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Kapitel 1

Wahre Demut

Worte der Mutter

Demut ist die Erkenntnis, dass man nichts weiß, überhaupt nichts, und dass es etwas anderes geben kann als das, was uns im Augenblick als das Wahrste, das Edelmütigste und das Selbstloseste erscheint: die wahre Demut, die darin besteht, sich stets auf den Herrn zu beziehen, Ihm alles vorzulegen.

Worte der Mutter

Demütig zu sein bedeutet für das Mental, das Vital und den Körper, niemals zu vergessen, dass sie ohne das Göttliche nichts wissen, nichts sind und nichts zu tun vermögen; ohne das Göttliche sind sie nichts außer Unwissenheit, Chaos und Unfähigkeit. Das Göttliche allein ist Wahrheit, Leben, Macht, Liebe und Glückseligkeit.

Deshalb müssen das Mental, das Vital und das Physische ein für alle Mal lernen und fühlen, das sie gänzlich unfähig sind, das Göttliche zu verstehen und beurteilen zu können, und das nicht nur in seinem eigentlichen Wesen, sondern auch in seinem Wirken und seiner Manifestation.

Das ist die einzig wahre Demut und mit ihr kommen Ruhe und Frieden.

Das ist ebenso der sicherste Schutz gegen alle feindlichen Angriffe. Tatsächlich ist der Stolz stets die Eingangspforte im menschlichen Wesen, an die der Widersacher klopft, denn es ist diese Tür, die ihm Einlass gewährt.

Worte der Mutter

Wahre Demut ist das Wissen um die Existenz des Höchsten Bewusstseins, des Höchsten Willens allein und um die Nichtexistenz des Ich.

Worte der Mutter

…Hochmut und Anmaßung sind immer lächerlich: nur die Dummen und Unwissenden sind hochmütig. Sobald der Mensch erleuchtet genug ist, um mit dem alles durchdringenden Geheimnis des Universums in Berührung zu kommen, wird er notwendigerweise demütig.

Worte der Mutter

Ein echter Gelehrter weiß sehr wohl, dass es weit mehr Dinge gibt, die er nicht weiß, als solche, die er weiß. Und das gilt für alle Zweige menschlicher Betätigung. Ich bin noch nie einem Gelehrten begegnet, der diese Bezeichnung verdiente und der Stolz gewesen wäre. Noch nie bin ich einem bedeutenden Menschen begegnet, der mir gesagt hätte: „Ich weiß alles.“ Die ich gesehen habe, haben mir alle erklärt: „Im Grunde weiß ich nichts.“ Nachdem er von all dem gesprochen, was er getan und erreicht hat, gesteht er in aller Ruhe: „Alles in allem weiß ich so gut wie nichts.“

Worte der Mutter

Demut – bedeutet das, dass man allen gegenüber demütig ist?

Gewiss nicht.…

Demütig muss man gegenüber dem Göttlichen sein, eine absolute und ganzheitliche Demut.

Worte der Mutter

Übertriebene Herabsetzung ist nicht besser als übertriebenes Lob. Wahre Demut besteht darin, sich nicht selbst zu beurteilen und unseren wahren Wert vom Göttlichen bestimmen zu lassen.

Worte der Mutter

Demut ist eine göttliche Regung.

Kapitel 2

Haltung der Verehrung und Demut

Sadhak Mona Sarkars Gespräch mit der Mutter,
von ihm aus dem Gedächtnis aufgezeichnet.

Mutter: Was ist das?

Sadhak: Mutter, das ist eines Deiner Fotos.

Mutter: Ah! Eines meiner Fotos? Möchtest Du, dass ich es signiere?

Sadhak: Ja, Mutter. Aber, Mutter, warum machst Du Pranam auf diesem Foto? Warum? Und für wen?

Mutter: Siehst du nicht, dass ich die Wahrheit begrüße? Das ist die notwendige Haltung. Es ist die Haltung der Verehrung und der Demut. Ich warte geduldig auf den Tag, an dem die Wahrheit der einzige Führer sein wird. Und sie ist so wichtig, diese Haltung. Wenn die Erde will, dass die Göttliche Wahrheit hier in ihrer Gesamtheit begründet wird, dann muss sie diese Haltung einnehmen. Das allein vermag die Erde zu erretten.

In dieser Haltung zu bleiben und nach oben zu streben. Die Erde muss lernen, sich mit dieser Haltung vor der Wahrheit zu verneigen. Das ist sowohl Anbetung als auch Ehrerbietung. Das ist es, was sie lernen muss; es bedeutet viel mehr, es ist etwas Tiefgründiges und Erhabenes.

Kapitel 3

Erste Bedingung für den Empfang der Gnade

Worte der Mutter

Wie akzeptiert man die Gnade mit Dankbarkeit?

Oh! Zunächst muss man das Bedürfnis dafür spüren.

Das ist der wichtigste Punkt. Eine gewisse innere Demut haben, die dir bewusst macht, wie schwach du ohne die Gnade bist, dass du ohne sie wahrhaftig unvollständig und machtlos bist. Das ist zunächst das Erste.

Es ist eine Erfahrung, die man sehr wohl haben kann. Wenn sogar Menschen, die nichts wissen, sich in ganz schwierigen Umständen befinden oder vor einem zu lösenden Problem stehen oder eben gerade vor einem zu überwindenden Trieb oder etwas, das sie durcheinandergebracht hat… und dann merken, dass sie verloren sind und nicht wissen, was sie tun sollen – weder mit ihrem Kopf noch mit ihrem Willen noch mit ihren Empfindungen –, sie wissen nicht, was zu tun ist. Also da geschieht dann etwas im Inneren wie eine Art Ruf, eine Anrufung von etwas, das kann, was man selbst nicht kann. Man sehnt sich nach etwas, das fähig ist zu tun, was man selbst nicht tun kann.

Das ist die erste Voraussetzung. Und wenn dann einem klar wird, dass es nur die Gnade ist, die das machen kann, dass aus dieser Situation, in der du dich befindest, dich nur die Gnade herausziehen kann, dass nur sie dir die Lösung und die Kraft geben kann, um da herauszukommen, da erwacht in dir natürlich eine starke Aspiration, ein Bewusstsein, das sich in einem Offen-Sein ausdrückt. Wenn du rufst, wenn du dich sehnst und auf eine Antwort hoffst, öffnest du dich der Gnade ganz selbstverständlich.

Und danach muss man gut auf Folgendes achten: Die Gnade wird dir antworten, die Gnade zieht dich aus der schwierigen Lage, die Gnade gibt dir eine Lösung zu deinem Problem oder führt dich aus deiner Schwierigkeit. Doch wenn du einmal von dem Problem befreit bist und aus der Schwierigkeit herausgefunden hast, dann vergiss nicht, dass es die Gnade war, die dich befreit hat, und denke nicht, du selbst warst es. Denn das ist tatsächlich der wichtigste Punkt. So wie die Schwierigkeit verschwunden ist, sagen die meisten Menschen: „Schließlich habe ich mich ganz gut aus der Schwierigkeit herausgeholt.“

So ist das. Du verschließt und verriegelst dann die Tür, nicht wahr, und du kannst nicht mehr empfangen. Du brauchst noch einmal eine heftige Angst, eine schreckliche Schwierigkeit, damit diese Art von innerer Dummheit weicht und dir noch einmal klar wird, dass du nichts ausrichten kannst. Denn nur wenn du erkennst, dass du machtlos bist, beginnst du ein klein wenig offen und formbar zu werden. Aber solange du glaubst, dass es bei dem, was du machst, auf deine eigene Geschicklichkeit und deine eigene Fähigkeit ankommt, schließt du wirklich nicht nur eine Tür, sondern du schließt eine Menge Türen, eine nach der anderen, und verriegelst sie. Du schließt dich in eine Festung ein, und nichts kann da eindringen. Das ist der große Nachteil: Man vergisst sehr schnell. Ganz natürlich ist man mit der eigenen Fähigkeit zufrieden.

Aber Mutter, auch wenn man versucht zu denken, dass man machtlos ist, gibt es etwas, das denkt, dass man mächtig ist. Und?

Ah, ja, ah, ja! Ah, es ist sehr schwer, aufrichtig zu sein… Darum häufen sich die Schläge und werden manchmal schrecklich, denn das ist das Einzige, was deine Dummheit bricht. Das ist die Rechtfertigung des Unglücks. Nur wenn man sich in einer akut schmerzhaften Situation befindet und wirklich vor etwas steht, das einen zutiefst berührt, dann schmilzt die Dummheit ein wenig dahin. Aber wie du sagst, selbst wenn etwas schmilzt, bleibt immer etwas im Inneren zurück. Und das ist der Grund, warum es so lange dauert….

Wie viele Schläge braucht es im Leben, bis man bis ins Innerste weiß, dass man nichts ist, dass man nichts tun kann, dass man nicht existiert, dass man nichts ist, dass es keine Wesenheit ohne das göttliche Bewusstsein und die göttliche Gnade gibt. In dem Moment, in dem man das weiß, ist es vorbei, sind alle Schwierigkeiten verschwunden. Wenn man es ganzheitlich weiß und es nichts gibt, was dem entgegensteht… aber bis zu diesem Moment… Und es dauert sehr lange.

Worte der Mutter

Liebe Mutter, Sri Aurobindo sagt uns: „Die Gnade Gottes ist schwerer zu empfangen oder zu bewahren als der Nektar der Unsterblichen.“ (Die Stunde Gottes und andere Schriften, SABCL, Bd. 17, S. 40) Was bedeutet das? Fließt die göttliche Gnade nicht immer auf uns herab, nur abhängig von unserer Aufnahmefähigkeit?

Die Gnade ist immer da, ewig gegenwärtig und aktiv, aber Sri Aurobindo sagt, dass es für uns äußerst schwierig ist, sie zu empfangen, sie zu bewahren und von dem, was sie uns gibt, Gebrauch zu machen.

Sri Aurobindo sagt sogar, dass es schwieriger ist, als aus dem Kelch der Götter zu trinken, die unsterblich sind.

Um die göttliche Gnade zu empfangen, bedarf es nicht nur großer Aspiration, sondern auch aufrichtiger Demut und absoluten Vertrauens.

Kapitel 4

Falsche und richtige Demut

Worte der Mutter

„Es gibt welche, die beim Meditieren in einen Zustand treten, der ihnen sehr bedeutend und köstlich erscheint.“ (Questions and Answers 1929-1931, 21. April 1929)

Was ist das für ein Zustand?

Welcher auch immer – er erscheint ihnen köstlich und bedeutend. Sie haben eine sehr hohe Meinung von sich. Sie halten sich für beachtliche Leute, weil sie still und unbewegt sitzen können, und wenn sie dabei an nichts denken, ist das auch beachtenswert. Doch im Allgemeinen läuft in ihrem Kopf eine Art Kaleidoskop, und sie merken es nicht einmal. Jedenfalls haben jene, die eine Weile ohne zu reden oder zu denken sitzen können, eine hohe Meinung von sich. Nur eben, wenn sie da herausgeholt werden, wenn man an die Tür klopft und ihnen sagt: „Jemand erwartet Sie“, oder: „Madame, das Kind schreit“, dann werden sie wütend und schimpfen: „Meine Meditation ist hin! Alles ist verdorben!“ So etwas habe ich mit eigenen Augen gesehen. Leute, die ihre Meditation sehr wichtig nahmen, ließen sich nicht unterbrechen, ohne furchtbar wütend zu werden… Das zeugt natürlich nicht von großem spirituellen Fortschritt. Sie wetterten gegen alle Welt, weil man sie aus ihrer glückseligen Meditation gerissen hat…

Am meisten graut mir vor den Leuten, die sich für außerordentlich halten, weil sie sich hinsetzen und meditieren. Das ist das Allergefährlichste, denn sie werden so eingebildet und selbstzufrieden, dass sie sich alle Wege des Fortschritts versperren… Eines ist immer gesagt, aber nicht verstanden worden, nämlich wie notwendig Demut ist. Das wird falsch aufgenommen, missverstanden und falsch angewendet. Sei demütig, wenn du es auf die wahre Weise sein kannst, vor allem aber sei es nicht auf die falsche Weise, denn das führt zu gar nichts. Es gibt nur eine Sache: Wenn du den Samen jenes Unkrauts ausmerzen kannst, der Eitelkeit heißt, hast du etwas geleistet. Doch wenn du wüsstest, wie schwer das ist! Du kannst nichts wirklich gut machen, keine gute Idee, keine gute Regung haben, keinen Fortschritt machen, ohne dich innerlich selbstgefällig aufzublasen – dessen du dir selbst gar nicht bewusst bist. Du musst schon mit dem Hammer draufschlagen, damit das zerbricht, und dann bleiben immer noch Stücke übrig. Und diese Stücke fangen dann wieder an zu sprießen. Man hat das ganze Leben damit zu tun: Nie darf man vergessen, fleißig dies Unkraut zu jäten, das immer wieder nachwächst, und zwar derart tückisch, dass du schon glaubst, frei davon zu sein, und du ganz demütig sagst: „Nicht ich habe das getan, ich fühle, es war das Göttliche; ohne das Göttliche bin ich gar nichts.“ – Und gleich darauf bist du so selbstzufrieden, nur weil du das gedacht hast!

Was ist die wahre und was die falsche Weise, demütig zu sein?

Ganz einfach: Wenn man den Leuten sagt: „Seid demütig“, denken sie sofort daran, gegenüber anderen Menschen demütig zu sein, und diese Demut ist nichts wert. Die wahre Demut ist die Demut gegenüber dem Göttlichen, das heißt die präzise, die konkrete Wahrnehmung, dass man ohne das Göttliche nichts ist, nichts kann und nichts versteht, dass selbst außerordentlich intelligent und begabt zu sein nichts ist im Vergleich zum göttlichen Bewusstsein. Und diese Demut muss man immer beibehalten, denn so nimmt man die wahre Haltung der Empfänglichkeit ein, einer demütigen Empfänglichkeit, die dem Göttlichen keinerlei persönlichen Anspruch entgegenstellt.

Worte der Mutter

Manche mögen das Gebet nicht; wenn sie tief in ihr Herz eindringen würden, würden sie feststellen, dass es Hochmut ist, schlimmer noch, Eitelkeit. Und dann gibt es jene, die nicht streben, sie versuchen es und können nicht streben, weil sie nicht die Flamme des Willens haben, weil sie nicht die Flamme der Demut haben.

  1. 5. Selbstlose Bewunderung – ein Aspekt der Demut
  2. 6. Demut allein reicht nicht aus
  3. 7. Zwei Dinge bereiten uns am meisten vor
  4. 8. Antworten der Mutter

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