Kapitel 8
Warum Friede als erstes von oben herabgebracht werden muss
Worte Sri Aurobindos
In den alten Zeiten, lange bevor du kamst, wurde vieles herabgebracht – auch die Liebe. Kaum einer konnte sie ertragen und selbst dann nur in geringem Maße. Ist es jetzt besser, frage ich mich? Es sieht nicht so aus. Deshalb will ich zuerst das Supramental, und vor allem den Frieden, die Balance in einer unerschütterlichen Intensität. Es gibt einige, die versucht haben, mit der Intensität weiterzumachen, aber –. Nun, lasst uns das Beste hoffen. Um Gottes Willen, Frieden, Harmonie, eine unerschütterliche supramentale Ausgeglichenheit und Vernünftigkeit zuerst. Ekstasen und Intensitäten anderer Art können dann folgen.
Worte Sri Aurobindos
Was du tust, ist genau das Richtige, mehr ist nicht nötig. Der Friede, den du fühlst, ist die Basis, das Fundament für die Transformation, alles andere wird darauf aufgebaut sein. Sich den Göttlichen Kräften mit einem ruhigen und starken sehnsuchtsvollem Streben zu öffnen, sich deren Wirken bewusst zu werden, es ruhig zuzulassen und aufzunehmen, es mit dem eigenen Streben zu unterstützen, mehr und mehr Wissen und Verständnis für das zu erlangen, was getan wird, während man voranschreitet – das ist der sichere und natürliche Weg des Yoga.
Worte Sri Aurobindos
Das erste, was du herabbringen musst, ist ein positiver, umfassender und dauerhafter Friede von oben – das ist die einzige Grundlage, auf der alles andere getan werden kann, d.h. die Entwicklung des höheren Bewusstseins, der Kraft, des Wissens, der Liebe, des Ananda.
Worte Sri Aurobindos
Die Meditationserfahrung scheint sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Vorher war sie nur eine Öffnung; aber um etwas zu verankern, muss es diese Assimilation und das Wachstum an Stabilität, an Frieden geben. Der Friede ist die Grundlage der spirituellen Wandlung – alles andere sinkt in den Frieden hinein und wird von ihm getragen wie von einem sicheren Fundament.
Worte Sri Aurobindos
Der Friede ist die Grundlage der Sadhana.
Worte der Mutter
Bewahre deinen Frieden, widerstehe aller Versuchung, ihn zu verlieren. Entscheide niemals irgendetwas, ohne zurückzutreten, sprich niemals ein Wort, stürze dich niemals in eine Handlung, ohne zurückzutreten. Alles, was zur gewöhnlichen Welt gehört, ist ohne Dauer und flüchtig, deshalb gibt es in ihr nichts, das es wert wäre, uns aus der Fassung zu bringen. Was dauerhaft ist, unsterblich und unendlich – das lohnt sich zu haben, zu erobern, zu besitzen. Es ist Göttliches Licht, Göttliche Liebe, Göttliches Leben – es ist auch Höchster Friede, Vollkommene Freude und All-Meisterschaft auf der Erde mit der Vollendeten Manifestation als ihrer Krönung. Wenn du die Relativität der Dinge spürst, dann kannst du, was auch immer geschehen mag, zurücktreten und schauen. Du bist fähig, ruhig zu bleiben und die Göttliche Kraft zu rufen und auf eine Antwort zu warten. Dann wirst du genau wissen, was zu tun ist. Deshalb sei dir bewusst, dass du die Antwort nicht empfangen kannst, bevor du sehr friedvoll bist. Übe dich in diesem inneren Frieden, mache wenigstens einen kleinen Anfang und fahre darin fort, bis er dir zur Gewohnheit geworden ist.
Worte der Mutter
…das Einzige, wofür es sich zu leben lohnt: die Erlangung des wahren Bewusstseins, die integrale Selbsthingabe an das Göttliche, der Friede, das Licht und die Freude, die aus der wahren Weisheit und Selbstvergessenheit kommen.
Worte Sri Aurobindos
Die menschliche Form ist von Natur aus nicht in der Lage, die Göttliche Liebe zu ertragen oder zu bewahren, denn sie ist eine Schöpfung der Unwissenheit, schwach und unrein. Sie muss umgewandelt werden, um dazu fähig zu sein; sie muss stark und rein werden. … Aber darüber hinaus muss in ihr ein neues Bewusstsein geschaffen werden - zuerst ein Bewusstsein des reinen und läuternden Göttlichen Friedens von oben, der alles bis hinunter zum Physischsten ergreifen muss - dann in diesem Frieden eine zunehmende innere Kraft, die rein und unegoistisch ist - dann das Göttliche Licht und Wissen, das das gesamte Bewusstsein und die Regungen transformiert. Wenn dies geschehen ist, dann kann die menschliche Form die Göttliche Liebe und das Ananda beherbergen.
Worte Sri Aurobindos
Was gewöhnlich geschieht, ist eine Herabkunft der Göttlichen Kraft, um auf die Natur einzuwirken und sie auf die Göttliche Gegenwart im Herzen vorzubereiten. Es gibt vieles in der menschlichen Natur, das verändert werden muss, bevor sie das aufnehmen kann, was herabkommt – Unfähigkeit und Begrenzung des Mentals, unzureichende Reinheit im Herzen und anderswo, Unruhe usw. Um die Herabkunft aufzunehmen, sind ein ruhiges Mental und ein reines Herz erforderlich. Deshalb gibt es in ihr [der Fragestellenden] die Unruhe und das Gefühl der Unfähigkeit. Das ist eine ganz allgemeine Erfahrung. Wenn sie weiter gehen will, muss sie nach Ruhe, Frieden, Reinheit usw. im mentalen und emotionalen Wesen streben und dem Herabsteigenden erlauben, sich in ihr zu festigen.
Worte Sri Aurobindos
All das [Kraft, Licht, Ananda] kann in uns herabkommen. Jedes dieser Dinge kann einzeln und alle können zusammen herabkommen, nicht nur der Friede allein; es ist freilich am ungefährlichsten, zuerst eine absolute Stille, einen absoluten Frieden herabzubringen, denn das macht die Herabkunft des Übrigen sicherer; im anderen Fall könnte es der äußeren menschlichen Natur Schwierigkeiten bereiten, soviel Kraft, Licht, Wissen oder Ananda aufzunehmen oder zu ertragen. Alle diese Dinge zusammen machen das aus, was wir das höhere spirituelle oder göttliche Bewusstsein nennen. … Das Sich-Öffnen nach oben setzt uns in direkte Verbindung mit dem ganzen Göttlichen und kann in uns das göttliche Bewusstsein und eine neue Geburt oder die Geburten des Geistes hervorrufen.
Worte Sri Aurobindos
Gleichmut und Friede in allen Umständen, in allen Teilen des Wesens sind die erste Grundlage eines yogischen Zustandes. Als nächstes kann entsprechend der Veranlagung der Natur entweder das Licht kommen (welches das Wissen mit sich bringt) oder die Kraft (welche Stärke und Dynamik von vielerlei Art bringt) oder das Ananda (welches die Liebe und Freude des Daseins bringt). Der Friede aber ist die erste Voraussetzung, ohne den nichts sonst dauerhaft sein kann.
Worte der Mutter
Wenn man also auf dem Weg sicher gehen will, scheint es mir, dass das Streben nach Frieden, nach vollkommener Stille, nach vollkommenem Gleichmut, nach einer Erweiterung des Bewusstseins, einem umfassenderen Verständnis und der Befreiung von jeglichem Verlangen, jeglicher Vorliebe, jeglicher Anhaftung sicherlich eine unerlässliche Vorbedingung ist.
Das ist die Gewährleistung für innere und äußere Ausgeglichenheit.
Worte Sri Aurobindos
Friede ist für alles notwendig; ohne den Frieden und eine wachsende Reinheit kann man, auch wenn man sich öffnet, nicht alles vollständig empfangen, was durch das Öffnen herabkommt. Licht ist ebenfalls für alles notwendig – ohne Licht kann man aus dem Herabkommenden keinen vollen Nutzen ziehen.
Worte Sri Aurobindos
Ruhe, Ruhe und noch mehr Ruhe, stille Kraft, stille Freude sind das, was im Mental, in den Nerven und im Körper als Grundlage für die Siddhi benötigt werden – gerade weil die Kraft, das Licht, das Ananda, die herabkommen, extrem intensiv sind und eine große Stille im Wesen brauchen, um sie zu ertragen und zu stützen.
Worte Sri Aurobindos
Aber es gibt auch vieles oberhalb des menschlichen Mentals, und das ist es, was du wie eine Welt über deinem Kopf empfindest. All das sind die gewöhnlichen Erfahrungen unseres Yoga. Es ist nur ein Anfang. Aber damit es sich weiterentwickeln kann, musst du zunehmend ruhiger werden, zunehmend fähiger, zu bewahren, was kommt, ohne dabei zu eifrig und erregt zu werden. Friede und Stille sind das Erste und damit verbunden Weite – in diesem Frieden kannst du jede Art Liebe, die kommt oder Ananda, das kommt, jede Art Kraft oder jedes Wissen aushalten.
Worte Sri Aurobindos
Stille, selbst wenn sie zu Beginn etwas Negatives zu sein scheint, ist so schwierig zu erlangen, dass sie überhaupt zu besitzen als ein großer Fortschritt angesehen werden muss.
Tatsächlich ist Stille nichts Negatives, sie ist die eigentliche Natur des Sat-Purusha und die unbedingte Grundlage des göttlichen Bewusstseins. Was immer man sonst erstrebt und gewinnt, diese Stille muss bewahrt werden. Selbst Wissen, Macht und Ananda können, wenn sie kommen und diese Grundlage nicht vorfinden, nicht verweilen, sondern müssen sich zurückziehen, bis die göttliche Reinheit und der göttliche Friede des Sat-Purusha immer gegenwärtig sind.
Worte Sri Aurobindos
Das sind sehr gute Nachrichten. Der Friede, der sich im System einstellt, und damit eine glückliche Aktivität – das ist die Grundlage für deinen Yoga, den ich dir immer gewünscht habe – ein sonniger Zustand, in dem das, was hereinkommt, sich wie eine Knospe zur Blüte entfaltet, und das, was abfallen muss, zu seiner Zeit abfällt wie eine abgeworfene Haut.
Worte Sri Aurobindos
Das erste in der Sadhana ist, einen beständigen Frieden, ein beständiges Schweigen im Mental zu erlangen. Andernfalls ist es zwar durchaus möglich, Erfahrungen zu haben, doch wird nichts von Dauer sein. Im stillen Mental vermag man das wahre Bewusstsein zu begründen.
Worte Sri Aurobindos
Läuterung und Stille sind die ersten Erfordernisse im Yoga. Ohne sie kann man eine große Fülle von Erfahrungen jeder Art haben (Welten, Visionen, Stimmen usw.), doch sind diese Erfahrungen, die in einem ungeläuterten und gestörten Bewusstsein stattfinden, gewöhnlich sehr verworren und vermischt.
Worte Sri Aurobindos
Man kann Einflüsse von oben empfangen, solange aber das Mental nicht voller höherer Stille, Frieden, Schweigen ist, kann man keinen direkten Kontakt haben. Diese Einflüsse werden vermindert, mentalisiert, vitalisiert und sind nicht die Mächte der höheren Ebenen in ihrem ursprünglichen Charakter.
Worte Sri Aurobindos
Sobald der Friede oder das Schweigen einmal völlig gefestigt sind, können keinerlei Bewegungen an der Oberfläche sie gefährden oder zerstören. Sie vermögen alle Bewegungen des Universums zu tragen und bleiben dennoch unverändert.
Worte Sri Aurobindos
Ist der Friede im Wesen einmal voll gefestigt, dann werden diese Dinge (die Reaktionen des niederen Vitals) ihn nicht mehr erschüttern können. Sie mögen zunächst als kleine Wellen an der Oberfläche erscheinen, dann nur als Einflüsse, die man betrachtet oder die zu betrachten man nicht der Mühe wert hält, auf keinen Fall aber gelangen sie in das Innere und beeinflussen oder stören auf irgendeine Weise.
Es ist etwas schwierig auszudrücken, aber es ist gewissermaßen wie ein Berg, auf den man Steine wirft; wenn der Berg durch und durch bewusst wäre, würde er die Berührung der Steine zwar spüren, doch als etwas so Leichtes und Oberflächliches, dass es ihn nicht im geringsten stören würde. Zuletzt verschwindet sogar diese Empfindung.
Worte Sri Aurobindos
Die Stille, die Loslösung, eine friedvolle Stärke und Freude (atmarati) müssen in das Vital und Physische herabgebracht werden und ebenso in das Mental. Ist dies gefestigt, dann ist man nicht länger eine Beute für die Stürme vitaler Kräfte. Doch diese Stille, dieser Friede, die verhaltene Stärke und Freude sind nichts als ein erstes Herabkommen der Macht der Mutter in das menschliche System; den Adhara.
Worte Sri Aurobindos
Das erste Ergebnis der Herabkunft ist die Stille, die er erfährt; denn nur in einem stillen Mental und Vital (manah-prana) kann die Göttliche Shakti ihr Werk angemessen verrichten.
Worte Sri Aurobindos
Die Gefahr der mentalen Kräfte besteht darin, dass sie, wenn das höhere Bewusstsein herabkommt, dazu neigen (wenn keine tiefe Stille herrscht), im Bewusstsein aktiv zu werden, um Ideen mentaler Art zu bilden, die immer falsch angewandt werden können. Zuerst sollte eine Basis von völliger Stille, völligem Frieden und Schweigen vorhanden sein – wenn es eine Aktivität gibt, dann sollte es die eines herabkommenden Wissens sein, das der mentale Geist stillschweigend und genau empfängt. Das kann man leicht erreichen, vorausgesetzt, der mentale Geist ist ruhig.
Worte Sri Aurobindos
Was immer auch kommt [Licht, Ananda, Kraft, Glückseligkeit], ist willkommen zu heißen, denn es gibt keine absolut gültige Regel für alle – wenn aber nicht zuerst der Friede eingetreten ist, muss man sich davor hüten, in Jubel auszubrechen oder das Gleichgewicht zu verlieren. Die wichtigste Bewegung jedoch vollzieht sich, wenn die Göttliche Kraft oder Shakti, die Macht der Mutter herabkommt und vom Wesen Besitz ergreift, denn dann beginnt die [systematische] Gestaltung des Bewusstseins und die umfassendere Gründung des Yoga.
Worte Sri Aurobindos
Je mehr die Stille, der Friede, die Freude und das Glück herabkommen und Besitz ergreifen, desto stärker ist das Fundament. Das ist das Zeichen für den Kontakt [mit dem Göttlichen].