Kapitel 2
Kontrolle über das Sprechen
Ja, es wäre besser, das Sprechen vollständig zu beherrschen, – es ist ein wichtiger Schritt für das Nach-Innen-Gehen und die Entwicklung eines inneren und yogischen Bewusstseins.
Absolute Stille und lockeres Reden sind zwei Extreme; keines von ihnen ist gut. Ich habe viele Menschen gesehen, die das Schweigegelübde, maunavrata, hielten, aber danach so redselig wie vorher waren. Es ist Selbstbeherrschung, die du erlangen musst.
Bei Unterhaltungen tendiert man dazu, in ein niederes und mehr äußerliches Bewusstsein abzusinken, denn Reden entspringt dem äußeren mentalen Geist. Aber es ganz zu vermeiden ist unmöglich. Was du tun musst, ist zu lernen, sofort zum inneren Bewusstsein zurückzukehren, und zwar so lange, wie du es nicht schaffst, immer aus dem inneren Wesen heraus oder wenigstens mit der Unterstützung des inneren Wesens zu sprechen.
Es ist etwas sehr Äußerliches, das an leichter Unterhaltung Vergnügen findet, und nur, wenn die Ruhe und eine damit einhergehende spontane Selbstkontrolle im niederen Vital etabliert sind, kann diese Tendenz in denen, wo sie vorhanden ist – d.h. in den meisten Menschen, – völlig besiegt werden.
All diese Dinge werden im Laufe der Zeit ausgearbeitet. Äußerst wichtig ist es, die Ruhe und mit ihr die wahre Kraft in das gesamte Wesen herabzubringen…
Das Sprechen bricht als Ausdruck des vitalen Wesens und seiner Gewohnheiten hervor, ohne auf die Kontrolle durch das Mental zu warten; die Zunge wurde als ungezogener Körperteil … bezeichnet. Es ist ein sehr notwendiger Bestandteil yogischer Selbstkontrolle, nicht dem Sprechimpuls zu unterliegen, fähig zu sein, ohne ihn auszukommen und nur zu sprechen, wenn man erkennt, was und wo es wirklich notwendig ist.
Dies kann nur mit Umsicht, Beharrlichkeit und einem starken Entschluss geschehen, aber wenn der Vorsatz vorhanden ist, kann es mit Hilfe der Kraft im Hintergrund getan werden.
Es ist offensichtlich, dass Dinge, die man lange gewohnt war, nicht sofort abgelegt werden können. Besonders das Sprechen ist etwas, was bei den meisten Mensch automatisch abläuft und nicht ihrer Kontrolle unterliegt. Es ist die Wachsamkeit, die die Kontrolle festigt, deshalb muss man auf der Hut vor der Gefahr sein, von der du sprichst: dem Nachlassen der Achtsamkeit. Aber es gelingt besser, je mehr es eine ruhige und unvermischte, furchtlose Wachsamkeit ist.
Die Gewohnheiten der physischen oder vital-physischen Natur zu verändern, ist immer am schwierigsten, weil sie automatisiert sind und nicht vom mentalen Willen beherrscht werden; für ihn ist es deshalb nicht einfach sie zu kontrollieren oder zu transformieren. Du musst durchhalten und die Gewohnheit der Kontrolle ausbilden. Wenn es dir oft gelingt, das Sprechen zu beherrschen, – dafür braucht es beständige Wachsamkeit, – wirst du schließlich sehen, dass Kontrolle sich von selbst einstellt und auf längere Sicht immer eingreifen kann. Man muss das so lange durchhalten, bis diese Regung für das Licht und die Kraft der Mutter völlig offen ist, denn wenn dies geschieht, kann die Sache schneller und manchmal mit großer Geschwindigkeit getan werden. Es gibt auch die Intervention des Seelischen. – Wenn das seelische Wesen ausreichend wach und aktiv ist, um jedes Mal einzugreifen und „Nein“ zu sagen, wenn du aufs Geratewohl reden willst, dann wird der Wandel leichter.
Meistens gehen menschliches Sprechen und Denken mechanisch nach bestimmten Mustern vor sich, die sich immer wiederholen, und es ist nicht wirklich der mentale Geist, der sie beherrscht und ihnen Vorschriften macht. Deshalb kann diese Gewohnheit einige Zeit erhalten bleiben, sogar, wenn der bewusste Geist ihr seine Zustimmung und Unterstützung entzogen und beschlossen hat, es anders zu machen. Aber wenn man durchhält, läuft diese unterbewusste mechanische Gewohnheit aus wie eine Uhr, die nicht aufgezogen wird. Dann kann man im Unterbewusstsein die gegenteilige Gewohnheit ausbilden, nur jenes Sprechen und Denken zuzulassen, dem das innere Wesen zustimmt.
Es ist … schwierig das Sprechen unter Kontrolle zu bringen, denn die Leute sind es gewohnt, das auszusprechen, was ihnen in den Sinn kommt, statt ihre Äußerungen zu überprüfen und zu beherrschen. Es gibt etwas Mechanisches beim Sprechen, und es ist nie leicht, es auf die höchste Stufe des Bewusstseins zu bringen. Aus diesem Grund ist Sparsamkeit beim Sprechen hilfreich. Sie fördert eine bewusste Kontrolle und hindert die Zunge daran, mit einem davonzulaufen und zu tun, was immer sie will.
Sich zurückzunehmen bedeutet, ein Zeuge seines eigenen mentalen Geistes und Sprechens zu werden, sie als etwas von sich Getrenntes zu sehen und sich nicht mit ihnen zu identifizieren. Wenn man sie wie ein Beobachter wahrnimmt, von ihnen getrennt, erfährt man, was sie sind, wie sie handeln. Dann sollte man sie kontrollieren, was man nicht gutheißt, zurückweisen und nur das denken und sprechen, was man als wahr empfindet. Das kann natürlich nicht alles auf einmal getan werden. Es braucht Zeit, diese Haltung des Zurückstehens zu festigen, und es dauert noch länger, die Kontrolle aufzubauen. Aber mit Übung und Ausdauer kann es gelingen.
Es [Sprechen] kann nur kontrolliert werden, wenn du dich innerlich von dem Teil, der spricht, trennst und fähig bist ihn zu beobachten. Es ist der äußere mentale Geist, der spricht, – man muss ihn vom inneren beobachtenden Mental aus anschauen und Kontrolle ausüben.
Man braucht wirklich eine innere Stille, – etwas Ruhiges, das das äußere Sprechen und Handeln anschaut, es aber als etwas Oberflächliches und nicht Zugehöriges empfindet und ihm ziemlich gleichmütig und unberührt gegenübersteht. Es kann Kräfte bringen, die das Sprechen und Handeln unterstützen oder ihnen die Zustimmung verweigern. Es kann sie auch weitermachen lassen und sie ohne inneres Engagement beobachten.
Dies geschieht natürlich, weil das Bewusstsein nach außen auf diese Dinge [Diskussionen und Gelächter] gerichtet ist, – man fällt aus der inneren Haltung heraus und hat Mühe, sie wieder zu erlangen, – besonders, weil es eine Art Zerstreuung der vitalen Energie gibt. Wenn man einen Zustand erlangt, in dem man diese Dinge nur mit dem äußeren Bewusstsein tun kann, und dabei im Innern bleibt und beobachtet, was sich auf der Oberfläche abspielt, aber ohne sich selbst darin zu vergessen, dann verliert man diese Haltung nicht. Aber es ist ein bisschen schwierig, diese eigene „Verdoppelung“ seiner selbst zu erreichen, – doch es gelingt mit der Zeit, wenn der innere Frieden und die Ruhe sehr intensiv und dauerhaft werden.
Hastigkeit beim Sprechen und Handeln – (im Übermaß, denn in gewissem Maße existiert es in allen) – ist eine Sache des Temperaments. … Es ist der sich nach außen wendende mentale Geist, der diszipliniert werden muss, damit er nicht zu schnell Entschlüsse fasst oder sofort vom Denken zum Sprechen und Handeln springt.
Die seelische Selbstkontrolle, die … während einer Diskussion erstrebenswert ist, würde unter anderem darin bestehen:
(1) Dem Impuls zu sprechen nicht zu erlauben sich zu sehr zu behaupten oder etwas ohne Nachdenken zu sagen, sondern immer mit einer bewussten Kontrolle zu sprechen und auch nur das zu sagen, was notwendig und hilfreich ist.
(2) Alles Debattieren, alle Auseinandersetzungen oder zu lebhafte Diskussionen zu vermeiden und einfach zu sagen, was zu sagen ist und es dabei zu belassen. Es sollte auch kein Insistieren darauf geben, dass du Recht hast und die anderen im Unrecht sind. Aber das, was gesagt ist, sollte nur als Beitrag zur Erörterung der Wahrheit einer Sache ins Spiel gebracht werden.
(3) Den Ton des Sprechens und der Formulierung sehr ruhig und still zu halten und nicht rechthaberisch sein.
(4) Sich nicht darum zu kümmern, wenn andere hitzige Meinungsverschiedenheiten haben, sondern ruhig und ungestört zu bleiben und nur das zu sagen, was helfen kann, die Dinge wieder ins Lot zu bringen.
(5) Sich nicht zu beteiligen, wenn es über andere (besonders über Sadhaks) Klatsch oder barsche Kritik gibt, – denn diese Dinge sind in keiner Weise hilfreich und ziehen das Bewusstsein von seiner höheren Ebene herunter.
(6) Alles zu vermeiden, was andere verletzen oder kränken würde.