Kapitel 7

Kann Glaube durch eigenes Bemühen gestärkt werden?

Glaube ist sicherlich ein Geschenk der Göttlichen Gnade. Er ist wie eine sich plötzlich öffnende Tür zu einer ewigen Wahrheit, durch die wir sie sehen, fast berühren können.

Wie bei allem anderen im Aufstieg der Menschheit gibt es die Notwendigkeit des persönlichen Bemühens, besonders am Anfang. Es ist möglich, dass unter manchen außergewöhnlichen Umständen, aus Gründen, die sich unserer Intelligenz absolut entziehen, Glaube fast zufällig kommen kann, ganz unerwartet, fast, als ob er nie erbeten worden wäre; aber meistens ist er eine Antwort auf ein Sehnen hin, ein Bedürfnis, eine Aspiration, auf etwas im Wesen, das sucht und sich sehnt, obschon sogar nicht auf sehr bewusste und geplante Weise. Aber wenn Glaube geschenkt wurde, wenn man plötzlich diese innere Erleuchtung gehabt hat, ist persönliches Bemühen auf jeden Fall absolut unerlässlich, um ihn dauerhaft im aktiven Bewusstsein aufrecht zu erhalten. Man muss an seinem Glauben festhalten, seinen Glauben wollen, man muss ihn suchen, kultivieren, schützen.

Im menschlichen Mental gibt es eine morbide und bedauernswerte Gewohnheit des Zweifelns, Argumentierens und der Skepsis. Dies ist es, wo menschliches Bemühen ansetzen muss: die Weigerung sie zu akzeptieren, die Weigerung ihnen zuzuhören und noch mehr die Weigerung ihnen zu folgen. Kein Spiel ist gefährlicher als das mentale Spiel mit Zweifel und Skepsis. Sie sind nicht nur Feinde, sie sind schreckliche Fallgruben. Und wenn man einmal hineinfällt, wird es ungemein schwer, sich wieder herauszuziehen.

Manche Leute denken, es sei eine sehr große geistige Eleganz mit Ideen zu spielen, sie zu diskutieren, dem Glauben etwas entgegen zu setzen.; sie denken, es verleiht ihnen eine sehr überlegene Haltung, sie stünden auf diese Weise über „Aberglauben“ und „Ignoranz“. Doch wenn du den Einflüsterungen von Zweifel und Skepsis zuhörst, dann verfällst du in die gröbste Unwissenheit und weichst vom richtigen Pfad ab. Du gerätst in Verwirrung, Irrtum, einen Irrgarten der Widersprüche…. Du kannst dir nicht immer sicher sein, dass du wieder herauskommst. Du entfernst dich so weit von der inneren Wahrheit, dass du sie aus dem Blick verlierst, und manchmal auch alle Verbindung mit deiner Seele verloren geht.

Ein persönliches Bemühen ist sicher notwendig, um den eigenen Glauben zu bewahren, ihn im Inneren wachsen zu lassen. Später – viel später – eines Tages, wenn wir zurückschauen, sehen wir vielleicht, dass alles, was geschehen ist, sogar das, was uns am schlimmsten erschien, eine Göttliche Gnade war, um uns auf dem Weg voran zu bringen; und dann wird uns bewusst, dass das eigene Bemühen ebenso eine Gnade war. Aber bevor man diesen Punkt erreicht, muss man sehr vorankommen, sehr kämpfen, manchmal sogar viel leiden.

Sich in träger Passivität hinzusetzen und zu sagen: „Wenn ich Glauben haben soll, werde ich ihn haben, das Göttliche wird ihn mir geben“, ist eine Haltung der Faulheit, der Unbewusstheit und fast eines bösen Willens.

Damit die innere Flamme brennen kann, muss man sie nähren; man muss über das Feuer wachen und als Brennstoff alle Irrtümer, die man loswerden will, alles, was die Entwicklung behindert und den Weg verdunkelt, hineinwerfen. Wenn man das Feuer nicht nährt, schwelt es unter der Asche der eigenen Unbewusstheit und Trägheit. Und dann werden nicht Jahre, sondern Jahrhunderte vergehen, bevor man das Ziel erreicht.

Man muss über seinen Glauben wachen, wie man über die Geburt von etwas unendlich Kostbarem wacht, und ihn sehr umsichtig vor allem schützen, das ihm schaden kann.

In der Unwissenheit und Dunkelheit des Beginns ist Glaube der unmittelbarste Ausdruck der Göttlichen Macht, die kommt, um zu kämpfen und zu siegen.