Kapitel 8
Die Macht der Worte
Es scheint unnötig zu sein, eure Aufmerksamkeit auf die Menge nutzloser Worte zu richten, die jeden Tag geäußert werden; dieses Übel ist allen gut bekannt, obwohl sehr wenige Leute daran denken, es zu beheben.
Aber es gibt viele andere Worte, die ohne Notwendigkeit gesprochen werden. Das heißt, im Laufe des Tages haben wir oft die Gelegenheit, durch das eine oder andere Wort einen hilfreichen Wunsch auszudrücken, vorausgesetzt, wir wissen, wie man die Worte mit dem dahinter stehenden Gedanken verbindet.
Aber zu oft verpassen wir diese Gelegenheit, die Leute, die wir kennen, mit einer wohltuenden geistigen Atmosphäre zu umgeben und ihnen so zu helfen. Es wäre sehr sinnvoll, dieses Versäumnis in Ordnung zu bringen.
Um das zu tun, müssen wir uns weigern, unserem mentalen Geist zu erlauben in jener vagen und untätigen Ungenauigkeit zu verbleiben, welcher in den meisten Menschen fast immer vorherrscht.
Um uns allmählich von dieser Schläfrigkeit zu heilen, können wir uns beim Aussprechen eines Wortes zwingen, über seine genaue Bedeutung nachzudenken, um es ganz wirksam zu machen.
In dieser Hinsicht können wir sagen, dass der aktiven Kraft von Worten drei verschiedene Ursachen zugrunde liegen.
Die ersten beiden sind im Wort selbst beinhaltet, das eine Kraftbatterie geworden ist. Die dritte liegt in der Tatsache, dass wir den tiefen Gedanken, der durch das Wort geäußert wird, wenn wir es aussprechen, gänzlich leben.
Natürlich wird die Kraft des Wortes beträchtlich verstärkt, wenn diese drei Gründe für die Wirksamkeit kombiniert sind.
1) Es gibt bestimmte Worte, deren Nachklang in der physischen Welt die genaue, vibrierende Materialisation der subtileren Schwingung ist, welche vom Gedanken in seiner eigenen Domäne erzeugt wird.
Wenn wir diese Ähnlichkeit zwischen den Schwingungen des Gedankens und des Klangs genau untersuchen, können wir die begrenzte Anzahl von Wurzelsilben entdecken, die die allgemeinsten Ideen ausdrücken und die in den meisten gesprochenen Sprachen mit einer fast identischen Bedeutung zu finden sind. (Dieser Ursprung der Sprache darf nicht mit dem Ursprung der Schriftsprachen verwechselt werden, die von ganz anderer Natur sind und anderen Bedürfnissen entsprechen).
2) Es gibt andere Worte, die in bestimmten Situationen für Hunderte von Jahren wiederholt wurden und erfüllt sind von der geistigen Kraft all jener, die sie ausgesprochen haben. Sie sind wahre Kraftquellen.
3) Schließlich gibt es Worte, die, resultierend aus dem lebendigen Gedanken des Sprechers, beim Äußern einen sofortigen Wert annehmen.
Um an einem Beispiel dessen zu illustrieren, was ich gerade gesagt habe: es gibt hier ein sehr kraftvolles Wort, weil es die Eigenschaften aller drei Kategorien kombinieren kann: es ist das Sanskritwort „AUM“.
Es wird in Indien gebraucht um die göttliche Immanenz auszudrücken. Dort geht es mit jeder Meditation, jeder Kontemplation und jeder yogischen Praxis einher.
Mehr als jeder andere Klang, lässt der Klang des „AUM“ das Gefühl von Frieden, heiterem Gleichmut und Ewigkeit entstehen.
Zudem ist dieses Wort von den geistigen Kräften erfüllt, welche all jene, die es Jahrhunderte lang gebraucht haben, um die dort ausgedrückte Idee herum angesammelt haben. Und besonders für Hindus hat es die wirkliche Kraft, sie mit der von ihm hervorgerufenen göttlichen Essenz in Kontakt zu bringen.
Und weil Orientalen einen religiösen Geist und die Gewohnheit haben sich zu konzentrieren, sprechen nur wenige dieses Wort ohne die Überzeugung aus, die notwendig ist, es vollkommen wirksam zu werden zu lassen.
In China wird eine vergleichbare Wirkung mit einem Wort von identischer Bedeutung und etwas ähnlichem Klang erzielt, dem Wort „TAO“.
Unsere westlichen Sprachen sind weniger ausdrucksstark. In ihrer jetzigen Form sind sie von der Ursprungssprache, aus der sie hervorgingen, zu weit entfernt. Aber wir können ein Wort immer mit der Kraft unseres lebendigen und aktiven Gedankens mit Leben erfüllen.
Außerdem gibt es Formeln, welche wir mit Gewinn all denen hinzufügen können, die normalerweise gebraucht werden.
Diese Formeln wurden in bestimmten alten Initiationsschulen verwendet. Sie dienten der Begrüßung und hatten im Mund derer, die wussten, wie sie sie denken sollten, eine sehr besondere Wirkkraft.
Die Schüler, die Neulinge, die ihre ersten Schritte auf dem Pfad taten, wurden begrüßt: „Möge der Frieden der heiteren Gelassenheit mit dir sein.“
Alle jene, die durch ihre beständige und voranschreitende innere und äußere Haltung ihren tiefen und dauerhaft guten Willen gezeigt hatten, wurden so begrüßt: „Mögest du das höchste Gut erlangen.“
Und bei manchen Lehrern, die über besonders hohe Kräfte verfügten, war dieses Wort mit der Macht versehen wirkliche Gaben zu übermitteln, zum Beispiel die Gabe des Heilens.