Kapitel 3
Psychologischer Schutz
Die psychologische Stimmung
Worte der Mutter
In Wirklichkeit ist, selbst aus einem rein egoistischen Grund, Gutes zu tun, gerecht, aufrichtig, ehrlich zu sein, das beste Mittel, um ruhig und friedlich zu sein, um die eigene Unruhe auf ein Minimum zu reduzieren. Und wenn man obendrein uneigennützig sein könnte, frei von persönlichen Motiven und Egoismus, dann wäre es möglich, wirklich glücklich zu werden.
Du trägst mit dir, um dich herum, in dir die Atmosphäre, die du durch deine Handlungen erzeugst, und wenn das, was du tust, schön, gut und harmonisch ist, dann ist deine Atmosphäre gut, schön und harmonisch. Lebst du andererseits in schäbiger Selbstsucht, skrupelloser Eigennützigkeit, rücksichtslosem, bösen Willen, dann ist es das, was du in jedem Augenblick deines Lebens atmen wirst, und das bedeutet Elend, beständiges Unbehagen. Es bedeutet Hässlichkeit, die an sich selbst verzweifelt.
Und man darf nicht glauben, dass man sich durch das Verlassen des Körpers von dieser Atmosphäre befreit; im Gegenteil, der Körper ist eine Art Schleier der Unbewusstheit, der die Intensität des Leidens mindert. Wenn du im stofflichsten vitalen Leben ohne den Schutz des Körpers bist, wird das Leiden viel akuter und du hast nicht mehr die Möglichkeit, zu ändern, was zu ändern ist, zu korrigieren, was zu korrigieren ist, dich für ein höheres, glücklicheres und leuchtenderes Leben und Bewusstsein zu öffnen…
Erwarte nichts vom Tod. Das Leben ist deine Rettung.
Im Leben musst du dich transformieren. Auf der Erde kannst du dich entwickeln und auf der Erde kannst du verwirklichen. Im Körper wirst du den Sieg erringen.
Die psychologische Grundstimmung ist wichtig
Worte der Mutter
Das Göttliche kann nur denjenigen Schutz geben, die dem Göttlichen von ganzem Herzen ergeben sind, die wirklich im Geiste der Sadhana leben und ihr Bewusstsein und ihre Einstellung auf das Göttliche und den Dienst für das Göttliche ausgerichtet halten. Begierde zum Beispiel, das Beharren auf den eigenen Vorlieben und Bequemlichkeiten, alle Regungen von Heuchelei, Unaufrichtigkeit und Falschheit sind große Hindernisse, die Gottes Schutz im Wege stehen. Wenn du versuchst, dem Göttlichen deinen Willen aufzuzwingen, ist das so, als würdest du eine Bombe herbeirufen, die auf dich fällt. Ich sage nicht, dass es zwangsläufig so kommen muss; aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es so kommt, wenn die Menschen nicht bewusst und absolut wachsam werden und im wahren Geist eines spirituell Suchenden handeln. Wenn die psychologische Atmosphäre die gleiche bleibt wie die der Außenwelt, kann es keine sichere Mauer der Sicherheit gegen die dunklen Kräfte geben, die darin den Leidensweg ausarbeiten und Leid und Zerstörung hier treten lassen.
Angst öffnet die Tür für Krankheit
Worte der Mutter
Ich kannte jemanden, der so voller Angst war, dass er Cholera bekam! Im Nachbarhaus war Cholera ausgebrochen, und diese Person bekam es so mit der Angst zu tun, dass sie von der Cholera angesteckt wurde. Es war aus keinem anderen Grund, es gab keinen anderen, angesteckt zu werden: Es war durch die blanke Angst. Das passiert oft. Bei einer Epidemie sind die meisten Fälle so. Die Angst öffnet die Tür, und dann bekommt man die Krankheit. Jene, die keine Angst haben, können frei davon bleiben. Meistens holen sie sich gar nichts. Außerdem ist es auch noch so, wie ich bereits sagte: Man kann im mentalen Geist ohne Angst sein, man kann sogar in seinem Vital ohne Angst sein, aber wer hat nicht Angst in seinem Körper? Nur ganz wenige.
Es bedarf einer strengen Disziplin, um den Körper von der Angst zu heilen. Die Zellen ihrerseits zittern. Nur durch Disziplin, durch Yoga kann man diese Angst überwinden. Es ist eine Tatsache, dass man sich durch Angst irgendetwas holen, ja sogar einen Unfall heraufbeschwören kann. In gewisser Hinsicht ist alles ansteckend. Ich kannte jemanden, der gewissermaßen durch den Schrecken, den er beim Anblick der Wunde einer anderen Person empfand, selbst eine Wunde bekam. Er bekam sie wirklich.
Die wahre Abwehr von Begierden
Worte der Mutter
Die feinstoffliche Hülle mag bei jemandem völlig unversehrt und wunderbar wirksam sein, ihn vor allen Krankheiten und Unfällen schützen, und dennoch mag er voller Begierden stecken, weil Begehren eben zu einem anderen Bereich gehört. Es ist nichts Physisches, sondern etwas Vitales, und diese Hülle ist stofflicher als das Vital: sie kann das Vital nicht daran hindern, mit der vitalen Welt in Beziehung zu treten und von dort all seine Antriebe zu empfangen. Freilich, wer sich selbst gemeistert hat, wer sein seelisches Wesen gefunden hat, wer dauernd im Bewusstsein dieses seelischen Wesens lebt, wer eine vollkommene oder jedenfalls beständige Beziehung zur inneren göttlichen Gegenwart hergestellt hat, der umgibt sich mit einer Atmosphäre des Wissens, des Lichtes, der Schönheit, der Reinheit, die der allerbeste Schutz gegen Begierden ist. Trotzdem aber kann das Begehren eindringen, wenn man nicht beständig auf der Hut ist, denn wir sagen ja, es komme von außerhalb. Man mag in sich drinnen eine Begierde unterdrückt haben, und dennoch kommt sie wie eine Ansteckung von außen. Immerhin verliert das Begehren durch diese Hülle des Lichtes, des Wissens und der Reinheit seine Kraft, und statt es als eine Regung zu empfangen, die eine blinde und unvermittelte Antwort hervorruft, bemerkt man, was geschieht, und wird der Kraft gewahr, die eindringen will, und kann – wenn man diese für unerwünscht hält – in aller Ruhe eine innere Bewegung ausführen und das aufkommende Begehren abweisen. Das ist die einzige wahrhafte Abwehr: ein erwachtes, reines und einsatzbereites Bewusstsein, eines, das nicht einschläft und nichts unbemerkt hereinlässt.
Kraft der Gedanken
Worte der Mutter
Ein Gedanke, der geschickt gelenkt und gehalten wird, kann durch Affinität einen Schimmer von Weisheit im Gemüt vieler Menschen, die noch in Dunkelheit gehüllt sind, zur Bewusstheit erwecken und sie so auf den Weg zu einer fortschreitenden Evolution bringen; er kann als Vermittler für einen Kranken dienen, indem er die für seine Heilung notwendigen Lebenskräfte zu ihm hinzieht; er kann über einen lieben Freund wachen und ihn vor vielen Gefahren schützen, indem er ihn entweder durch mentale Kommunikation und durch seine Intuition warnt oder direkt auf die Ursache der Gefahr einwirkt.
Leider gilt auch das Umgekehrte, und auch den schlechten Gedanken fehlt es nicht an Wirkungskraft. Wir können uns nicht vorstellen, welchen Schaden wir anrichten, wenn wir schlechte Gedanken empfangen und ausstrahlen, Gedanken des Hasses, der Rache, der Eifersucht, des Neides, böswillige Gedanken, harsche Urteile, sektiererische Wertungen… Wir alle wissen, wie schädlich es ist, verleumderischen Klatsch zu hören und zu wiederholen, aber es reicht nicht, sich der Worte zu enthalten, wir müssen uns auch der Gedanken enthalten.
Worte der Mutter
Kein Anhängen, kein Begehren, keine Impulse, keine Vorliebe; vollendeter Gleichmut der Seele, unveränderlicher Friede, absolutes Vertrauen in den Göttlichen Schutz: damit bist du in Sicherheit, ohne das aber in Gefahr. Und solange deine Sicherheit nicht gewiss ist, machst du es am besten wie die kleinen Küken, die sich unter den mütterlichen Fittichen bergen.
Lerne zu leben
Worte der Mutter
Zum Beispiel, in einem Spiel, wenn ihr spielt… ist es wie die Schwingung eines Punktes, es wird stärker und stärker und stärker bis plötzlich, bums!… ein Unfall. Und das ist so eine kollektive Atmosphäre, man kommt dazu und sieht das. Ihr spielt gerade bei einem Spiel mit – Basketball oder Fußball oder irgendetwas –, man fühlt das, man sieht es, es bildet gleichsam eine Art Dampf um euch herum (diese Art von Wärmedunst, der manchmal auftritt), und es nimmt dann eine solche Schwingung an, immer mehr, immer mehr, immer mehr, bis plötzlich das Gleichgewicht gestört ist: Jemand bricht sich das Bein, fällt zu Boden, bekommt einen Ball auf den Mund und so weiter. Und man kann im Voraus prophezeien, dass das eintrifft, wenn die Dinge so sind. Aber niemand merkt es.
Aber auch in weniger ernsten Fällen habt ihr, jeder individuell, etwas um euch, das, statt diese ganz individuelle und sehr ruhige Umhüllung zu sein, die euch schützt vor all dem, was ihr nicht empfangen wollt… Mit anderen Worten, eure Empfänglichkeit wird willentlich und bewusst, sonst empfangt ihr nicht; und erst wenn ihr diese bewusste, äußerst ruhige Atmosphäre habt und, wie gesagt, wenn sie von innen her kommt (es ist nicht etwas, das von außen kommt), erst wenn es so ist, könnt ihr ohne nachteilige Folgen durchs Leben gehen, das heißt, mitten unter den anderen und in allen Situationen jeder Minute…
Im anderen Fall, wenn es etwas Schlechtes einzufangen gibt, zum Beispiel einen Zorn, eine Angst, eine Krankheit, ein Unwohlsein, bekommt ihr es mit Sicherheit. Sobald es so anfängt, ist es, als würdet ihr alle ähnlichen Schwingungen herbeirufen, damit sie von euch Besitz ergreifen.
Erstaunlich ist, mit welcher Unbewusstheit die Menschen durchs Leben gehen. Sie wissen nicht, wie man lebt, es gibt nicht einen unter einer Million, der weiß, wie man lebt… Das ist das Erste, was man Kindern beibringen sollte: lernen, wie man lebt.
Schutz vor Ansteckung schlechter Angewohnheiten
Worte der Mutter
Wer ein ansteckende Krankheit hat, den liebt man nicht, man meidet seine Gesellschaft sorgfältig; meist sperrt man ihn ein, damit sich das nicht weiterverbreitet. Aber die Ansteckung schlechter Angewohnheiten und des schlechten Benehmens, die Ansteckung der Entwürdigung, der Lüge und des Niederen ist unendlich viel gefährlicher als die Ansteckung irgendeiner Krankheit, und das muss man sehr sorgfältig meiden. Man muss den als seinen besten Freund ansehen, der einen wissen lässt, dass er nicht an einer schlechten oder hässlichen Handlung teilnehmen will; wer einem Mut macht, niederen Verlockungen zu widerstehen, der ist der Freund. Mit dem musst du dich zusammentun und nicht mit dem, der Jux mit dir macht und deine schlechten Neigungen stärkt…
Eigentlich sollte man nur die zu Freunden nehmen, die vernünftiger sind als man selber, jemand, dessen Gesellschaft einen veredelt und einem hilft, sich zu überwinden, Fortschritte zu machen, besser zu handeln und klarer zu sehen. Und ist im Grund nicht Gott der beste Freund, den man haben kann, dem man alles sagen, alles offenlegen kann? Denn da liegt die Quelle allen Erbarmens, aller Macht, den Fehler zu tilgen, wenn er nicht wiederholt wird, den Weg zur wahrhaften Verwirklichung zu öffnen; Er, der alles verstehen, alles heilen, auf dem Weg immer helfen kann, damit man nicht versagt, damit man nicht murrt, damit man nicht fällt, damit man geradewegs zum Ziel marschiert. Er ist der wahre Freund, der Freund guter und schlechter Tage, der verstehen kann, der heilen kann und der immer da ist, wenn man Ihn braucht. Wenn man Ihn aufrichtig ruft, ist Er immer da, um dich zu führen, dich zu stützen – und um dich wahrhaft zu lieben.
Die Macht der richtigen Einstellung
Worte der Mutter
Die Frage, ob das Bestmögliche geschieht, ist eine individuelle Frage, sei der Einzelne nun ein Volk oder ein bestimmter Mensch, und alles hängt von der persönlichen Haltung ab. Kannst du im Angesicht von Ereignissen, die gleich geschehen werden, die höchste dir mögliche Haltung einnehmen, das heißt bringst du dein Bewusstsein mit dem höchsten dir zugänglichen Bewusstsein in Kontakt, dann darfst du dir völlig gewiss sein, dass in diesem Fall das Bestmögliche geschieht. Sobald du aber aus diesem Bewusstsein in ein niedrigeres fällst, geschieht offensichtlich nicht das Bestmögliche – eben weil du nicht in deinem besten Bewusstsein bist… Ja, ich behaupte sogar, dass im Einflussbereich jedes Einzelnen die richtige Haltung nicht nur alle Umstände zum besten wenden kann, sondern die Umstände selbst zu ändern vermag. Wenn zum Beispiel einer kommt, um dich zu töten, und du dabei im gewöhnlichen Bewusstsein bleibst, also erschreckst und den Kopf verlierst, dann wird ihm sein Vorhaben wohl gelingen. Steigst du ein klein wenig höher und rufst trotz deiner Angst das Göttliche zur Hilfe, so dürfte dich der Kerl verfehlen oder nur leicht verletzen. Wenn du aber die rechte Haltung hast und das volle Bewusstsein der göttlichen Gegenwart rings um dich, dann vermag er nicht einmal, den kleinen Finger gegen dich zu erheben.
Diese Wahrheit ist der eigentliche Schlüssel zur Umwandlung. Bleibe stets mit der göttlichen Gegenwart in Verbindung, versuche sie herabzubringen, und immer wird das Bestmögliche geschehen. Natürlich wird sich die Welt nicht auf einmal ändern, aber sie wird so schnell fortschreiten, wie sie vermag. Denke daran: Das gilt nur, wenn du auf dem geraden Weg des Yoga bleibst, nicht aber, wenn du vom Pfad abweichst und ihn verlierst, wie in einem Urwald umherschweifst oder dich gehen lässt.