Kapitel 10

Der standhafte Glaube von Nanaks Schüler

Es wurde gesagt, dass Guru Nanak am Abend vor dem Verlassen seines Körpers gebeten wurde, einen Nachfolger für seinen gadi [wichtige Position] zu benennen. Zu der Zeit wütete ein großer Sturm – der Aufruhr in der Natur ereignete sich gleichzeitig mit dem Hinscheiden eines großen Geistes. Nanak saß inmitten seiner Schüler unter einem Baum. Es war Abend, und als der Guru sah, dass seine Schüler dringend Essen und Trinken benötigten, trug er seinen Söhnen Shrichand und Lakshichand auf, sich um das Essen zu kümmern. Aber die Söhne hatten keine der spirituellen Qualitäten ihres Vaters; sie hielten ihn für nichts anderes als einen Verrückten und waren nicht gewillt, seinen Auftrag ernst zu nehmen; sie machten sich eher lustig über die Idee Nahrung zu besorgen, wenn sich keiner wegen des wilden Regens und Sturms draußen aus dem Haus begeben würde. Nanak wandte sich dann an einen ergebenen Schüler, der einfach nur fragte, wohin er um Nahrung gehen sollte. Ihm wurde gesagt, dass er nur den Baum, unter dem sie saßen, bitten sollte, und dieser würde ihnen alles geben, was sie benötigten. Der Schüler tat wie Nanak ihn geheißen hatte, und, wie die Geschichte berichtet, wurde er mit ausreichend Süßigkeiten belohnt. Nanak ging danach mit seinen Schülern zum Flussufer, und als sie auf dem Weg an einem toten Körper vorbeikamen, befahl er seinen Söhnen von dieser seltsamen Nahrung zu essen. Seine Söhne betrachteten den Befehl als schlüssigen Beweis für den Wahnsinn ihres Vaters, doch der Schüler war bereit bedingungslos zu gehorchen. Er hielt bloß inne um zu fragen, wo er anfangen sollte, am Kopf oder am Fuß. Nanak war mit dem standhaften Glauben seines Schülers vollkommen zufriedengestellt und ernannte ihn statt seiner Söhne zum Nachfolger seines gadi.

Es ist nicht allen gegeben, diesen heroischen spirituellen Glauben zu besitzen, auf dem alle religiösen Lehrer als erste Vorbereitung für jede schwierige Sadhana bestanden haben; aber die ihr zugrunde liegende Lehre wird von jeder Erfahrung gerechtfertigt. Glaube ist die erste Voraussetzung für Erfolg in jedem großen Unterfangen. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Glaube Berge versetzt. Es ist Glaube, der Menschen mit Willen und Denken trotz scheinbar unüberwindlicher Schwierigkeiten weitermachen lässt. Sie beginnen mit großer Zuversicht, dass ein edles Unterfangen erfolgreich sein wird, und sind deshalb von Schwierigkeiten, gleich wie erheblich, nie entmutigt. Glaube ist das vorherrschende Merkmal aller großen Seelen. Die Vision des Glaubens wirkt sich auf die Zukunft aus und lässt das Unmögliche möglich werden.

Der ideale Mensch des Vedanta wird Schmerz genau so bereitwillig wie Vergnügen akzeptieren, Hass, Unrecht, Beleidigung und Ungerechtigkeit so gelassen wie Liebe, Ehre und Freundlichkeit, Tod so mutig wie Leben. Denn in allem wird er den mächtigen Willen erkennen, der das Universum regiert … Er wird weder von der Bedrohung durch Unglück oder den Schlägen, die ihm Menschen oder Natur zufügen, nicht einmal durch seine eigenen Sünden und Verfehlungen in Schrecken versetzt werden, sondern in bedingungslosem Glauben, dass der Höchste Wille seine Schritte richtig lenkt, und dass sogar seine Fehltritte für das Erreichen des Ziels notwendig sind, unbeirrt voranschreiten. Wenn sein Yoga vollkommen ist, werden auch sein Glaube und seine Ergebung völlig ruhig und stark sein…. Aber der Glaube und die Ergebung des Karmayogin werden keine passive und schwache Unterwerfung sein. Wenn er in seinem Leiden und Sturz Gott sieht, wird er auch in seinem Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Böses Gott sehen, – nicht in einem von Selbstsucht und Leidenschaft diktierten Widerstand, sondern in einem Handeln für das Rechte und Wahre und die Aufrechterhaltung jener moralischen Ordnung, von der die Stabilität des Lebens und das Glück der Menschen abhängen. Und sein Widerstand wird wie alle seine Handlungen von einer perfekten Furchtlosigkeit und einem gottgleichen Mut gekennzeichnet sein.

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