Kapitel 13
Eine vollkommene Gabe
Was du bist, das gib; was du hast, das gib, und deine Gabe wird vollkommen sein. Vom spirituellen Standpunkt aus wird es vollkommen sein. Dies hängt nicht von der Größe deines Reichtums oder der Anzahl der Fähigkeiten in deiner Natur ab. Es hängt ab von der Vollkommenheit deiner Gabe, das heißt von ihrer Vollständigkeit. Ich erinnere mich, in einem Buch mit indischen Legenden folgende Geschichte gelesen zu haben: Es gab eine sehr arme, sehr alte Frau, die nichts besaß und große Not litt. Sie lebte in einer sehr einfachen Hütte. Ihr wurde eine Frucht geschenkt. Es war eine Mangofrucht. Sie hatte sie zur Hälfte gegessen und bewahrte die andere Hälfte für den nächsten Tag, denn es war etwas Wunderbares, eine Mangofrucht zu bekommen, das geschah nicht alle Tage. Und dann, als die Nacht hereinbrach, klopfte jemand an die Tür und bat um Gastfreundschaft. Und dieser Jemand trat ein und sagte, er brauche Unterkunft und sei hungrig. Sie sagte ihm: „Nun, ich habe kein Feuer, dich zu wärmen, keine Decke, in die du dich hüllen könntest, aber ich habe eine halbe Mangofrucht übrig, das ist alles, was ich habe. Wenn du möchtest, kannst du sie haben. Ich habe die Hälfte davon gegessen.“ Und es stellte sich heraus, dass dieser Jemand Shiva war, und sie wurde von einem inneren Glanz erfüllt, denn sie hatte sich selbst als vollkommenes Geschenk und alles, was sie hatte, dargebracht.
Ich las das und fand es großartig. Ja, das beschreibt es auf lebhafte Weise. Genau das ist es.
Der reiche Mann oder selbst Leute, die recht wohlhabend sind und alle möglichen Dinge des Lebens besitzen, geben dem Göttlichen, was sie als Überschuss haben – denn das ist gewöhnlich die Geste: man verfügt über ein wenig mehr Geld als man braucht, besitzt einige Dinge mehr als nötig, und so gibt man das großzügig dem Göttlichen. Es ist besser, als nichts darzubringen. Aber selbst wenn dieses „ein-wenig-mehr-als-wir-brauchen“ Hunderttausende von Rupien bedeutet, diese Gabe ist weniger vollkommen als jene, die mit der Mangofrucht erbracht wurde. Denn sie misst sich weder an Quantität noch an Qualität, sondern an der Aufrichtigkeit und der Bedingungslosigkeit des Gebens.