Kapitel 1

Das Nach-innen-gehen und die Entdeckung der Göttlichen Gegenwart im Innern

Worte der Mutter

Die Leute sind mit äußeren Dingen beschäftigt. Das bedeutet, dass das Bewusstsein den äußeren Dingen zugewandt ist – das heißt, allen Dingen des Lebens, die man sieht, die man kennt, die man macht –, statt nach innen gekehrt zu sein, um die tiefe Wahrheit, die göttliche Gegenwart zu finden. Das ist der erste Schritt. Man befasst sich mit allem, was man tut, nicht wahr, mit den Menschen seiner Umgebung, mit den Sachen, die man braucht; und dann mit dem Leben: schlafen, essen, plaudern, ein wenig arbeiten und sich amüsieren, und das auch nur sehr wenig; und dann beginnt man von neuem: schlafen, essen und so weiter und so weiter; und dann fängt das wieder von vorne an. Und dann, was dieser gesagt hat und was jener gemacht hat, was man tun soll, die Aufgabe, die man lernen soll, die Übung, die man vorbereiten soll; und dann, ob man gesund ist, ob man sich wohl fühlt und so weiter. Daran denkt man für gewöhnlich.

Der erste Schritt ist also – und das ist nicht so leicht –, dass dies alles in den Hintergrund rückt und dass etwas in und vor das Bewusstsein kommt als die wichtige Sache: die Entdeckung des eigentlichen Zwecks des Lebens und der Existenz, zu lernen, was man ist, warum man lebt und was hinter alledem steht. Das ist der erste Schritt: sich mehr für die Ursache und das Ziel als für die Manifestation zu interessieren. Das heißt, der erste Schritt ist ein Rückzug des Bewusstseins von dieser totalen Identifizierung mit den äußeren Erscheinungsformen und eine Art innere Konzentration zu dem hin, was man entdecken will, zu der Wahrheit, die man entdecken will. Das ist der erste Schritt. …

Man kann diese Stufe nicht überspringen. Man muss zunächst seine Seele finden, das ist absolut unerlässlich, und sich mit ihr identifizieren. Danach kann man zur Transformation kommen.

Worte der Mutter

Für den, der entschlossen ist, die Entdeckung der Gottheit im Innern zu unternehmen, können ein paar einfache Ratschläge nützlich sein. Hier sind einige der wichtigsten:

Der wohl entscheidende Ansatzpunkt ist die Erkenntnis, dass unser Denken unfähig ist, spirituelle Dinge zu beurteilen. Alle, die darüber schrieben, haben das betont, aber nur sehr wenige haben diesem Rat Folge geleistet. Und doch ist es für unseren Fortschritt ganz und gar unerlässlich, von jeder Meinung und jeder mentalen Reaktion Abstand zu nehmen.

Verzichte auf alles Streben nach persönlicher Bequemlichkeit, nach Befriedigung, Genuss oder Glück. Sei einzig ein loderndes Feuer des Werdens. Nimm alles, was dir begegnet, als eine Hilfe, um vorwärtszugehen und vollende ohne zu säumen den Fortschritt, der von dir gefordert wird.

Versuche, alles was du tust, mit Freude zu tun, doch die Freude darf nie der Beweggrund deines Handelns sein.

Werde nie aufgeregt, nervös oder unruhig. Bleibe allen Ereignissen gegenüber vollkommen gelassen, und doch sei stets wachsam, um den Fortschritt zu machen, den du machen sollst – unverzüglich, ohne Zeit zu verlieren.

Halte niemals die äußeren Umstände für das, was sie zu sein scheinen. Sie sind immer nur ungeschickte Versuche, etwas anderes auszudrücken – das Eigentliche, Wahre, das dahinter liegt und sich unserem oberflächlichen Erfassen entzieht.

Beklage dich niemals über die Handlungsweise eines anderen, es sei denn, du hast die Macht, in seiner Natur zu ändern, was ihn so handeln lässt, und wenn du diese Macht hast, vollziehe diese Änderung, anstatt dich zu beklagen.

Was du auch immer tun magst: Vergiss nie das Ziel, das du dir gesteckt hast. Auf dem Wege zu dieser großen Entdeckung gibt es keine kleinen oder großen Dinge. Alle sind gleich wichtig und können entweder zum Erfolg beitragen oder aber ihn verzögern. So konzentriere dich vor dem Essen einige Sekunden in dem Wunsch, dass die Nahrung, die du jetzt zu dir nimmst, deinem Körper den notwendigen Nährstoff gibt, um dir in deiner Bemühung auf dem Weg der großen Entdeckung als solide Grundlage zu dienen, und dass sie ihm die Energie verleiht, im Streben nie müde zu werden und nie nachzulassen.

Vor dem Einschlafen konzentriere dich einen Augenblick in dem Wunsch, der Schlaf möge deine ermüdeten Nerven erfrischen und deinem Gehirn Entspannung und Ruhe geben, damit du, wenn du ausgeschlafen hast, deine Wanderung auf dem Weg der großen Entdeckung mit neuer Energie wieder aufnehmen kannst.

Bevor du handelst, konzentriere dich im Willen, dass dein Handeln deinem Voranschreiten auf das große Ziel hin förderlich sei oder es wenigstens nicht hemme.

Bevor du sprichst, konzentriere dich, bevor du den Mund auftust, gerade lange genug, um deine Worte im Zaum zu halten und nur die auszusprechen, die unbedingt notwendig sind und die deinem Fortschritt in deiner inneren Entwicklung in keiner Weise schaden können.

Kurz: Vergiss niemals den Grund und das Ziel deines Lebens. Lass den Willen zu der großen Entdeckung beständig über dir schweben – über dem, was du tust und was du bist – wie einen unermesslichen Vogel des Lichts, der alle Bewegungen deines Wesens beherrscht.

Worte Sri Aurobindos

Das höchste Shastra [eine Schrift, die das Wissen von Wahrheiten, Prinzipien, Mächten und Verfahren enthält, die zur Verwirklichung des Göttlichen führen] des Integralen Yoga ist der ewige Veda, der im Herzen eines jeden denkenden Wesens verborgen ist. Der Lotus ewigen Wissens und ewiger Vollkommenheit ist eine Knospe in uns. Sie öffnet sich rasch oder allmählich, ein Blütenblatt nach dem anderen, durch eine Aufeinanderfolge von Verwirklichungen, sobald sich das Mental des Menschen dem Ewigen zuzuwenden beginnt und sein Herz, nun nicht mehr durch sein Haften an den endlichen Erscheinungen zusammengepresst und eingeengt, von einer wachsenden Liebe zu dem Unendlichen glüht.

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