Kapitel 5

Wandle dein ganzes Leben in eine Selbst-Hingabe an den Ewigen

Worte Sri Aurobindos

Das Gesetz des Opfers ist die alles einende Aktion des Göttlichen, das als ein Symbol für die Solidarität des Universums der Welt an ihrem Anfang auferlegt wurde. Durch die Anziehungskraft dieses Gesetzes kommt eine vergöttlichende rettende Macht hernieder, um die Irrtümer einer egoistischen, in sich selbst zerteilten Schöpfung zu beschränken, zu berichtigen und allmählich zu überwinden. Dieses Herniederkommen, dieses Opfer des Purusha, der Göttlichen Seele, die sich der Kraft und der Materie unterwirft, um diese von innen her zu formen und zu erleuchten, ist die Saat der Erlösung dieser Welt aus Nichtbewusstheit und Unwissenheit. …

Das wahre Wesen des Opfers ist aber nicht diese vernichtende Selbst-Hinopferung, sondern die Selbst-Hingabe. Sein Ziel Ist nicht die Austilgung des eigenen Selbstes, sondern dessen Erfüllung. Seine Methode ist nicht die Selbst-Abtötung, sondern ein größeres Leben, nicht die Selbst-Verstümmlung, sondern eine Transformation unserer natürlichen menschlichen Seiten in solche göttlichen Wesens. Wir sollen uns nicht selbst quälen, wir sollen aus einer niederen Selbst-Genügsamkeit zu einem höheren Ananda weitergehen. …

Das einzige Gott wirklich willkommene Opfer ist eine letzte, höchste, äußerste Selbst-Hingabe, jene Unterwerfung von Angesicht zu Angesicht, in tiefer Verehrung und Erkenntnis, frei und ohne jeden Vorbehalt, an den Einen, der zugleich unser innewohnendes Selbst, das uns umgebende und konstituierende All und die Höchste Wirklichkeit jenseits von dieser oder jener Manifestation ist. Zugleich ist er insgeheim dieses alles zusammen, überall verborgen, die immanente Transzendenz. Denn Gott beschenkt eine Seele, die sich ihm ganz hingibt, mit sich selbst in seiner Allheit. Nur wer seine ganze Natur opfert, findet das Selbst. Wer alles hingeben kann, gewinnt überall die Freude am Göttlichen All. Wer sich im höchsten Wesen selbst aufgeben kann, gelangt zum Höchsten. Wenn wir durch das Opfer alles, was wir sind, sublimieren, können wir das Höchste verkörpern und hier in dem immanenten Bewusstsein des transzendenten Geistes leben.

Es wird also eigentlich das von uns gefordert: wir sollen unser ganzes Leben in ein bewusstes Opfer umwandeln. Jeder Augenblick und jede Regung unseres Wesens sollen entschieden zu einer ständigen und aufrichtigen Selbst-Hingabe an den Ewigen gemacht werden. Alle unsere Handlungen sollen als Werke opfernder Darbringung getan werden: die kleinsten, gewöhnlichsten und unbedeutendsten nicht weniger als die größten, außergewöhnlichen und edelsten. Unsere individualisierte Natur soll in dem alleinigen Bewusstsein leben, dass jede innere und äußere Regung dem größeren Wesen jenseits von unserem Ego geweiht ist. Welche Gabe es auch sei und wem immer wir sie darbringen mögen, es soll uns beim Tun bewusst werden, dass wir sie dem einen göttlichen Sein in allen Wesen weihen. Unsere gewöhnlichsten und gröbsten materiellen Handlungen müssen diesen verfeinerten Charakter annehmen. Wenn wir essen, sollten wir dessen eingedenk sein, dass wir unsere Nahrung jener Gegenwart in uns darbringen. Das soll wie ein heiliges Opfer in einem Tempel sein. Das Empfinden, dass wir dabei nur unser körperliches Bedürfnis sättigen oder uns durch einen Genuss befriedigen, soll von uns abfallen. Bei jeder großen Arbeit, in jeder hohen Disziplin und in jedem schwierigen oder edlen Unternehmen dürfen wir, auch wenn wir es um unsretwillen, für andere oder für die Menschheit leisten, nicht bei der Vorstellung „wir selbst“, „die Menschheit“, „die anderen“ stehen bleiben. Was wir da tun, soll bewusst als ein Opfer des Wirkens nicht an diese, sondern entweder durch sie oder unmittelbar der Einen Gottheit dargebracht werden. Das innewohnende Göttliche, das durch diese Gestaltungen verhüllt war, soll nicht länger verborgen bleiben, sondern unserer Seele, unserem Mental und unseren Sinnen gegenwärtig sein. So sollen unsere Taten und Ihre Ergebnisse in die Hand dieses Einen gelegt werden, weil wir fühlen, dass der Unendliche und Erhabene jene Gegenwart ist, durch die allein unser Arbeiten und Streben möglich ist. Denn in seinem Wesen findet alles statt. Für ihn nimmt die Natur all unser Wirken und Streben entgegen und bringt es auf seinem Altar dar. Auch dort, wo die Natur allein ganz deutlich die Wirkende ist und wo wir ihr Wirken nur beobachten und dessen Gefäß und Träger sind, sollten wir ständig an den göttlichen Meister denken und uns ihn als den Wirkenden nachdrücklich bewusst machen. Sogar unser Einatmen und Ausatmen, ja unser Herzschlag kann und soll als der lebendige Rhythmus des universalen Opfers in uns bewusst gemacht werden.

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