Kapitel 4

Praktischer Leitfaden

Wenn du noch nicht die ganze Zeit über an das Göttliche zu denken vermagst, macht das nicht viel aus. Zu Beginn der Arbeit daran zu denken, sich zu weihen und am Ende zu danken, sollte für den Augenblick genügen; oder auch an das Göttliche zu denken, wenn eine Pause eingetreten ist. Deine Methode scheint mir ziemlich mühsam und schwierig zu sein – du scheinst zu versuchen, mit ein und demselben Teil des Mentals dich [des Göttlichen] zu erinnern und zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob dies möglich ist. Wenn Menschen während der Arbeit immer an das Göttliche denken (dies ist möglich), findet es meist im Hintergrund ihres Mentals statt, oder aber es wird allmählich die Fähigkeit des doppelten Denkens oder doppelten Bewusstseins erlangt – eines im Vordergrund, das arbeitet, und eines zuinnerst, das betrachtet und sich des Göttlichen erinnert. Es gibt noch einen anderen Weg, der lange Zeit der meine war – ein Zustand, in dem die Arbeit automatisch geschieht, ohne die Vermittlung des persönlichen Denkens oder der mentalen Tätigkeit, während das Bewusstsein schweigend im Göttlichen verharrt. Dies erreicht man jedoch nicht so sehr, indem man es ausprobiert, als durch ein einfaches, immerwährendes Streben und den Willen, sich zu weihen – oder aber durch eine Bewegung des Bewusstseins, die das innere vom instrumentalen Wesen trennt. Das Streben und der Wille sich zu weihen, die eine größere Kraft herabrufen, welche die Arbeit tut, ist eine Methode, die große Ergebnisse zeitigt, selbst wenn dies bei einigen lange Zeit dauert. Das ist das große Geheimnis der Sadhana, zu wissen wie die Dinge von der Macht dahinter oder darüber getan werden, und nicht durch die Bemühung des eigenen Mentals. Ich sage nicht, dass die Bemühung des Mentals nicht notwendig ist oder kein Ergebnis zeitigt – doch wenn es versucht, alles selbst zu tun, dann ist das ein schwerfälliges Beginnen für alle außer den spirituellen Athleten. Ich glaube auch nicht, dass dieser andere Weg die ersehnte Abkürzung ist. Es kann wie gesagt lange Zeit in Anspruch nehmen, sein Ziel zu erreichen. Geduld und feste Entschlossenheit sind auf jedem Weg der Sadhana notwendig.

Stärke ist in Ordnung für die Starken – doch das Streben und die Gnade, die auf dieses Streben antwortet, sind nicht insgesamt ein Märchen; sie sind die großen Realitäten des spirituellen Lebens.

Es ist zunächst nicht einfach, sich der [Göttlichen] Präsenz während der Arbeit zu erinnern; wenn man aber das Gefühl der Präsenz unmittelbar nach der Arbeit beleben kann, genügt es. Mit der Zeit wird das Gefühl der Präsenz auch in der Arbeit etwas Automatisches werden.

Eine gewisse Trägheit im physischen Bewusstsein bindet dieses an das gewohnte Geleise dessen, was es immer tut, so dass es fixiert und nicht frei ist, sich [der Mutter] zu erinnern.

All die Schwierigkeiten, die du beschreibst, sind ganz natürliche Dinge, denen die meisten Menschen ausgesetzt sind. Es ist verhältnismäßig einfach, sich [des Göttlichen] zu erinnern und bewusst zu sein, solange man ruhig meditiert; es ist jedoch schwierig, sobald man mit der Arbeit beschäftigt ist. Dieses Erinnern und dieses Bewusstsein während der Arbeit stellen sich nach und nach ein, und du darfst nicht alles auf einmal erwarten; niemand kann alles auf einmal haben. Es kommt auf zwei Arten – erstens, man versucht, an die Mutter zu denken und ihr jede Arbeit darzubringen, die man gerade verrichtet (man tut nicht immer etwas, doch zu Beginn der Arbeit oder wann immer man daran denken kann); dies wird dann für die menschliche Natur allmählich etwas Einfaches und Gewohntes. Zweitens, durch die Meditation beginnt sich ein inneres Bewusstsein zu entwickeln, das nach einiger Zeit – nicht sofort oder plötzlich – mehr und mehr von selbst anhält. Man empfindet dieses als vom äußeren, arbeitenden Bewusstsein getrennt. Zuerst wird das abgetrennte Bewusstsein bei der Arbeit nicht empfunden, doch fühlt man, sobald die Arbeit beendet ist, dass es die ganze Zeit über gegenwärtig war und aus dem Hintergrund beobachtete; später beginnt man, es selbst während der Arbeit zu fühlen, so als würde man aus zwei Teilen bestehen – ein Teil, der aus dem Hintergrund beobachtet und hilft, der sich der Mutter erinnert und ihr [die Arbeit] darbringt, und der andere, der die Arbeit tut. Sobald dies geschieht, wird es immer einfacher, im wahren Bewusstsein zu arbeiten.

Alles sollte ruhig von innen her geschehen – Arbeiten, Sprechen, Lesen, Schreiben – als Teil des wirklichen Bewusstseins und nicht mit der zerstreuten, unruhigen Bewegung des gewöhnlichen Bewusstseins.

Es ist zunächst ein wenig schwierig, die innere Verfassung mit der Aufmerksamkeit auf die nach außen gerichtete Arbeit in Einklang zu bringen oder sie im Verkehr mit anderen aufrechtzuerhalten; es kommt aber eine Zeit, in der das innere Wesen in voller Einung mit der Mutter zu sein vermag, während aus dieser konzentrierten Einung die Tätigkeit hervorgeht und in all ihren Einzelheiten genauso leicht gelenkt werden kann; auf diese Weise ist es einem Teil des Bewusstseins möglich, sich allem Äußeren zuzuwenden, sich sogar darauf zu konzentrieren und dennoch zu fühlen, wie die innere Konzentration auf die Mutter gerichtet ist.

Sich ständig an die Mutter zu erinnern, ist eine schwierige Sache, und nur wenige haben sie, aber sie wird mit der Zeit kommen. In der Zwischenzeit wirkt ihre Kraft in dir und bereitet dein Bewusstsein darauf vor.

Verhalte dich immer so, als ob die Mutter auf dich schaut, denn sie ist in der Tat immer gegenwärtig.