Kapitel 12

Gedankenkontrolle

Eines ist unabdingbar, will man ein Ergebnis haben: Der mentale Geist muss still sein. Dann besteht Aussicht, dass sich das Bewusstsein konzentriert.

Zunächst muss man durch Erfahrung den Unterschied zwischen Mental und Bewusstsein erkennen, zwei ganz unterschiedliche Dinge.

Mutter, wie kann man den mentalen Geist daran hindern, sich einzumischen?

Ah! Zuerst muss man es wollen, und dann muss man wie zu Menschen, die viel Lärm machen, sagen: „Sei still, sei still, sei still!“; das muss man tun, wenn der mentale Geist mit all seinen Vorschlägen und all seinen Regungen auftaucht. Du musst ihn zur Ruhe bringen, ihn befrieden, ihn zum Schweigen bringen. Das Wichtigste ist, nicht auf ihn zu hören. Meistens, sobald all diese Gedanken kommen, schaut man hin, versucht zu verstehen, hört man zu; dann glaubt dieser Schwachsinnige natürlich, dass man sehr interessiert ist: er steigert seine Aktivität. Du darfst nicht zuhören, darfst nicht aufmerksam sein. Wenn er zu viel Lärm macht, musst du ihm das sagen: „Sei still! Nun sei still, sei still!“, ohne selbst viel Lärm zu machen, verstehst du? Du darfst nicht jene Menschen nachahmen, die anfangen zu schreien: „Seid still!“, und selbst so viel Lärm machen, dass sie noch lauter sind als all die anderen!

Wie kann man Diskussionen im Kopf stoppen?

Die erste Bedingung ist, so wenig wie möglich zu reden.

Die zweite ist, nur an das zu denken, was man gerade tut, und nicht an das, was man noch tun muss oder was man früher getan hat.

Bedauere niemals, was vergangen ist, und stelle dir nicht vor, was sein wird.

Vermeide den Pessimismus in deinen Gedanken so weit wie möglich und werde freiwillig zum Optimisten.

Ich schlage vor, dass jeder von euch dies versuchen sollte, – oh! nicht lange, nur für eine Stunde jeden Tag. – Außer den absolut nicht zu vermeidenden Worten nichts sprechen. Nicht ein Wort mehr und nicht eines weniger.

Nehmt eine Stunde in eurem Leben, eine, die für euch am günstigsten ist, und beobachtet euch genau, – sprecht nur die ganz unentbehrlichen Worte.

Zu Beginn wird die erste Schwierigkeit darin bestehen zu wissen, was unbedingt notwendig ist und was nicht. Das ist schon ein Studium für sich, und jeden Tag wird es euch besser gelingen.

Als Nächstes werdet ihr sehen, dass es nicht schwer ist, absolut still zu sein, so lange niemand etwas sagt; sobald ihr aber zu sprechen beginnt, sagt ihr immer oder fast immer zwei oder drei, zehn oder zwanzig nutzlose Worte, die zu sprechen überhaupt nicht notwendig waren.

…um etwas zu erreichen, was keine vollständige Kontrolle ist, aber schon irgendwie ein Stadium darstellt: die Fähigkeit zu haben, dies in eurem Kopf zu tun (Mutter streicht mit ihrer Hand über ihre Braue), alle Regungen aufzulösen, alle Schwingungen zu stoppen. Und die mentale Oberfläche wird ruhig. Alles hört auf, wie wenn ihr ein Buch an einer leeren Seite öffnet, – aber fast greifbar, versteht ihr… leer!

Versucht es ein bisschen, wenn ihr zuhause seid. Ihr werdet sehen, dass es sehr interessant ist.

Und so, – man folgt dieser Stelle in seinem Kopf, wo der kleine Punkt herumtanzt. Ich habe gesehen, wie Sri Aurobindo dieses in jemandes Kopf tat, der sich immer darüber beklagte, dass er von Gedanken gestört wird. Es war, als ob seine Hand sich ausstreckte und den kleinen schwarzen tanzenden Punkt festhielt und dann dies tat (Geste mit den Fingerspitzen), wie wenn man ein Insekt aufnimmt. Und dann warf er ihn weit weg. Und das war alles. Alles still, ruhig, leuchtend… So war alles klar sichtbar, wisst ihr, er nahm ihn heraus ohne etwas zu sagen, – und es war vorbei.

Was sollte man tun, um die mentale Einmischung zu beenden?

Der mentale Geist muss lernen ruhig zu sein, – ruhig zu bleiben, aufmerksam, ohne Lärm zu machen. Wenn ihr versucht, den mentalen Geist direkt zu beruhigen, ist es sehr schwer, fast unmöglich; denn der allerphysischste Teil des Mentals stellt seine Aktivität nie ein, – er läuft weiter und weiter wie ein Non- Stop-Aufnahmegerät. Er wiederholt alles, was er aufnimmt und macht endlos weiter und weiter damit, außer es gibt einen Abschaltknopf. Andererseits, wenn ihr versucht euer Bewusstsein auf eine höhere Ebene zu erheben, über den normalen mentalen Geist, beruhigt dieses Licht den Geist. Er ist nicht länger unruhig, und die so erreichte Stille kann dauerhaft werden. Wenn ihr einmal in diesen Bereich eingetreten seid, kann es sehr gut sein, dass ihr nie mehr aus ihm herauskommt, – der äußere mentale Geist bleibt ruhig.

Die einzige wahre Lösung ist das Streben nach dem höheren Licht.

Die Ruhe des mentalen Geistes, die man durch Meditation erlangt, ist in der Tat von kurzer Dauer, denn sobald man aus der Meditation herauskommt, kommt man gleichzeitig aus der Ruhe des Mentals heraus. Die wahre, dauerhafte Ruhe im Vitalen und Physischen wie auch im Mentalen kommt von einer vollständigen Weihung an das Göttliche; denn wenn du nichts mehr dein eigen nennen kannst, nicht einmal dich selbst, wenn alles, einschließlich deines Körpers, deiner Empfindungen, Gefühle und Gedanken, dem Göttlichen gehört, übernimmt das Göttliche die gesamte Verantwortung für alles, und du brauchst dich um nichts mehr zu kümmern.