Kapitel 5
Der Ashram – Ein Laboratorium
Worte Sri Aurobindos
Es ist notwendig oder ziemlich unvermeidlich, dass in einem Ashram, der – wie X es ausdrückt – ein „Laboratorium“ für einen spirituellen und supramentalen Yoga ist, die Menschheit auf verschiedene Weise vertreten sein sollte. Denn die Umwandlung hat sich mit allen Arten von günstigen und ungünstigen Elementen auseinanderzusetzen, wobei in ein und demselben Menschen eine Mischung von beiden zu finden ist. Wenn nur sattwische und kultivierte Leute zum Yoga kämen, Menschen ohne viele vitale Schwierigkeiten in sich, könnten unsere Bemühungen leicht fehlschlagen, da der Widerstand des vitalen Elementes in der Erdnatur nicht besiegt und überwunden würde. Es wäre unter bestimmten Umständen denkbar, dass eine obermentale Schicht das Mental, Vital und Physische überlagert und beeinflusst, aber kaum etwas Supramentales und somit keine höhere Wandlung des menschlichen Wesens stattfindet. Die Bewohner des Ashrams kommen von überall her und sind von ganz unterschiedlicher Art – das ist anders gar nicht möglich.
Im Laufe des Yoga erheben sich in dem Maße, wie jede Ebene kollektiv erfasst wird, alle Schwierigkeiten – wenn auch nicht für jeden gleichermaßen. Das erklärt vieles im Ashram, was die Menschen dort nicht erwarten. Wenn die Vorarbeit im „Laboratorium“ beendet ist, müssen sich die Dinge ändern.
Auf menschliche Kameradschaft der üblichen Art unter den Bewohnern [des Ashrams] wird wenig Wert gelegt (obwohl Sympathie, Rücksichtnahme und Höflichkeit immer vorhanden sein sollten), da dies nicht das Ziel ist. Das Ziel ist das Einssein in einem neuen Bewusstsein, und das Wichtigste für jeden ist, seine Sadhana zu tun, dieses neue Bewusstsein zu erlangen und darin das Einssein zu verwirklichen.
Alle Fehler in den Sadhaks müssen durch das Licht von oben ausgemerzt werden – eine sattwische Regel hingegen kann nur jene Naturen ändern, die für eine sattwische Regel empfänglich sind.
Worte der Mutter
Keine der gegenwärtigen Errungenschaften der Menschheit, wie groß sie auch seien, können für uns ein Ideal sein. Die ganze weite Welt ist ein Experimentierfeld für menschliche Ideale.
Unser Ziel ist ein ganz anderes, und wenn auch unsere Aussichten auf Erfolg augenblicklich gering sind, so wissen wir doch mit Sicherheit, dass wir die Zukunft vorbereiten. Vom äußeren Standpunkt aus betrachtet, liegen wir unter dem Standard vieler Errungenschaften, doch unser Ziel ist nicht eine Vollkommenheit, die mit den menschlichen Normen übereinstimmt. Wir streben nach etwas anderem, nach etwas, das der Zukunft angehört.
Der Ashram wurde gegründet, um die Wiege einer neuen Welt zu sein. Dazu ist er bestimmt.
Die Inspiration von oben, die leitende Kraft von oben, die schöpferische Macht von oben sind am Werk für die Herabkunft der neuen Verwirklichung.
Allein durch seine Unzulänglichkeiten, Mängel und Fehlschläge gehört der Ashram der gegenwärtigen Welt an.
Keine der augenblicklichen Errungenschaften der Menschheit hat die Macht, den Ashram aus seinen Schwierigkeiten zu befreien.
Nur die völlige Wandlung all seiner Mitglieder und ein integrales Sich-Öffnen für das herabkommende Licht der Wahrheit können ihm zu seiner Verwirklichung verhelfen.
Die Aufgabe ist ohne Zweifel eine ungeheure Aufgabe, doch wir erhielten das Gebot, sie zu vollenden, und allein zu diesem Zweck sind wir auf Erden. Wir werden mit unerschütterlichem Vertrauen in den Willen und die Hilfe des Höchsten weitergehen, bis das Ziel erreicht ist. Die Tür ist offen und wird immer offen bleiben für all jene, die sich entscheiden, ihr Leben diesem Ziel zu weihen.