Kapitel 14

Rudrabhava und Ärger

Worte Sri Aurobindos

Im Yoga kommen manchmal Dinge hoch, die man vorher nicht gespürt hat. Das habe ich von vielen Personen gehört. In meinem Fall sah ich, wie Ärger hochkam und von mir Besitz ergriff. Er war absolut nicht beherrschbar, als er kam. Ich war sehr erstaunt über meine eigene Natur. Ärger ist mir immer fremd gewesen. Zu einer anderen Zeit, als ich im Gefängnis von Alipur unter Anklage stand, hätte mein Ärger zu einer schrecklichen Katastrophe geführt, was glücklicherweise vermieden wurde. Gefangene dort mussten manchmal draußen warten, bevor sie ihre Zellen betraten. Während wir dies taten, kam der schottische Schließer und gab mir einen Stoß. Die jungen Leute um mich herum wurden sehr erregt, und ich tat nichts, gab ihm aber solch einen Blick, dass er sofort floh und den Gefängniswärter rief. Es war ein ansteckender Ärger, und all die jungen Männer scharten sich zusammen um ihn anzugreifen. Als der Wärter kam – ein ziemlich religiöser Mann, sagte der Schließer, ich hätte ihm einen respektlosen Blick zugeworfen. Der Aufseher befragte mich, und ich sagte ihm, ich sei solche Behandlung noch nie gewohnt gewesen. Er beruhigte die ganze Gruppe und sagte beim Gehen: „Wir müssen unser Kreuz tragen“. Aber bei diesem Ärger meine ich nicht das Rudrabhava, das ich einige Male erlebt habe.

Nirodbaran: Ist Rudrabhava so etwas wie in Ramakrishnas Schlangengeschichte?

Überhaupt nicht. Es ist überhaupt kein Bekunden von Ärger. Es ist etwas Ursprüngliches – eine gewaltige Strenge gegenüber etwas sehr Falschem. Ärger erkennt man an seinem Gefühl. Er steigt von unten herauf, während Rudrabhava vom Herzen hochkommt. Ich will dir ein Beispiel geben. X wurde einmal sehr wütend, schrie die Mutter an und erhob die Fäuste gegen sie. Als ich das Schreien hörte, kam eine gewaltige Strenge herab, die absolut unkontrollierbar war. Ich ging hinaus und sagte: „Wer schreit hier die Mutter an? Wer schreit hier?“ Sobald X mich hörte, wurde er still.