Kapitel 30
Finde Interesse an dem, was du tust
Es gibt in der Arbeit eine Disziplin. Sie besteht darin, keine Vorlieben zu haben und alles, was man tut, mit Interesse zu tun. Für jemanden, der in der Selbstvollendung wachsen will, gibt es keine großen oder kleinen Aufgaben, keine wichtigen und unwichtigen; alle sind gleich nutzbringend für denjenigen, der nach Fortschritt und Selbstmeisterung strebt. Es wird gesagt, man tut eine Sache nur dann gut, wenn man sie mit Interesse tut. Das ist wahr, aber es ist ebenso wahr, dass man lernen kann, an allem Interesse zu finden, selbst an den scheinbar unbedeutendsten Hausarbeiten. Das Geheimnis zu dieser Fähigkeit liegt in dem Drang nach Selbstvollendung. Welcher Beruf oder welche Aufgabe dir auch immer bestimmt ist, du musst sie mit einem Willen zum Fortschritt ausführen; was immer man tut, man muss dabei nicht nur sein Bestes geben, sondern gleichsam immer in einer beharrlichen Anstrengung darum bemüht sein, es immer besser und vollkommener zu machen. Auf diese Weise wird alles ohne Ausnahme interessant, von der materiellsten Routinearbeit bis hin zur künstlerischsten und intellektuellsten Arbeit. Das Betätigungsfeld für die Weiterentwicklung ist unendlich und kann auf die kleinste Sache angewendet werden.
Das führt uns ganz natürlich zur Befreiung im Handeln. Denn man muss in seinem Handeln frei von allen sozialen Konventionen und moralischen Vorurteilen sein. Das bedeutet aber nicht, dass man ein zügelloses und ausschweifendes Leben führen sollte. Im Gegenteil, man legt sich selbst ein Gesetz auf, das weitaus strenger ist als alle sozialen Regeln, denn es toleriert keine Heuchelei und fordert eine vollkommene Aufrichtigkeit.
Ohne Liebe zur Arbeit wird man immer unglücklich im Leben sein.
Um wirklich glücklich im Leben zu sein, muss man Arbeit lieben.