Kapitel 7

Das innere Wesen

Das innere Wesen meint den inneren mentalen Geist, inneren Lebensgeist, das innere Physische mit dem Seelischen als das Allerinnerste im Hintergrund…

Ich meinte mit dem inneren Wesen nicht das Seelische oder das allerinnerste Wesen… Ich sprach vom inneren Mental, inneren Vital, inneren Physischen; um den verborgenen Sitz des Seelischen zu finden, muss man zuerst durch alle diese Dinge hindurchgehen. Wenn man das äußere Bewusstsein verlässt und nach innen geht, kommt man hierhin: einige oder die meisten gehen zuerst in das innere Vital, andere in das innere Mental oder das innere Physische. Das emotionale Vital ist der direkteste Weg, denn der Sitz des Seelischen liegt unmittelbar hinter den Emotionen im Herzzentrum. Für unseren Zweck ist es absolut notwendig, dass man sich dieser inneren Regionen bewusst wird, denn wenn sie nicht bewusst sind, hat das Seelische keine geeignete und ausreichende Ausrüstung für sein Handeln. Dann hat es nur das äußere Mental, äußere Vital und den Körper als Mittel, und diese sind zu gering, begrenzt und zweifelhaft.

Das innere Mental ist nicht das höhere Mental; er ist mehr mit den universalen Kräften in Berührung und dem höheren Bewusstsein gegenüber offener und eines immens tieferen und größeren Handlungsumfangs fähig als der äußere mentale Geist…

Es gibt immer zwei verschiedene Bewusstseinszustände im Menschen, einen äußeren, in dem er normalerweise lebt, und einen anderen inneren und verborgenen, über den er nichts weiß. Wenn man Yoga praktiziert, beginnt das innere Bewusstsein sich zu öffnen, und man ist fähig, nach innen zu gehen und dort alle Arten von Erfahrungen zu machen. Wenn der Yoga sich weiterentwickelt, beginnt man mehr und mehr in diesem inneren Wesen zu leben, und das äußere wird immer oberflächlicher. Zuerst scheint das innere Bewusstsein ein Traum und das äußere die wache Wirklichkeit zu sein. Hinterher wird das innere Bewusstsein die Realität, während das äußere von vielen als ein täuschender Traum oder als etwas Oberflächliches und Äußerliches empfunden wird. Das innere Bewusstsein beginnt ein Ort tiefen Friedens, Lichtes, Glücks, intensiver Liebe und Nähe zum Göttlichen oder zur Gegenwart des Göttlichen, der Mutter, zu werden. Dann ist man sich zweier Bewusstseinszustände bewusst, dem inneren und dem äußeren, welcher in sein Gegenstück und in ein Instrument umzuwandeln ist. Es muss ebenfalls voller Frieden und Licht und eins mit dem Göttlichen werden.

Wenn das innere Wesen nicht hervorkommt oder handelt, wird das äußere niemals transformiert werden.

Das äußere Wesen ist nur ein Ausdrucksmittel, nicht das eigene Selbst. Man darf sich nicht mit ihm identifizieren, denn das, was es ausdrückt, ist eine von der alten unwissenden Natur geformte Persönlichkeit. Wenn man sich nicht damit identifiziert, kann man es umwandeln, damit es der wahren lichtvollen inneren Person Ausdruck verleiht.

Sie [der äußere mentale Geist, der Lebensgeist und der Körper] sind klein, aber trotz ihrer scheinbaren Bedeutungslosigkeit nicht unwichtig, – denn sie sind ein notwendiger Übermittlungsweg zwischen der Seele und der äußeren Welt.

Das äußere Bewusstsein ist eingeschlossen in die körperlichen Grenzen und in das kleine Bisschen des persönlichen mentalen Geistes und der vom Körper abhängigen Sinne, – es sieht nur das Äußere, sieht nur Dinge. Aber das innere Bewusstsein kann hinter die Sache sehen, es ist sich des Spiels der persönlichen oder universalen Kräfte bewusst, – denn es steht in bewusster Verbindung mit dem universalen Wirken.

Unser inneres Wesen ist in Kontakt mit dem universalen mentalen und vitalen Geist und der Materie. Es ist ein Teil von alledem, aber gerade aufgrund dieser Tatsache kann es nicht im Besitz von Frieden und Freiheit sein. Du denkst vielleicht an den Atman und verwechselst ihn mit dem inneren Wesen.

Was du als das neue Leben empfindest, ist das Wachsen des inneren Wesens in dir. Das innere Wesen ist das wahre Wesen, und während es sich entwickelt, beginnt sich das gesamte Bewusstsein zu verändern. Dieses Gefühl und deine neue Haltung anderen gegenüber sind Zeichen des Wandels.

Das wahre innere Bewusstsein ist ein stilles Bewusstsein, welches sich Dinge nicht ausdenken muss, sondern auf spontane Weise von innen die richtige Sichtweise, das genaue Verstehen und Wissen bekommt und dementsprechend handelt. Es ist das äußere Bewusstsein, dass sich auf äußere Dinge verlassen und über sie nachdenken muss, weil es nicht diese unmittelbare Führung hat.

Wir können sagen, dass es zwei Wesen in uns gibt, eines auf der Oberfläche, unser gewöhnlicher äußerer mentaler und vitaler Geist, sowie das Körperbewusstsein, und ein anderes jenseits des Schleiers, einen inneren mentalen Geist, inneres Leben und inneres physisches Bewusstsein, welche das andere oder innere Selbst bilden. Das einmal erwachte innere Selbst öffnet sich seinerseits unserem wahren, wirklichen, ewigen Selbst. Es öffnet sich innerlich der Seele – in diesem Yoga das seelische Wesen genannt, – die unsere aufeinanderfolgenden Geburten unterstützt und bei jeder Geburt ein neues Mental und Vital und einen neuen Körper annimmt. Sie öffnet sich nach oben zu einem nicht der Geburt unterworfenen Selbst oder Geist. Indem wir ihn bewusst wiedergewinnen, transzendieren wir die unbeständige Persönlichkeit und erlangen Freiheit und vollständige Meisterschaft über unsere Natur.

Das wahre Selbst befindet sich nicht irgendwo auf der Oberfläche sondern tief innen und oberhalb. Im Innern ist es die Seele, die einen inneren mentalen und vitalen Geist und ein inneres physisches Bewusstsein unterstützt, in welchen die Fähigkeit zu universaler Weite und somit zu den jetzt erforderlichen Dingen vorhanden ist: unmittelbarer Kontakt mit der Wahrheit des Selbstes und der Dinge, Empfinden einer universalen Wonne, Befreiung von der eingekerkerten Kleinheit und den Leiden des groben physischen Körpers.

…das höchste spirituelle Selbst befindet sich nicht einmal hinter unserer Persönlichkeit und körperlichen Existenz, sondern darüber, und es überragt sie völlig.