Kapitel 1

Śraddhā

Dieses śraddhā – das englische Wort Glaube drückt es nicht richtig aus – ist in Wirklichkeit ein Einfluss des höchsten Geistes und sein Licht eine Botschaft unseres supramentalen Wesens, die die niedere Natur aufruft, sich aus ihrer jetzigen Kleinheit zu einer großen Selbst-Werdung und Selbst-Überschreitung zu erheben. Und das, was den Einfluss spürt und auf den Ruf antwortet, ist nicht so sehr der Intellekt, das Herz oder das Lebensmental, sondern die innere Seele, die die Wahrheit ihres eigenen Schicksals und ihrer Aufgabe besser kennt.

…dieser Glaube ist eine Hilfestellung, die von oben kommt; er ist der strahlende Schatten, der von einem verborgenen Licht geworfen wird, welches den Intellekt und seine Fakten übersteigt; er ist das Herz eines geheimen Wissens, das nicht von der Gnade unmittelbarer Erscheinungen abhängig ist.

Glaube ist das Zeugnis der Seele für etwas noch nicht Manifestiertes, Erreichtes oder Verwirklichtes, das aber der Wissende in uns sogar bei Fehlen aller Indikationen als wahr oder in höchstem Maße als wert verfolgt oder erreicht zu werden empfindet. Dies in uns kann sogar bestehen bleiben, wenn es keinen festen Glauben im Mental gibt, und sogar, wenn das Vital kämpft, revoltiert und streikt.

…Glaube … ist die Widerspiegelung einer in der Manifestation noch nicht verwirklichten Wahrheit oder realen Idee.

…Glaube [ist] … ein okkultes Licht und eine Macht der Seele inmitten der Unwissenheit, Schwäche, den Zweifeln und Ungewissheiten des Mentals. Glaube ist für den Menschen unverzichtbar, denn ohne ihn könnte er auf seiner Reise durch das Unbekannte nicht voran kommen; doch er sollte nicht aufgezwungen werden, er sollte sich als freie Erkenntnis oder zwingende Richtungsweisung des inneren Geistes ergeben.

Ich meine damit ein dynamisches intuitives Überzeugtsein des inneren Wesens von der Wahrheit übersinnlicher Dinge, die durch keine physische Evidenz bewiesen werden können, sondern eine Sache der Erfahrung sind.

Der von den Sadhaks verlangte Glaube an spirituelle Dinge ist kein unwissender, sondern ein leuchtender Glaube, ein Glaube im Licht und nicht in der Dunkelheit. Er wird von dem skeptischen Intellekt blind genannt, weil er sich weigert, von äußeren Erscheinungen oder scheinbaren Tatsachen gelenkt zu werden – denn er sucht nach der Wahrheit hinter den Dingen, – und weil er nicht an den Krücken von Beweisen und Belegen voran geht. Er ist eine Intuition, eine Intuition, die nicht bloß auf ihre Rechtfertigung durch Erfahrung wartet, sondern zu Erfahrung hinführt. Wenn ich an Selbstheilung glaube, werde ich nach einiger Zeit den Weg finden, mich zu heilen. Wenn ich einen Glauben an Transformation habe, kann ich schließlich den Prozess der Transformation in die Hand nehmen und entwirren.

Der Ausdruck [„blinder Glaube“] hat keinen wirklichen Sinn. Ich vermute, sie meinen, sie werden nicht ohne Beweise glauben, – aber die aus dem Beweis gezogene Schlussfolgerung ist kein Glaube, sie ist Wissen oder eine mentale Meinung. Glaube ist etwas, das man ohne Beweis oder Wissen hat, und er hilft dir Wissen oder Erfahrung zu erlangen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Gott existiert, aber wenn ich Glauben an Gott habe, dann kann ich die Erfahrung des Göttlichen machen.

Als Ramakrishna gefragt wurde, ob blinder Glaube nicht falsch sei, ging er sogar so weit zu sagen, dass blinder Glaube der einzige Glaube sei, den man haben sollte, denn Glaube ist entweder blind oder er ist kein Glaube, sondern etwas anderes – durchdachte Schlussfolgerung, bewiesene Überzeugung oder gesichertes Wissen.

Unglaube ist blind – er ist weder sehr vorausschauend, noch fördert er die Kraft oder regt zum Handeln an.

Wenn die Verwirklichung eintritt, wird sich der göttlich erfüllte und vervollkommnete Glaube in eine ewige Flamme des Wissens verwandeln.

Glaube ist ein notwendiges Instrument für das Erlangen von Verwirklichung, weil wir unwissend sind und das, was wir zu verwirklichen streben, noch nicht kennen. Glaube ist tatsächlich Wissen, das vor seiner eigenen Manifestation dem Unwissen eine Andeutung seines Selbst gibt; er ist der Glanz, den die noch nicht aufgegangene Sonne vorausschickt. Wenn die Sonne aufgehen wird, gibt es nicht länger das Verlangen nach dem Glanz. Das supramentale Wissen unterstützt sich selbst. Es muss nicht vom Glauben unterstützt werden; es lebt aus seiner eigenen Gewissheit. Du magst sagen, dass weiterer Fortschritt, weitere Entwicklung Glauben benötigt. Nein, die weitere Entwicklung schreitet auf der Basis von Wissen, nicht von Unwissen voran. Wir werden im Licht des Wissens auf ihre größeren Visionen von Selbstverwirklichung zugehen.

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