Kapitel 4
Zwei sich ergänzende Seiten der Menschheit
Eine der ersten Auswirkungen des Krieges war zweifellos, der Geschlechterfrage einen ganz neuen Aspekt zu verleihen. Die Sinnlosigkeit der ständigen Gegensätze zwischen Mann und Frau wurde sofort deutlich, und hinter dem Konflikt der Geschlechter, der sich nur auf äußere Tatsachen bezog, erlaubte die Schwere der Umstände die Entdeckung der immer vorhandenen, wenn auch nicht immer äußerlich sichtbaren Tatsache der wirklichen Zusammenarbeit, der wahren Vereinigung dieser beiden sich ergänzenden Seiten der Menschheit.
Viele Männer waren überrascht, wie leicht sie von Frauen in den meisten ihrer früheren Ämter ersetzt werden konnten, und zu ihrer Überraschung gesellte sich ein gewisses Bedauern darüber, dass sie in der Frau, die sie oft nur als Objekt des Vergnügens und der Ablenkung oder bestenfalls als Hüterin ihres Herdes und Mutter ihrer Kinder betrachtet hatten, nicht schon früher eine wirkliche Partnerin für ihre Arbeit und ihre Kämpfe gefunden hatten. Eine gute Partnerin, das ist die Frau gewiss, und es erfordert dazu außergewöhnliche Eigenschaften; aber sie ist nicht nur das, wie die gegenwärtigen Umstände reichlich bewiesen haben.
Bei der Pflege der Verwundeten unter schwierigsten materiellen Bedingungen, ja sogar unter dem Feuer des Feindes, hat das so genannte schwache Geschlecht bewiesen, dass seine körperliche Kraft und sein Durchhaltevermögen denen des Mannes ebenbürtig sind. Vor allem aber haben die Frauen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten im Bereich der Organisation unter Beweis gestellt. Das brahmanische Indien vor der mohammedanischen Eroberung hat diese Verwaltungsfähigkeiten schon lange in ihnen erkannt.