Kapitel 7
Das Wirken des Gleichmuts – Das endgültige Ergebnis
Das vervollkommnete Wirken des Gleichmuts transformiert alle Werte der Dinge auf der Grundlage der göttlichen anandamaya Macht. Das äußere Handeln mag so bleiben, wie es war, oder sich ändern, – es muss so sein, wie der Geist es lenkt und wie es für die Arbeit für die Welt notwendig ist, – aber die ganze innere Aktion ist von anderer Art. Die Shakti mit ihren verschiedenen Kräften des Wissens, Handelns, Genießens, Erschaffens und Formulierens wird sich auf die verschiedenen Daseinsziele lenken, doch in einem anderen Geist; es werden die Ziele, Früchte und die vom Göttlichen durch sein hohes Licht verfügten Arbeitsweisen sein, und nicht etwas vom Ego für sein eigenes Wohl Gefordertes. Das Mental, Herz, Vital und sogar der Körper werden mit allem, was ihnen vom Herrn des Wesens zugeteilt ist, zufrieden sein und darin eine sublimste und doch vollständigste spiritualisierte Befriedigung und Freude finden, aber das göttliche Wissen und der Wille oben werden auf ihre weiteren Ziele hin wirken. Scheitern und Erfolg verlieren hier beide ihre gegenwärtige Bedeutung. Es kann hier keinen Misserfolg geben; denn es ist immer vom Herrn der Welten so beabsichtigt, nicht für alle Zeiten, sondern als ein Schritt auf seinem Weg. Und wenn es wie ein Gegensatz, eine Niederlage, eine Verweigerung, für den Moment sogar wie eine totale Verneinung des Zieles, das dem instrumentalen Wesen gesetzt wurde, aussieht, ist dies nur scheinbar so, und es wird danach in der Ökonomie seines Wirkens an seinem richtigen Platz stehen. – Eine umfassendere supramentale Schau mag sogar sofort oder schon vorher seine Notwendigkeit und wahre Beziehung zu dem späteren Ergebnis sehen, dem es jetzt so entgegengesetzt und vielleicht sogar wie ein deutliches Verbot zu sein scheint. Oder, wenn es – solange das Licht unzureichend ist – entweder in Bezug auf das Ziel oder die Vorgehensweise und Ergebnisschritte eine Fehlinterpretation gegeben hat, kommt das Misslingen als Richtigstellung und wird ruhig angenommen, ohne dass es Entmutigung oder Willensschwankungen auslöst. Am Ende erkennt man, dass es so etwas wie Misserfolg nicht gibt, und die Seele an allen Dingen als Schritten und Formulierungen des göttlichen Willens dieselbe passive oder aktive Freude hat. Die gleiche Entwicklung findet statt bei Glück und Unglück, Angenehmem und Unerfreulichem jeder Art, mangala amangala priya apriya.
Gleichmut bringt einen vollständigen Wandel der Anschauungen und der Haltung gegenüber Geschehnissen und Personen hervor. Als erste Folge des gleichmütigen Mentals und Geistes entsteht eine zunehmende Klarheit und innere Toleranz allen Personen, Ideen, Anschauungen und Handlungen gegenüber, weil man erkennt, dass Gott in allen Wesen lebt und jeder nach seiner Natur, seines svabhava, und dessen gegenwärtigen Ausformulierungen handelt. Wenn der positive gelassene Ananda vorhanden ist, vertieft sie sich zu einem sympathisierenden Verständnis und schließlich zu einer gleichmütigen universalen Liebe. Keines dieser Dinge muss verschiedene Beziehungen oder unterschiedliche Formulierungen der inneren Haltung in Bezug auf die vom spirituellen Willen bestimmten Notwendigkeiten des Lebens verhindern. – Sie unterbinden auch nicht die entschlossene Unterstützung einer Idee, Ansicht und Handlung gegen eine andere zu dem gleichen Zweck und Bedarf und von derselben Entschlossenheit, oder einen starken äußeren oder inneren Widerstand und eine Handlung gegen die Kräfte, die getrieben sind, sich der verfügten Bewegung in den Weg zu stellen. Und es kann sogar einen Ansturm der Rudra-Energie geben, die mit Macht auf den Menschen einwirkt oder ihn oder das Hindernis vernichtet, wenn dies für ihn als auch für den Welt-Zweck notwendig ist. Aber die Essenz der innersten gleichmütigen Haltung wird von diesen oberflächlicheren Formulierungen nicht verändert. Der Geist und die fundamentale Seele bleiben unverändert, sogar während die Shakti des Wissens, Willens, Handelns und der Liebe ihre Arbeit tut und die verschiedenen für ihr Wirken notwendigen Formen annimmt. Und am Schluss wird alles zu einer Form leuchtender spiritueller Einheit mit allen Menschen, Energien und Dingen im Wesen Gottes und in der leuchtenden, spirituellen, einen und universalen Kraft, in der die eigene Handlung ein nicht zu trennender oder abgespaltener Teil des Handelns aller wird, sondern jede Beziehung wie eine Beziehung zu Gott in all den komplexen Termini seiner universalen Einheit empfunden wird. Dies ist eine Fülle, die kaum durch die Sprache des trennenden mentalen Verstandes ausgedrückt werden kann, denn diese bedient sich all ihrer Gegensätzlichkeiten und entflieht ihnen doch. Sie kann auch nicht in den Begriffen unserer begrenzten mentalen Psychologie vermittelt werden. Sie gehört einer anderen Bewusstseinssphäre an, einer anderen Ebene unseres Wesens.
In der Seele eins mit allem und frei von beengenden Banden,
Groß wie ein Kontinent warmen Sonnenlichts
Im weiten Gleichmut unparteiischer Freude,
Atmeten diese Weisen zu Gottes Wonne in den Dingen.
Sie unterstützten den langsamen Eintritt der Götter,
Säten in junge Geister ihre gelebten unsterblichen Gedanken,
Lehrten die große Wahrheit, zu der der Mensch sich erheben muss,
Oder öffneten für einige die Tore zur Freiheit,
Brachten unserer kämpfenden Welt das Licht,
In dem sie atmeten wie vom dumpfen Joch der Zeit befreite Geister…