Kapitel 3

Notizen zu „Savitri“

Narads Besuch bei König Aswapati1

Devarshi Narad segelte wie gewohnt mit seiner Vina durch die Weiten und sang Lieder voll Unschuld und Freude. Er war in den höheren, leuchtenden Himmeln, der Welt des Glücks, des Lichts und Entzückens, sein Herz voll göttlicher Glückseligkeit und in seiner Musik hallte die Musik seines Herzens wieder. Nun dachte er daran, in die niederen Räume, in die der Erde näher liegenden Regionen, herabzukommen, und als er in die Erdatmosphäre eintrat, veränderte sich der Klang und Charakter seiner Musik. Mit der Verdichtung des irdischen Schattens stahl sich Dunkelheit in die klare Weite seiner Musik und seines Bewusstseins. Anstatt zu Themen des Friedens, der Liebe und der Freude wandte sich seine Musik der Traurigkeit, dem Kampf, Krieg und Untergang zu, großem Heldentum, Eroberung und der höchsten Erfüllung menschlichen Schicksals. In dieser dunklen Passage entstand langsam ein neues Strahlen, die Ankunft einer neuen Eroberung für das menschliche Bewusstsein – die Möglichkeit, dass der Mensch vom Tier zur Göttlichkeit aufsteigt.

Narad selbst repräsentiert eine göttliche Vollendung des Menschen. Er ist ein devarshi, d.h. er hat durch tapasya und spirituelles Wachstum seine Menschlichkeit überschritten und sich zu einem unsterblichen Wesen entwickelt. Seine besondere Aufgabe ist es nun, ein wandernder Engel zu sein. Er überwacht die Welt, hilft ihr auf ihrem Vormarsch und bringt der Menschheit die Hilfe für ihr Vorwärtsschreiten, so dass sie erfolgreich mit den feindlichen Kräften kämpfen, sie besiegen und den Ruhm göttlicher Unsterblichkeit gewinnen kann.

1

Ein Seher war geboren, ein leuchtender Gast der Zeit.

Für ihn hörte das begrenzende Firmament des Mentals oben auf.

In des Greifs Vorderseite von Nacht und Tag

Klaffte eine Lücke im schmerzverbergenden Gewölbe,

Die bewussten Enden des Seins wichen zurück:

Die Orientierungspunkte der kleinen Person fielen,

Das Insel-Ich verband sich mit seinem Festland:

Überschritten war diese Welt der starren, begrenzenden Formen:

Des Lebens Grenzen öffneten sich in das Unbekannte.2

Notizen:

Greif = goldener Falke und geflügelter Löwe.

Das durchdringende Auge des hochfliegenden Strebens und die aufwallende Energie des reinen Vitals.

Erinnert euch an Vishnus Garuda und Durgas Löwen.

Mit diesen Zwillingskräften durchquert ihr das Grenzland zwischen der niederen und der höheren Hemisphäre sicher. Der Greif der zwielichtigen Welt (Nacht und Tag) ist der schützende Gott dieser Passage – Dvārapālaka.

2

Dann erstreckte sich die grenzenlose letzte Ausdehnung des Endlichen,

Das kosmische Reich des Obermentals,

Der Pufferzustand der Zeit grenzt an die Ewigkeit,

Zu groß für die Erfahrung der menschlichen Seele:

Alles hier versammelt sich unter einem goldenen Himmel:

Die Kräfte, die die kosmische Stellung erbauen, übernehmen

In ihrem Haus der unendlichen Möglichkeit;

Jeder Gott baut von dort die Welt seiner eigenen Natur,

Ideen sind wie eine Summengruppe phalanxiert,

Gedankenmengen werden durch einen Blick in Massen erfasst,

Die gesamte Zeit ist ein Körper, der Raum ein einziges Buch:

Dort ist der universelle Blick des Gottes

Und dort sind die Grenzen des unsterblichen Mentals:

Die Linie, die die Hemisphären trennt und verbindet

Schließt sich um das Werk der Götter

Und schirmt die Ewigkeit ab von der Mühsal der Zeit.3

Notizen:

Ideen sind wie eine Summengruppe phalanxiert,

Gedankenmengen durch einen Blick in Massen erfasst…

Es ist das Bild des Aufbaus einer Armee oder einer mathematischen Reihe (z.B. arithmetische oder geometrische Progression). Es setzt sich aus regulierten Einheiten verschiedener Werte (Summengruppen) zusammen, doch alle sind gemessen und konkret und genau, z.B. im Falle einer Armee in Kompanie, Brigade, Bataillon, Armee, eine aufsteigende Skala, auch formt das Ganze eine große Einheit, wird mit einem Blick erfasst – das ist die Natur der Vision des Obermentals.

Beachte, eine Einheit ist eine Summierung von Untereinheiten. Sogar die letzten Einheiten sind Zusammensetzungen (Massen, im Falle größerer Einheiten), d.h. Moleküle, Atome, Partikel (Nukleon), Punkt.

3

Ich sah die flammende Pioniere des Allmächtigen

Über dem himmlischen Rand, der sich dem Leben zuwendet,

Die Bernsteinstufen der Geburt herabdrängend kommen,

Als Vorläufer einer göttlichen Vielfalt

Kamen sie von den Pfaden des Morgensterns

In den kleinen Raum des sterblichen Lebens.4

Notizen:

Das Ganze bezieht sich auf die Neue Schöpfung, die nun von oben in die psycho-vitale oder physisch-vitale oder sogar die subtil-physische Ebene herabkommt. Diese Neue Schöpfung ist die Schöpfung der Göttlichen Liebe, der Liebe der Mutter.

Morgenstern – Venus, Göttin der Liebe, die die Neue Schöpfung verkörpert.

Bernsteinfarbe repräsentiert eine bestimmte Bewusstseinsebene. Gelb und Rot und ein Hauch Braun – die physisch-vitale oder sogar subtil-physische Ebene. Die Neue Schöpfung kommt auf diese Ebene herab.

1 Sri Aurobindo: Savitri, SABCL, Vol. 29, p. 415.

2 Sri Aurobindo: Savitri, SABCL, Vol. 28, p. 25.

3 Sri Aurobindo: Savitri, SABCL, Vol. 29, pp. 660-61.

4Sri Aurobindo: Savitri, SABCL, Vol. 28, p. 343.

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