Kapitel 7

Die Last der Menschheit

Worte Sri Aurobindos

Die Mutter sprach zu mir über die rechte Haltung – eine Haltung ohne Anspannung und Anstrengung, voller Sonnenschein und so spontan wie eine Blume, die sich dem Licht öffnet. Das ist alles sehr schön für Wesen wie dich und die Mutter, die Avatare sind; aber wie können wir armen Sterblichen ein solch vages Rezept als Anleitung nehmen? Und wie sollen wir zu dieser Haltung gelangen, wenn nicht durch ständiges Gebet, mühevolle Meditation und ein beharrliches Bemühen, falsche Regungen zurückzuweisen?

Du sagst, dass dieser Weg für dich oder deinesgleichen zu schwierig ist und dass ihn nur „Avatare“ wie ich oder die Mutter gehen können. Das ist ein merkwürdiger Irrtum, denn im Gegenteil ist es der einfachste, schlichteste und direkteste Weg, und jeder kann ihn gehen, wenn er seinen mentalen Geist und sein vitales Wesen still werden lässt. Selbst diejenigen, die nur ein Zehntel deiner Fähigkeit besitzen, können es tun. Es ist der andere Weg – der der Anspannung und Anstrengung und des harten Ringens – der schwierig ist und eine große Kraft der Tapasya erfordert. Was die Mutter und mich betrifft, so mussten wir alle Wege versuchen, alle Methoden verfolgen, um Berge von Schwierigkeiten zu überwinden. Eine weitaus schwerere Last trugen wir als du oder irgendjemand sonst in diesem Ashram oder außerhalb; weit schwierigere Bedingungen, Kämpfe, Wunden, Wege durch undurchdringliche Sümpfe, Wüsten und Wälder, feindliche Massen hatten wir zu überwinden – eine Arbeit wie diese, dessen bin ich sicher, musste noch niemand vor uns auf sich nehmen. Denn der Führer des Weges in solch einem Werk wie dem unseren hat nicht nur das Göttliche herabzubringen, darzustellen und zu verkörpern, sondern auch das aufsteigende Element in der Menschheit zu repräsentieren und die Last der Menschheit vollständig zu tragen – und nicht nur in einem bloßen Spiel oder Lila, sondern in bitterem Ernst all die Hindernisse, Schwierigkeiten und Widerstände, die vereitelte, oft verzögerte und nur langsam siegreiche Arbeit zu erfahren, wie sie auf dem Pfad möglich sind. Doch es ist weder notwendig noch hinnehmbar, dass all dies in der Erfahrung anderer noch einmal vollständig wiederholt werden muss. Gerade weil wir die vollständige Erfahrung gemacht haben, können wir anderen einen geraderen und leichteren Weg zeigen – wenn sie nur einwilligen, ihn zu gehen. Weil unsere Erfahrung zu einem gewaltigen Preis errungen wurde, können wir euch und anderen nahelegen: „Nehmt die seelische Haltung an; folgt dem geraden, sonnenhellen Pfad, mit dem Göttlichen, das euch offen oder verborgen trägt – wenn verborgen, wird es sich doch zur rechten Zeit zeigen. Besteht nicht auf der harten, mühsamen, umständlichen und schwierigen Reise.“

Worte Sri Aurobindos

Die Schwierigkeiten der Mutter sind nicht ihre eigenen; sie trägt auch die Schwierigkeiten anderer – ebenso wie jene, die dem allgemeinen Wirken und der Arbeit der Transformation innewohnen. Wäre es anders, sähe die Sache sehr verschieden aus.