Kapitel 6

Glaube, der Berge versetzen kann

Die Wahrnehmung des äußeren Bewusstseins kann die Wahrnehmung der Seele leugnen. Aber die Seele hat das wahre Wissen, ein intuitives, instinktives Wissen. Sie sagt: „Ich weiß; ich kann keine Begründungen liefern, aber ich weiß.“ Denn ihr Wissen ist nicht mental, beruht nicht auf Erfahrung oder ist als wahr bewiesen. Sie glaubt nicht, nachdem Beweise geliefert wurden: Glaube ist eine Regung der Seele, deren Wissen spontan und direkt ist. Sogar wenn die ganze Welt es ableugnet und tausend Beweise zu dessen Gegenteil liefert, weiß sie doch durch ein inneres Wissen, eine direkte Wahrnehmung, die allem standhält, eine Wahrnehmung durch Identität. Das Wissen der Seele ist etwas Konkretes und Fassbares, eine solide Masse. Du kannst es auch in deinen mentalen Geist, dein Vital und deinen Körper hineinbringen; und dann hast du einen integralen Glauben – einen Glauben, der wirklich Berge versetzen kann. Aber im Wesen darf nichts kommen und sagen: „So ist es nicht“ oder nach einem Beweis fragen. Durch den geringsten Halb-Glauben verdirbst du alles. Wie kann der Höchste sich manifestieren, wenn der Glaube nicht integral und unbezwingbar ist? Glaube ist in sich selbst immer unerschütterlich – das ist seine Natur, denn sonst ist es überhaupt kein Glaube. Aber es kann geschehen, dass das Mental, das Vital oder der Körper der seelischen Bewegung nicht folgt. Jemand kann zu einem Yogi kommen und einen unmittelbaren Glauben haben, dass diese Person ihn an sein Ziel bringen wird. Er weiß nicht, ob diese Person Wissen hat oder nicht. Er spürt eine seelische Erschütterung und weiß, dass er seinen Meister gefunden hat. Er glaubt nicht nach langem mentalen Überlegen oder dem Sehen vieler Wunder. Und dies ist die einzige erstrebenswerte Art von Glauben. Du wirst immer deine Bestimmung verfehlen, wenn du anfängst zu argumentieren.…

Es ist nicht wirklich der sogenannte blinde Glaube, durch den die Leute in die Irre geführt werden. Sie sagen oft: „Oh, ich habe an diese oder jene Person geglaubt, und sie hat mich betrogen!“ Der Fehler liegt aber nicht bei der Person, sondern bei dem Glaubenden: es ist eine Schwäche in ihm selbst. Wenn er seinen Glauben aufrechterhalten hätte, würde er die Person verwandelt haben. Weil er nicht das gleiche Glaubensbewusstsein aufrechterhalten und die Person nicht zu dem gemacht hatte, die er sich wünschte, fühlte er sich betrogen. Hätte er einen vollkommenen Glauben gehabt, hätte er die Person verpflichtet sich zu ändern. Immer geschehen die Wunder durch Glauben. Ein Mensch geht zu einem anderen und hat Verbindung zur Göttlichen Gegenwart; wenn er diese Verbindung rein und dauerhaft machen kann, wird dies das Göttliche Bewusstsein verpflichten, sich im Allermateriellsten zu manifestieren. Aber alles hängt von deiner eigenen inneren Stufe und Aufrichtigkeit ab, und je mehr du seelisch bereit bist, umso mehr wirst du zur richtigen Quelle, dem richtigen Meister geführt. Die Seele und ihr Glaube sind immer aufrichtig, aber wenn es in deinem äußeren Wesen Unaufrichtigkeit gibt, und wenn du nicht spirituelles Leben sondern eigene Macht suchst, kann es dich irreführen. Der in sich selbst reine Glaube kann im Wesen mit niederen Regungen vermischt werden, und dann gehst du in die Irre.

Wir sind es, die Einschränkungen machen. Wir sagen die ganze Zeit: „Diese Sache ist möglich, die andere unmöglich; dies, ja, dies kann getan werden; oh ja, dies ist wahr, es ist machbar, es ist sogar so gut wie getan, aber das, das ist unmöglich.“ Wir sind es, die sich immer wie Sklaven in das Gefängnis unserer Grenzen begeben, unserer dummen, engen, ignoranten Wahrnehmung, die nichts über die Gesetze des Lebens weiß. Die Gesetze des Lebens sind ganz und gar nicht das, wofür du sie hältst oder die allerklügsten Leute sie halten. Sie sind ganz anders. Wenn man einen Schritt, besonders den ersten Schritt auf dem Weg macht, beginnt man, das herauszufinden.