenn man im richtigen Bewusstsein bleibt. Es gibt auch falsche Stimmen und Erfahrungen. Die Menschen, die verrückt geworden sind, wurden verrückt, weil sie egoistisch waren, sich für große Sadhaks hielten und sich und ihren Erfahrungen eine übertriebene Bedeutung beimaßen; dadurch bekamen sie ein falsches Bewusstsein und falsche Stimmen, Visionen und Inspirationen. Sie maßen ihnen so viel Bedeutung bei, dass sie sich weigerten, auf die Mutter zu hören. Schließlich standen sie ihr feindlich gegenüber, weil sie ihnen sagte, dass sie im Irrtum seien und ihre Wahnvorstellungen durchschaute. Deine Visionen und Erfahrungen sind sehr wahr und gut, und ich habe dir erklärt, was sie bedeuten – die Falschen haben versucht zu kommen, aber du hast sie weggeworfen, weil du nicht an ihnen hängst und auf das wahre Ziel der Sadhana fixiert bist. Man darf sich nicht an diese Dinge hängen, sondern muss sie einfach beobachten und weitergehen; dann werden sie zu einer Hilfe und können keine Gefahr sein.

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