Sri Aurobindo Digital Edition
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  1. SRI AUROBINDO
  2. Savitri – Eine Legende und ein Symbol (Englisch | Deutsch)

FÜNFTES BUCH

Das Buch von der Liebe

Erster Canto

Der vorbestimmte Begegnungsort

Doch nun waren der vorbestimmte Ort und die Stunde nah;

Ohne es zu wissen, näherte sie sich ihrem namenlosen Ziel.

Denn obgleich ein Kleid des blinden und umwegigen Zufalls

Auf das Werk des allweisen Schicksals gelegt ist,

So sind doch unsere Taten Ausdruck einer allbewussten Kraft,

Die in dem zwingenden Stoff der Dinge wohnt,

Und nichts ereignet sich im kosmischen Spiel

Als zu seiner Zeit und an seinem vorgesehenen Ort.

Sie kam zu einem Raum von milder und lieblicher Luft,

Der ein Heiligtum von Jugend und Freude schien,

Eine Hochlandwelt von freier und grüner Wonne,

Wo Frühling und Sommer beisammen lagen und stritten

Umarmt in lässigem und freundschaftlichem Streit

Und lachend eiferten, wer gebieten soll.

Erwartung schlug dort weite jähe Schwingen,

Als hätte eine Seele aus dem Angesicht der Erde geblickt,

Und alles, was in ihr war, spürte einen kommenden Wandel

Und, vergessend sichtbare Freuden und gewöhnliche Träume,

Gehorchend dem Ruf der Zeit, dem Schicksal des Geistes,

War erhöht zu einer stillen und reinen Schönheit,

Die unter den Augen der Ewigkeit lebte.

Eine Schar bergiger Häupter stürmte zum Firmament empor,

Drängend gegen die Schulter des Rivalen, der dem Himmel näher war,

Die gepanzerten Führer einer eisernen Linie;

Die Erde lag ausgestreckt zu deren Füßen aus Stein.

Darunter kauerte ein Traum von smaragdgrünen Wäldern

Und schimmernde Ränder einsam wie Schlaf:

Farblose Gewässer liefen dahin wie schimmernde Perlenschnüre.

Ein Seufzer schweifte zwischen glücklichen Blättern umher;

Kühl duftend mit gemächlichen lustbeladenen Füßen,

Taumelten leichte schwankende Brisen durch die Blumen.

Der weiße Kranich stand, ein lebendiger bewegungsloser Strich,

Pfau und Papagei juwelierten Boden und Baum,

Das leise Gurren der Taube bereicherte die verliebte Luft

Und feuergeflügelte Wildenten schwammen auf silbrigen Teichen.

Die Erde lag allein bei ihrem großen Geliebten, dem Himmel,

Dem azurblauen Auge ihres Gemahls entblößt.

In einer schwelgerischen Ekstase der Freude

Verschwendete sie die Liebesmusik ihrer Noten,

Vergeudete das leidenschaftliche Dekor ihrer Blüten

Und die festliche Fülle ihrer Düfte und Farben.

Ein Rufen und Springen und Eilen war ringsumher,

Die verstohlenen Schritte ihrer einander jagenden Gebilde,

Das struppige Smaragdgrün ihrer Zentaurenmähne,

Das Gold und Saphir ihrer Wärme und Glut.

Als Zauberer ihrer verzückten Glückseligkeiten,

Vergnügt, sinnenfroh, sorglos und göttlich,

Rann oder verbarg sich Leben in ihren wonnevollen Räumen;

Hinter allem sinnierte die grandiose Ruhe der Natur.

Urfriede herrschte dort und hielt in seinem Schoße

Ungestört den Kampf von Vogel und wildem Tier.

Der Mensch, tiefstirniger Gestalter, war noch nicht erschienen,

Um auf glücklich Unbewusstes seine Hand zu legen,

Das Denken gab es dort nicht noch den Bemesser, scharfäugig Mühen,

Das Leben kannte noch nicht den Zwiespalt mit seinem Zweck.

Die Mächtige Mutter lag behaglich ausgestreckt danieder.

Alles entsprach ihrem ersten zufriedenen Plan;

Getrieben von einem allumfassenden Willen der Freude

Blühten die Bäume in grüner Glückseligkeit

Und die Wildfänge sannen nicht über Schmerzen nach.

Am Ende ruhte ein strenges und gigantisches Gebiet

Von wirren Tiefen und ernsten fragenden Bergen,

Gipfel wie die nackte Schlichtheit einer Seele,

Gepanzert, fern und trostlos groß

Wie die gedankengeschirmten Unendlichkeiten, die da liegen

Hinter dem verzückten Lächeln von des Allmächtigen Tanzes.

Ein struppiger Waldkopf drang in den Himmel ein

Und lugte wie ein blaukehliger Asket

Aus der steinigen Festung seiner Bergzelle hervor,

Betrachtend die kurze Freude der Tage;

Dahinter lag weit ausgestreckt sein Geist.

Ein mächtiges Gemurmel einer immensen Abgeschiedenheit

Bestürmte das Ohr, ein trauriger und unerschöpflicher Ruf

Wie von einer Seele, die der Welt entsagt.

Dies war der Schauplatz, den die vieldeutige Mutter

Gewählt hatte für ihre kurze glückselige Stunde;

Hier in dieser Einsamkeit, fern der Welt,

Begann ihr Part in der Welt Freude und Kampf.

Hier wurden ihr die mystischen Höfe geoffenbart,

Die versteckten Pforten von Schönem und Erstaunlichem,

Die Flügeltüren, die da murmeln in dem goldnen Hause,

Der Tempel der Süße und der feurige Saal.

Als Fremde auf den leidvollen Straßen der Zeit,

Unsterblich unter dem Joch von Tod und Schicksal,

Darbringerin der Seligkeit und des Schmerzes der Sphären,

Traf Liebe in der Wildnis auf Savitri.

Ende des ersten Cantos

Zweiter Canto

Satyavan

An diesem Schicksalstag kam ihr alles in den Sinn,

Die Straße, die nicht in ernste Tiefen einzudringen wagte

Sondern sich abwandte, fliehend menschlichen Heimen zu,

Die Wildnis mit ihrer gewaltigen Eintönigkeit,

Der Morgen, wie ein glanzvoller Seher droben,

Die Passion der Gipfel, die im Himmel sich verlieren,

Das titanische Geraune der endlosen Wälder.

Als wäre ein kleines Türchen zur Freude dort,

Eingerahmt von stimmlosem Hinweis und magischem Wink,

Lag da am Rande einer unbekannten Welt

Die Rundung einer sonnigen Abgeschiedenheit;

Haine mit seltsamen Blumen wie Augen neugieriger Nymphen

Spähten aus ihrer Verborgenheit in den offenen Raum,

Zweige, wispernd einem beständigen Lichte zu,

Bargen in sich eine gedämpfte und geschirmte Glückseligkeit,

Und langsam wehte ein träger unsteter Wind

Wie ein flüchtiger Seufzer des Glückes dahin

Über schläfriges Gras, verziert mit Grün und Gold.

Verborgen in des Waldes Schoße der Einsamkeit

Riefen zwischen den Blättern die Stimmen der Bewohner,

Süß wie Sehnsüchte, verliebt und ungesehen,

Schrei gab Antwort dem leis beharrlichen Schrei.

Dahinter schliefen smaragdgrüne stumme Abgeschiedenheiten,

Schlupfwinkel einer inbrünstigen Natur, verborgen, allem verschlossen

Außer für ihre eigene verlorene und wilde Schau.

Die Erde, in diesem herrlichen Refugium frei von Sorgen,

Summte der Seele ein Lied von Kraft und Frieden.

Nur ein Zeichen war da von einem menschlichen Schritt:

Ein einziger Pfad, schmal und pfeilartig geschossen

In den Schoß dieses weiten und geheimen Lebens,

Durchdrang den ungeheuren Traum der Einsamkeit.

Hier traf sie zum ersten Mal auf der ungewissen Erde

Den einen, für den ihr Herz von so weit gekommen war.

Gleich einer Seele, die vor dem Hintergrund der Natur

Für einen Augenblick in einem Haus des Traumes heraussticht,

Erschaffen vom glühenden Atem des Lebens,

So erschien er vor dem Saum des Waldes,

Eingebettet zwischen grünem Relief und goldnem Strahl.

Wie eine Waffe des lebendigen Lichtes,

Aufrecht und erhaben wie eine Lanze Gottes,

Führte seine Gestalt den Glanz des Morgens.

Edel und klar wie die weiten friedvollen Himmel,

War seine Stirn eine Tafel junger Weisheit;

Die gebieterische Schönheit der Freiheit zeichnete seine Glieder,

Die Freude des Lebens lag auf seinem offenen Gesicht.

Sein Blick war ein weiter Tagesanbruch der Götter,

Sein Haupt war das eines jugendlichen Rishis, berührt vom Licht,

Sein Körper war der eines Liebhabers und eines Königs.

In der herrlichen Morgendämmerung seiner Kraft,

Erbaut wie eine sich bewegende Statue beseligender Freude,

Illuminierte er den Saum der Waldseite.

Aus der unwissend eifrigen Mühsal der Jahre,

Verlassend das laute Drama der Menschen, war er gekommen,

Hergeführt von der Weisheit eines widrigen Schicksals,

Um die uralte Mutter in ihren Hainen zu treffen.

Gediehen war er in ihrer göttlichen Gemeinschaft

Als Pflegekind der Schönheit und Einsamkeit,

Erbe von Jahrhunderten einsamer Weiser,

Ein Bruder von Sonnenschein und Himmel,

Ein Wanderer, der mit Tiefe und Schneide verkehrt.

Als Veda-Kenner des ungeschriebenen Buches,

Der die mystische Schrift ihrer Formen sorgfältig liest,

Hatte er ihre Hierophant-Bedeutungen erfasst,

Ihre sphärisch unermesslichen Vorstellungen erfahren,

Belehrt durch Erhabenheiten von Fluss und Wald,

Durch Stimmen von Sonne, Stern und Flamme,

Durch Gesang der zauberhaften Sänger auf den Zweigen

Und der wortlosen Belehrung von vierfüßigen Wesen.

Vertrauensvoll ihren bedächtig großen Händen helfend,

Gab er sich ihrem Einfluss hin wie die Blume dem Regen

Und ward, wie Blume und Baum natürlich wachsen,

Weiter durch die Berührungen ihrer formenden Stunden.

Die Meisterschaft freier Naturen war die seine

Sowie deren Bejahen von Freude und geräumiger Ruhe;

Eins mit dem einzigen Geist, der in allem wohnt,

Legte Erfahrung er der Gottheit zu Füßen;

Sein mentaler Geist war offen für ihren unendlichen Geist,

Sein Tun war im Einklang mit ihrer Urkraft;

Sein sterblich Denken hatte er dem ihren unterworfen.

An diesem Tag war er von seinen gewohnten Wegen abgeschweift;

Denn Einer, kennend die Last eines jeden Augenblicks,

Der in all unseren bedachten oder sorglosen Schritten gehen kann,

Hatte den Bann des Schicksals auf seine Füße gelegt

Und ihn zum blühenden Waldesrande gelockt.

Ihr erster Blick, der des Lebens Millionen Formen

Unbefangen aufnahm, um sein Schatzhaus zu füllen

Zusammen mit Himmel, Blume, Berg und Stern,

Verweilte eher auf dem hellen harmonischen Bild.

Dieser sah das grüne Gold der schläfrigen Wiese,

Die Gräser, die beim sachten Schreiten des Windes zitterten,

Die Zweige, heimgesucht vom Ruf des wilden Vogels.

Wach für die Natur, des Lebens halb erst gewahr,

Der begierige Gefangene aus dem Unendlichen,

Der unsterbliche Ringer in seinem sterblichen Haus

Voll Stolz, Macht und Leidenschaft eines kämpfenden Gottes,

Sah er dieses Bild einer verhüllten Gottheit,

Dies denkend Meistergeschöpf der Erde,

Dies jüngste Werk der Schönheit der Sterne,

Sah aber diese wie andere schöne und gewöhnliche Formen,

Die der Künstler-Geist nicht braucht für sein Werk

Und in schattigen Räumen der Erinnerung beiseite legt.

Ein Blick, eine Wendung fügt unser schwankend Geschick.

So in der Stunde, die am tiefsten sie berührte,

Wandernd ungewarnt vom bedächtigen äußeren Mental,

Bewunderte der unachtsame Späher unter ihrer Augenlider Zelt

Unbekümmert Schönheit und weckte nicht

Den Geist ihres Körpers für seinen König.

So wäre auf zufällig unwissenden Straßen sie fast vorbeigegangen,

Verfehlend den Ruf des Himmels, verlierend das Ziel des Lebens,

Doch der Gott berührte zur rechten Zeit ihre bewusste Seele noch.

Ihr Blick wurde fest, eingefangen und alles wurde anders.

In idealen Träumen weilte ihr mentaler Geist zunächst,

Jene vertrauten Verwandler irdischer Zeichen,

Die aus Bekanntem einen Hinweis auf ungesehene Sphären machen,

Und sah in ihm den Genius dieses Ortes,

Eine Symbolgestalt, die inmitten der Erde Szenen steht,

Ein König des Lebens, umrissen in zarter Luft.

Doch war dies nur die Träumerei eines Augenblicks;

Denn plötzlich sah ihr Herz ihn an,

Das inbrünstige Sehen, wie es Denken nicht vermag,

Und wusste ihn sich näher als die eigenen Fasern.

Alles war augenblicklich gepackt und überwältigt,

Alles in nichtbewusste Ekstase Gehüllte

Oder unter der Einbildung bunten Lidern

In einer weiten Siegelluft des Traumes Gehobene

Brach flammend hervor, um die Welt neu zu erschaffen,

Und in dieser Flamme wurde sie zu Neuem geboren.

Aus ihren Tiefen erhob sich ein mystischer Tumult;

Kraftvoll, aufgeschreckt wie ein sorglos Träumender,

Stürmte Leben, um aus jedem Sinnestor zu äugen:

Gedanken, unklar und froh in Mondnebel-Himmeln,

Gefühle, wie wenn ein Universum sich gebiert,

Fegten durch den Trubel im Raume ihrer Brust,

Worin ein Schwarm von goldnen Göttern drang:

Erhoben zu einer Hymne der Priester des Wunders

Tat ihre Seele die Tore weit für diese neue Sonne auf.

Eine Alchemie war am Werk, die Verwandlung kam;

Das gesandte Antlitz hatte den Bann des Meisters gewirkt.

In dem namenlosen Licht zwei sich nahender Augen

Traf ihre Tage eine geschwinde und schicksalhafte Wende

Und spannte sich zu einem Schimmer unbekannter Welten.

Erzitternd vom mystischen Schock schlug hoch dann ihr Herz

In ihrer Brust und schrie wie ein Vogel auf,

Der den Gefährten hört auf einem Nachbarzweig.

Rasch trampelnde Hufe, stockende Räder hielten an;

Der Wagen stand wie ein gebremster Wind.

Und Satyavan schaute aus den Pforten seiner Seele

Und fühlte den Zauber ihrer wohlklingenden Stimme

Die Purpur-Atmosphäre seiner Jugend erfüllen und ertrug

Das eindringliche Wunder eines perfekten Angesichts.

Überwältigt vom Nektar eines seltsamen Blumenmundes,

Angezogen von Seelenräumen, die um eine Stirn sich auftun,

Gab er dem Anblick sich hin wie ein Meer dem Mond

Und erlitt einen Traum von Schönheit und Wandlung,

Entdeckte den Strahlenkranz um das Haupt eines Sterblichen,

Bewunderte eine neue Göttlichkeit in Dingen.

Seine selbstbezogene Natur verging wie im Feuer;

Sein Leben ward hineingenommen in das Leben eines anderen.

Die prachtvollen einsamen Idole seines Gehirns

Warfen sich nieder aus ihren hellen Genügsamkeiten,

Wie bei der Berührung von einer neuen Unendlichkeit,

Um eine Gottheit zu verehren, größer als die eigene.

Eine unbekannte gebieterische Kraft zog ihn zu ihr.

Staunend kam er über das goldne Gras:

Blick traf auf Blick und verharrte in des Sehens Umarmung.

Da war ein Antlitz, edel, ruhig und herrlich,

Gleichsam umgeben von einem Strahlenglanz des Denkens,

Eine Spanne, ein Bogen meditierenden Lichtes,

Als wäre ein geheimer Nimbus halb zu sehen;

Ihr inneres Sehen, sich noch erinnernd, erkannte

Eine Stirn, die die Krone ihrer ganzen Vergangenheit trug,

Zwei Augen, ihre treuen und ewigen Sterne,

Freund- und Herrscheraugen, die ihre Seele erheischten,

Augenlider, bekannt durch viele Leben, weite Rahmen der Liebe.

Er traf in ihrem Schauen seiner Zukunft Blick,

Eine Verheißung und eine Gegenwart und ein Feuer,

Sah eine Verkörperung von äonischen Träumen,

Ein Mysterium des Entzückens, nach dem alles

In dieser Welt der kurzen Sterblichkeit sich sehnt,

Ihm ganz zu eigen gemacht in stofflicher Form.

Diese goldne Gestalt, gegeben in seine Hand,

Verbarg in ihrer Brust den Schlüssel zu allen seinen Zielen,

Ein Zauber, um die Seligkeit des Unsterblichen auf die Erde zu bringen,

Um des Himmels Wahrheit mit unserem sterblichen Denken zu einen,

Um Erdenherzen näher an die Sonne des Ewigen zu heben.

In diesen Geistesgrößen, nun leibhaft hier,

Brachte der Gott der Liebe Macht aus Ewigkeit herab,

Dass Leben sein neuer unvergänglicher Boden werde.

Aus unergründlichen Tiefen wogte ein Schwall seiner Leidenschaft;

Diese sprang zur Erde aus fern vergessenen Höhen,

Doch wahrte ihre Natur der Unendlichkeit.

Obwohl auf der stummen Brust dieser erinnerungslosen Weltkugel

Einander wir begegnen wie Unbekannte,

Sind unsere Leben weder fremd einander noch treffen wir als Fremde uns,

Zueinander hinbewegt von einer ursachlosen Kraft.

Die Seele kann jene Seele erkennen, die ihr Antwort gibt,

Durch trennende Zeit hinweg und, als Reisende auf des Lebens Wegen

Aufgesogen und vertieft, sich wendend wiederfinden

Vertraute Herrlichkeit in einem unbekannten Angesicht

Und berührt vom Fingerzeig jäher Liebe

Abermals Erschauern vor unsterblicher Freude,

Tragend nun für Wonne einen sterblichen Körper.

Es gibt eine Macht im Innern, die mehr weiß

Als all unsere Erkenntnisse; wir sind größer als unsere Gedanken,

Und manchmal enthüllt die Erde hier jene Schau.

Zu leben, zu lieben sind Zeichen unendlicher Dinge,

Liebe ist eine Glorie aus Sphären der Ewigkeit.

Entwürdigt, entstellt, verhöhnt von niederen Mächten,

Die ihm Namen und Gestalt und Ekstase stehlen,

Ist Liebe dennoch der Gott, der alles verändern kann.

Ein Mysterium erwacht in unserem unbewussten Gewebe,

Eine Seligkeit ist geboren, die unser Leben neu erschaffen kann.

Der Gott der Liebe wohnt in uns gleich einer ungeöffneten Blüte

Und wartet auf einen lichten Moment der Seele, oder er schweift

In seinem bezaubernden Schlaf zwischen Gedanken und Dingen;

Der Kind-Gott ist am Spielen, er sucht sich selbst

In vielen Herzen und Gemütern und lebendigen Formen:

Er verlangt nach einem Zeichen, das er zu erkennen vermag,

Und wenn es kommt, erwacht er blindlings zu einer Stimme,

Einem Blick, einer Berührung, der Kunde eines Gesichtes.

Sein Instrument das dumpfe körperliche Mental,

Himmlischer Einsicht nun nicht mehr eingedenk,

Ergreift er nun irgendein Zeichen äußeren Reizes

Als Führer im Gewimmel von Hinweisen der Natur,

Liest himmlische Wahrheiten in ähnlichen Erscheinungen der Erde,

Begehrt das Ebenbild um der Gottheit Willen,

Erahnt die Unvergänglichkeiten der Form

Und nimmt den Körper an als die Skulptur der Seele.

Der Liebe Verehrung blickt gleich mystischem Seher

Durch das Angeschaute hindurch zum Unsichtbaren,

Findet im Alphabet der Erde einen gottgleichen Sinn;

Doch der mentale Geist denkt nur: „Sieh den Einzigsten,

Auf den mein Leben lang unerfüllt gewartet hat,

Sieh den plötzlichen Beherrscher meiner Tage.“

Herz spürt nach Herz, Glied schreit nach antwortgebendem Glied;

Alles ringt nach Einheit, die es eigentlich ist.

Vom Göttlichen allzu fern, sucht der Gott der Liebe seine Wahrheit,

Blind ist das Leben und trügerisch die Instrumente

Und Mächte gibt es, die erniedrigen wollen.

Noch kann die Vision kommen, die Freude sich einfinden.

Der Kelch, der für den Nektar-Wein der Liebe taugt, ist so selten

Wie das Gefäß, dass Gottes Geburt fassen kann;

Eine Seele, vorbereitet durch tausend Jahre,

Dient einer erhabenen Herabkunft als lebendige Form.

Diese erkannten einander auch in fremder Gestalt.

Obgleich dem Sehen unvertraut, obgleich Leben und Mental

Sich verändert hatten, um neues auszudrücken,

Umfassten diese Körper doch den Lauf zahlloser Geburten

Und der Geist blieb dem Geist derselbe.

Überrascht von einer Freude, auf die sie lange gewartet hatten,

Trafen sich die Liebenden auf ihren eigenen Wegen

Als Reisende über die unbegrenzten Ebenen der Zeit,

Einander zugeführt durch schicksalsgeleitete Wanderungen in der

Selbstverschlossenen Einsamkeit ihrer menschlichen Vergangenheit

Zu einem raschen verzückten Traum künftiger Freude

Und der unverhofften Gegenwart dieser Augen.

Durch die enthüllende Herrlichkeit eines Blickes

Erwachte im Sinn formzerschmettert des Geistes Erinnerung.

Der Nebel ward zerrissen, der zwischen zwei Leben lag;

Ihr Herz unverhüllt und seines ihr zugewandt, um sie zu finden;

Angezogen wie Stern von Stern im Himmel

Staunten sie voll Freude einander an

Und woben Wesensverwandtschaft im stillen Schauen.

Es verging ein Augenblick, der ein Strahl der Ewigkeit war,

Eine Stunde begann, die Matrix einer neuen Zeit.

Ende des zweiten Cantos

Dritter Canto

Satyavan und Savitri

Aus dem stummen Mysterium der Vergangenheit

Trafen im Jetzt, uneingedenk vergessener Bindungen,

Sich diese Geistwesen auf den Straßen der Zeit.

Doch ward im Herz ihr geheimes bewusstes Selbst

Sogleich einander gewahr und eins ans andere gemahnt

Beim ersten Ruf einer lieblichen Stimme

Und erstem Anblick des vorbestimmten Angesichts.

Wie Wesen nach Wesen schreit aus seinen Tiefen

Hinter dem Schirm der äußeren Sinne

Und das herzenthüllende Wort zu finden sucht,

Die inbrünstige Rede, die das Bedürfnis der Seele kundtut,

Doch die Unwissenheit des Mentals den inneren Blick verschleiert

Und Weniges nur durch unsere erdgemachten Grenzen bricht,

So begegneten sie einander in jener bedeutsamen Stunde,

So äußert sich das Wiedererkennen in den Tiefen,

Die Erinnerung verloren, das Einssein gefühlt und vermisst.

Da sprach erst Satyavan zu Savitri:

„O du, die zu mir kam aus dem Schweigen der Zeit,

Deine Stimme weckte mein Herz zu unbekannter Seligkeit,

Unsterbliche, oder sterblich nur in deiner Gestalt,

Denn mehr als Erde spricht zu mir aus deiner Seele

Und mehr als Erde umfängt mich in deinem Blick,

Wie wirst du genannt unter den Söhnen der Menschen?

Von woher bist du erschienen, meines Geistes Tage erfüllend,

Heller als Sommer, heller als meine Blumen,

In die einsamen Grenzen meines Lebens,

O Sonnenschein, gestaltet wie eine goldne Maid?

Ich weiß, dass mächtige Götter Freunde der Erde sind.

Inmitten der Festgepränge von Tag und Abend

Bin lang ich mit meiner Pilgerseele gereist,

Vom Wunder der vertrauten Dinge bewegt.

Die Erde konnte vor mir nicht die Mächte verbergen, die sie verhüllt:

Auch wenn ich durch eine irdische Kulisse

Und über die gewöhnlichen Flächen der Erdenwelt wanderte,

War meine Schau ungeblendet von all ihren Formen;

Aus vertrauten Szenen schaute mich die Gottheit an.

Ich bezeugte die jungfräulichen Bräute der Morgendämmerung

Hinter den glühenden Schleiern des Firmaments

Oder wetteiferte in Freude mit den Schritten des hellen Morgens,

Lief an den schläfrigen Küsten des Mittags entlang

Oder durchquerte die goldne Wüste des Sonnenlichtes

Über große Öden von Herrlichkeit und Feuer hinweg,

Oder traf den Mond, der staunend durch den Himmel glitt

In der ungewissen Weite der Nacht,

Oder die Sterne marschierten auf ihren langen Schildwachwegen,

Zielend mit ihrem Speer durch die Unendlichkeiten:

Tag und Abend enthüllten mir verborgene Formen;

Gestalten kamen von geheimen Ufern zu mir

Und aus Strahl und Flamme blickten glückliche Gesichter.

Ich habe durch Ätherwellen seltsame Stimmen gehört,

Der Zaubergesang des Zentauren hat mein Ohr betört;

Ich habe die Apsaras beim Baden in den Teichen erspäht,

Ich habe die Waldnymphen verstohlen durch die Blätter blicken sehen;

Mir zeigten die Winde ihre reitenden Herren,

Ich habe die Prinzen der Sonne wahrgenommen,

Die da brennen in den tausendsäuligen Heimen des Lichtes.

So könnt nun träumen mein Verstand und bangen mein Herz,

Dass von einem wundersamen Lager jenseits unserer Luft

Erhoben, an einem herrlichen Morgen der Götter

Aus den Welten des Donners deine Pferde du lenkst.

Obwohl deine Schönheit mit dem Himmel verbündet scheint,

Erfreute es meine Gedanken viel lieber zu wissen,

Dass sterbliche Süße zwischen deinen Lidern lächelt

Und dein Herz unter einem Menschenblick schlagen kann

Und dein goldner Busen von einem Blick erschauern

Und einer erdgeborenen Stimme antworten seine Glut.

Wenn du unsere zeitbedrängte Zuneigung fühlen kannst,

Der Erde Natürlichkeit einfacher Dinge dir genügen kann,

Wenn dein Blick auf irdischem Boden zufrieden verweilen kann,

Und dieser himmlische Inbegriff der Wonne,

Dein goldner Leib, mit mühseliger Arbeit tändeln kann,

Unsere Landschaft mit seiner Anmut drückend, während

Der schwache flüchtige süße Geschmack irdischer Kost

Dich aufhält und des Wildbachs springender Wein,

Steig hernieder. Beende deine Reise, komm zu uns herab.

Nah liegt meines Vaters umrankte Einsiedelei,

Abgeschirmt von den hohen Reihen dieser schweigenden Könige,

Besungen von den Stimmen der buntgewandeten Chöre,

Deren Gesänge, übertragen in Noten der Musik,

Die leidenschaftliche Farbenschrift der Zweige wiederholen

Und die Stunden mit ihrem melodischen Rufen erfüllen.

Mit dem Willkommensgesumm der unzähligen Bienen

Tritt ein in unser honigsüßes Königreich der Wälder;

Dort lass mich in ein blühendes Dasein dich führen.

Karg, schlicht ist das Eremitenleben im Wald;

Doch ist es geschmückt mit den Kostbarkeiten der Erde.

Wilde Winde wehen – Besucher sich wiegender Wipfel,

In den ruhigen Tagen blicken des Himmels Friedenswachen,

Gebettet auf dem purpurnen Gewand des Firmaments da oben,

Herab auf eine reiche Heimlichkeit und Stille,

Und darin singen die gekammerten Hochzeitsgewässer.

Riesige, raunend und vielgestaltig rundherum,

Hochwaldgötter haben in ihre Arme geschlossen

Die menschliche Stunde, ein Gast ihrer jahrhundertealten Pracht.

Gekleidet sind die Morgen in Gold und Grün,

Sonnenlicht und Schatten weben die Wandbehänge,

Um ein Ruhegemach zu schaffen, wie es dir gebührt.“

Eine Weile schwieg sie, als lauschte sie seiner Stimme noch,

Unwillig, den Bann zu brechen, sprach sie dann langsam.

Sinnierend antwortete sie: „Ich bin Savitri,

Prinzessin von Madra. Wer bist du? Welcher Name,

Wie Musik erklingend, drückt dich auf Erden den Menschen aus?

Welcher Stamm von Königen, getränkt von glückbringenden Strömen,

Hat schließlich in einem glücklichen Zweige geblüht?

Warum wohnst du in dem unwegsamen Walde

Fern von den Taten, die deine glorreiche Jugend fordert,

Einem Ort der Einsiedler und der Erde wilden Sippen,

Wo einzig mit deinem Selbst als Zeugen du umherstreifst

In der grünen unmenschlichen Einsamkeit der Natur,

Umgeben von gewaltigem Schweigen

Und dem blinden Raunen der urzeitlichen Stille?“

Und Satyavan antwortete Savitri:

„In Tagen, als er noch klar auf das Leben sah,

Regierte König Dyumatsena, der Shalwa, einst

Im ganzen Lande jenseits dieser Gipfel,

Das sich durch Tage smaragdgrüner Wonne

In trautem Umgang mit den reisenden Winden erstreckt,

Zurückblickend auf die südlichen Himmel,

Und seine Flanke an die sinnenden Berge lehnt.

Doch gleichmütiges Schicksal entzog die schirmende Hand.

Eine lebendige Nacht umgab die Pfade des starken Mannes,

Zurück nahmen des Himmels strahlende Götter ihre sorglosen Gaben,

Entzogen leeren Augen ihren frohen und helfenden Strahl

Und führten von seiner Seite die zweifelhafte Göttin fort.

Verstoßen aus dem Reiche des äußeren Lichtes,

Verloren für die Kameradschaft sehender Menschen,

Weilt er in zwei Abgeschiedenheiten, im Innern

Und im feierlichen Rauschen der Wälder.

Als Sohn jenes Königs lebte ich, Satyavan,

Zufrieden, denn deiner noch nicht gewahr,

In meiner hehr bevölkerten Einsamkeit des Geistes

Und in diesem riesigen vitalen Raunen, mir verwandt,

Aufgezogen von der Weite, Schüler der Einsamkeit.

Erhabene Natur kam zu ihrem wiedergefundenen Kind;

Ich herrschte in einem Königreich von edlerer Art

Als Menschen auf dem Boden dumpfer Materie errichten können;

Ich fand die Freimütigkeit der ursprünglichen Erde,

Ich genoss den vertrauten Umgang mit kindlichem Gott.

In den großen behangenen Gemächern ihres Staates

Habe ich frei in ihrem grenzenlosen Palast gewohnt,

Verwöhnt von unser aller herzlichen Mutter,

Aufgewachsen mit meinen natürlichen Brüdern in ihrem Hause.

Ich lag in der weiten nackten Umarmung des Himmels,

Des Sonnenlichts strahlender Segen umfing meine Stirn,

Des Mondscheins silberne Ekstase küsste bei Nacht

Meine trüben Lider in den Schlaf. Der Erde Morgen war mein;

Gelockt von leisem Gemurmel streifte ich vertieft durch Wälder

Mit den grüngewandeten Stunden, empfänglich für die Stimme

Von Wind und Wasser, Gefährte der Sonne Freude,

Ein Lauschender der universellen Rede:

Mein Geist, zufrieden in mir, wusste

Gottgleich unser Geburtsrecht, üppig unser Leben,

Dessen ganzes Hab und Gut Erde und Himmeln gehören.

Bevor mich Schicksal in diese smaragdgrüne Welt führte,

Nahte, von ahnungsvoller Berührung im Innern geweckt,

Ein frühes Vorauswissen in meinem Verstande sich

Dem großen stummen Tier-Bewusstsein der Erde,

Nun so vertraut geworden mir, der ich einstigen Prunk verließ,

Um in diesem grandiosen Raunen, dumpf und weit, zu leben.

Im Traume meines Geistes begegnete ich ihr schon.

Übertragend gleichsam in ein tieferes Land der Seele

Die lebhaften Bilder der Erde,

Erwachte etwas durch inneres Sehen und Fühlen.

Ein visionärer Zauber durchzog die Stunden meiner Kindheit,

Alles vom Auge in bunten Linien erhaschte

Nahm das deutende Mental von neuem wahr

Und strebte, die Seele in der Gestalt zu fassen.

Ein früher Kindgott nahm meine Hand, die da hielt,

Bewegt und geführt vom Suchen seiner Berührung,

Lichte Formen und Farben, die durch seine Sicht flohen;

Gemalt auf Blatt und Stein, sprachen sie zum Menschen.

Besucher hoher Schönheit waren mir vertraut.

Der wiehernde Stolz schnellen Lebens, das windmähnig

Durch unser Grasland schweift, warf auf mein sehendes Gemüt

Formen der Schnelligkeit; Rudel von gefleckten Hirschen

Wurden vor dem späten dämmrigen Firmament

Zum Abendlied des Schweigens meiner Seele.

Ich erhaschte für ein ewiges Auge den plötzlichen

Königsfischer, blitzend in einen dunkelnden Teich;

Einen langsamen Schwan, versilbernd den azurblauen See,

Eine Gestalt von magischer Weiße, durchsegelte Traum;

Blätter, zitternd von der Leidenschaft des Windes,

Verzierte Schmetterlinge, die bewussten Blumen der Luft,

Und wandernde Schwingen in blauer Unendlichkeit

Lebten auf Tafeln meiner inneren Sicht;

Berge und Bäume standen da wie Gedanken Gottes.

Die schillernden Langschnäbel in ihrem farbigen Kleid,

Der Pfau, der in die Brise seinen Mondschweif spreizt,

Bemalten mein Gedächtnis wie eine freskierte Wand.

Ich schnitzte meine Schau aus Holz und Stein;

Ich fing den Widerhall eines erhabenen Wortes ein

Und gab den Rhythmusschlägen der Unendlichkeit einen Vers

Und lauschte nach der ewigen Stimme durch Musik.

Ich spürte eine verdeckte Berührung, ich hörte einen Ruf,

Doch konnte ich nicht den Körper meines Gottes fassen

Oder zwischen meinen Händen die Füße der Weltmutter halten.

In Menschen traf ich seltsame Teile von einem Selbst,

Die nach Fragmenten suchten und in Fragmenten lebten:

Jeder lebte in sich und für sich allein

Und knüpfte mit anderen nur vergängliches Band;

Die eigene oberflächliche Freude und Not erregte einen jeden

Und sah den Ewigen in seinem geheimen Hause nicht.

Ich verkehrte mit der Natur, sinnierte mit den wandellosen Sternen,

Gottes Wachfeuer, die in der unwissenden Nacht brennen,

Und gewahrte auf ihrem mächtigen Angesicht

Einen Strahl, der des Ewigen Sonne ahnen ließ.

Ich saß mit den Weisen des Waldes in ihrer Trance zusammen:

Dort flossen erweckende Ströme von diamantenem Licht,

Ich erblickte die Gegenwart des Einen in allem.

Dennoch fehlte dort die letzte transzendente Macht

Und Materie schlief noch immer bar ihres Herrn.

Der Geist war gerettet, doch der Körper, verloren und stumm,

Lebte noch immer mit Tod und uralter Unwissenheit;

Das Nichtbewusste war sein Grund, das Leere sein Schicksal.

Doch du bist gekommen und alles wird gewiss sich wandeln:

Die Weltmutter werde ich in deinen goldnen Gliedern fühlen

Und ihre Weisheit in deiner heiligen Stimme vernehmen.

Das Kind der Leere wird neu geboren in Gott,

Meine Materie wird der Trance des Nichtbewussten entgehen.

Mein Körper wird frei wie mein Geist sein.

Er wird Tod und Unwissenheit entrinnen.“

Und Savitri, immer noch sinnend, sprach zu ihm:

„Sprich mehr zu mir, sprich mehr, O Satyavan,

Sprich von dir und allem, was du im Innern bist;

Ich möchte dich kennen, als hätten schon immer wir

Zusammen in der Kammer unserer Seelen gelebt.

Sprich, bis ein Licht in meinem Herzen aufgeht

Und mein bewegter sterblicher Verstand begreift,

Was das ganze todlose Wesen in mir fühlt.

Es weiß, dass du der bist, den mein Geist gesucht hat

Unter all den Gesichtern und Gestalten der Erde

Durch die goldnen Räume meines Lebens hin.“

Und Satyavan, einer Harfe gleich,

Die dem eindringlichen Ruf einer Flöte erwidert,

Gab Antwort ihrem Fragen und ließ sein Herz

In reichgetönten Wogen der Sprache zu ihr strömen:

„O goldne Prinzessin, vollkommene Savitri,

Mehr möchte ich sagen, als Worte es vermögen,

Von allem, was du, noch unbekannt, mir bedeutest,

Von allem, was der Blitzstrahl der Liebe offenbart

In einer großen Stunde enthüllender Götter.

Schon eine kurze Zeit der Nähe hat mein Leben umgewandelt.

Nun weiß ich, dass sich alles, was ich gelebt und gewesen war,

Auf diesen Moment der Wiedergeburt meines Herzens hinbewegt hat;

Ich schaue zurück auf den Sinn meiner selbst,

Einer Seele, die auf irdischem Boden für dich bereitet ward.

Einst waren meine Tage wie anderer Menschen Tage:

Zu denken und zu handeln war alles, zu genießen und zu atmen;

Dies war die Weite und Höhe sterblicher Hoffnung:

Doch es gab Einblicke in ein tieferes Selbst,

Das da lebt hinter dem Leben, dessen Schauspiel ihm als Bühne dient.

Eine Wahrheit war spürbar, die ihre Form vor dem Mental verbarg,

Eine Größe, die auf ein verborgenes Ziel hinwirkt,

Und durch die Formen der Erde schaute vage

Etwas, das Leben noch nicht ist aber werden muss.

Ich tappte mit der Laterne, dem Denken, nach dem Mysterium.

Sein Schimmern beleuchtete mit dem abstrakten Wort

Einen halb sichtbaren Boden und kartografierte Meter für Meter

Ein System vom Selbst und von Gott.

Ich konnte die Wahrheit nicht leben, die es sprach und dachte.

Ich suchte seine Form in sichtbaren Dingen zu fassen,

Hoffend, seine Ordnung durch sterblichen Verstand festzulegen,

Zwang eine enge Struktur von Weltgesetz

Der Freiheit des Unendlichen auf,

Ein hartes starres Skelett von äußerer Wahrheit,

Ein mentales Schema einer mechanischen Kraft.

Dieses Licht zeigte mehr die Dunkelheiten, die nicht erforscht waren;

Es machte das ursprüngliche Geheimnis noch rätselhafter;

Es konnte seinen kosmischen Schleier nicht analysieren

Oder die verborgene Hand des Wunderwirkers erahnen

Und das Muster seines magischen Plans ermitteln.

Ich tauchte in ein inneres sehendes Mental ein

Und erkannte die geheimen Gesetze und Zaubereien,

Die Materie zur verwirrten Sklavin des Mentals machen:

Das Mysterium war nicht gelöst, es vertiefte sich.

Ich versuchte, durch Schönheit und Kunst seine Spuren zu finden,

Doch Form kann die innewohnende Macht nicht enthüllen;

Sie wirft unserem Herz nur ihre Symbole zu.

Sie rief ein Gefühl des Selbstes hervor, beschwor ein Zeichen

Von all der brütenden Herrlichkeit, versteckt im Sinn:

Ich lebte im Strahl und war nicht der Sonne zugewandt.

Ich blickte auf die Welt und verfehlte das Selbst,

Und als ich das Selbst fand, verlor ich die Welt,

Verlor ich meine anderen Selbste und den Körper Gottes,

Die Verbindung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen,

Die Brücke zwischen der Erscheinung und der Wahrheit,

Das mystische Ziel, wofür die Welt geschaffen ward,

Den menschlichen Sinn der Unsterblichkeit.

Doch nun kommt mit deinen Füßen das goldne Band zu mir

Und Seine goldne Sonne scheint aus deinem Gesicht auf mich.

Denn jetzt naht mit dir ein anderes Reich

Und jetzt erfüllen göttlichere Stimmen mein Ohr,

Eine fremde neue Welt schwimmt zu mir in deinem Blick,

Sich nahend wie ein Stern aus unbekannten Himmeln;

Ein Ruf der Sphären kommt mit dir und ein Lied

Von flammenden Göttern. Ich schöpfe einen reicheren Atem

Und bewege mich in einem feurigeren Marsch der Augenblicke.

Mein mentaler Geist verklärt sich zum verzückten Seher.

Ein Schaumspritzer von den Wogen der Seligkeit

Hat mein Herz verändert und wandelt die Erde ringsum:

Alles erfüllst du mit deinem Kommen. Luft, Boden und Strom

Tragen den Brautschmuck, um für dich schicklich zu sein,

Und Sonnenlicht wird zum Schatten deines Farbtons

Durch diese Wandlung in mir von deinem Blicke.

Komm näher zu mir aus deinem Lichtgefährt

Auf diese grüne Wiese und verachte unseren Boden nicht.

Denn für dich sind hier geheime Räume geschaffen,

Deren Smaragdhöhlen deine Gestalt zu verbergen suchen.

Willst du nicht diese sterbliche Seligkeit zu deiner Sphäre machen?

Steig nieder, O Glückseligkeit, mit deinen mondgoldnen Füßen

Und bereichere den Erdgrund, auf dessen Schlummer wir ruhen.

O Prinzessin Savitri, meine strahlende Schönheit,

Von meiner Wonne und deiner eigenen Freude bedrängt

Betritt mein Leben, dein Gemach und dein Heiligtum.

In der großen Stille, wo Geistwesen sich treffen,

Von meinem stillen Sehnen in meine Wälder geführt,

Lass das dumpf rauschende Gewölbe sich über dich neigen;

Eins mit dem Atem ewiger Dinge lebe,

Dein Herzschlag nah bei meinem, bis sich

Vom Duft der Blumen verzaubert

Ein Augenblick ereignet, den alles Raunen bewahren

Und jeder Vogel in seinem Ruf erinnern soll.“

Von seinen leidenschaftlichen Worten an die Wimpern gelockt

Sah ihre unergründliche Seele ihn aus ihren Augen an;

Über ihre Lippen sprachen diese in wohlklingendem Ton.

Dies Wort nur äußerte sie und sagte damit alles:

„O Satyavan, ich habe dich gehört und weiß es jetzt;

Ich weiß, dass du und nur du allein er bist.“

Dann stieg sie von ihrem hohen beschnitzten Wagen

Herab in sanfter und verhaltener Eile;

Ihr farbenprächtiges Gewand glitzerte im Lichte

Und schwebte einen Augenblick lang über das windbewegte Gras,

Vermischt mit einem Schimmer von ihres Körpers Lichtstrahl

Wie das schöne Gefieder eines sich niederlassenden Vogels.

Ihre leuchtenden Füße auf der grüngoldnen Wiese

Verstreuten eine Erinnerung an schweifende Strahlen

Und drückten leicht das ungesagte Verlangen der Erde,

Gehegt in ihr beim allzu kurzen Streifen des Bodens.

Dann, huschend wie blassglänzende Falter, nahmen ihre Hände

Von des Waldrandes sonnenhellen Armen

Ein Büschel von Schwärmen ihrer Juwelengesichter,

Gefährten der Frühlingszeit und des Windes.

Einem aufrichtigen Blumengewinde von einfacher Form

Brachten ihre behänden Finger ein Blumenlied bei,

Die strophenartige Bewegung einer Hochzeitshymne.

Tief an Wohlgeruch und in Farbe getaucht

Mischten sie die bunten Zeichen ihrer Sehnsucht und machten

Das Blühen von deren Reinheit und Leidenschaft eins.

Ein Sakrament der Freude in wertschätzenden Handtellern

Brachte sie, Blumensymbol ihres hingegebenen Lebens,

Und legte dann mit erhobenen Händen, die nun ein wenig zitterten

Bei jener Nähe, die ihre Seele ersehnte,

Dies Band der Süße, Zeichen ihrer lichten Verbundenheit,

An die von ihrer Liebe begehrten Brust.

Wie hingeneigt vor einem gnädigen Gott,

Der aus dem Dunstschleier seiner Größe hervorschien,

Um mit Schönheit die Stunden seines Anbeters zu füllen,

Verbeugte sie sich und berührte seine Füße mit anbetenden Händen;

Sie machte ihr Leben zu seiner Welt, die zu betreten er vermag,

Und machte ihren Körper zum Raume seines Entzückens,

Ihr pochend Herz zum Mahner an Seligkeit.

Er beugte sich zu ihr und nahm ihrer beider vermählten Sehnsucht

In seine eigene, vereint wie verschlungene Hoffnungen;

Als würde eine ganze reiche Welt zu ihm selbst,

Vermählt mit allem, was einst er gewesen war,

Eine unerschöpfliche Freude auf einmal seine allein,

Nahm er Savitri ganz in seine Arme.

Um sie herum ward seine Umarmung zum Zeichen

Einer geschlossenen Nähe durch lange innige Jahre,

Ein erster süßer Inbegriff künftiger Wonne,

Knapp des ganzen Lebens Intensität.

In einem weiten Moment der Begegnung zweier Seelen

Fühlte sie ihr Wesen in ihn strömen wie wogend

Ein Fluss sich in ein mächtiges Meer ergießt.

Wie wenn sich eine Seele in Gott versenkt,

Um auf ewig in Ihm zu leben und Seine Freude zu kennen,

Ward ihr Bewusstsein ihn allein gewahr

Und ihr ganzes getrenntes Selbst verlor sich in seinem.

Wie ein Sternenhimmel glücklich die Erde umringt,

Schloss er sie in sich ein in einem Kreis von Seligkeit

Und schloss ein die Welt in sich und ihr.

Eine grenzenlose Isolation machte beide eins;

Er war sich gewahr, wie sie ihn umhüllte

Und ließ sie seine Seele zutiefst durchdringen

Wie eine Welt erfüllt wird vom Geist der Welt,

Wie das Sterbliche erwacht in die Ewigkeit,

Wie das Endliche sich öffnet dem Unendlichen.

Für eine Weile so ineinander versunken

Kamen sie dann aus der Trance ihrer langen Ekstase

Zurück in ein neues Selbst und in eine neue Welt.

Ein Teil der Einheit des anderen war jeder nun,

Die Welt war nur der Ort ihrer beider Selbstfindung

Oder ihres eigenen vermählten Seins größerer Rahmen.

Auf der hohen glühenden Kuppel des Tages

Knüpfte Schicksal einen Knoten aus den Fäden der Morgenpracht,

Während beim Dienst einer verheißungsvollen Stunde

Herzverknüpft vor der Sonne, ihrem Hochzeitsfeuer,

Die Heirat des ewigen Herrn und seiner Gattin

Auf Erden wieder stattfand in menschlicher Gestalt:

In einem neuen Akt des Dramas dieser Welt

Begannen vereint die Beiden ein größeres Zeitalter.

In der Stille und dem Raunen jener smaragdgrünen Welt

Und dem Murmeln der heiligen Verse des Priesterwindes,

Inmitten leisen Choral-Geflüsters der Blätter

Fand sich der Liebe Paar und wurde eins.

Das natürliche Wunder ward einmal mehr vollbracht:

In der unwandelbaren Idealwelt

Wurde ein menschlicher Augenblick für die Ewigkeit geschaffen.

Auf schmalem Pfade dann, wo beider Leben sich trafen,

Führte er sie und zeigte ihr ihre künftige Welt,

Der Liebe Zuflucht und Winkel glücklicher Einsamkeit.

Am Ende des Weges, durch einen grünen Spalt zwischen Bäumen,

Gewahrte sie eine Reihe von Hüttendächer einer Einsiedelei

Und sah erstmals das künftige Heim ihres Herzens,

Das Strohdach, das Satyavans Leben bedeckte.

Geziert von Ranken und roten kletternden Blumen

Schien es eine Waldschönheit in ihren Träumen zu sein,

Schlummernd mit braunem Körper und wirrem Haar

In ihrem unantastbaren Gemach aus smaragdgrünem Frieden.

Ringsum erstreckte sich das Eremiten-Gemüt des Waldes,

Verloren in den Tiefen seiner eigenen Einsamkeit.

Dann, von unsäglicher Freude bewegt,

Wovon in ihren Worten ein wenig bebte,

Rief ihre glückliche Stimme zu Satyavan:

„Mein Herz wird hier an diesem Waldesrand bleiben

Und nah bei dieser Strohbedachung sein, wenn auch fern ich bin:

Jetzt hat es kein Bedürfnis mehr zu wandern.

Doch muss ich zurückeilen zu meines Vaters Haus,

Das bald einen liebgewonnen und vertrauten Schritt vermissen

Und vergeblich nach einer einst geliebten Stimme lauschen wird.

Denn bald werde ich wiederkehren und niemals mehr

Darf Einheit ihre wiedergewonnene Seligkeit lösen

Noch Schicksal unsere Leben trennen, solange Leben uns gehört.“

So stieg sie wieder auf ihr beschnitztes Gefährt

Und unter der Glut eines feurigen Mittags,

Nicht so hell wie die Pracht ihrer Gedanken und Träume,

Eilte sie raschzüglig, raschherzig dahin und sah doch immer noch

In stiller Klarheit der inneren Welt des Sehens

Durch das üppige Dunkel des kühlduftenden Waldes

Auf schattigen Pfaden zwischen großen knorrigen Stämmen

Satyavan zu einer stillen Lichtung schreiten.

Ein Dom von Bäumen überwölbte das Eremitendach,

Die neue tief verborgene Stätte ihres Glückes,

Als Tempel und Heim ihrer Seele dem Himmel vorgezogen.

Dies blieb nun bei ihr, ihres Herzens ständiger Schauplatz.

Ende des dritten Cantos
Ende des fünften Buches

SECHSTES BUCH

Das Buch vom Schicksal

  1. Das Wort des Schicksals
  2. Der Schicksalslauf und die Frage des Leidens
  3. SIEBTES BUCH
  4. Die Freude der Vereinigung; die Qual des Vorherwissens vom Tod und dem Kummer und Leid des Herzens

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