Kapitel 4
Was ist Schönheit?
Ein Verstoß gegen die Schönheit ist in der Welt der Formen ein ebenso großes Vergehen wie ein Verstoß gegen die Wahrheit in der Welt der Ideen. Denn Schönheit ist die Verehrung, die die Natur dem höchsten Meister des Universums darbringt; Schönheit ist die göttliche Sprache in Formen. Und eine Bewusstheit des Göttlichen, die sich nicht nach außen in ein Verständnis für Schönheit und ein Ausdrücken von Schönheit übersetzt, wäre eine unvollkommene Bewusstheit.
Die wahre Schönheit aber ist ebenso schwer zu entdecken und vor allem zu leben wie irgend ein anderer Ausdruck des Göttlichen; diese Entdeckung und dieser Ausdruck verlangen ebenso viel Unpersönlichkeit und Selbstverleugnung wie die der Wahrheit oder der Seligkeit. Die reine Schönheit ist universal, und man muss universal sein, um sie zu sehen und sie zu erkennen.
O Herr der Schönheit, wie habe ich gegen Dich gefehlt, was für Fehler mache ich noch!… Gib mir das volle Verständnis Deines Gesetzes, dass ich da nicht mehr irre. Ohne Dich wäre die Liebe unvollständig, Du bist eine ihrer schönsten Zierden, bist eines ihrer harmonischsten Lächeln. Gelegentlich habe ich Deine Rolle verkannt – aber im Grunde meines Herzens habe ich Dich immer geliebt, und die willkürlichsten, radikalsten Lehren konnten das Feuer des hohen Dienstes nicht löschen, den ich Dir seit meiner Kindheit geweiht hatte.
Du bist nicht so, wie ein eitler Haufen Leute Dich wähnt, Du bist nicht ausschließlich an diese oder jene Form des Daseins gebunden: in jeder Form ist es möglich Dich zu erwecken, Dich erstrahlen zu lassen; doch dazu muss man Dein Geheimnis entdeckt haben….
O Herr der Schönheit, gib mir das volle Verständnis Deines Gesetzes, dass ich nicht mehr irre und dass Du in mir die harmonische Krönung des Herrn der Liebe werdest.
Auf der physischen Ebene drückt sich das Göttliche durch Schönheit aus, auf der mentalen Ebene durch Wissen, auf der vitalen Ebene durch Kraft und auf der seelischen Ebene durch Liebe.
Wenn wir uns hoch genug erheben, entdecken wir, dass diese vier Aspekte sich in einem einzigen Bewusstsein vereinen, das voller Liebe ist, leuchtend, kraftvoll, schön, alles enthaltend, alles durchdringend.
In der physischen Welt ist es vor allem die Schönheit, die das Göttliche am besten zum Ausdruck bringt. Die physische Welt ist die Welt der Form und die Vollkommenheit der Form ist Schönheit. Schönheit deutet den Ewigen an, bringt Ihn zum Ausdruck und manifestiert Ihn. Ihre Aufgabe ist es, die gesamte manifestierte Natur mit dem Ewigen in Kontakt zu bringen, durch die Vollkommenheit der Form, durch Harmonie und ein Empfinden für das Ideal, das erhebt und zu etwas Höherem führt.
Um diesen Yoga zu tun, muss man zumindest ein wenig Sinn für Schönheit haben. Wenn man das nicht hat, verpasst man einen der wichtigsten Aspekte der physischen Welt.
Es gibt diese Schönheit, diese Würde der Seele – etwas, wofür ich sehr empfänglich bin. Es ist etwas, das mich bewegt und in mir immer einen großen Respekt hervorruft.
Ja, diese Schönheit der Seele, die im Gesicht sichtbar ist, diese Art von Würde, diese Harmonie der ganzheitlichen Verwirklichung. Wenn die Seele im Physischen sichtbar wird, verleiht sie diese Würde, diese Schönheit, diese Majestät, die Majestät, die daraus entsteht, dass man selbst der Tabernakel ist. Dann bekommen auch Dinge, die keine besondere Schönheit haben, einen Sinn für die ewige Schönheit, für diese ewige Schönheit.