Kapitel 8
Äußere und innere Disziplin und Organisation
Worte der Mutter
Ohne äußere und innere Disziplin kann man nichts im Leben erreichen, weder spirituell noch materiell. Alle, die etwas Schönes oder Nützliches erschaffen haben, waren Menschen, die wussten, wie man sich diszipliniert.
Worte der Mutter
Ohne Disziplin ist keine richtige Arbeit möglich.
Ohne Disziplin ist kein geordnetes Leben möglich.
Worte der Mutter
Keine große Schöpfung ist ohne Disziplin möglich – individuelle Disziplin, Gruppen-Disziplin, Disziplin gegenüber dem Göttlichen.
Worte der Mutter
Ordnung und Harmonie müssen in der Arbeit gegeben sein. Selbst die scheinbar unbedeutendste Sache muss mit absoluter Perfektion getan werden, mit einem Sinn für Sauberkeit, Schönheit, Harmonie und Ordnung.
Worte der Mutter
Regelmäßigkeit: unerlässlich für alle ernsthaften Ausführungen.
Worte der Mutter
Der berühmte genuesische Seefahrer Kolumbus stach in See, um die unbekannten Gewässer des Westen zu überqueren.
Ununterbrochen bestand er für Tage und Wochen auf seinen Willen, ein neues Land zu erreichen, trotz des Raunens seiner Gefährten. Trotz Verzögerungen und Schwierigkeiten gab er nicht auf, bis er die ersten amerikanischen Inseln erreichte. So entdeckte er die Neue Welt.
Was verlangte er von seinen Gefährten? Er verlangte einzig und allein Geduld, denn sie hatten sich einfach nur auf ihn zu verlassen und sich von ihm ruhig führen zu lassen. Was aber benötigte er, um sein Ziel zu erreichen? Er brauchte unerschöpfliche Energie und einen unermüdlichen Willen, das, was wir Beharrlichkeit nennen.
Worte der Mutter
Die essentiellen Voraussetzungen für eine richtig funktionierende Organisation sind eine klare und präzise Schau von dem, was zu tun ist, und ein beständiger, ruhiger und fester Wille, es durchzuführen. Und als allgemeine Regel gilt: Verlange niemals die Tugenden von anderen, die du selbst nicht besitzt.
Worte der Mutter
Konzept: essentiell für alle Organisatoren. Die Durchführung einer Organisation hängt von der Qualität des Konzepts ab.
Worte der Mutter
Keine Institution vermag ohne Fortschritt zu leben.
Der wahre Fortschritt ist, dem Göttlichen immer näher zu kommen.
Jedes Jahr, das vorübergeht, muss durch einen neuen Fortschritt auf die Vollkommenheit hin gekennzeichnet sein.
Worte Sri Aurobindos
Systematisieren müssen wir zwar, aber sogar beim Erschaffen und Festhalten des Systems sollten wir nie die Wahrheit aus den Augen verlieren, dass alle Systeme ihrer Natur nach vergänglich und unvollständig sind.
Kapitel 9
Menschliche Beziehungen
Worte der Mutter
Du solltest jene, die zum Erwerb ihres Lebensunterhalts von dir abhängig sind, sehr respektvoll behandeln. Wenn du sie schlecht behandelst, empfinden sie das sehr stark, können dir das aber nicht von Angesicht zu Angesicht sagen, aus Angst, ihren Job zu verlieren.
Es mag da eine Würde im rauen Umgang mit deinen Vorgesetzten geben, aber bei jenen, die von dir abhängig sind, besteht die wahre Würde darin, sehr freundlich zu sein.
Worte Sri Aurobindos
Die Disziplinierung der Arbeitenden muss in der richtigen Einstellung durchgeführt werden, und die Arbeitenden müssen fühlen können, dass dem so ist, das heißt, dass sie mit aller Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit behandelt werden von einem Menschen, der Freundlichkeit und Einsehen besitzt und nicht nur Strenge und Tatkraft. Es ist eine Frage des vitalen Taktes: Ein starkes und großes Vital findet immer die rechte Weise, mit anderen umzugehen.
Worte Sri Aurobindos
Wer Scheitern und Unvollkommenheit verdammt, verdammt Gott. Er beschränkt seine eigene Seele und betrügt seine eigene Schau. Verdamme nicht, sondern beobachte die Natur, hilf deinen Brüdern, heile sie und stärke durch Mitgefühl ihre Fähigkeiten und ihren Mut.
Worte der Mutter
Ich hatte nie das Gefühl zu vergeben. Liebe vergibt nicht, sie versteht und heilt.
Worte Sri Aurobindos
Prüfe dich mitleidlos, dann wirst du anderen gegenüber nachsichtiger und mitfühlender sein.
Worte Sri Aurobindos
Hilf den Menschen, aber beraube sie nicht der eigenen Energie. Führe und lehre sie, aber sieh zu, dass ihre Initiative und Originalität nichts einbüße. Nimm andere in dich auf, aber gib ihnen dafür die volle Göttlichkeit ihrer Natur. Wer das vermag, ist der Führende und der Guru.
Worte der Mutter
Das ganze Problem rührt von der Tatsache her, dass du dich solange nicht mit jemandem in Einklang bringen kannst, bis er mit deinen Ideen übereinstimmt und seine Meinung und Vorgehensweise den deinigen entspricht.
Du musst dein Bewusstsein weiten und begreifen, dass jeder seinem eigenen Gesetz folgt. Es ist notwendig, die Basis der Verständigung und Harmonie in einer zufriedenen Kombination individueller Willenstendenzen zu finden und nicht zu versuchen, dass alles im Willen wie im Wirken identisch sein muss.
Worte Sri Aurobindos
Die Gewohnheit des Kritisierens – meist ein unkundiges Kritisieren von anderen –, vermischt mit allen möglichen Einbildungen, Rückschlüssen, Übertreibungen, falschen Auslegungen, sogar groben Erfindungen, ist eine der universalen Krankheiten des Ashrams. Es ist eine Krankheit des Vitals, unterstützt vom physischen Mental, das sich zum Handlanger des Vergnügens an dem seichten und schädlichen Treiben des Vitals macht. Wenn die innere Erfahrung eine wahrhaft umwandelnde Auswirkung auf das äußere Leben haben soll, ist es absolut notwendig, das Sprechen zu kontrollieren sowie diese Krankheit und die Gelüste des Vitals zurückzuweisen.
Kapitel 10
Die richtige Einstellung
Worte der Mutter
Ich habe zahllose Beispiele der Kraft der richtigen Einstellung gesehen. Ich habe gesehen, wie ganze Menschenmengen durch einen Einzigen, der die richtige Einstellung bewahrte, vor der Katastrophe gerettet wurden. Doch soll diese richtige Einstellung nicht nur irgendwo hoch oben sein, während der Körper seinen gewohnten Reaktionen überlassen wird. Wenn du auf diese Art oben bleibst und sagst: „Gottes Wille geschehe“, kannst du gleichwohl getötet werden. Denn dein Körper mag recht ungöttlich sein und vor Angst zittern. Es gilt, das wahre Bewusstsein bis in den Körper hinein zu halten und nicht die geringste Angst zu haben, sondern voll göttlichen Friedens zu sein.
Worte der Mutter
Alles hängt von der Haltung des Einzelnen ab und der Aufrichtigkeit seines Vorgehens.
Worte der Mutter
Was immer man auch tut, es wird etwas Nützliches, wenn man einen Funken wahren Bewusstseins hineinlegt.
Das eigene Bewusstsein ist weitaus wichtiger als die Tat, die man ausführt. Und selbst die scheinbar unsinnigste Arbeit kann zu etwas sehr Produktivem werden, wenn sie im wahren Bewusstsein ausgeführt wird.
Worte der Mutter
Du trägst mit dir, um dich herum, in dir die Atmosphäre, die du durch deine Handlungen erzeugst, und wenn das, was du tust, schön, gut und harmonisch ist, dann ist deine Atmosphäre gut, schön und harmonisch. Lebst du andererseits in schäbiger Selbstsucht, skrupelloser Eigennützigkeit, rücksichtslosem, bösen Willen, dann ist es das, was du in jedem Augenblick deines Lebens atmen wirst, und das bedeutet Elend, beständiges Unbehagen. Es bedeutet Hässlichkeit, die an sich selbst verzweifelt.
Worte Sri Aurobindos
Mut und Liebe sind die einzigen unentbehrlichen Tugenden. Auch wenn alle anderen verdunkelt oder dabei sind einzuschlafen, werden diese beiden die Seele am Leben erhalten.
Worte Sri Aurobindos
Eine edle Gesinnung und Großzügigkeit sind der Seele ätherisches Firmament. Ohne sie betrachtet man ein Insekt in einem Kerker.
Worte Sri Aurobindos
Liebe die Menschen und diene ihnen, aber hüte dich davor, ihren Beifall zu suchen. Besser gehorche Gott in dir.
Worte der Mutter
Toleranz ist voll von einem Gefühl der Überlegenheit. Sie sollte durch ein tiefes Verständnis ersetzt werden.
Worte der Mutter
Demütig zu sein bedeutet für das Mental, das Vital und den Körper, niemals zu vergessen, dass sie ohne das Göttliche nichts wissen, nichts sind und nichts zu tun vermögen. Ohne das Göttliche sind sie nichts außer Unwissenheit, Chaos und Unfähigkeit. Das Göttliche allein ist Wahrheit, Leben, Macht, Liebe und Glückseligkeit.
Deshalb müssen das Mental, das Vital und das Physische ein für alle Mal lernen und fühlen, das sie gänzlich unfähig sind, das Göttliche zu verstehen und beurteilen zu können, und das nicht nur in seinem eigentlichen Wesen, sondern auch in seinem Wirken und seiner Manifestation.
Das ist die einzig wahre Demut, und mit ihr kommen Ruhe und Frieden.
Das ist ebenso der sicherste Schutz gegen alle feindlichen Angriffe. Tatsächlich ist der Stolz stets die Eingangspforte im menschlichen Wesen, an die der Widersacher klopft, denn es ist diese Tür, die ihm Einlass gewährt.
Worte Sri Aurobindos
Wenn du deinem Ärger Ausdruck verleihst, verlängerst oder verstärkst du die Gewohnheit der Wiederkehr des Ärgers. Weder verminderst du die Gewohnheit, noch befreist du dich von ihr. Der allererste Schritt, die Macht des Ärgers in der Natur zu schwächen und sich dann ganz davon zu befreien, besteht darin, jeden Ausdruck im Handeln oder Sprechen zurückzuweisen. Nachher kann man mit größeren Erfolgsaussichten damit fortfahren, ihn aus dem Denken und Fühlen zu verbannen. Und ebenso ist es mit allen anderen falschen Regungen.
Worte der Mutter
Die Leute merken von der Funktionsweise der Gnade erst dann etwas, wenn eine Gefahr da war, das heißt beim Beginn eines Unfalls oder wenn ein Unfall passierte und sie davonkamen. Da wird es ihnen klar. Aber sie bemerken nie, dass es eine unendlich viel größere Gnade ist, wenn zum Beispiel eine Reise oder sonst etwas ohne Unfall verläuft. Das bedeutet, dass die Harmonie so stabil ist, dass nichts passieren kann. Aber das kommt ihnen ganz selbstverständlich vor. Wenn die Leute krank sind und schnell wieder gesund werden, sind sie voll Dankbarkeit, aber sie denken nie daran, dankbar zu sein, wenn es ihnen gesundheitlich gut geht. Und doch ist das ein viel größeres Wunder!
Worte Sri Aurobindos
Gefeit waren nur jene, die Gott in ihrem Herzen trugen:
Mit Mut als ihre Rüstung, Glaube als ihr Schwert, müssen sie vorwärts schreiten,
Die Hände zum Schlagen bereit, das Auge wach zum Spähen,
Vorwärts werfend einen durchdringenden Speeresblick,
Helden und Soldaten im Heer des Lichtes.
Kapitel 11
Ein starkes Wesen ist immer ruhig
Worte der Mutter
Ein starkes Wesen ist immer ruhig. Es ist Schwäche, die Unruhe verursacht.
Worte der Mutter
Nur die Schwachen sind aufgeregt. Sobald man wirklich stark ist, ist man friedvoll, still, ruhig, und man hat die Widerstandskraft, den feindlichen Wogen zu trotzen, die sich von außen hereinstürzen in der Hoffnung, uns durcheinanderzubringen. Diese wahre Ruhe ist immer ein Zeichen von Stärke. Die Stille gehört den Mächtigen.
Worte Sri Aurobindos
Ich meine mit der Ruhe des Mentals kein völliges Schweigen. Ich meine ein Mental, das frei von Beunruhigung und Sorge ist, das stetig, licht und glücklich ist, damit es sich der Kraft, welche die menschliche Natur verändert, zu öffnen vermag. Das einzig Wichtige ist, sich von der Gewohnheit des Eindringens störender Gedanken und falscher Gefühle frei zu machen, von dem Wirrwarr der Ideen, den unglücklichen Regungen usw. Diese stören die Natur und umwölken sie und erschweren der Kraft das Wirken. Wenn das Mental still und friedvoll ist, kann die Kraft leichter wirken.
Worte Sri Aurobindos
Es ist falsch anzunehmen, dass ein Gedanke oder Wille nur dann eine Auswirkung haben kann, wenn er sich in der Rede oder Tat äußert: Der unausgesprochene Gedanke und der unausgedrückte Wille sind ebenfalls tätige Energien mit eigenen Schwingungen, Auswirkungen oder Reaktionen.
Worte Sri Aurobindos
Schweigen bedeutet Freiheit von den Gedanken und vitalen Regungen – wenn das gesamte Bewusstsein ganz und gar still ist.
Worte Sri Aurobindos
Aus dem Schweigen entsteht der Friede, und in dem Maß, wie der Friede sich vertieft, wird er mehr und mehr zum Schweigen.
In einem mehr äußeren Sinn wird das Wort Schweigen auf den Zustand angewandt, in dem es keine Gedankenbewegung, kein Gefühl usw. gibt, sondern nur die große Stille des Mentals.
Im Schweigen aber kann eine Tätigkeit stattfinden, genauso ungestört, wie die universale Tätigkeit im kosmischen Schweigen stattfindet.
Worte der Mutter
Im Frieden und in der Stille offenbart sich der Ewige. Lass dich durch nichts aus der Ruhe bringen und der Ewige wird offenbar…
Worte Sri Aurobindo
Die Rastlosigkeit und rasche Erschöpfung unseres tätigen Wesens und seiner Werkzeuge sind das Zeichen der Natur, dass Ruhe unsere wahre Grundlage ist und Aufregung eine Krankheit der Seele. Die Fruchtlosigkeit und Einförmigkeit der bloßen Ruhe ist ihr Hinweis darauf, dass sie auf jener festen Grundlage das Spiel der Tätigkeiten von uns erwartet. Gott spielt immerdar und regt sich nie auf.
Worte Sri Aurobindos
Unsere Natur wirkt auf der Basis von Verwirrung und ruhelosem Zwang zur Aktivität. Das Göttliche dagegen handelt frei aus unergründlicher Stille. Wir müssen uns in diesen Abgrund der Ruhe versenken und in ihm aufgehen, wenn wir die Gewalt der niederen Natur über die Seele zunichte machen wollen.
Kapitel 12
Integraler Glaube und unerschütterliche Geduld
Worte Sri Aurobindos
Jeder Yoga erfordert als erstes Glauben und Geduld. Die brennende Glut des Herzens und die gewaltsamen Bemühungen des übereifrigen Willens, mit denen der Suchende das Himmelreich im Sturm erobern will, können zu schlimmen Reaktionen führen, wenn sie es verschmähen, ihr heftiges Vorgehen von diesen bescheideneren und ruhigeren Hilfskräften unterstützen zu lassen.
Worte der Mutter
Die Leute wissen nicht, wie wichtig Glaube ist, wie wundersam Glaube ist, Schöpfer von Wundern ist. Wenn du in jedem Augenblick erwartest, emporgehoben und zu Gott hingezogen zu werden, wird Gott kommen und dich emporheben, und Er wird da sein, ganz nahe, näher und immer näher.
Worte der Mutter
Durch Beharrlichkeit überwindet man Schwierigkeiten und nicht dadurch, dass man vor ihnen davonläuft. Jemand, der ausdauernd ist, kann sich des Sieges sicher sein. Der Sieg gehört dem Ausdauerndsten. Tue immer dein Bestes, und der Herr kümmert sich um den Rest.
Worte der Mutter
Heldenmut ist, unter allen Umständen für die Wahrheit einzustehen, sie inmitten jeglicher Opposition zu bekunden und wann immer für sie zu kämpfen.
Und immer im höchsten Bewusstsein zu handeln.
Worte der Mutter
Heldenmut ist:
1. Immer das Schönste und Edelste zu tun.
2. Immer vom Gipfel seines Bewusstseins aus zu handeln.