Kapitel 24

Ursache und Abhilfe für alle Entstellungen

Wenn alles in der physischen Welt Offenbarte die höhere Wahrheit zum Ursprung hat, wodurch wird sie hässlich, wenn sie sich ausdrückt? Warum gibt es hässliche Dinge?

Weil sich zwischen dem Ursprung und der Manifestation Kräfte einmischen.

Wenn ich dich frage: „Kennst du die Wahrheit deines Wesens?“, was antwortest du dann? … Kennst du sie? … Nun also, das gilt für alles. Und du hast immerhin schon ein genügend entwickeltes denkendes Wesen, das durch allerlei Verfeinerungen gegangen ist. Du bist nicht mehr ganz, sagen wir, wie die Eidechse da, die auf der Mauer herumläuft; und dennoch bist du nicht in der Lage zu sagen, was die Wahrheit deines Wesens ist. Genau das ist das Geheimnis aller Entstellungen auf der Welt. Sie kommen von all der Nichtbewusstheit, die sich mit der Abtrennung vom Ursprung eingestellt hat. Dieses Nichtbewusstsein bewirkt, dass der Ursprung, obwohl er gegenwärtig ist, sich nicht offenbaren kann. Gegenwärtig ist er jedenfalls, und darum besteht die Welt. Aber in seinem Ausdruck ist er entstellt, weil er sich eben durch Nichtbewusstheit, Unwissenheit und Finsternis manifestiert…

Um das Universum, so wie es war, zu erschaffen, war der Wille eine individuelle Projektion – individuell, etwas Aufgeteiltes: Statt einer Einheit, die alles ausnahmslos in sich enthält, ist es eine Einheit, die aus unzähligen kleinen Einheiten besteht, aus Individualisierungen, das heißt aus Dingen, die sich als voneinander getrennt empfinden. Und dieses Getrenntsein gibt dir das Gefühl, ein Einzelwesen zu sein. Sonst hättest du den Eindruck, eine fließende Masse zu sein. Wenn du dir also nicht deiner Gestalt oder alles dessen bewusst wärst, was in dir deine abgetrennte Individualität ausmacht, sondern statt dessen der vitalen Kräfte, die sich überall bewegen, oder des Nichtbewusstseins am Grund von allem, dann käme es dir vor, eine bewegte Masse zu sein, mit allen möglichen widersprüchlichen Regungen, die sich nicht auseinanderhalten ließen. Du hättest keineswegs das Gefühl, ein Individuum zu sein, sondern vielmehr etwas wie eine Schwingung in einem Ganzen. Nun, es lag im ursprünglichen Willen, Einzelwesen zu bilden, die fähig sein würden, sich ihres göttlichen Ursprungs wieder bewusst zu werden. Das Verfahren der Individualisierung hat es mit sich gebracht, dass man sich abgetrennt fühlen muss, um ein Einzelwesen zu sein. Und sobald man abgetrennt ist, ist man, wenigstens scheinbar, vom ursprünglichen Bewusstsein abgeschnitten und fällt in das Nichtbewusstsein. Denn das, was des Lebens eigentliches Leben ausmacht, ist der Ursprung, und wenn du dich davon trennst, verwandelt sich das Bewusstsein natürlich in Unbewusstheit. Und diese Unbewusstheit bewirkt dann, dass du die Wahrheit deines Wesens nicht mehr kennst … Es ist ein Verfahren. Man kann darüber diskutieren, ob es vermeidlich gewesen war oder nicht – Tatsache ist jedenfalls, dass es sich so verhält. Dieses Verfahren der Gestaltung, der Schöpfung, hat es mit sich gebracht, dass der Ursprung sich nicht mehr in seiner Essenz und seiner Reinheit offenbart, sondern durch die Entstellung des Unbewusstseins und der Unwissenheit. Hättest du mir auf meine Frage unvermittelt geantwortet: „Ja, ich kenne die Wahrheit meines Wesens“, so wäre Schluss gewesen und es gäbe kein Problem mehr.

Darum gibt es all das Hässliche und gibt es den Tod. Darum gibt es Krankheiten, Bosheit und Leid. Ein anderes Heilmittel, außer dem einen, gibt es dafür nicht – für all diese Dinge gibt es nur einen Weg. Und das spielt sich in verschiedenen Bereichen und mit verschiedenen Schwingungen ab, aber die Ursache ist überall dieselbe – diese Nichtbewusstheit, die mit der notwendigen individuellen Gestaltung gekommen ist. Ich behaupte wie gesagt nicht, dass dieser Verlauf unumgänglich gewesen sei; das ist ein anderes Problem, das zu lösen wir vielleicht später in der Lage sein werden. Im Augenblick jedenfalls sind wir genötigt festzustellen, dass es so ist.

Was ist also das Heilmittel? Da die Ursache Nichtbewusstheit ist, besteht der einzige Weg, alles in Ordnung zu bringen, darin, wieder bewusst zu werden. Und das ist ganz einfach, ganz einfach.

Nehmen wir einmal an, dass es auf der Welt zwei entgegengesetzte, einander widerstreitende Elemente gebe, wie gewisse Religionen es gepredigt haben: Es gebe das Gute und das Böse und werde sie immer geben – und Widerstreit, Zwist und Kampf. Das stärkere von beiden werde schließlich die Oberhand gewinnen: Ist das Gute ein wenig überlegen, dann das Gute; ist das Böse ein wenig überlegen, dann das Böse. Es werde aber immer beides geben. Würde es sich so verhalten, dann würde keine Hoffnung bestehen, und es wäre unsinnig, die Sache als schwer oder als leicht zu bezeichnen – sie wäre unmöglich. Es gäbe keinen Ausweg. Tatsächlich aber verhält es sich nicht so.

Tatsache ist, dass es nur einen Ursprung gibt und dass dieser Ursprung die vollendete Wahrheit ist – er ist das einzige wahrhaft Existierende. Indem er sich nach außen projiziert, sich nach außen überträgt, sich verteilt, entsteht das, was wir da sehen; und eine Menge kleine Gehirne, die nett und brillant sind, suchen nach etwas, das ihnen noch nicht fassbar ist, das sie jedoch erfassen können, weil das Gesuchte ja in ihnen wohnt. Das ist sicher. Es mag mehr oder weniger lange dauern, wird aber bestimmt geschehen. Das Heilmittel findet sich im Zentrum des Übels selbst.

Das ist auf alle mögliche Weise benannt und dargestellt worden; je nach der Ausrichtung macht jeder seine Erfahrung. Alle, die in ihrem Inneren das Göttliche gefunden haben, taten dies auf bestimmte Weise, nach einer bestimmten Erfahrung und von einem bestimmten Gesichtspunkt aus, der ihnen selbstverständlich schien. Und wenn sie sich dann nicht sehr in acht nehmen, beginnen sie anderen zu raten: „Um das Göttliche zu finden, muss man es so und so machen; das ist es, diesem Weg muss man folgen!“, weil sie eben Erfolg damit hatten. Wenn man ein wenig weiter, ein wenig erfahrener ist, sieht man ein, dass es sich nicht unbedingt so verhält, sondern dass es Millionen Mittel und Wege geben mag, dahin zu gelangen … Sicher ist nur eines: dass dasselbe gefunden wird. Es ist wirklich bemerkenswert, dass, ganz gleich, welchem Weg man gefolgt ist, welche Form man dem gegeben hat, das Ergebnis dasselbe ist. Die Erfahrung aller ist dieselbe. Wenn sie auf die Sache gestoßen sind, ist es für alle dieselbe. Gerade das zeigt, dass sie auf Jenes gestoßen sind, weil es eben für alle dasselbe ist. Ist es nicht dasselbe, so heißt das, dass es noch nicht Jenes ist. Sind sie auf Jenes gestoßen, so ist es für alle dasselbe. Und Dem darfst du alle Namen geben, die du willst, das spielt keine Rolle.

Worte sind Worte. Im Grunde bedeuten sie nichts, wenn nicht etwas dahinter steht.

Wir benutzen Cookies

Wir verwenden auf unserer Website nur für den Betrieb notwendige sowie sogenannte Session Cookies, also ausdrücklich keine Werbe- oder Trackingcookies.

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Website zur Verfügung stehen.