Kapitel 2
Der gesamte Prozess des Yoga mit Hingabe
Worte der Mutter
Hingabe ist der Entschluss, dem Göttlichen die Verantwortung über dein Leben anzuvertrauen. Ohne diese Entscheidung ist gar nichts möglich; wenn du dich nicht überantwortest, kommt Yoga überhaupt nicht in Frage. Alles andere folgt diesem auf natürliche Weise, denn der ganze Prozess beginnt mit der Hingabe. Du kannst dies mit Hilfe des Wissens oder durch innige Verehrung leisten.
Worte der Mutter
Es gibt zwei Yogawege, den von Tapasya (Disziplin) und den der Hingabe. Der Weg der Tapasya ist mühsam. Hier vertraut man nur sich selbst, und man schreitet durch die eigene Stärke voran. Du steigst und verwirklichst deinen Kräften gemäß. Die Gefahr des Absturzes begleitet dich auf Schritt und Tritt. Strauchelst du, so fällst du in einen Abgrund, aus dem man kaum wieder herauskommt. Der andere Weg, der Weg der Hingabe, ist sicher und verlässlich. Allerdings stoßen gerade hier die westlichen Menschen auf ihre Grenzen. Man hat sie gelehrt, alles zu fürchten und zu vermeiden, was ihre Unabhängigkeit bedroht. Sie haben das Gefühl ihrer Individualität schon mit der Muttermilch aufgenommen. Und Hingabe bedeutet, all das aufzugeben. Mit anderen Worten, du kannst – wie Ramakrishna sagt –, entweder dem Pfad des Affenjungen oder dem des Katzenjungen folgen. Das Äffchen klammert sich an seine Mutter, um getragen zu werden, und muss sich sehr gut festhalten, denn lockert es seinen Griff, so fällt es. Im Gegensatz dazu hält sich das Kätzchen nicht an seiner Mutter fest, sondern wird von ihr gehalten und hat weder Angst noch Verantwortung. Es braucht nichts anderes zu tun, als von der Mutter gehalten zu werden und „Mama“ zu rufen.
Wenn du in aller Aufrichtigkeit diesen Weg der Hingabe einschlägst, gibt es keine Gefahr oder ernstliche Schwierigkeit mehr. Alles hängt von der Aufrichtigkeit ab. Bist du nicht aufrichtig, so fange den Yoga erst gar nicht an. Würde es sich um menschliche Angelegenheiten handeln, könntest du dich selbst betrügen; aber in deiner Beziehung zum Göttlichen ist keinerlei Täuschung möglich. Du kannst den Pfad sicher gehen, wenn du aufrichtig bist und offen für das Innerste der Sache und wenn es dein einziges Ziel ist, das Göttliche zu verwirklichen und zu erreichen und vom Göttlichen bewegt zu werden.
Worte der Mutter
Die wichtigste Hingabe ist die Hingabe deines Charakters, deiner Wesensart, damit er sich wandeln kann. Wenn du nicht deine ureigenste Natur hingibst, wird sich diese Natur nie ändern. Das ist das Allerwichtigste. Du hast eine bestimmte Art des Verstehens, gewisse Weisen des Reagierens, gewisse Anlagen des Fühlens, beinahe bestimmte Methoden des Voranschreitens und vor allem eine besondere Art, das Leben zu betrachten und von ihm bestimmte Dinge zu erwarten – nun, das ist es, was du hingeben musst. Das heißt, wenn du wahrhaftig das göttliche Licht empfangen und dich wandeln willst, dann musst du deine ganze Wesensart darbringen – indem du sie öffnest, sie so empfänglich wie möglich machst, damit das göttliche Bewusstsein, das sieht, wie du sein solltest, unmittelbar auf diese Regungen einwirken und sie in wahre Regungen wandeln kann, die tiefer im Einklang mit deiner eigenen Wahrheit sind. Dies ist weitaus wichtiger als das hinzugeben, was man tut. Nicht was man tut, ist das Wichtigste (obwohl natürlich auch das wichtig ist), sondern was man ist. Um welche Tätigkeit es sich auch handelt, es kommt dabei nicht eigentlich auf die Art und Weise des Tuns an, sondern auf den Bewusstseinszustand, in dem gehandelt wird.