Kapitel 1

Einleitung

Nur eine spirituelle, eine innere Freiheit kann eine vollkommene menschliche Ordnung schaffen. Eine spirituelle Erleuchtung allein, die der rationalen überlegen ist, vermag die vitale Natur des Menschen zu erleuchten und ihr Eigenstreben, ihre Widersprüche und Unstimmigkeiten auszugleichen. Eine tiefere Bruderschaft, ein noch nicht gefundenes Gesetz der Liebe ist die einzig mögliche Grundlage für eine vollkommene soziale Entwicklung, die nichts anderes ersetzen kann. Diese Bruderschaft und Liebe aber wird nicht aus den vitalen Trieben oder der Vernunft entstehen. Dann würden sie entgegengesetzten Überlegungen und anderen feindlichen Instinkten begegnen und von diesen verspottet oder abgelenkt werden. Sie werden auch nicht in der Natur des menschlichen Herzens gefunden, das erfüllt ist von vielen anderen Leidenschaften, die sie bekämpfen würden. Allein in der Seele des Menschen können sie ihre Wurzel finden: die Liebe, die auf einer tieferen Wahrheit unseres Wesens gründet, die Bruderschaft, oder besser gesagt, die spirituelle Kameradschaft, Ausdruck einer inneren Erfahrung der Einheit. Denn es handelt sich um ein anderes Gefühl als das der Bruderschaft in ihrem vitalen oder mentalen Empfinden, um eine ruhigere, mehr dauerhafte treibende Kraft. Nur so kann der Egoismus schwinden und ein wahrer Individualismus der einzigartigen Gottheit in jedem Menschen sich aufbauen auf dem wahren Kommunismus einer gleichartigen Gottheit der Menschheit, deren eigentliche Natur die Einheit in der Vielfalt ist. Denn es ist die Aufgabe des Geistes, das innerste Selbst, die allumfassende Gottheit, das individuelle Leben und die Natur im Sein aller zur Vollendung zu bringen, in dem Leben und der Natur der universalen Gemeinschaft.

…kein von der Vernunft geschaffenes System kann den individuellen oder kollektiven Menschen verbessern. Eine innere Wandlung der menschlichen Natur, zu schwierig, um von vielen erreicht zu werden, wäre hierfür notwendig. Ob dies zutrifft, ist nicht sicher. Sicher aber ist, dass, wenn diese Lösung nicht die richtige ist, es überhaupt keine Lösung gibt, dass, wenn dies nicht der Weg ist, es überhaupt für die Menschheit keinen gibt. Denn die irdische Entwicklung muss über den Menschen hinweggehen, wie sie über das Tier hinweggegangen ist. Eine bedeutendere Menschenart muss kommen, die fähig ist zu einer spirituellen Wandlung. Eine Lebensform muss geboren werden, die dem Göttlichen näher ist. Jedenfalls besteht keine logische Begründung für die Behauptung, eine solche Veränderung könne sich überhaupt nicht anbahnen, nur weil ihre Verwirklichung nicht unmittelbar möglich erscheint. Eine entscheidende Wendung der Menschheit zu dem spirituellen Ideal hin, der Anfang eines stetigen Aufstiegs, einer Führung hinauf zu den Höhen, sollte nicht für völlig unmöglich gehalten werden, auch wenn die Gipfel zunächst nur von den wenigen Pionieren erreicht werden, weit entfernt von den Spuren der Allgemeinheit. Ein solcher Anfang kann vielleicht den Einbruch eines Einflusses bedeuten, der das ganze menschliche Leben in seiner Ausrichtung sofort verändert und seine Möglichkeiten und sein ganzes Gefüge für immer erweitern wird, wie es einst die Entwicklung seiner Vernunft tat und noch weit über jede Entwicklung der Vernunft hinaus.

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