Kapitel 1
Reden
Sprache ist meistens der Ausdruck der oberflächlichen Natur. Wenn man sich zu sehr in solch einem Sprechen verliert, wird die Energie verschwendet und das innere Hören, welches das Wort wahren Wissens bringt, behindert.
Reden bedeutet einen vitalen Austausch, deshalb ist es durchaus möglich, dass eine Person depressiv wird, wenn sie mit jemand anderem spricht.
Reden – der gewöhnlichen Art – zerstreut sehr leicht die innere Verfassung oder zieht sie herunter, weil es normalerweise nur dem niederen vitalen und physischen Geist entspringt und jenen Teil des Bewusstseins zum Ausdruck bringt. – Es hat die Tendenz, das Wesen auf das Äußerliche zu fokussieren. Das ist der Grund, warum so viele Yogis Zuflucht in der Stille suchen.
Wenn der innere Frieden sehr stark ist, verdunkelt ihn das Sprechen nicht, – denn dieser Frieden ist, auch wenn er das Mental und das Vital durchdringt, nicht mental oder vital. Das Sprechen mag dann nur eine Wolke sein, die schnell vorbeizieht, ohne tieferen Einfluss auszuüben. Normalerweise zerstreut solches Reden aber das Bewusstsein, und man kann viel verlieren. Der einzige Nachteil des Nicht-Sprechens ist, das es zu sehr isoliert, wenn es umfassend ist, aber man verliert nichts, wenn man über diese Dinge [Nachrichten usw.] nicht spricht.
Predigten und Ermahnungen berühren den mentalen Geist nur oberflächlich. Wenn er zustimmt, ist er erfreut und angeregt, aber das ist alles. Ist er nicht einverstanden, wird der mentale Geist ungeduldig oder er kritisiert und wendet sich ab. Wenn die Vorhaltungen sehr überzeugend sind, mögen sie manchmal das Vital berühren und eine kurzzeitige Wirkung haben.
Bei allen Dingen muss es eine Kontrolle über das Denken und auch Sprechen geben. Aber während leidenschaftliche, rajasische, Heftigkeit ausgeschlossen wird, ist eine ruhige, kraftvolle Bestimmtheit im Denken und Sprechen manchmal unumgänglich, wenn Strenge notwendig ist.
Die Gewohnheit zu kritisieren – meistens unverständiges Kritisieren anderer, – das mit allen Arten von Vorstellungen, Schlussfolgerungen, Übertreibungen, falschen Interpretationen und sogar groben Erfindungen vermischt ist, ist eine der universalen Krankheiten. Es ist eine Krankheit des Vitals, das vom physischen Geist unterstützt wird, der sich zum Werkzeug des Vergnügens macht, welches das Vital an dieser unproduktiven und schädlichen Beschäftigung hat. Kontrolle über das Sprechen, Ablehnung dieser unzuträglichen Gewohnheit und der Lust des Vitals sind sehr notwendig, wenn innere Erfahrung irgendeine echte transformierende Wirkung im äußeren Leben haben soll.
Es ist auch besser, das Nichtsprechen über andere ernster zu nehmen und die Kritik an ihnen aus dem gewöhnlichen mentalen Geist heraus strikt zu unterlassen. Dies ist notwendig, um ein tieferes Bewusstsein und einen präziseren Ausblick auf die Dinge zu entwickeln, der in Stille die Bewegungen der Natur in einem selbst und in anderen versteht und nicht aufgerührt, verstört oder oberflächlich interessiert in eine äußerliche Regung hineingezogen wird.