Kapitel 9

Skeptischer Geist

…der bloß skeptische Geist verliert sich im Nichts.

Im Yoga wie im Leben ist es der Mensch, der angesichts jeder Niederlage, Enttäuschung und aller konfrontierenden, feindlichen und entgegengesetzten Vorkommnisse und Kräfte unermüdlich weitermacht, zum Schluss siegt und seinen Glauben bestätigt findet, weil für die Seele und Shakti im Menschen nichts unmöglich ist. Und sogar ein blinder und unwissender Glaube ist ein besserer Besitz als der skeptische Zweifel, der sich von unseren spirituellen Möglichkeiten abwendet, oder das ständige Nörgeln des engen, dumm-kritischen unkreativen Intellekts, asūyā, das unser Bemühen mit zersetzender Ungewissheit verfolgt. Der Suchende des integralen Yoga muss aber diese beiden Unvollkommenheiten besiegen.

Die Macht, zwischen den Wahrheiten des Göttlichen und den Lügen des Asura zu unterscheiden, ist im Yoga eine grundlegende Notwendigkeit. Die Frage ist, ob dies am besten mit der negativen und destruktiven Methode des Zweifelns getan werden kann, die oft die Falschheit tötet, aber mit dem gleichen Schlag auch die Wahrheit zurückweist, oder ob eine positivere, hilfreiche und leuchtende Such-Kraft gefunden werden kann, die durch ihre innewohnende Unwissenheit nicht gezwungen ist, mit dem Stilett des Zweifels und der Keule der Ablehnung Wahrheit und Falschheit gleichermaßen zu treffen. Eine Wahllosigkeit bei intellektueller Akzeptanz gehört nicht zur Lehre der Spiritualität oder des Yoga; der Glaube, von dem sie spricht, ist keine unausgegorene mentale Beipflichtung, sondern die Treue der Seele zu ihrem leitenden Licht im Innern, eine Treue, die bestehen bleiben muss, bis das Licht sie ins Wissen führt.

Der Weg, Glauben und alle anderen Dinge zu erlangen, besteht darin, sie beharrlich haben zu wollen und sich zu weigern zu erlahmen, zu verzweifeln oder aufzugeben, bis man sie besitzt, – es ist der Weg, auf dem alles erreicht wurde, seit diese schwierige Erde begann, denkende und aufstrebende Wesen zu beherbergen. Man muss sich immer, immer dem Licht öffnen und der Dunkelheit den Rücken kehren. Man muss die Stimmen zurückweisen, die hartnäckig sagen: „Du kannst nicht, du wirst nicht, du bist unfähig, du bist die Marionette eines Traums“, – denn dies sind die Feindstimmen, sie trennen einen mit ihrem schrillen Geschrei vom Ergebnis, das sich abzeichnete, und weisen dann triumphierend als Beweis ihrer These auf die Dürftigkeit des Ergebnisses hin.

Der besondere Charakter unserer Zeit liegt in der Trennung, die zwischen Vernunft und Glauben, dem logischen Geist und dem intuitiven Herzen verkündet wurde. Anfangs war der Krieg zwischen ihnen von schmerzhaften Kämpfen, verstörtem Glauben oder unzufriedenem Skeptizismus begleitet. Aber ihre Trennung hat jetzt übersteigerte Tendenzen hervorgebracht, die das menschliche Leben mit ihrer gegenseitigen Ausschließlichkeit armmachen: auf der einen Seite ein negativer und kritischer Geist, auf der anderen ein phantasiereiches Gefühl, das dem reinen Instinkt widerspricht, und ein auf Träumen basierender Glaube sowie ein steriler Fanatismus des Intellekts.