Kapitel 4

Die Wesensart des Yoga

Kannst du etwas über Yoga sagen?

Warum willst du den Yoga? Um Macht zu gewinnen? Um Ruhe und Frieden zu finden? Um der Menschheit zu dienen?

Keiner dieser Gründe beweist ausreichend, dass du für den Pfad bestimmt bist.

Auf folgende Frage musst du Antwort geben: Willst du den Yoga um des Göttlichen willen? Ist das Göttliche das höchste Ziel deines Lebens, so sehr, dass es dir ganz unmöglich wäre, ohne es auszukommen? Fühlst du, dass der eigentliche Zweck deines Daseins das Göttliche ist, dass es ohne das Göttliche stumpf und sinnlos wäre? Dann, und nur dann, lässt sich sagen, dass du für den Pfad bestimmt bist.

Dies ist die erste notwendige Sache: Aspiration – ein sehnsuchtsvolles Streben nach dem Göttlichen.

Der nächste Schritt besteht darin, diese Aspiration zu vertiefen, sie immer wach zu halten, sie lebendig und stark zu machen. Und dazu benötigt man Konzentration – Konzentration auf das Göttliche, in der Absicht, sich ganzheitlich und absolut seinem Willen und seinem Vorhaben zu weihen.

Konzentriere dich im Herzen. Dringe so weit und so tief als möglich ein. Ziehe alle Fäden deines schweifenden Bewusstseins ein, halte sie zusammen und springe – tauche in dein Wesen ein.

Eine Flamme brennt in der tiefen Ruhe deines Herzens. Dies ist die Gottheit in dir – dein wahres Wesen. Höre auf ihre Stimme, folge ihren Anweisungen.

Es gibt noch andere Zentren der Konzentration, zum Beispiel eines über dem Kopf und eines zwischen den Augenbrauen. Jedes hat seine eigene Wirkung und wird dir ein bestimmtes Resultat geben. Aber dein zentrales Wesen befindet sich im Herzen, und aus dem Herzen kommen alle zentralen Bewegungen – alle dynamischen und zur Umwandlung drängenden Bewegungen sowie die Macht zur Verwirklichung.

Was muss man tun, um sich auf den Yoga vorzubereiten?

Vor allem bewusst sein. Wir sind uns bloß eines geringen Teils unseres Wesens bewusst; der größte Teil ist uns unbewusst. Diese Unbewusstheit bindet uns an unsere alte Natur und verhindert ihre Veränderung und Umwandlung. Es ist die Unbewusstheit, die es den ungöttlichen Kräften ermöglicht, in uns einzudringen und uns zu ihren Sklaven zu machen. Du musst dir deiner selbst bewusst werden, du musst dir deiner Natur und deiner Regungen gewahr werden, du musst wissen, warum und wie du etwas tust, fühlst oder denkst. Du musst deine Beweggründe und Impulse verstehen, die versteckten und in Erscheinung getretenen Kräfte, die dich handeln lassen. Gewissermaßen musst du den Mechanismus deines Wesens in Teile zerlegen. Erst wenn du bewusst bist, das heißt Dinge zu erkennen und voneinander zu trennen, kannst du sehen, welche Kräfte dich herunterziehen und welche dir helfen voranzukommen. Und wenn du zu wissen vermagst, was zu tun und zu lassen ist, wenn du das Wahre vom Falschen, das Göttliche vom Ungöttlichen unterscheiden kannst, musst du strikt nach diesem Wissen handeln, das heißt entschlossen das Eine zurückweisen und das Andere annehmen. Die Dualität wird bei jedem Schritt gegenwärtig sein, und bei jedem Schritt wirst du deine Wahl zu treffen haben. Du wirst geduldig, ausdauernd und achtsam sein müssen – „schlaflos“, wie die Adepten sagen. Immer musst du es ablehnen, dem Ungöttlichen die geringste Chance gegenüber dem Göttlichen zu geben.

Ist der Yoga für das Wohl der Menschheit da?

Nein, er ist um des Göttlichen willen da. Wir suchen nicht das Wohlergehen der Menschheit, sondern die Manifestation des Göttlichen. Wir sind hier, um den Göttlichen Willen auszuführen, wahrhaftiger noch, um vom Göttlichen Willen bearbeitet zu werden, so dass wir seine Werkzeuge werden mögen für die progressive Einkörperung des Höchsten und die Begründung Seiner Herrschaft auf Erden.

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