Siebter Canto
Der Abstieg in die Nacht
Ein Mental, losgelöst vom Leben, zum Erkennen still gemacht,
Ein Herz, getrennt von der Blindheit und der Pein,
Dem Siegel der Tränen, dem Band der Unwissenheit,
So ging er dem Grund des weiten Weltversagens nach.
Von der Natur sichtbarem Antlitz schaute er weg
Und sandte seinen Blick in die sichtlose Weite,
Die gewaltige unbekannte Unendlichkeit,
Die, schlafend hinter dem endlosen Wirrwarr der Dinge,
In ihren zeitlosen Breiten das Universum trägt
Und von deren Sein unsere Leben Kräuselungen sind.
Durch ihren unbewussten Atem werden die Welten erbaut
Und Materie und Mental sind ihre Formen oder ihre Mächte,
Unsere wachen Gedanken das Ergebnis ihrer Träume.
Zerrissen war der Schleier, der die Tiefen der Natur bedeckt:
Er sah die Quelle des dauernden Schmerzes der Welt
Und den Schlund der schwarzen Grube der Unwissenheit;
Das Böse, gehütet an den Wurzeln des Lebens,
Erhob sein Haupt und sah ihm in die Augen.
An einem düsteren Ufer, wo subjektiver Raum stirbt,
Von einem kahlen Bergkamm mit Blick auf alles, was ist,
Starrte eine düstere erwachte Nichtwissenheit,
Mit ihren großen leeren Augen bestaunend Zeit und Form,
Auf die Erfindungen der lebendigen Leere
Und auf den Abgrund, aus dem unser Anfang erstieg.
Dahinter erschien eine graue geschnitzte Maske der Nacht,
Beobachtend die Geburt aller erschaffenen Dinge.
Eine verborgene Gewalt, ihrer Kraft bewusst,
Eine vage und überall lauernde Gegenwart,
Ein widriges Verhängnis, das alles Erschaffene bedroht,
Ein Tod, der als die dunkle Saat des Lebens auftritt,
Schien die Welt zu erzeugen und zu erschlagen.
Dann, aus dem düsteren Mysterium der Schlünde
Und aus dem hohlen Inneren der Maske
Kroch etwas hervor, das ein formloses Denken schien.
Ein fataler Einfluss stahl sich auf Geschöpfe,
Dessen todbringende Berührung den unsterblichen Geist verfolgte,
Auf das Leben ward der quälende Finger des Todes gelegt
Und umwölkt mit Irrtum, Kummer und Schmerz
Der Seele angeborener Wille zu Wahrheit, Freude und Licht.
Eine Verunstaltung wand sich, die vorgab,
Die Art des Wesens, der wahre Antrieb der Natur zu sein.
Ein feindseliges und pervertierendes Mental,
Versteckt in jedem Winkel des bewussten Lebens am Werke,
Verdarb die Wahrheit mit ihren eigenen Formeln;
Als Abfänger des Lauschens der Seele,
Behaftend Wissen mit des Zweifels Färbung,
Fing es die Orakel der okkulten Götter ab,
Entfernte die Wegweiser auf der Pilgerfahrt des Lebens,
Hob die von der Zeit tief in den Felsen eingehauenen Edikte auf
Und auf den Fundamenten des kosmischen Gesetzes
Errichtete es die bronzenen Pylone seiner Missherrschaft.
Sogar Licht und Liebe, durch den Bann der getarnten Gefahr
Gewandelt von der strahlenden Wesensart der Götter
In gefallene Engel und irreführende Sonnen,
Wurden selbst eine Gefahr und ein Zauber,
Eine perverse Süße, himmelgebürtige Bosheit:
Seine Macht konnte die göttlichsten Dinge entstellen.
Ein Wind des Wehklagens wehte über die Welt;
Alles Denken ward von Falschheit bestürmt, alles Tun
Behaftet mit Makel oder mit Zeichen der Vereitelung,
Jeder hohe Versuch mit Misserfolg oder Scheinerfolg,
Doch konnte niemand den Grund für seinen Fall erkennen.
Die graue Maske flüsterte, und obwohl kein Laut zu hören war,
Ward doch in das unkundige Herz ein Samenkorn gelegt,
Das die schwarze Frucht von Leid, Tod und Elend trug.
Aus den frostigen Steppen eines öden Ungesehenen
Trafen unsichtbar, tragend die graue Maske der Nacht,
Die schattenhaften schrecklichen Boten ein,
Eindringlinge aus einer gefährlichen Welt der Macht,
Gesandte des Übels Absolutum.
Im Schweigen sprachen die unhörbaren Stimmen,
Hände, die keiner sah, pflanzten den fatalen Samen,
Keine Gestalt war zu sehen, doch ein schauerliches Werk geschah,
Ein eisernes Gebot in krummen Unzialen geschrieben,
Zwang ein Gesetz von Sünde und verhängnisvollem Schicksal auf.
Die Lebensmacht blickte ihn mit veränderten und düsteren Augen an:
Ihre Schönheit sah er und das sehnende Herz in Dingen,
Das schon zufrieden ist mit ein wenig Glück,
Das anspricht auf einen schwachen Strahl von Wahrheit oder Liebe;
Er sah ihr goldnes Sonnenlicht und ihren fernen blauen Himmel,
Ihr Grün der Blätter, Farbe und Duft der Blumen,
Den Liebreiz der Kinder und die Liebe der Freunde
Und die Schönheit der Frauen und das gütige Herz der Männer,
Doch sah auch die fürchterlichen Mächte, die ihre Launen treiben,
Die Angst, die sie auf ihre Wege gestreut hat,
Die Bestimmung, die der unsichtbaren Schritte des Menschen harrt,
Und ihr Böses und ihr Leid und den Tod als letzte Gabe.
Ein Hauch von Desillusion und Dekadenz
Lauerte verderbenbringend der Reife des Lebens auf
Und ließ das volle Korn der Seele verrotten:
Fortschritt wurde zum Überbringer des Todes.
Eine Welt, die am Gesetz eines erschlagenen Lichtes hing,
Umhegte die verwesten Leichen toter Wahrheiten,
Pries entstellte Formen als freie, neue und wahre Dinge,
Trank Schönheit aus Hässlichkeit und Übel,
Zu Gast sich fühlend bei einem Bankett der Götter
Und Korruption genießend als ein stark gewürztes Mahl.
Ein Finsteres senkte sich auf die schwere Luft;
Es scheuchte das helle Lächeln von den Lippen der Natur
Und erschlug in ihrem Herzen das angeborene Vertrauen
Und legte in ihre Augen den irren Blick der Angst.
Die Lust, die das natürliche Wohl des Geistes verfälscht,
Ersetzte durch fabrizierte Tugend und Laster
Den unbefangen spontanen Impuls der Seele:
Quälend die Natur mit der Lüge eines zweigeteilten Wesens,
Deren zweierlei Werte eine verbotene Lust anregten,
Das Böse zu einer Erleichterung von verfälschtem Guten machten,
Das Ego mit Selbstgerechtigkeit und Sünde aufblähten
Und jedes wurde ein Instrument der Hölle.
In verschmähten Haufen an einer monotonen Straße
Wurden die alten einfachen Freuden zurückgelassen
Im Ödland von des Lebens Abstieg zur Nacht.
Alle Herrlichkeit des Lebens war verblasst, getrübt durch Zweifel;
Alle Schönheit fand ihr Ende in einem alternden Gesicht;
Alle Macht ward zur Tyrannei erklärt, verflucht von Gott,
Wahrheit als Fiktion für den Bedarf des mentalen Geistes:
Die Jagd nach Freude war nun eine müde Hatz;
Vom Wissen blieb nur fragende Unwissenheit.
Auftauchen wie aus einem obskuren Schoße sah er
Den Körper und das Gesicht eines dunklen Unsichtbaren,
Versteckt hinter den schönen Fassaden des Lebens.
Sein gefahrvoller Handel ist der Grund unseres Leidens.
Sein Atem ist ein subtiles Gift im Herzen der Menschen;
Alles Böse stammt aus diesem zwielichtigen Antlitz.
Etwas Gefahrvolles geisterte nun durch die allgemeine Luft;
Die Welt ward voll von bedrohlichen Energien,
Und wo er auch hinsah, um Hilfe oder Hoffnung zu finden,
Zu Feld und Haus, zu Straße, Lager und Markt,
War räuberisches und verstohlenes Kommen und Gehen
Von beunruhigend leibhaftigen Einwirkungen, die bewaffnet waren.
Ein Aufmarsch von Göttin-Gestalten, dunkel und nackt,
Schreckte die Luft mit grandiosem Unbehagen auf;
Entsetzliche Schritte näherten sich unsichtbar,
Gebilde, die eine Bedrohung waren, drangen in das Traumlicht ein,
Und unheilbringende Wesen zogen auf der Straße an ihm vorbei,
Deren schlimmer Blick schon ein Unglück war:
Ein Zauber und eine Lieblichkeit, unerwartet und beeindruckend,
Gesichter, die verführerisch Lippen und Augen hoben,
Nahten sich ihm, gewappnet mit Schönheit wie mit einer Schlinge,
Aber eine fatale Bedeutung in jedem Zuge bargen
Und augenblicklich sich gefährlich wandeln konnten.
Doch nur er nahm diesen getarnten Angriff wahr.
Ein Schleier lag über der inneren Schau,
Eine Kraft war da, die ihre schauerlichen Schritte verbarg;
Alles ward Lügen gestraft, hielt sich aber selbst für die Wahrheit;
Alle wurden bedrängt, wussten aber nichts von der Belagerung:
Denn niemand konnte die Urheber ihres Sturzes sehen.
Einer dunklen, noch vorenthaltenen Weisheit gewahr,
Die das Siegel und die Ermächtigung für diese Stärke war,
Folgte er der Spur von düsteren schreckensvollen Schritten
Zurück in jene Nacht, aus der sie kamen.
Er kam in ein Gebiet, unbebaut und im Besitz von niemandem:
Dort konnten alle hinein, aber keiner lange bleiben.
Es war ein Niemandsland voll übler Luft,
Ein dicht gedrängtes Viertel ohne ein einzig Heim,
Ein Grenzland zwischen Welt und Hölle.
Unwirklichkeit war dort Herr der Natur:
Es war ein Raum, in dem nichts wahr sein konnte,
Denn nichts war so, wie es zu sein behauptet hatte:
Ein hoher Anschein umhüllte eine trügerische Leere.
Doch nichts wollte seine Vortäuschung eingestehen,
Nicht einmal sich selbst im eigenen zwiespältigen Herz:
Eine gewaltige Täuschung war das Gesetz der Dinge;
Einzig durch diese Täuschung vermochten sie zu leben.
Ein substanzloses Nihil garantierte
Die Falschheit der Formen, die diese Natur annahm,
Und ließ sie eine Weile scheinbar sein und leben.
Eine geborgte Magie zog sie aus der Leere;
Sie nahmen eine Gestalt und Sachen an, die ihnen nicht gehörten,
Und trugen eine Farbe zur Schau, die sie nicht bewahren konnten,
Spiegelbilder einer Scheinwirklichkeit.
Jeder Regenbogenglanz war eine prächtige Lüge;
Eine unechte Schönheit zierte ein glamouröses Gesicht.
Auf nichts konnte man sich verlassen, dass es bliebe:
Freude nährte Tränen und Gutes erwies sich als Böses,
Doch niemals pflückte man aus Bösem etwas Gutes:
Liebe endete bald als Hass, Freude ward durch Schmerz getötet,
Wahrheit wurde zur Unwahrheit und über Leben herrschte der Tod.
Eine Macht, die über das Unheil der Welt lachte,
Eine Ironie, die die Gegensätze der Welt zusammenbrachte
Und sie einander zum Streit in die Arme warf,
Legte auf das Antlitz Gottes einen sardonischen Zug.
Unnahbar, ihr Einfluss drang überall ein
Und hinterließ einen gespaltenen Hufabdruck auf der Brust;
Ein verschrobenes Herz und ein seltsam düsteres Lächeln
Machten sich über die finstere Komödie des Lebens lustig.
Kündend das Kommen einer gefährlichen Gestalt,
Dämpfte ein ominöses Schreiten seinen schrecklichen Schritt,
Damit keiner verstehen und sich in acht zu nehmen vermag;
Keiner hörte etwas, bis ein grausiger Griff ganz nahe war.
Oder alle kündeten von einem göttlichen Nahen,
Fühlten einen Hauch von Prophezeiung, eine himmlische Hoffnung,
Lauschten auf ein Evangelium, spähten nach einem neuen Stern aus.
Der Unhold war sichtbar, doch eingehüllt in Licht,
Er schien ein helfender Engel aus den Himmeln zu sein;
Er wappnete Unwahrheit mit Schrift und Gesetz;
Er täuschte mit Weisheit, erschlug mit Tugend die Seele
Und führte ins Verderben auf dem zum Himmel führenden Pfad.
Er gab ein Gefühl des Schwelgens in Macht und Freude,
Und wenn sich im Innern die warnende Stimme erhob,
Beruhigte er das Ohr mit wohlklingenden Tönen
Oder fing den Verstand in seinem eigenen Netze;
Seine strenge Logik ließ das Falsche wahr erscheinen.
Mit heiliger Kunde die Erwählten in Staunen versetzend,
Sprach er wie mit Gottes eigener Stimme.
Die Luft war voller Verrat und Hinterlist;
Die Wahrheit zu sagen war an diesem Ort ein Strategem;
Hinterhalt lauerte in einem Lächeln und Gefahr machte
Sicherheit zu ihrer Deckung, Vertrauen zu ihrem Eingangstor:
Falschheit kam lachend daher mit den Augen der Wahrheit;
Ein jeder Freund konnte zum Feind oder Spion sich wandeln,
Die Hand, die man ergriff, im Ärmel stoßbereit den Dolch tragen,
Eine Umarmung der Eisenkäfig eines Unheils sein.
Qual und Gefahr pirschten sich an ihre zitternde Beute heran
Und sprachen sanft wie zu einem verschüchterten Freund:
Plötzlich brach die Attacke heftig und unversehens hervor;
Angst packte das Herz auf Schritt und Tritt
Und schrie mit einer gequälten entsetzlichen Stimme auf;
Es rief nach jemand um Rettung, doch niemand kam.
Alle wandelten mit Bedacht, denn der Tod war immer nah;
Doch Umsicht schien eine vergebliche Vorsichtsmaßnahme zu sein,
Denn alles, was beschützen sollte, erwies sich als ein tödliches Netz,
Und traf nach langem Bangen die Erlösung ein,
Die eine freudige Linderung, entwaffnende Stärke brachte,
War sie nur ein lächelnder Übergang zu schlimmerem Geschick.
Es gab keine Waffenruhe und keinen sicheren Zufluchtsort;
Man wagte nicht zu schlummern oder die Waffen wegzulegen:
Es war eine Welt von Kampf und Überfall.
Alle, die dort waren, lebten einzig für sich allein;
Alle kämpften gegen alle, aber mit einem gemeinsamen Hass
Wandten sie sich gegen den Geist, der ein höheres Gut erstrebte;
Die Wahrheit war verbannt, sonst würde sie zu sprechen wagen
Und mit ihrem Licht das Herz der Finsternis verletzen
Oder sie würde mit dem Stolz ihres Wissens
Die festgefügte Anarchie der etablierten Dinge verhöhnen.
Dann wechselte die Szenerie, behielt jedoch ihren grausigen Kern:
Ihre Form verändernd, blieb das Leben doch dasselbe.
Es gab eine Hauptstadt ohne einen Staat:
Sie hatte keinen Herrscher, nur Gruppen, die sich stritten.
Er sah eine Stadt von uralter Unwissenheit
Auf einem Boden errichtet, der von Licht nichts wusste.
Dort wandelte jeder für sich in seiner eigenen Dunkelheit:
Einig waren sie nur, auf den Wegen des Bösen uneins zu sein,
Auf ihre eigene Art nur für sich selbst zu leben
Oder eine gemeinsame Lüge und ein Unrecht durchzusetzen;
Dort war das Ego der Herr auf seinem Pfauenthron
Und Falschheit saß bei ihm, seine Gattin und Königin:
Die Welt wandte sich ihnen zu, wie Himmel der Wahrheit und Gott.
Ungerechtigkeit rechtfertigte durch strenge Dekrete
Die souveränen Gewichte des legalisierten Handels der Inkorrektheit,
Doch waren alle Gewichte falsch und keines wie das andere;
Mit ihrer Waage und einem Schwert war sie stets auf der Wacht,
Damit nicht irgend frevelhaftes Wort
Die geheiligten Formeln ihrer alten Missherrschaft verrät.
In hohe Ämter gepackt schritt Eigenwille weit daher,
Konzession stolzierte herum, schwätzend von Recht und Ordnung:
Für Unabhängigkeit gab es keinen Altar;
Wahre Freiheit wurde verabscheut und erjagt:
Harmonie und Toleranz konnten nirgendwo gesehen werden;
Jede Gruppe proklamierte ihr schreckliches und nacktes Gesetz.
Ein Ethik-Gefüge, verziert mit heiligen Regeln
Oder einer Lehre, leidenschaftlich geglaubt und gepriesen,
Schien die Tafel von hohen Himmels heiligem Gebot zu sein.
Ein förmlicher Brauch, gepanzert und eisenbesohlt,
Gab einem rohen und unbarmherzigen Kriegergeschlecht,
Das den wilden Eingeweiden der Erde entstammt,
Eine hochmütig strenge Haltung von herbem Adel,
Einen Bürgerstand, unnachgiebig und furchtgebietend.
Doch all ihr privates Tun widersprach der Stellung:
Macht und Eigennutz waren ihre Wahrheit und ihr Recht,
Eine Adler-Raubgier krallte sich in ihr begehrtes Gut,
Schnäbel zerhackten und Klauen zerrissen jede schwächere Beute.
In der süßen Heimlichkeit ihrer vergnüglichen Sünden
Gehorchten sie der Natur, nicht einem moralischen Gott.
Als nichtbewusste Händler bündelweiser Gegenteile
Taten sie das, was sie bei anderen verurteilten;
Erblickten ihre Augen das Laster eines Mitmenschen,
Flammte Entrüstung auf, ein tugendhafter Zorn;
Vergessend ihren eigenen tief verborgenen Verstoß,
Steinigten sie pöbelhaft einen Nachbarn, bei Sünde ertappt.
Ein pragmatischer Richter im Innern sprach falsche Urteile aus,
Stellte schlimmste Ungerechtigkeiten auf den Sockel der Gerechtigkeit,
Räsonierte schlechte Taten als Recht, sanktionierte die Waage
Der Eigensucht und Gier des Händler-Egos.
So hielt sich ein Gleichgewicht, konnte leben die Welt.
Ein zelotischer Eifer trieb ihre ruchlosen Kulte an,
Als Ketzerei geißelten sie den Glauben, der nicht ihrer war;
Sie verhörten, inhaftierten, folterten, verbrannten oder steinigten
Und zwangen die Seele vom Recht abzulassen oder zu sterben.
Inmitten ihrer streitenden Konfessionen und bekriegenden Sekten
Saß Religion auf einem blutbefleckten Throne.
Hunderte von Tyranneien unterdrückten und erschlugen
Und gründeten Einheit auf Betrug und Gewalt.
Nur der Schein wurde dort als Wirklichkeit geschätzt:
Das Ideal war eine Zielscheibe für zynischen Spott;
Verschrien von der Menge, verhöhnt von aufgeklärten Köpfen,
Schweifte spirituelle Suche ausgestoßen umher, –
Als selbstbetrügerisches Hirngespinst eines Träumers
Oder verrückte Chimäre erachtet, oder Schwindel eines Heuchlers,
Kroch ihr leidenschaftlicher Instinkt durch obskure Gemüter,
Verloren in den Kreisbahnen der Unwissenheit.
Eine Lüge war dort die Wahrheit und Wahrheit eine Lüge.
Hier muss der Wanderer auf dem ansteigenden Wege –
Denn trotzend der Höllenreiche windet sich der Pfad zum Himmel –
Innehalten oder langsam gehen durch diesen gefährlichen Raum,
Auf seinen Lippen ein Gebet und den großen Namen.
Prüfte die scharfe Speerspitze der Unterscheidung nicht alles,
Könnte er in das endlose Netz der Falschheit stolpern.
Oft musste er über seine Schultern nach hinten schauen,
Wie jemand, der den Atem eines Feindes im Nacken verspürt;
Von hinten könnte sonst ein tückischer Stoß
Ihn niederstrecken und an heillosem Boden festnageln,
Sein Rücken durchbohrt vom spitzen Pfahl des Bösen.
So könnte man auf dem Pfad des Ewigen fallen,
Verwirkend die einzige Gelegenheit des Geistes in der Zeit,
Und keine Kunde würde die wartenden Götter erreichen,
Im Verzeichnis der Seelen als „verschollen“ vermerkt,
Sein Name ein Hinweis auf eine Hoffnung, die sich zerschlug,
Die Position eines in Erinnerung gebliebenen erloschenen Sternes.
Gefeit waren nur jene, die Gott in ihrem Herzen trugen:
Mut ihre Rüstung, Glaube ihr Schwert, so müssen sie schreiten,
Die Hand zum Schlagen bereit, das Auge zum Erkunden,
Vorauswerfend einen durchdringenden Speeresblick,
Helden und Soldaten der Streitmacht des Lichtes.
Aber auch so, wenn vorbei die grässliche Gefahr
Und entlassen in eine ruhigere reinere Luft,
Wagten sie es kaum, endlich wieder zu atmen und zu lächeln.
Einmal mehr schritten sie unter einer wirklichen Sonne.
Denn herrschte auch Hölle, hatte doch Geist noch Macht.
Dies Niemandsland durchschritt er ohne Auseinandersetzung;
Ihn sandten die Höhen, der Abgrund begehrte ihn:
Keiner stand ihm im Wege, keine Stimme verbot.
Denn rasch und leicht ist der Weg nach unten,
Und jetzt war der Nacht sein Antlitz zugewandt.
Eine tiefere Dunkelheit wartete, eine schlimmere Herrschaft,
Wenn schlimmer es noch geht, wo alles das Extrem des Bösen ist;
Doch für das Verhüllte ist das Unverhüllte nackter Graus.
Dort waren Gott und Wahrheit und himmlisches Licht
Nie gewesen oder besaßen keine Macht mehr.
Wie man in einem tiefen Moment der Trance
Über die Grenze des Mentals in eine andere Welt hinübergleitet,
Überschritt er eine Grenze, deren klammheimlicher Verlauf
Die Seele fühlte, doch das Auge nicht sah.
In ein gepanzertes grimmiges Gebiet gelangte er
Und sah sich wandern, verlorener Seele gleich,
Zwischen dreckigen Wänden und barbarischen Slums der Nacht.
Um ihn herum drängten sich graue und verwahrloste Hütten
In Nachbarschaft zu prunkvollen Palästen pervertierter Macht,
Unmenschliche Viertel und dämonische Bezirke.
Ein Stolz auf das Böse liebkoste seine eigene Erbärmlichkeit;
Ein Elend, Prunk heimsuchend, erdrückte diese verkommenen
Graubraunen Vororte der Städte eines Traumlebens.
Dort zeigte die Lebensmacht der Zuseherin Seele
Die Schatten-Tiefen ihres seltsamen Wunders.
Eine starke und gefallene Göttin ohne Hoffnung,
Verfinstert, verunstaltet durch einen grässlichen Gorgonen-Zauber,
Gleich einer Dirnenkönigin in einem Freudenhaus,
Nackt, schamlos, hob sie frohlockend
Ihr übles Angesicht von gefährlicher Schönheit und Charme
Und, Kopflosigkeit bringend über schauernden Kuss
Zwischen der Pracht ihrer verhängnisvollen Brüste,
Lockte in deren Abgrund den Geist zum Sturz.
Über sein Blickfeld vervielfältigte sie
Wie auf einem szenischen Film oder einer sich bewegenden Platte
Den unerbittlichen Glanz ihrer Alptraum-Gepränge.
Vor dem dunklen Hintergrund einer seelenlosen Welt
Inszenierte sie zwischen grellem Licht und Schatten
Ihre Dramen von dem Kummer der Tiefen,
Geschrieben auf die gequälten Nerven der lebendigen Dinge:
Epen des Grauens und grimmiger Majestät,
In des Lebens Schlamm Gespiehenes und schief Erstarrtes,
Ein Haufen scheußlicher Formen und scheußlicher Taten,
Lähmten das Mitleid in der verhärteten Brust.
In Sündennestern und Nachtquartieren des Lasters
Verdrehten stilisierte Schändlichkeiten körperlicher Fleischeslust
Und schmutzige Fantasien, in Fleisch gebrannt,
Wollust zu einer dekorativen Kunst:
Die Gabe der Natur missbrauchend, verewigte ihr pervertiertes Können
Den ausgestreuten Samen des lebendigen Todes,
Goss in einen Lehmkelch bacchantischen Wein
Und reichte einem Satyr den Thyrsusstab eines Gottes.
Unrein, sadistisch, mit fratzenden Mäulern,
Kamen schauerlich verdorbene Ausgeburten, grausig und makaber,
Ferngesendet aus den Schlünden der Nacht.
Ihre Kunstfertigkeit, begabt in Monstrosität,
Unduldsam gegenüber aller natürlichen Form und Ausgewogenheit,
Ein Glotzen nackter übertriebener Linien,
Verlieh der Karikatur einen ausgesprochenen Realismus,
Und Kunstparaden von schrecklich entstellten Formen
Und wasserspeienden Masken, obszön und schauerlich,
Zertrampelten zu gequälten Posen den zerrissenen Sinn.
Als Anbeterin des unerbittlich Bösen
Machte sie Niedertracht zu etwas Großem, verfeinerte Schmutz;
Eine Drachen-Macht von Reptil-Energien
Und seltsame Epiphanien der zu Kreuze kriechenden Kraft
Und Schlangen-Erhabenheiten, die im Schlamme aalen,
Zogen Verehrung auf ein Glitzern von Schleim.
Die ganze Natur, aus ihrem Gefüge und Fundament herausgerissen,
Ward in eine unnatürliche Pose verdreht:
Abstoßung stimulierte träges Begehren;
Agonie wurde zu einer rotgewürzten Speise für Glückseligkeit,
Hass wurde mit dem Werk der Lust betraut
Und Folter nahm die Form einer Umarmung an;
Ein Ritual von Qualen weihte den Tod;
Anbetung ward dem Ungöttlichen gezollt.
Eine neue Ästhetik der Kunst des Infernos,
Die den mentalen Geist zu lieben schult, was die Seele hasst,
Legte den bebenden Nerven Gefolgschaft auf
Und brachte den unwilligen Körper zum Schwingen.
Zu lieblich und zu harmonisch, um ein Anreiz zu sein
In diesem Regime, das des Wesens Kern befleckte,
War Schönheit verbannt, des Herzens Fühlen in Schlaf gelullt
Und an dessen Stelle den Nervenkitzel der Sensation gehegt;
Die Welt ward nach Strömen durchforscht, die die Sinne reizen.
Hier war der kalte materielle Intellekt der Richter
Und brauchte sinnlichen Stich und Stoß und Hieb,
Damit seine harte Nüchternheit und toten Nerven
Etwas Leidenschaft und Macht und Lebenswürze fühlen mögen.
Eine neue Philosophie brachte die Rechte des Bösen auf den Plan,
Schwelgte in der schimmernden Fäule der Dekadenz,
Oder verlieh einer Pythonkraft schlagkräftige Beredsamkeit
Und rüstete den primitiven Rohling mit Wissen aus.
Grübelnd gebeugt einzig über Leben und Materie,
Wandelte sich Verstand in das Ebenbild einer zügellosen Bestie;
Er kroch in die Grube, um nach Wahrheit zu graben,
Und erhellte mit den Fackeln des Unterbewussten seine Suche.
Von dort stiegen brodelnd und die obere Luft besudelnd,
Der Dreck und die eitrigen Geheimnisse des Abgrundes auf:
Dies nennt er positiver Tatbestand und reales Leben.
Dies machte nun die stinkende Atmosphäre aus.
Eine Untierleidenschaft kroch aus geheimer Nacht,
Um ihre Beute mit bannenden Augen anzuschauen:
Um ihn herum, gleich einem Feuer mit zischenden Zungen,
Rekelte und lachte eine bestialische Ekstase;
Die Luft war voller Gelüste, brachial und wild;
Wimmelnd und stechend in einem monströsen Schwarm,
Drängten sich verderblich summend, Gedanken in sein Mental hinein,
Die den himmlischsten Atem der Natur vergiften konnten,
Und durch unwillige Lider bestürmten den Blick
Taten, die das Mysterium der Hölle offenbarten.
Alles dort war nach diesem Muster gemacht.
Eine besessene Rasse hauste in diesen Regionen.
Eine dämonische Kraft, lauernd in des Menschen Tiefen,
Die Front macht, unterdrückt von des Herzens menschlichem Gesetz,
Eingeschüchtert von den ruhigen und souveränen Augen des Denkens,
Kann in einem Feuer und Erdbeben der Seele
Sich erheben und, rufend ihre heimische Nacht,
Die Vernunft überwältigen, sich des Lebens bemächtigen
Und ihren Huf dem schwankenden Grund der Natur aufprägen:
Dies war für jene der flammende Kern ihres Wesens.
Eine mächtige Energie, eine Monster-Gottheit,
Hart zu den Starken, unerbittlich zu den Schwachen,
Diese starrte mit den steinernen Augenlidern ihrer fixen Idee
Auf die harte mitleidlose Welt, die sie machte.
Ihr Herz war trunken vom Weine eines grässlichen Hungers,
Fühlte im Leiden anderer eine erregte Freude
Und hörte aus Tod und Verderben grandiose Musik.
Macht zu haben, Herr zu sein, war allein Tugend und Gut:
Sie beanspruchte die ganze Welt als Lebensraum des Bösen,
Die grimmige totalitäre Herrschaft ihrer Partei
Das grauenhafte Geschick der atmenden Dinge.
Alles war nach einem einzigen Plan geformt und genormt
Unter der atemraubenden Last einer dunklen Diktatur.
In Straße und Haus, in Räten und Gerichten
Traf er Wesen, die so aussahen wie lebende Menschen
Und Reden schwangen in hohem Gedankenflug,
Doch alles in sich bargen, was untermenschlich, gemein
Und niedriger ist als das Gekrieche des niedrigsten Reptils.
Die Vernunft, bestimmt den Göttern nahe zu sein
Und durch die Berührung des Mentals auf himmlische Stufe zu heben,
Verstärkte bloß mit ihrem erhellenden Strahl
Das Monströse ihrer angeborenen krummen Natur.
Oft, beim Prüfen eines vertrauten Antlitzes,
Das freudig er an gefährlicher Wendung traf,
In der Hoffnung, einen Blick von Licht wiederzuerkennen,
Entdeckte, durch das innere Auge des Geistes gewarnt,
Seine Schau plötzlich die Markenzeichen der Hölle dort,
Oder sah mit dem inneren Sinn, der nicht irren kann,
In der Erscheinung einer holden oder virilen Gestalt
Den Dämon und den Kobold und den Ghul.
Es herrschte eine Unverfrorenheit von kalter steinherziger Stärke
Machtvoll, befolgt und verfügt vom Gesetz des Titanen,
Das gewaltige Gelächter einer gigantischen Grausamkeit
Und wilde Freudentaten von Oger-Gewalt.
In jener weiten zynischen Höhle denkender Bestien
Suchte man vergeblich nach einer Spur von Mitleid oder Liebe;
Es gab nirgendwo einen Hauch von Lieblichkeit,
Sondern nur Kraft und ihre Schergen, Gier und Hass:
Dort gab es keine Hilfe für das Leiden, keiner, der rettete,
Keiner wagte Widerstand zu leisten oder ein edles Wort zu sagen.
Gewappnet mit dem Schild tyrannischer Macht,
Unterschreibend die Erlasse ihrer fürchterlichen Herrschaft
Und Blut und Folter als Siegel gebrauchend,
Gab Finsternis der Welt ihre Losungen kund.
Unterwürfig, scheuklappig schwieg der mentale Geist
Oder er wiederholte nur Angelerntes,
Während Falschheit mit der Mitra, den Stab des guten Hirten haltend,
Den eingeschüchterten und niedergetretenen Herzen
Die Kulte und Dogmen aufzwang, die lebenden Tod organisieren
Und die Seele auf dem Altar einer Lüge schlachten.
Alle wurden betrogen oder dienten ihrem eigenen Betrug;
In solch stickiger Luft konnte Wahrheit nicht bestehen.
Dort glaubte Erbärmlichkeit an ihre eigene Freude
Und Angst und Schwäche liebkosten ihre jämmerlichen Tiefen;
Alles, was niedrig und unflätig ist, niederträchtig,
Alles, was trist und dürftig und miserabel ist,
Atmete in einer laxen Zufriedenheit deren naturgemäße Luft
Und fühlte keine Sehnsucht nach göttlicher Befreiung:
Arrogant, verspottend hellere Zustände,
Verabscheute das Volk der Schlünde die Sonne.
Eine verschanzte Autarkie schloss das Licht aus;
Im Willen fest entschlossen, das eigene graue Selbst zu sein,
Rühmte sie ihre einzigartige Norm und prächtige Art:
Sie stillte ihren Hunger mit den Träumen eines Plünderers;
Das Kreuz ihrer Knechtschaft zur Schau tragend wie eine Krone,
Hing sie an ihrer tristen harten Autonomie.
Eine Bullenkehle brüllte mit ihrer dreisten Zunge;
Ihr grobes und schamloses Geschrei, erfüllend den Raum
Und alle bedrohend, die es wagten, der Wahrheit zu lauschen,
Erhob für sich das Monopol auf das zermürbte Ohr;
Eine taub gewordene Ergebung gab ihre Stimme ab,
Und prahlerische Dogmen, in die Nacht geschrien,
Bewahrten der gefallenen Seele, die einst ein Gott zu sein wähnte,
Den Stolz auf ihre abgrundtiefe Absolutheit.
Als einsamer Entdecker in diesen bedrohlichen Gefilden,
Die wie Termiten-Städte abgeschirmt sind vor der Sonne,
Bedrängt zwischen Gedränge und Getrampel, Lärm und Geflacker,
Schreitend von Dämmerung zu tieferer gefährlicherer Dämmerung,
Rang er mit Mächten, die dem Mental das Licht entrissen,
Und schlug ihre haftenden Einflüsse von sich ab.
Bald danach drang er in einen schummrigen Raum ohne Mauern ein.
Denn nun waren die bevölkerten Gebiete hinter sich gelassen;
Er ging zwischen weiten Bänken schwindenden Abends hindurch.
Um ihn wuchs eine trostlose spirituelle Leere,
Eine bedrohliche Öde, eine schauerliche Einsamkeit,
Die das Mental einem unsichtbaren Angriff schutzlos preisgab,
Eine leere Seite, auf die alle, die es wollten, unkontrolliert
Ungeheure monströse Botschaften schreiben konnten.
Auf den absteigenden Wegen der Dämmerung ein wandernder Punkt
Zwischen kargen Feldern und Scheunen und verstreuten Hütten
Und ein paar krummen und gespenstischen Bäumen,
Trotzte er einem Gefühl von Tod und bewusster Leerheit.
Aber noch war dort unsichtbar ein feindliches Leben,
Das sich in scheinbar toter Haltung Licht und Wahrheit widersetzte
Und Dasein zum öden Hohlraum im Nichtsein machte.
Er hörte die grausigen Stimmen, die alles verneinen;
Von Gedanken heimgesucht, die wie Gespensterhorden umherschwirrten,
Eine Beute für die glotzenden Phantome der Düsterkeit
Und des Schreckens, der mit seinem vernichtenden Rachen nahte,
Von einem seltsamen Willen tiefer und tiefer hinabgetrieben,
Der Himmel oben ein Kommuniqué des Verhängnisses,
Kämpfte er, seinen Geist von der Verzweiflung abzuschirmen,
Fühlte aber das Grauen der zunehmenden Nacht
Und den Abgrund, der sich erhob, um seine Seele einzufordern.
Dann hörten die Wohnstätten dieser Kreaturen und ihrer Formen auf
Und Einsamkeit hüllte ihn in ihre stimmlosen Falten ein.
Plötzlich war alles weg gleich einem ausgelöschten Gedanken;
Sein Geist ward zu einer leeren lauschenden Kluft,
Bar der toten Illusion einer Welt:
Nichts war geblieben, nicht einmal ein übles Gesicht.
Er war allein mit der grauen Python-Nacht.
Ein dichtes und namenloses Nichts, bewusst und stumm,
Das lebendig schien, doch ohne Körper oder Geist,
Gelüstete alles auszutilgen, was ist,
Damit es für immer nackt und allein sein könne.
Wie von ungreifbaren Fängen eines gestaltlosen Tieres
Gepackt, gewürgt von diesem gierend klebrigen Schandmal,
Angezogen von einem schwarzen und gigantischen Maul
Und schlingendem Schlund und Riesenbauch des Verhängnisses,
Entschwand sein Wesen seiner eigenen Sicht,
Hinabgezerrt in Tiefen, die nach seinem Falle lechzten.
Eine formlose Leere erdrückte sein ringendes Gehirn,
Eine Dunkelheit, grimmig und kalt, betäubte sein Fleisch,
Eine geflüsterte graue Suggestion ließ sein Herz erkalten;
Von einer Schlangenkraft aus deren warmen Heim geholt
Und zur Vernichtung in ödes Nichtsein hinabgezerrt,
Hing das Leben mit Seilen keuchenden Atems an seinem Sitz;
Aufgeleckt ward sein Körper von einer dunklen Zunge.
Dasein, erstickt, kämpfte ums Überleben;
Hoffnung, erdrosselt, ging in seiner leeren Seele zugrunde,
Vernichtet starben Glaube und Erinnerung
Und alles, was dem Geist auf seinem Wege hilft.
Da kroch durch jeden angespannten und schmerzenden Nerv,
Zurücklassend ihre scharfe bebende Spur,
Eine namenlose und unbeschreibliche Angst.
Wie reglos gebundenem Opfer das Meer sich naht,
So schreckte seinen mentalen Geist, für immer stumm,
Das Näherkommen einer unerbittlichen Ewigkeit
Von unmenschlichem und unerträglichem Schmerz.
Dies musste er ertragen, seiner Hoffnung auf den Himmel entfremdet;
Ohne den Frieden der Auslöschung musste er auf immer fortbestehen
In langsam leidender Zeit und gequältem Raum,
Wo ein angsterfülltes Nichtsein sein Dauerzustand war.
Eine leblose Leere war nun seine Brust,
Und dort, wo einst ein leuchtendes Denken war,
Blieb nur wie ein blasses regloses Gespenst
Eine Unfähigkeit zu Glaube und Hoffnung
Und die furchtbare Gewissheit einer bezwungenen Seele,
Zwar noch unsterblich, verloren aber ihre Göttlichkeit,
Verloren das Selbst, Gott und den Kontakt mit glücklicheren Welten.
Doch hielt er aus, beruhigte den eitlen Schrecken, ertrug
Die würgenden Umschlingungen von Qual und Entsetzen;
Dann kehrte Ruhe ein und der Seele souveräner Blick.
Dem nackten Gräuel antwortete ein ruhiges Licht:
Unwandelbar, unsterblich und ungeboren,
Mächtig und stumm erwachte die Gottheit in ihm
Und trat dem Schmerz und der Gefahr der Welt entgegen.
Er meisterte mit einem Blick die Gezeiten der Natur:
Er traf mit seinem bloßen Geist die nackte Hölle.
Ende des siebten Cantos
Achter Canto
Die Welt der Falschheit, die Mutter des Bösen und die Söhne der Finsternis
Sehen konnte er dann der Nacht verborgenes Herz:
Die Mühen dessen völliger Unbewusstheit
Offenbarten die endlos entsetzliche Leere.
Eine geistlos blanke Unendlichkeit war dort;
Eine Natur, die das ewig Wahre leugnete,
Hoffte in der eitlen prahlerischen Freiheit ihres Denkens
Gott abzuschaffen und allein zu herrschen.
Dort war kein souveräner Gast, kein bezeugendes Licht;
Ohne Hilfe wollte sie ihre eigene kahle Welt erschaffen.
Ihre großen blinden Augen schauten auf Dämonenwerke,
Ihre tauben Ohren hörten die Lüge, die ihre stummen Lippen sprachen;
Ihre riesige fehlgeleitete Fantasie nahm gewaltige Formen an,
Ihre stumpfe Empfindsamkeit zuckte vor wilden Flausen;
Ein rohes Lebensprinzip erzeugend,
Brachten Übel und Schmerz eine monströse Seele hervor.
Die Anarchen aus den formlosen Tiefen stiegen auf,
Große Titanwesen und dämonische Mächte,
Welt-Egos, geplagt von Lust und Denken und Wollen,
Weite Gemüter und Leben ohne einen Geist im Innern:
Ungeduldige Architekten des Irrtums Haus,
Führer der kosmischen Unwissenheit und Unrast
Und Förderer von Kummer und Sterblichkeit
Verkörperten die düsteren Ideen des Abgrundes.
Eine Schattensubstanz kam in das Hohle,
In der denklosen Leere wurden nebelhafte Formen geboren
Und Wirbel trafen sich und schufen einen widrigen Raum,
In dessen schwarzen Falten das Sein sich Hölle ersann.
Seine Augen, die die dreifach gepanzerte Trübnis durchdrangen,
Identifizierten ihren Blick mit seinem blinden Starren:
Sie sahen, gewöhnt an das unnatürliche Dunkel,
Unwirklichkeit wirklich gemacht und bewusste Nacht.
Eine gewaltsame, wilde und furchtbare Welt,
Ein uralter Mutterschoß riesiger unheilvoller Träume,
Wand sich wie eine Larve in der Dunkelheit,
Die diesen vor den Lanzenspitzen der Himmelssterne bewahrt.
Sie war das Tor eines falschen Unendlichen,
Eine Ewigkeit von verheerenden Absolutheiten,
Eine immense Verneinung spiritueller Dinge.
Alles, was einst selbstleuchtend in der Sphäre des Geistes war,
Wandelte sich nun in sein dunkles Gegenteil:
Sein kollabierte in eine sinnlose Leere,
Die dennoch als eine Null zur Elternschaft der Welten wurde;
Nichtbewusstsein, verschlingend das kosmische Mental,
Brachte ein Universum aus seinem tödlichen Schlaf hervor;
Seligkeit in ein schwarzes Koma gesunken, empfindungslos,
Wand sich zurück zu sich selbst und Gottes ewiger Freude
Durch eine falsche ergreifende Gestalt von Leid und Schmerz,
Noch immer qualvoll an ein Kreuz genagelt,
Fest verankert im Boden einer stummen empfindungslosen Welt,
Wo Geburt ein Schmerz und Tod eine Qual war,
Damit sich nicht allzu bald alles wieder in Seligkeit wandelt.
Reflexion, eine Priesterin der Verdrehtheit, saß
Auf ihrem schwarzen Dreifuß der dreifältigen Schlange,
Lesend mit gegenläufigen Zeichen die ewige Schrift,
Eine Zauberin, die des Lebens Gottart ins Gegenteil verkehrt.
In dunklen Seitengängen mit bösen Augen als Lampen
Und heillosen Stimmen, die aus der Apsis singen,
Vollzog in seltsamen höllisch düsteren Basiliken,
Anstimmend die Magie des unheiligen Wortes,
Die ominöse profunde Eingeweihte
Das Ritual ihrer Mysterien.
Leiden war dort der Natur alltägliche Nahrung,
Verlockend für das gequälte Herz und Fleisch,
Und Folter war die Formel für Entzücken,
Schmerz ahmte die himmlische Ekstase nach.
Das Gute, ein treuloser Gärtner Gottes,
Bewässerte dort mit Tugend den Upas-Baum der Welt
Und pflanzte, besorgt um äußeres Wort und Werk,
Seine heuchlerischen Blüten auf das eingewurzelt Schlechte.
Alle hohen Dinge dienten ihrem niederen Gegenstück:
Die Formen der Götter stützten einen Dämonenkult;
Des Himmels Gesicht wurde zur Maske und Falle der Hölle.
Dort im Herzen eines trügerischen Phänomens,
Im entstellten Kern eines ungeheuren Geschehens,
Sah er eine Gestalt, unermesslich und ausdruckslos
Auf dem Tode sitzend, die alle geborenen Dinge verschlingt.
Ein kalt starres Antlitz mit schrecklichen und reglosen Augen,
Ihren fürchterlichen Dreizack in ihrer schattenhaften Hand
Ausgestreckt, durchbohrte sie mit einem Schicksal alle Geschöpfe.
Als es noch nichts gab außer Materie ohne Seele
Und ein geistloser Hohlraum das Herz der Zeit war,
Berührte die Lebensmacht erstmals den gefühllosen Abgrund;
Erweckend das öde Leer zu Hoffnung und Kummer,
Traf ihr fahler Strahl die unergründete Nacht,
Wo Gott sich vor sich selber verbarg.
In allen Dingen suchte sie die schlummernde mystische Wahrheit,
Das unausgesprochene Wort, das unbewusste Formen inspiriert;
Sie tastete in seinen Tiefen nach einem unsichtbaren Gesetz,
Fingerte im düsteren Unterbewussten nach seinem Mental
Und strebte danach, dem Geist ins Dasein zu verhelfen.
Doch eine andere Antwort kam aus der Nacht.
Ein Same ward gelegt in diese niedere Matrix,
Eine stumme ungeprüfte Schote verdrehter Wahrheit,
Eine Zelle eines empfindungslos Unendlichen.
Eine monströse Leibesfrucht bereitete ihre kosmische Gestalt vor
Im Titanen-Embryo der Natur, der Unwissenheit.
In einer schicksalhaften und gewaltigen Stunde dann
Entsprang etwas aus dem Schlaf des schieren Nichtbewussten,
Unwillig in die Welt gesetzt vom stummen Leer,
Und hob sein bedrohliches Haupt zu den Gestirnen empor;
Überschattend die Erde mit seinem riesigen Leib des Verhängnisses,
Ließ es die Himmel mit der Drohgebärde eines Angesichts erkalten.
Eine namenlose Macht, ein schattenhafter Wille stieg auf,
Immens und fremd für unser Universum.
In dieser unfassbaren Absicht, die niemand zu durchschauen vermag,
Kleidete sich ein weites Nichtsein in Gestalt,
Das grenzenlose Nichtwissen der unbewussten Tiefen
Bedeckte Ewigkeit mit Nichtigkeit.
Ein suchendes Mental ersetzte die sehende Seele:
Leben wurde zu einem riesigen und hungrigen Tod,
Die Seligkeit des Geistes ward zu kosmischem Schmerz.
Versichernd Gottes selbstverkappte Neutralität,
Eroberte eine mächtige Gegnerschaft den Raum.
Ein souverän Allmächtiges, gebietend über Falschheit, Tod und Leid,
Unterwarf die Erde seiner grimmigen Hegemonie;
Verstimmend die Harmonie des ursprünglichen Stils
Der Architektur vom Entwurf ihres Schicksals,
Verfälschte es den uranfänglichen kosmischen Willen
Und fesselte an Kampf und schreckliche Wechselfälle
Das lange langsame Verfahren der geduldigen Macht.
In den Stoff der Dinge Irrtum pflanzend,
Schuf es eine Unwissenheit aus dem allweisen Gesetz;
Es verwirrte die sichere Empfindung des Lebens verborgenen Sinn,
Hielt den intuitiven Führer im Schlaf der Materie stumm,
Missgestaltete den Instinkt des Insektes und den des wilden Tieres,
Verschandelte die gedankengeborene Menschlichkeit des Menschen.
Ein Schatten fiel über den einfachen Strahl:
Verdüstert war in der Herzensgrotte das Wahrheitslicht,
Das unbeachtet in der Altar-Krypta brennt
Hinter des stillen Velamens Heimlichkeit,
Zugesellt der Gottheit des Heiligtums.
So ward die furchtbare antagonistische Energie geboren,
Die der ewigen Mutter mächtige Gestalt nachahmt
Und ihre leuchtende Unendlichkeit verspottet
Mit einer grauen verzerrten Silhouette in der Nacht.
Hemmend die Leidenschaft der aufsteigenden Seele,
Nötigte sie das Leben zu einem langsamen und wankenden Schritt;
Die ablenkende und abbremsende Last ihrer Hand
Ward auf die Kurve der mystischen Evolution gelegt:
Die verschlungene Linie ihres täuschenden Geistes
Sehen die Götter nicht und machtlos ist der Mensch;
Unterdrückend den Gottesfunken in der Seele,
Zwingt sie zum Tier zurück den Fall des Menschen.
Doch in ihrem ungeheuren instinktiven Geist
Fühlt sie den Einen wachsen im Herzen der Zeit
Und sieht den Unsterblichen scheinen durch die menschliche Form.
Bangend um ihre Herrschaft und voller Furcht und Zorn,
Schleicht sie um jedes Licht, das durch das Dunkel leuchtet,
Und wirft seinen Strahl aus dem einsamen Zelt des Geistes,
In der Hoffnung, mit wildem verstohlenem Schritte einzudringen
Und in der Wiege das göttliche Kind zu erschlagen.
Unberechenbar sind ihre Stärke und List;
Ihre Berührung ist eine Faszination und ein Tod;
Mit seiner eigenen Freude bringt sie ihr Opfer um;
Selbst Gutes macht sie zu einem Haken, der zur Hölle zieht.
Um ihretwegen eilt das irdische Leben zu seiner Höllenqual.
Der Pilger auf der Straße des Ewigen,
Die der blasse Mond des Mentals aus Wolken spärlich erhellt,
Oder auf verschlungenen Seitenpfaden einsam wandernd,
Oder verloren in Wüsten, wo kein Weg zu sehen ist,
Kommt oft zu Fall durch ihren Löwensprung,
Eine überwältigte Beute unter ihren grauenvollen Pranken.
Berauscht von einem brennenden Atem
Und dem amourösen Anwachsen eines vernichtenden Mundes,
Einst ein Gefährte des heiligen Feuers,
Erlischt der Sterbliche für Gott und Licht,
Ein Widersacher herrscht über Herz und Gehirn,
Eine Natur, feindlich gesinnt der Mutterkraft.
Das Selbst des Lebens tritt seine Instrumente ab
An titanische und dämonische Obrigkeiten,
Die die Erdnatur aufblähen und zersetzen:
Ein verkappter Fünft-Kolumnist ist jetzt der Führer des Denkens;
Sein feines defätistisches Gemurmel tötet den Glauben,
Und, eingenistet in der Brust oder von außen flüsternd,
Eine lügende Eingebung, fürchterlich und finster,
Ersetzt die göttliche durch eine neue Ordnung.
Eine Stille senkt sich auf die Höhen des Geistes,
Aus dem verhangenen Heiligtum zieht sich der Gott zurück,
Leer und kalt ist das Gemach der Braut;
Der goldne Nimbus ist nun nicht mehr zu sehen,
Nicht länger brennt der weiße spirituelle Strahl
Und verstummt ist für immer die geheime Stimme.
Dann wird vom Engel des Wachtturmes
Ein Name aus dem Register gestrichen;
Eine Flamme, die im Himmel sang, erlischt erstickt und lautlos;
Im Ruin endet das Epos einer Seele.
Dies ist die Tragödie des inneren Todes
Wenn verwirkt ist das göttliche Element
Und nur Mental und Körper leben, um zu sterben.
Denn schreckliche Wirkenskräfte lässt der Geist zu
Und es gibt subtile und ungeheure Mächte,
Die sich mit der verhüllenden Unwissenheit schützen.
Abkömmlinge der Schlünde, Agenten der schattenhaften Kraft,
Hasser des Lichtes, unduldsam gegenüber Frieden,
Vorgaukelnd dem Denken den hellen Freund und Führer,
Trotzend im Herzen dem ewigen Willen,
Verschleiern sie den okkult erhebenden Harmonisten.
Die Orakel seiner Weisheit werden uns zu Fesseln;
Gottes Tore haben sie mit Schlüsseln des Glaubens verschlossen
Und durch das Gesetz seine unermüdliche Gnade ausgeschlossen.
Entlang den Grenzen der ganzen Natur haben sie Posten aufgestellt
Und fangen die Karawanen des Lichtes ab;
Wo immer die Götter handeln, greifen sie ein.
Ein Joch ist auf das getrübte Herz der Welt gelegt;
Sein Pochen ist abgeschirmt gegen die übernatürliche Seligkeit,
Und die geschlossenen Peripherien eines brillanten Mentals
Blockieren die feinen Zugänge des himmlischen Feuers.
Stets scheinen die finsteren Abenteurer zu gewinnen;
Die Natur stopfen sie mit Einrichtungen des Bösen voll,
Wenden die Siege der Wahrheit zu Niederlagen,
Erklären die ewigen Gesetze zu Falschheiten
Und laden den Würfel des Schicksals mit bezaubernden Lügen;
Die heiligen Stätten der Erde haben sie besetzt, ihre Throne geraubt.
Zum Hohn der schwindenden Chancen der Götter,
Beanspruchen sie die Schöpfung als ihr erobertes Lehen
Und krönen sich selbst zu eisernen Herren der Zeit.
Adepten der Illusion und der Maskerade,
Die durchtriebenen Urheber von Fall und Schmerz der Natur
Haben ihre Altäre der triumphierenden Nacht
Im Lehmtempel des irdischen Lebens erbaut.
In den leeren Zonen des sakralen Feuers,
Vor den Retabeln beim mystischen Ritus,
Dem dunklen Velamen zugewandt, den niemand durchdringen kann,
Stimmt der Priester mit der Mitra seine feierliche Hymne an,
Beschwörend ihre grauenhafte Präsenz in seiner Brust:
Ihnen den schrecklichen Namen zuweisend
Singt er die Silben des magischen Textes
Und ruft den Vorgang der unsichtbaren Kommunion herbei,
Während zwischen Weihrauch und gemurmeltem Gebet
Das ganze bittere Unheil, von dem die Welt geplagt wird,
Im schäumenden Kelch des Menschen Herz gemischt
Und wie ein sakramentaler Wein ihnen ausgeschenkt wird.
Göttliche Namen tragend führen und herrschen sie.
Als Widersacher des Höchsten kamen sie her
Aus ihrer Welt seelenlosen Denkens und seelenloser Macht,
Um durch Feindschaft dem kosmischen Plan zu dienen.
Die Nacht ist ihre Zuflucht und strategische Basis.
Gegen das Schwert der Flamme, das lichte Auge,
Leben sie verschanzt in massiven Festungen der Düsternis,
Ruhig und sicher in sonnenloser Heimlichkeit:
Kein wandernder Strahl des Himmels dringt je dorthin.
Gewappnet, geschützt durch ihre todbringenden Masken,
Sitzen, wie in einem Atelier des kreativen Todes,
Die gigantischen Söhne der Finsternis und planen
Das Drama der Erde, ihre tragische Bühne.
Alle, die die gefallene Welt erheben wollen,
Müssen sich unter die gefährlichen Bögen ihrer Macht begeben;
Denn selbst die strahlenden Kinder der Götter
Zu verdüstern, ist ihr Privileg und ihr fürchterliches Recht.
Niemand kann den Himmel erreichen, der nicht durch die Hölle ging.
Auch dies musste der Weltenwanderer wagen.
Als Krieger im Streit des zeitlosen Duells
Betrat er die stumm verzweifelnde Nacht,
Herausfordernd die Finsternis mit seiner lichtvollen Seele.
Aufschreckend mit seinen Schritten die Schwellen-Düsternis
Gelangte er in ein wildes und schmerzvolles Reich,
Bewohnt von Seelen, die nie Glückseligkeit gekostet haben;
Unwissend wie blind geborene Menschen, die Licht nicht kennen,
Konnten sie schlimmstes Übel mit höchstem Gut gleichsetzen,
Tugend war in ihren Augen ein Gesicht der Sünde
Und Bosheit und Elend waren ihr natürlicher Zustand.
Das Strafgesetzbuch einer schrecklichen Verwaltung,
Das Leid und Schmerz zum allgemeinen Grundsatz erhob
Und allgemeine Freudlosigkeit verordnete,
Hatte das Leben in ein stoisches Sakrament
Und Folter in ein tägliches Festival gewandelt.
Ein Beschluss ward gefasst, Glück zu strafen;
Lachen und Vergnügen wurden als Todsünden verbannt:
Ein Verstand ohne Fragen wurde als kluger Geist gewertet,
Eines stumpfen Herzens schweigende Apathie als Friede:
Schlaf gab es nicht, Betäubung war die einzige Ruhe,
Tod kam, gewährte aber weder Rast noch Ende;
Immer weiter lebte die Seele und litt noch mehr.
Immer tiefer stieß er in das Reich des Schmerzes vor;
Um ihn wuchs der Schrecken einer Welt
Von Höllenqual, gefolgt von noch schlimmerer Qual,
Und in dem Schrecken schwoll eine große heimtückische Freude,
Froh des eigenen und anderer Missgeschick.
Dort waren Denken und Leben eine lange Strafe,
Das Atmen eine Last und alles Hoffen eine Geißel,
Der Körper ein Feld von Marter, ein geballtes Unbehagen;
Erholung war ein Warten von Schmerz zu Schmerz.
Das war das Gesetz der Dinge, das niemand zu ändern gedachte:
Ein hartes düsteres Herz, ein strenger nüchterner Verstand
Wiesen allen Frohsinn ab wie eine ekelhafte Süßigkeit;
Ruhe war Eintönigkeit und Langeweile:
Durch Leiden nur ward das Leben farbenfroh;
Es brauchte die Würze der Pein, das Salz der Tränen.
Könnte man aufhören zu sein, wäre alles gut;
Bloß stürmische Gefühle gaben noch etwas Lebensgenuss:
Eine Wut der Eifersucht, die das zerfressene Herz verbrennt,
Der Stachel von mörderischer Bosheit und Hass und Gier,
Das Flüstern, das zum Abgrund lockt, zum Dolchstoß des Verrates,
Warfen lebhafte Tupfen auf die dumpfen schmerzvollen Stunden.
Das unglückselige Drama anzuschauen,
Das Winden der Geschöpfe unter dem Pflug des Verhängnisses
Und der tragische Blick des Kummers in die Nacht
Und der Horror und das hämmernde Herz der Angst
Waren die Zutaten im schweren Kelch der Zeit,
Die schmeckten und zum Genuss des bitteren Geschmacks verhalfen.
Aus solch grimmigen Stoff ward des Lebens lange Hölle gemacht:
Dies waren die Fäden vom dunklen Spinnennetz,
In dem die Seele gefangen ward, zitternd und umgarnt;
Dies war Religion, dies war die Regel der Natur.
In einer verruchten Kapelle der Gottlosigkeit
Ein schwarzes unbarmherziges Bild der Macht zu verehren,
Musste man kniend hartherzige steinige Höfe durchqueren,
Ein Pflaster wie ein Boden bösen Schicksals.
Ein jeder Stein war eine scharfe Kante unbarmherziger Gewalt
Und klebte vom erkalteten Blut der Brust von Gemarterten;
Die ausgedörrten knorrigen Bäume standen da wie sterbende Menschen,
Erstarrt in einer Haltung der Todesqual,
Und aus jedem Fenster stierte ein ominöser Priester,
Te Deums singend für die krönende Gnade des Gemetzels,
Entwurzelter Städte, zerbombter Menschenhäuser,
Verbrannter und zerfetzter Körper, der Bombenmassaker.
„Unsere Feinde sind gefallen, sind gefallen“, sangen sie,
„Alle, die einst unserem Willen widerstanden, sind erschlagen und tot;
Wie groß sind wir doch, wie gnädig bist Du.“
So dachten sie, Gottes unnahbaren Thron zu erreichen
Und Ihm zu gebieten, dem all ihr Tun widersprach,
Rühmend ihre Taten, um seine Himmel zu berühren
Und ihn zum Komplizen ihrer Verbrechen zu machen.
Dort fand erbarmungsvolles Mitleid keinen Platz,
Nur rabiate Stärke und eherne Launen herrschten hier,
Eine endlose Herrschaft des Schreckens und der Finsternis:
Dies nahm die Gestalt eines verdunkelten Gottes an,
Verehrt von der gequälten Erbärmlichkeit, die er geschaffen hat,
Der in Knechtschaft hielt eine elende Welt,
Und hilflose, an unaufhörliches Leid genagelte Herzen
Verehrten den Fuß, der in Dreck sie trat.
Es war eine Welt von Leid und Hass,
Leid mit Hass als einzige Freude,
Hass mit dem Leid anderer als festlicher Schmaus;
Eine verbitterte Grimasse verzerrte den leidenden Mund;
Eine tragische Grausamkeit ergriff ihre unheilvolle Chance.
Hass war der schwarze Erzengel jenes Reiches;
Er glühte als dunkler Juwel im Herzen,
Verbrennend die Seele mit seinen bösartigen Strahlen,
Und schwelgte in seinem grausamen Abgrund der Macht.
Diese Leidenschaften schienen sogar Objekte zu verströmen, –
Denn der Geist floss über in das Unbelebte,
Das mit der Bosheit antwortete, die es empfing, –
Verwendeten bösartige Mächte gegen die, die sie gebrauchten,
Verletzten ohne Hände und ganz seltsam, erschlugen plötzlich,
Gebraucht als Instrumente eines ungesehenen Verhängnisses.
Oder sie machten sich zu einer schicksalhaften Kerkermauer,
An der die Verdammten durch die schleichenden,
Vom Läuten einer ominösen Glocke gezählten Stunden wachen.
Eine böse Umgebung machte böse Seelen noch schlimmer:
Alle Dinge waren dort bewusst und alles war verdorben.
In diese teuflische Sphäre wagte er weiter vorzudringen
Bis in ihre tiefste Grube und das dunkelste Mark,
Störte ihre finstere Basis, wagte zu bestreiten
Ihr uraltes Vorrecht und ihre absolute Kraft:
Er tauchte in die Nacht, um deren grauenvolles Herz zu erkennen,
In der Hölle suchte er die Wurzel und Ursache der Hölle.
Seine qualvollen Schlünde öffneten sich in seiner eigenen Brust;
Er lauschte dem lauten Wehklagen seiner angehäuften Pein,
Dem Herzschlag seiner fatalen Einsamkeit.
Darüber lag eine kühle taube Ewigkeit.
In diffusen gewaltigen Korridoren des Unheils
Vernahm er die Kobold-Stimme, die zum Morden anleitet,
Und trotzte den Verzauberungen des Dämon-Zeichens
Und durchquerte den Hinterhalt der Widersacher-Schlange.
In bedrohlichen Gefilden, in qualvollen Einsamkeiten
Wanderte er unbegleitet auf trostlosen Wegen daher,
Wo der rote Wolf am furtlosen Strome wartet
Und schwarze Adler des Todes an der Klippe kreischen,
Und traf auf die Hunde des Unglücks, die der Menschen Herz
Bellend durch die Steppen des Schicksals hetzen,
Fochte auf haltlosen Schlachtfeldern des Schlundes
Schattige Kämpfe in stummen augenlosen Tiefen aus,
Hielt den Ansturm der Hölle aus und die Hiebe des Titanen
Und ertrug die heftigen inneren Wunden, die nur schwer heilen.
Gefangener einer vermummten magischen Kraft,
Gefasst und in das Todesnetz der Falschheit geschleift
Und oft stranguliert in der Schlinge des Grams
Oder in den grimmen Morast fressenden Zweifels geworfen
Oder in Gruben des Irrglaubens und der Verzweiflung eingesperrt,
Trank er ihr Gift in einem Zuge bis nichts mehr übrig blieb.
In einer Welt, wohin weder Hoffnung noch Freude kommen konnten,
Erlitt er die Tortur des Bösen absoluter Herrschaft
Und hielt doch unversehrt die strahlende Wahrheit seines Geistes.
Unfähig der Bewegung oder Kraftanwendung,
Eingekerkert und blind in der völligen Verneinung der Materie,
Genagelt an die schwarze Trägheit unserer Basis,
Hielt er zwischen seinen Händen seine flackernde Seele in Ehren.
Sein Wesen wagte es, in die mentallose Leere einzudringen,
Unduldsame Klüfte, die weder Denken noch Empfinden kennen;
Denken schwand, Empfinden versagte, doch seine Seele sah und wusste.
In atomaren Parzellierungen des Unendlichen,
Nahe bei den stummen Anfängen des verlorenen Selbstes,
Empfand er die seltsam winzige Nichtigkeit
Der Schöpfung stofflicher Dinge.
Oder, erstickt in der hohlen Düsternis des Nichtbewussten,
Er erkundete das dunkle und bodenlose Mysterium
Der ungeheuren und gehaltlosen Tiefen,
Woher das kämpfende Leben in ein totes Universum aufstieg.
Dort fühlte er in völliger Identität, die das Mental verloren hatte,
Den versiegelten Sinn der empfindungslosen Welt
Und eine stumme Weisheit in der unwissenden Nacht.
Er kam in die abgrundtiefe Heimlichkeit,
Wo Finsternis von ihrer Matratze blickt, grau und nackt,
Und stand auf dem letzten verschlossenen Flur des Unterbewussten,
Wo das Sein, seiner Gedanken unbewusst, schlief
Und die Welt erbaute, nicht wissend, was es schuf.
Dort lag unbekannt das Künftige und wartete auf seine Stunde,
Dort ist das Verzeichnis der erloschenen Sterne.
Dort im Schlummer des kosmischen Willens
Sah er den geheimen Schlüssel für die Wandlung der Natur.
Ein Licht war bei ihm, eine unsichtbare Hand
War auf den Irrtum und auf den Schmerz gelegt,
Bis dieser zu bebender Ekstase wurde,
Dem süßen Schock eines umfangenden Armes.
Er sah in der Nacht den schattenhaften Schleier des Ewigen,
Erkannte Tod als Keller des Lebenshauses,
Spürte in Zerstörung den raschen Schritt der Schöpfung,
Begriff Verlust als Preis für himmlischen Gewinn
Und Hölle als Abkürzung zu den Toren des Himmels.
Dann wurden in der okkulten Werkstatt der Illusion
Und in der magischen Druckerei der Nichtbewusstheit
Die Formate der ursprünglichen Nacht zerrissen
Und die Klischees der Unwissenheit zerschmettert.
Belebt, einen tiefen spirituellen Atem schöpfend,
Löschte die Natur ihren starr mechanischen Kodex aus
Und die Klauseln des Kontraktes der gebundenen Seele,
Falschheit gab der Wahrheit ihre geschundene Gestalt zurück.
Ausgelöscht waren die Gesetzestafeln der Pein,
Und an ihre Stelle traten leuchtende Schriftzeichen.
Der unwahrnehmbare Finger des kunstfertigen Schreibers schrieb
Seine rasche intuitive Kalligraphie;
Die Formen der Erde wurden zu seinen göttlichen Dokumenten,
Verkörpert ward Weisheit, die das Mental nicht enthüllen konnte,
Nichtbewusstheit verjagt aus der stimmlosen Brust der Welt;
Umgewandelt war das starre Schema des rationalen Denkens.
In den trägen Dingen Bewusstsein erweckend,
Zwang er dunklem Atom und stummer Masse
Die Diamantschrift des Unvergänglichen auf,
Schrieb auf das düstere Herz gefallener Dinge
Einen Päon-Gesang des freien Unendlichen
Und den Namen, der der Ewigkeit zugrunde liegt,
Und den wachen frohlockenden Zellen zeichnete er
In den Ideogrammen des Unbeschreiblichen
Die Lyrik jener Liebe auf, die durch alle Zeit wartet,
Und den mystischen Band des Buches der Seligkeit
Sowie die Botschaft des überbewussten Feuers.
Dann pulsiert das Leben rein im körperlichen Gefüge;
Der teuflische Schimmer starb und konnte nicht mehr töten.
Die Hölle zerbarst quer durch ihre riesige schroffe Fassade
Als würde ein magisches Gebäude zunichte gemacht,
Die Nacht tat sich auf und verschwand wie ein abgrundtiefer Traum.
In die Lücke des Seins, ausgehöhlt als leerer Raum,
Wo sie den Platz abwesenden Gottes eingenommen hatte,
Ergoss sich eine weite innige und wonnevolle Morgendämmerung;
Geheilt war alles, was das zerrissene Herz der Zeit geschaffen hatte,
Und Kummer gab es nicht mehr in der Brust der Natur:
Teilung hörte auf zu sein, denn Gott war da.
Die Seele erhellte den bewussten Körper mit ihrem Strahl,
Materie und Geist verschmolzen und waren eins.
Ende des achten Cantos
Neunter Canto
Das Paradies der Lebensgötter
Rings um ihn strahlte das Wesen eines großen glücklichen Tages.
Als Glanz von irgend verzücktem Unendlichen,
Hielt es in der Pracht seines goldnen Lachens
Regionen unbefangenen Herzensglücks,
Berauscht vom Weine Gottes,
Getaucht in Licht, immerwährend göttlich.
Als Liebling und Vertrauter der Götter,
Gehorchend dem göttlichen Gebot zur Freude,
War es der Herrscher über seine eigene Wonne
Und Gebieter über die Königreiche seiner Kraft.
Der Seligkeit gewiss, für die alle Formen geschaffen waren,
Unberührt von Angst und Kummer und den Schlägen des Schicksals
Und unbeeindruckt vom Atem der flüchtigen Zeit
Und unbehelligt von widrigen Umständen,
Atmete es in einer wohltuend sicheren Leichtigkeit, ungeschützt,
Frei von der Gebrechlichkeit unseres Körpers, die den Tod einlädt,
Fern unserer Gefahrenzone strauchelnden Willens.
Es brauchte den Puls seiner Leidenschaft nicht zu zügeln;
Ergriffen von der Umarmung des warmen zufriedenen Gefühles
Und dem jähen Wunderrauschen und der Flamme und dem Schrei
Des roten herrlichen Strömens der Lebenstriebe,
Lebte es in einem Juwelenrhythmus von Gottes Lachen
Und lag an der Brust der allumfassenden Liebe.
Unbeirrt weidete der unbändige Geist der Wonne
Seine leuchtenden Sonnenherden und Mondscharen
Entlang des lyrischen Laufs sorgloser Ströme
Im Duft der unirdischen Affodill.
Ein Schweigen von Glückseligkeit umkleidete die Himmel,
Ein sorgenfreies Strahlen lächelte auf den Höhen;
Ein Murmeln unartikulierter Verzückung
Zitterte in den Winden und berührte den verzauberten Boden;
Unaufhörlich in den Armen der Ekstase,
Wiederholend den süßen unwillkürlichen Ton,
Floss durch die Stunden verzückt ein Seufzer dahin.
Voranschreitend unter einem Gewölbe von Glorie und Frieden,
Wanderer auf Plateau und sinnendem Grat,
Wie jemand, der im Glas des Weltmagiers
Eine zauberhafte Bilderwelt von Seelenlandschaften dahinziehen sieht,
Durchquerte er Schauplätze einer unsterblichen Freude
Und blickte in Abgründe von Schönheit und Seligkeit.
Um ihn war ein Licht bewusster Sonnen
Und ein sinnender Frohmut großartiger Symbol-Gebilde;
Ihm zu begegnen, drängten sich Ebenen brillanter Ruhe,
Berge und violette Täler der Glückseligen,
Tiefe Schluchten der Freude und rauschende Wasserfälle
Und Wälder durchschauernder purpurner Einsamkeit;
Unter ihm lagen wie leuchtende Juwel-Gedanken
Die Städte der Gandharva-Könige, verzückt träumend.
Durch die schwingenden Heimlichkeiten des Raumes
Stahl sich süß eine leise und fröhliche Musik ein,
Gezupft von unsichtbaren Händen hörte er dem Herze nah
Den Harfenklang der himmlischen Minnesänger vorüberziehen,
Und Stimmen von unirdischer Melodie
Besangen die Herrlichkeit ewiger Liebe
In der weißblauen Mondscheinluft des Paradieses.
Als Gipfel und Kern all dieser wundervollen Welt
Standen abseits die hohen namenlosen Berge von Elysium,
Die wie Sonnenuntergänge in der Trance eines Abends brannten.
Gleichsam zu neuer noch unerforschter Tiefe
Tauchten ihre Fundamente in eine freudige Stille ein;
Durch einen Schwall von Lachen und Stimmen,
Durchzogen von einem Gewimmel singender Bäche,
Preisend den blauen Himmel mit ihrem frohen Lobgesang,
Neigten sich ihre Hänge hinab in die Wälder schattiger Heimlichkeit:
Hoch in das weite stimmlose Mysterium ragend,
Kletterten ihre Gipfel zu einer Größe jenseits des Lebens.
Die leuchtenden Gärten Edens der vitalen Götter
Empfingen ihn in ihren todlosen Harmonien.
Vollkommen waren alle Dinge dort, die in der Zeit erblühen;
Schönheit war dort der Schöpfung angeborene Form,
Friede war eine verzückt sinnliche Lauterkeit.
Dort erfüllte sich Liebe goldne und rosarote Träume
Und Stärke ihre gekrönten und mächtigen Schwärmereien;
Verlangen stieg auf, eine geschwinde allmächtige Flamme,
Und Vergnügen hatte die Statur von Göttern;
Traum wandelte entlang den Straßen der Sterne;
Süße gewöhnliche Dinge wurden zu Wundern:
Überwältigt vom plötzlichen Bann des Geistes,
Gepackt von der Alchemie göttlicher Leidenschaft,
Zwang des Schmerzes Selbst, verwandelt, zu starker Freude,
Heilend den Gegensatz zwischen Himmel und Hölle.
Alle hohen Visionen der Lebensmacht sind dort verkörpert,
Ihre wandernden Hoffnungen erfüllt, ihre goldnen Waben
Ergriffen von der spitzen Zunge des Honigfressers,
Ihre brennenden Ahnungen in verzückte Wahrheiten gewandelt,
Ihre mächtigen Seufzer in todloser Ruhe gestillt
Und ihre immensen Begierden freigesetzt.
In diesem Paradies von vollkommenem Herz und Sinn
Konnte keine tiefere Note den endlosen Liebreiz
Ihrer glühenden und unbefleckten Süße brechen;
Ihre Schritte sind sich ihres intuitiven Gehens sicher.
Nach den Qualen des langen Kampfes der Seele
Ward schließlich Stille und himmlische Ruhe gefunden
Und, umspült von einer magischen Flut sorgloser Stunden,
Geheilt waren die verwundeten Glieder seiner Kriegernatur
In den umfangenden Armen der Energien,
Die weder Makel duldeten noch die eigene Seligkeit scheuten.
Auf Schauplätzen, unserem blassen Sinn verboten,
Traf er inmitten wundervoller Düfte und Wunderfarben
Die Formen, die das Sehen vergöttlichen,
Vernahm Musik, die das Mental unsterblich
Und das Herz unendlich weit machen kann,
Und erlauschte die lautlosen
Kadenzen, die das okkulte Ohr erwecken:
Aus unsagbarer Stille hörte es sie kommen,
Bebend von der Schönheit wortloser Sprache
Und von Gedanken, zu groß und tief um eine Stimme zu finden,
Gedanken, deren Sehnsucht das Universum neu erschafft.
Eine Leiter der Sinne, die mit feurigen Füßen aufwärts stieg
Zu Höhen eines unvorstellbaren Glückes,
Goss seines Wesens Aura um in Freudesglut,
Sein Körper schimmerte wie Perlmutt am Firmament;
Seine Tore zur Welt ließen Lichtmeere flutend ein.
Seine Erde, versehen mit himmlischer Kompetenz,
Beherbergte eine Macht, die brauchte jetzt nicht mehr
Die Zollabsperrung von Mental und Fleisch zu durchqueren
Und Göttlichkeit in Menschlichkeit zu schmuggeln.
Sie schreckte nicht mehr zurück vor der höchsten Forderung
Nach einer nie ermüdenden Fähigkeit zur Seligkeit,
Nach Macht, die ihre eigene Unendlichkeit erforschen konnte,
Nach Schönheit und Leidenschaft und der Antwort der Tiefen
Noch scheute in frohe Wesenseinheit zu sinken,
Wo Geist und Fleisch sich in innerer Ekstase einen
Und den Widerstreit zwischen Selbst und Form aufheben.
Sie schöpfte spirituelle Macht aus Sicht und Klang,
Machte aus den Sinnen eine Straße, das Unfassbare zu erreichen:
Sie erschauerte unter den himmlischen Einflüssen,
Die die Substanz der tieferen Seele des Lebens erbauen.
Die Erdnatur stand als Gefährtin des Himmels neugeboren da.
Ein würdiger Gefährte den zeitlosen Königen,
Gleichgestellt mit den Gottheiten der lebenden Sonnen,
So mischte er sich unter den strahlenden Zeitvertreib der Ungeborenen,
Hörte das Flüstern des nie gesehenen Spielers
Und lauschte seiner Stimme, die das Herz stiehlt
Und es an die Brust von Gottes Sehnsucht zieht,
Fühlte deren Honig von Glückseligkeit
Durch seine Adern fließen wie die Flüsse des Paradieses,
Und machte den Körper zum Nektarkelch des Absoluten.
In plötzlichen Momenten enthüllender Flamme,
In leidenschaftlichen Antworten, halb entschleiert,
Erreichte er den Rand ungekannter Ekstasen;
Eine erhabene Berührung überraschte sein ungestümes Herz,
Erinnert ward die Umarmung des Wundervollen
Und Anspielungen weißer Beseligungen sprangen herab.
Es nahte Ewigkeit, verkleidet als Liebe,
Und legte ihre Hand auf den Körper der Zeit.
Eine kleine Gabe schon aus den Unermesslichkeiten,
Bringt unschätzbaren Freudengewinn dem Leben;
Das ganze unsägliche Jenseits spiegelt sich dort wieder.
Ein Riesentropfen der unkennbaren Seligkeit
Überwältigte seine Glieder und wurde rings um seine Seele
Ein feuriges Meer von Glückseligkeit;
Er versank entzückt in süßen und brennenden Weiten:
Die furchtbare Wonne, die sterbliches Fleisch zerschmettern kann,
Die Verzückung, die Götter ertragen, hielt er aus.
Ein Wogen unsterblicher Freuden läuterte ihn
Und wandelte seine Stärke in eine nie sterbende Kraft.
Unsterblichkeit eroberte die Zeit und trug das Leben.
Ende des neunten Cantos
Zehnter Canto
Die Königreiche und Gottheiten des kleinen Mentals
Auch dies musste nun überschritten und zurückgelassen werden,
Wie das bei allem sein muss, bis das Höchste erlangt ist,
In dem die Welt und das Selbst wahr und eins werden:
Solange Das nicht erreicht ist, kann unsere Reise nicht enden.
Stets lockt weiter weg ein namenloses Ziel,
Stets steigt der Zickzack-Kurs der Götter hinauf
Und aufwärts weist des Geistes klimmend Feuer.
Dieser Atem einer hundertfarbenen Glückseligkeit
Und seine reine erhöhte Gestalt der Freude der Zeit,
Hin- und hergeschleudert auf den Wellen ungetrübten Frohsinns,
Gehämmert in einzelne Schläge von Ekstase,
Dieser Bruchteil der Ganzheit des Geistes,
In einer leidenschaftlichen Größe von Extremen gefasst,
Dies begrenzte Wesen, erhoben in den Zenit der Seligkeit,
Beglückt von einer einzigen Berührung erhabener Dinge,
Packte in seine versiegelte kleine Unendlichkeit,
Seine endlose zeitgeschaffene Welt, die der Zeit trotzt,
Ein Weniges von Gottes enormer Freude.
Die Momente dehnten sich gen ewiges Jetzt,
Die Stunden entdeckten Unsterblichkeit,
Doch, zufrieden mit ihrem erhabenen Gehalt,
Hielten sie inne auf Gipfeln, deren Spitzen halbwegs zum Himmel
Auf eine Höhe deuteten, die sie nie ersteigen konnten,
Auf eine Herrlichkeit, in deren Luft sie niemals leben konnten.
Einladend in ihre hohe und auserlesene Sphäre,
Zu ihren sicheren und feinen Extremen,
Dies Geschöpf, das seine Grenzen liebkost, um sich sicher zu fühlen,
Verwarfen diese Höhen den Ruf zu einem größeren Abenteuer.
Eine Herrlichkeit und Süße von befriedigtem Begehren
Banden den Geist an goldne Pfosten der Seligkeit.
Es vermochte nicht die Weite einer Seele aufzunehmen,
Die als ihr Heim die ganze Unendlichkeit benötigte.
Eine Erinnerung, sanft wie Gras und leise wie Schlaf,
Die Schönheit und der Ruf, sich zurückziehend, versanken dahinter
Wie ein lieblicher Gesang, der in der Ferne verstummt
Auf der langen hohen Straße hin zur Zeitlosigkeit.
Darüber lag eine glühend weiße Ruhe.
Ein sinnender Geist schaute auf die Welten hinaus,
Und gleich einem leuchtenden Emporranken von Himmeln,
Durch Klarheit kletternd einem ungesehenen Licht entgegen,
Schienen aus der Stille große strahlende Reiche des Mentals.
Doch zuerst traf er auf eine silbergraue weite Ebene,
Wo Tag und Nacht vermählt und eins geworden waren:
Diese war ein Trakt aus schummrigen und wechselnden Strahlen,
Trennend des Lebens empfindenden Strom von des Denkens Eigenart.
Eine Koalition von Ungewissheiten
Übte dort eine unsichere Regierung auf einem Boden aus,
Vorbehalten dem Zweifel und der logisch folgernden Mutmaßung,
Ein Stelldichein von Wissen und Unwissenheit.
An ihrer unteren Außengrenze regierte unter Mühen
Ein mentaler Geist, der kaum etwas sah und nur langsam fand;
Seine Wesensart unserer irdischen Art sehr nah
Und mit unserem unsicheren sterblichen Denken verwandt,
Das vom Erdboden zum Himmel, vom Himmel zum Erdboden blickt,
Doch weder das Untere noch das Obere kennt,
Empfand er sich selbst und äußere Dinge nur.
Dies war das erste Mittel unseres langsamen Aufstiegs
Aus der Halbbewusstheit der animalischen Seele,
Lebend unter einem massiven Druck von Form-Ereignissen
In einem Reiche, das er weder verstehen noch verändern kann;
Er sieht und handelt nur in einer gegebenen Situation
Und fühlt, freut sich und trauert für eine Weile.
Die Ideen, die den obskuren verkörperten Geist antreiben
Entlang der Straßen des Leidens und Verlangens
In einer Welt, die um die Entdeckung der Wahrheit ringt,
Fanden hier ihre Daseinskraft und Naturkraft.
Entworfen werden hier die Formen eines unwissenden Lebens,
Das die empirische Tatsache als geltendes Recht ansieht,
Für die Stunde wirkt und nicht für Ewigkeit
Und seinen Gewinn für die Forderung des Augenblicks verschachert:
Das langsame Verfahren eines stofflichen Mentals,
Das dem Körper dient, den es beherrschen und verwenden sollte,
Und das sich auf einen irrenden Sinn stützen muss,
Ward geboren in jener leuchtenden Obskurität.
Sich vorwärtsschleppend nach einem hinkenden Start,
Abstützend Argumente auf der Krücke der Hypothese,
Theorien auf den Thron der Gewissheit setzend,
Schließt es vom Halbbekannten aufs Unbekannte,
Stets sein instabiles Denkgebäude konstruierend,
Stets das Netz zertrennend, das es gesponnen hat.
Ein zwielichtiger Weiser, dessen Schatten als sein Selbst erscheint,
Lebt von Minute zu nächster flüchtigen Minute fort;
Ein König, abhängig von seinen Gefolgsleuten,
Unterzeichnet die Erlasse unkundiger Minister,
Ein Richter im Halbbesitz seiner Beweise,
Eine lautstarke Stimme der Ungewissheit Postulate,
Ein Architekt des Wissens, nicht sein Quell.
Dieser mächtige Sklave seiner Instrumente
Hält seinen niederen Standort für den höchsten Gipfel der Natur,
Seinen Anteil an geschaffenen Dingen vergessen
Und hochmütig bescheiden in seinem eigenen Dünkel,
Wähnt er sich selbst als Ausgeburt des Schlammes der Materie
Und hält die eigenen Schöpfungen für seinen Ursprung.
Bestimmt in das ewige Licht und Wissen aufzusteigen,
Strebt unser Anstieg aus kargem Menschenbeginn;
Aus schwerer Kleinheit der Erde müssen wir brechen,
Wir müssen unsere Wesensart mit spirituellem Feuer ergründen:
Ein Insekten-Gekrieche kündigt unseren glorreichen Flug an;
Unser menschlicher Zustand ist Wiege des künftigen Gottes,
Unsere sterbliche Schwachheit birgt unsterbliche Kraft.
Auf der Glühwurmspitze dieser blassen Schimmerreiche,
Wo Morgengrauen herumtollte mit heimischer Abenddämmerung
Und dem Tag wachsen und der Nacht schwinden half,
Entkommend über eine weite und schimmernde Brücke,
Gelangte er in ein Reich von frühem Licht
Und in das Hoheitsgebiet einer halb aufgegangenen Sonne.
Aus ihren Strahlen ward der volle Orbis unseres Mentals geboren.
Vom Geist der Welten dazu berufen,
Bei den dumpfen Tiefen Mittler zu sein,
Mühte sich unentwegt eine prototypische geschickte Intelligenz,
Halb ausgewogen auf gleichlangen Flügeln von Denken und Zweifel,
Zwischen des Daseins verborgenen Enden.
Eine Heimlichkeit atmete im treibenden Tun des Lebens;
Als versteckte Amme der Mirakel der Natur
Hat sie des Lebens Wunder aus der Materie Schlamm gebildet:
Sie schnitt die Muster für die Formen der Dinge,
Sie schlug in der vagen ignoranten Weite das Zelt des Mentals auf.
Ein Zaubermeister von Maß und Kunstfertigkeit
Hat aus wiederkehrenden Formen eine Ewigkeit erschaffen
Und wies dem schweifenden Beobachter Denken
Einen Platz auf der bewusstlosen Bühne an.
Auf Erden hat sich durch den Willen dieser Erzintelligenz
Eine körperlose Energie die Robe der Materie angelegt;
Proton und Photon dienten dem Bildmacher Auge
Feinartige Dinge in eine physische Welt zu wandeln
Und das Unsichtbare erschien als Gestalt
Und das Ungreifbare wurde als Masse empfunden:
Magie der Wahrnehmung verband sich mit der Kunst des Konzepts
Und verlieh jedem Objekt einen deutenden Namen:
Idee ward gehüllt in eines Körpers Kunstwerk
Und durch das Mysterium eines seltsamen atomaren Gesetzes
Ward ein Rahmen hergestellt, worin der Sinn
Sein Symbolbild des Universums einfassen konnte.
Sogar ein noch größeres Wunder ward vollbracht.
Das vermittelnde Licht verknüpfte die Macht des Körpers,
Das Schlafen und Träumen von Baum und Pflanze,
Den vibrierenden Sinn des Tieres, das Denken im Menschen,
Mit dem Glanz eines Strahles von oben.
Seine Fertigkeit, bestärkend der Materie Recht zu denken,
Brach empfindende Durchgänge für das Mental des Fleisches auf
Und fand für das Nichtwissen ein Mittel, wissen zu können.
Anbietend seine kleinen Wortquadrate und -würfel
Als figürlichen Ersatz für die Wirklichkeit,
Ein mumifiziertes mnemonisches Alphabet,
Half es der blinden Kraft ihre Werke zu lesen.
Ein vergrabenes Bewusstsein stieg in ihr auf
Und sie träumt sich nun menschlich und wach.
Doch alles war noch eine bewegte Unwissenheit;
Noch konnte Wissen nicht kommen und fest ergreifen
Diese riesige Erfindung, gesehen als ein Universum.
Ein Spezialist für die harte Maschine der Logik
Zwang seine starre Fertigkeit der Seele auf;
Als Helfer des Erfinders Intellekt
Zerschnitt er die Wahrheit in handhabbare Stückchen,
Damit ein jedes seine Ration an Gedankenkost erhalte,
Baute dann der Wahrheit erschlagenen Leib durch seine Kunst neu auf:
Ein Roboter, genau und brauchbar und fehlerhaft,
Ersetzte des Geistes feinere Sicht der Dinge:
Eine ausgefeilte Maschine leistete die Arbeit eines Gottes.
Keiner fand den wahren Körper, seine Seele schien tot:
Keiner hatte den inneren Blick, der das Ganze der Wahrheit schaut;
Alle verherrlichten den glitzernden Ersatz.
Dann rauschte aus geheimen Höhen eine Woge nieder,
Ein strahlendes Chaos aus rebellischem Licht entstand;
Sie blickte hoch und sah die blendenden Gipfel dort,
Sie blickte nach innen und weckte den schlafenden Gott.
Imagination rief ihre leuchtenden Truppen,
Die in unentdeckte Gebiete sich wagen,
Wo all die Wunder verborgen liegen, die noch keiner kennt:
Hebend ihr schönes und wunderreiches Haupt,
Verschwor sie sich mit der Inspiration Schwestersippe,
Um des Denkens Himmel mit schimmernden Sternennebeln zu füllen.
Ein heller Irrtum säumte den Fries des Mysterienaltars;
Dunkelheit wurde zur Amme der Weisheit okkulten Sonne,
Mythe säugte Wissen mit ihrer schimmernden Milch;
Das Kind geriet von düsteren an lichte Brüste.
So wirkte die Macht auf die heranwachsende Welt;
Ihr feines Geschick hielt die voll entfachte Feuersbrunst zurück,
Hegte die Kindheit der Seele, verabreichte Fiktionen,
Weit gehaltvoller in deren süßen und necktarartigen Saft,
Nährend ihre unreife Göttlichkeit,
Als der Stapel oder das getrocknete Stroh vom Acker der Vernunft,
Deren angehäuftes Futter ungezählter Fakten,
Plebejische Kost, an der wir heute wachsen und gedeihen.
So strömten aus dem Reiche frühen Lichtes
Ätherische Gedanken in die Welt der Materie herab;
Seine goldgehörnten Herden drängten zum Höhlenherz der Erde.
Seine Morgenstrahlen erhellen die Augen unseres Zwielichts,
Seine jungen Formationen treiben das Mental der Erde an
Zu arbeiten und zu träumen und neu zu erschaffen,
Der Schönheit Berührung zu fühlen, Welt und Selbst zu kennen:
Das Goldene Kind begann zu denken und zu sehen.
In jenen hellen Reichen sind des Mentals erste Vorwärtsschritte.
Von allem nichts wissend, aber begierig, alles zu wissen,
Fängt dort sein langsam neugierig Nachfragen an;
Im steten Suchen greift es nach den Formen rings herum,
Immer hoffend, Größeres herauszufinden.
Feurig und golden glänzend von Sonnenaufgangs-Feuern,
Lebt es wachsam am Rande der Erfindung.
Doch alles, was es tut, geschieht in Maßen eines Kindes,
Als wäre der Kosmos ein Kindergarten,
Mental, Leben die Spielzeuge eines Titanenbabys.
Es schafft wie einer, der sich eine Scheinfestung erbaut,
Erstaunlich stabil für kurze Zeit,
Aus Sand gemacht auf einer Düne der Zeit
Inmitten eines uferlosen Meeres der okkulten Ewigkeit.
Die große Allmacht wählte ein kleines scharfes Instrument
Und widmet sich leidenschaftlich mühsamem Zeitvertreib;
Die Unwissenheit zu unterweisen ist ihre schwierige Pflicht,
Ihr Denken geht von einer ursprünglich nichtwissenden Leere aus
Und was sie lehrt, das muss sie selber lernen,
Wissen weckend von seiner Schlummerstätte.
Denn Wissen tritt nicht ein bei uns wie ein Gast,
In unser Zimmer gerufen aus der äußeren Welt;
Als Freund und Hausgenosse unseres geheimen Selbstes
Versteckte es sich hinter unserem Mental, schlief ein
Und wacht unter den Schlägen des Lebens nur langsam auf;
Der mächtige Daimon liegt ungestaltet im Innern,
Ihn zu erwecken, ihm Gestalt zu geben, ist Aufgabe der Natur.
Alles war ein Chaos von Wahrem und Falschem,
Das Mental suchte inmitten dichter Nebel des Nichtwissens;
Es schaute in sich, doch sah Gott nicht.
Eine materielle Interims-Diplomatie
Bestritt die Wahrheit, damit vorläufige Wahrheiten leben mögen,
Und verbarg die Gottheit in Glaube und Vermutung,
Damit die Weltunwissenheit langsam weise werde.
Dies war die Verwicklung, bewirkt von der Mentalgewalt,
Die von einem Schimmergrat heruntersah in die Nacht,
Bei ihren ersten Einmischungen ins Nichtbewusste:
Sein fremdes Dämmerlicht verwirrt ihre strahlenden Augen;
Ihre flinken Hände müssen einen behutsamen Eifer erlernen;
Nur einen langsamen Fortschritt kann die Erde ertragen.
Doch war ihre Stärke, ungleich die der blinden Erde,
Genötigt, mit Hilfsinstrumenten umzugehen,
Die von der Lebenskraft und dem Fleisch erfunden waren.
Durch zweifelhafte Bilder nimmt die Erde alles wahr,
In zufälligen Strömen des Sehens begreift sie alles,
Schwache Lichter, entfacht durch Berührungen tastenden Denkens.
Nicht mächtig des unmittelbaren Einblicks der Seele,
Sieht sie krampfartig und lötet Wissensschrott zusammen,
Macht Wahrheit zur Sklavin ihres Unvermögens,
Und verbannend mystische Einheit der Natur,
Teilt sie in Quantum und Masse das sich bewegende All;
Als Zollstock nimmt sie ihre Unwissenheit.
In ihrem eigenen Bereich eine Hohepriesterin und Seherin,
Wirkte jene größere Macht mit ihrer halb aufgegangenen Sonne
In Grenzen, doch ihr Feld beherrschend;
Sie wusste durch ein Privileg denkender Kraft
Und beanspruchte eine kindliche Souveränität des Sehens.
In ihren Augen aber leuchtete dunkel gesäumt
Der Blick des Erzengels, der seine Taten inspiriert kennt
Und in seiner weitblickenden Flamme eine Welt gestaltet.
In ihrem eigenen Reich strauchelt und scheitert sie nicht,
Sondern bewegt sich in Grenzbereichen subtiler Macht,
Durch die der mentale Geist zur Sonne schreiten kann.
Als Kandidatin auf höhere Machtbefugnis
Trieb sie einen Durchgang aus der Nacht zum Licht
Und forschte nach unerfasster Allwissenheit.
Eine zwergenleibige Trinität war ihr Diener.
Zuerst, als kleinster der Dreien, doch stark an Gliedern,
Mit niedriger Stirn und eckigem und schwerem Kiefer,
Ein Pygmäen-Denken, das Schranken zum Leben braucht,
Stets gebückt, um Tatsache und Form zu hämmern.
Vertieft und eingeschlossen in äußere Sicht,
Bezieht es seinen Stand auf der soliden Basis der Natur.
Ein bewundernswerter Techniker, ein primitiver Denker,
Ein Nieter des Lebens in den Gleisen der Gewohnheit,
Gehorsam gegenüber der groben Tyrannei der Materie,
Ein Gefangener der Formprägungen, in denen es wirkt,
Bindet es sich selbst an das, was es selber erschafft.
Als Sklave einer festgelegten Masse absoluter Regeln
Betrachtet als Gesetz es die Gewohnheiten der Welt
Und sieht als Wahrheit die Gepflogenheiten des Mentals.
In seinem Reiche der konkreten Bilder und Geschehnisse
Sich drehend in einem ausgefahrenen Ideenkreise
Und stets wiederholend alt vertraute Handlungen,
Lebt es zufrieden mit dem Üblichen und dem Bekannten.
Es liebt den alten Boden, der ihm Wohnsitz war:
Verabscheuend jede Veränderung als dreiste Sünde,
Argwöhnisch gegenüber jeder neuen Entdeckung
Geht es nur sachte vorwärts, Schritt für Schritt,
Und fürchtet das Unbekannte wie einen tödlichen Abgrund.
Als kluger Schatzmeister seiner Unwissenheit
Scheut es das Abenteuer, zwinkert glorreicher Hoffnung zu,
Vorziehend einen sicheren Fußhalt auf den Dingen
Der gefahrreichen Freude an den Weiten und Höhen.
Die behäbigen Eindrücke der Welt auf seinen werkelnden Geist,
Träge Eintragungen, fast unauslöschlich,
Vermehren ihren Wert durch ihre Ärmlichkeit;
Die alten sicheren Erinnerungen sind sein Grundkapital:
Nur was die Sinne fassen können, scheint absolut:
Äußere Tatsache stellt es als einzige Wahrheit hin,
Weisheit stellt es gleich mit dem erdorientierten Blick,
Und lange Gewusstes und schon immer Getanes
Dienen seinem klammernden Griff als sicheres Geländer
Auf der gefahrvollen Treppe der Zeit.
Des Himmels Zuverlässigkeit sind ihm die festgelegt alten Wege,
Unumstößliche Gesetze, die der Mensch nicht verändern darf,
Ein heiliges Vermächtnis der großen toten Vergangenheit
Oder der eine Weg, den Gott für das Leben geschaffen hat,
Die feste Form der Natur, die nicht zu ändern ist,
Teil der ungeheuren Routine des Universums.
Ein Lächeln des Erhalters der Welten
Sandte einst dies Hüter-Mental zur Erde herab,
Dass alle in ihrer festen unveränderlichen Art verbleiben
Und sich nie aus ihrer gewohnten Position bewegen konnten.
Man sieht es kreisen, seiner Aufgabe treu,
Unermüdlich im Reigen einer zugewiesenen Tradition;
In verfallenden und zerbröckelnden Ämtern der Zeit
Hält es vor der Mauer des Brauchtums strenge Wache,
Oder es döst in düsterer Umgebung uralter Nacht
Auf Steinen eines kleinen Hinterhofs
Und bellt bei jedem unvertrauten Licht
Als wäre es ein Feind, der aufbrechen will sein Heim,
Ein Wachhund vor des Geistes sinnvergittertem Haus
Zur Abwehr von Eindringlingen aus dem Unsichtbaren,
Sich nährend von Abfällen des Lebens und Knochen der Materie
In seinem Zwinger objektiver Gewissheit.
Und doch steht hinter ihm eine kosmische Macht:
Eine gemessene Größe hält fest an ihrem weiteren Plan,
Eine unfassbare Gleichförmigkeit taktet den Schritt des Lebens;
Der Sterne unveränderliche Bahnen furchen den dumpfen Raum,
Millionen Arten befolgen ein einziges stummes Gesetz.
Eine ungeheure Schwerfälligkeit ist die Verteidigung der Welt,
Sogar im Wandel wird Wandellosigkeit bewahrt;
In Trägheit sinkt Umschwung zurück,
In einem neuen Kleid spielt das Alte seine Rolle weiter;
Die Energie wirkt, das Stabile ist ihr Siegel:
Aufgeführt wird der enorme Tanz auf Shivas Brust.
Ein feuriger Geist kam als nächstes von den Dreien.
Als buckeliger Reiter des roten Wildesels
Sprang eine unbesonnene Intelligenz mit Löwenmähne herab
Aus der großen mystischen Flamme, die die Welten umgibt,
Und mit ihrer schrecklichen Schneide das Herz des Seins anfrisst.
Daraus entsprang die brennende Vision der Begierde.
Tausend Formen trug sie, nahm zahllose Namen an:
Ein Bedürfnis nach Vielfalt und Ungewissheit
Stachelte stets sie an, dem Einen zu folgen
Auf unzähligen Straßen durch die Weiten der Zeit
Durch Kreisläufe von unendlicher Verschiedenheit.
Sie verbrennt mit zweideutigem Feuer eine jede Brust.
Als ein Strahlen, das auf einem trüben Strome schimmert,
Flammte sie gen Himmel, versank dann, verschlungen, zur Hölle hin;
Sie klomm, um Wahrheit in den Schlamm hinabzuziehen
Und benutzte für schmutzige Ziele ihre brillante Kraft;
Ein riesiges Chamäleon, golden und blau und rot,
Sich wandelnd in schwarz und grau und schmutziges braun,
Glotzte hungrig sie herab von einem gefleckten Ast des Lebens,
Um Insektenfreuden zu schnappen, ihre Lieblingsspeise,
Der schäbige Fraß für eine üppige Gestalt,
Nährend die prächtige Leidenschaft ihrer Farben.
Eine Schlange aus Flammen mit einer grauen Wolke als Schweif,
Gefolgt von einer Traumschar glitzernder Gedanken,
Ein erhobenes Haupt mit vielfarbig flackernden Kämmen,
Lechzte sie nach Wissen mit einer rauchigen Zunge.
Ein Strudel, der leere Luft einsaugt,
Stützte sie sich auf nichtige gewaltige Behauptungen,
Im Nichts geboren, ins Nichts zurückkehrend,
Und doch drängte sie die ganze Zeit ungewollt
Auf das verborgene Etwas hin, das Alles ist.
Begierig zu finden, unfähig zu bewahren,
War kennzeichnend für ihre brillante Unstetigkeit,
Zu irren, ihre angeborene Tendenz, ihr natürlicher Hang.
Sofort zu einem unreflektierten Glauben geneigt,
Hielt sie alles für wahr, was ihren Hoffnungen schmeichelte;
Sie schätzte goldne Nichtigkeiten, geboren aus dem Wunsch,
Sie schnappte nach dem Unwirklichen als Kost für sich.
Im Finsteren entdeckte sie leuchtende Formen;
Spähend in ein schattenverhangenes Halblicht,
Sah sie farbige Bilder, gekritzelt an die Höhlenwand der Fantasie;
Oder sie fegte in Kreisen durch die Nacht der Mutmaßung
Und fing mit der Kamera der Einbildung
Helle Szenen der Verheißung durch flüchtiges Aufscheinen ein,
Hielt in der Luft des Lebens die Füße eilender Träume fest,
Nahm Abdrücke vorbeiziehender Formen und verkappter Mächte
Und Blitzlichtbilder halbgesehener Wahrheiten auf.
Ein ungeduldiger Sprung, zu ergreifen und zu besitzen,
Nicht von Vernunft oder der sehenden Seele geleitet,
War ihre erste und letzte natürliche Bewegung,
Sie vergeudete des Lebens Kraft, um das Unmögliche zu erreichen:
Sie verschmähte den geraden Weg und lief auf schweifenden Kurven
Und gab Gewonnenes für Unversuchtes auf;
Sie sah unverwirklichte Ziele als augenblickliche Bestimmung
Und wählte die Klippe für ihren Sprung zum Himmel.
Abenteuer ihr System im Glücksspiel des Lebens,
Nahm sie zufällige Gewinne als sichere Erfolge;
Irrtum entmutigte nicht ihre Zuversicht,
Der das tiefe Gesetz der Wege des Seins nicht kennt,
Und Fehlschlag bremste nicht ihren feurigen Griff;
Ein einzig gelungener Wurf rechtfertigte den Rest.
Versuch, nicht Erfolg, war der Reiz des Lebens.
Eine unsichere Gewinnerin von unsicheren Preisen,
Instinkt ihre Stute und das Lebensmental ihr Hengst,
Ritt sie ihr Rennen und kam als Erste oder Letzte ins Ziel.
Doch waren ihre Werke weder klein und vergeblich noch nichtig;
Sie nährte einen Teil der Stärke des Unendlichen
Und konnte jene hohen Dinge schaffen, die ihr gefielen;
Ihre Leidenschaft erfasste, was der ruhigen Intelligenz entging.
Einsicht des Impulses legte ihren stürmischen Griff
Auf Himmel, die hohes Denken in schillernden Dunst gehüllt hatte,
Fing Schimmer auf, die eine versteckt gehaltene Sonne offenbarten:
Sie erforschte die Leere und fand dort einen Schatz.
Eine Halbintuition leuchtete purpurn in ihrem Sinn;
Sie warf die Gabel des Blitzes und traf ins Ungesehene.
Sie sah im Dunkel und blinzelte vage im Licht,
Unwissenheit war ihr Spielfeld, das Unbekannte ihr Preis.
Von all diesen Mächten war die letzte die Größte.
Spät kommend aus einer fernen Ebene des Denkens
In eine von Irrationalität erfüllten Welt des Zufalls,
Wo alles grob gefühlt und blind getan ward,
Doch Willkür das Unvermeidliche schien,
Kam Vernunft, die gedrungene Gottheits-Handwerkerin,
In ihr enges Haus auf einem Grat in der Zeit.
Adeptin klaren Ersinnens und Entwerfens,
Ein nachdenklich Antlitz und gründlich musternder Blick,
Bestieg sie ihren festen und unverrückbaren Sitz,
Die Stärkste, Weiseste der trollgleichen Drei.
Ausgerüstet mit Linse und Metermaß und Sonde,
Schaute sie auf ein gegenständliches Universum
Und auf die Scharen, die darin leben und sterben,
Auf den Körper des Raumes und die fliehende Seele der Zeit,
Und nahm die Erde und Sterne in ihre Hände,
Um zu sehen, was mit diesen seltsamen Dingen zu machen sei.
In ihrem starken zielstrebigen emsigen Mental,
Ausdenkend ihre Grundrisse der Wirklichkeit
Und die geometrischen Kurven ihres Zeitplanes,
Vermehrte sie ihre schiefen Halbschnitte an der Wahrheit:
Unduldsam gegenüber Rätselhaftem und Unbekanntem,
Intolerant gegenüber dem Eigenwilligen und Einzigartigen,
Ein Abbild dem Lauf der Kraft aufzwingend,
Klarheit dem Unergründbaren aufzwingend,
Mühte sie sich, die mystische Welt auf Regeln zu beschränken.
Nichts wusste sie, aber hoffte, alles zu wissen.
In dunklen nichtbewussten Reichen, einst leer von Denken,
Beauftragt von einer höchsten Intelligenz
Ihren Strahl auf die obskure Weite zu richten,
Ein unvollkommenes Licht, das eine irrende Masse
Durch die Macht des Sinnes und der Idee und des Wortes führt,
Erspürt sie Prozess, Substanz und Ursache der Natur.
Durch Kontrolle des Denkens das ganze Leben zu harmonisieren,
Kämpft sie noch immer mit dem gewaltigen Durcheinander;
Nichts kennend außer dem eigenen suchenden Mental,
Kam sie, um die Welt von Unwissenheit zu befreien.
Als souveräne Arbeiterin durch die Jahrhunderte hindurch,
Beobachtend und neu gestaltend alles, was ist,
Nahm sie vertrauensvoll ihre enorme Verantwortung an.
Dort sitzt die tief gebeugte und mächtige Gestalt
Gebückt unter den Bogenlampen ihrer Heim-Fabrik
Inmitten des Klapperns und Klirrens ihrer Werkzeuge.
Mit einem strengen Blick in ihren schöpferischen Augen,
Zwingend den plastischen Stoff des kosmischen Mentals,
Bringt sie die schwierigen Erfindungen ihres Gehirns
In ein Modell von ewiger Beständigkeit:
Gleichgültig gegenüber der kosmischen stummen Forderung,
Unbewusst allzu naher Wirklichkeiten,
Des ungesprochenen Gedankens, des stimmlosen Herzens,
Schmiedet sie ihre Glaubenssätze und eisernen Regeln
Und Stahlkonstrukte, um Leben einzusperren,
Und mechanische Modelle von allen Dingen, die es gibt.
Statt gesehener Welt, webt sie eine begriffliche Welt:
Sie spinnt in steifen, aber substanzlosen Linien
Ihre hauchdünnen Wortgewebe abstrakten Denkens,
Ihre Teilsysteme von der Unendlichkeit,
Ihre Theodizeen und kosmogonischen Tafeln
Und Mythen, durch die sie Unerklärliches erklärt.
Nach Belieben platziert sie in der dünnen Luft des Mentals,
Wie Karten im Schulhaus des Intellektes aufgehängt,
Zwingend weite Wahrheit in ein enges Schema,
Ihre zahllos widerstreitenden strengen Philosophien;
Aus dem Erscheinungskörper der Natur
Schneidet sie mit des Denkens scharfer Klinge in starren Zügen,
Wie Gleise für den Lauf der Macht des Weltmagiers,
Ihre Wissenschaften, exakt und absolut.
An die riesigen kahlen Wände menschlichen Nichtwissens
Schreibt sie um die tiefen stummen Hieroglyphen der Natur
In klaren demotischen Buchstaben
Die weite Enzyklopädie ihrer Gedanken;
Eine Algebra ihrer mathematischen Zeichen,
Ihrer Zahlen und irrtumsfreien Formeln,
Errichtet sie, um der Dinge Summe zu ziehen.
Auf allen Seiten verläuft wie in einer kosmischen Moschee,
Den Schriftversen ihrer Gesetze folgend,
Das Dädalische ihrer formenreichen Arabesken,
Kunst ihrer Weisheit, Fertigkeit ihrer Kunde.
Diese Kunst, diese Fähigkeit sind ihr einziges Gut.
In ihren hohen Werken reiner Intelligenz,
In ihrem Rückzug aus der Falle der Sinne,
Kommt es nicht zum Durchbrechen der Mauern des Mentals,
Kein spaltender Blitz schlägt mit absoluter Macht ein,
Kein Licht von himmlischer Gewissheit dämmert.
Millionen Gesichter hat ihr Wissen hier
Und ein jedes Antlitz trägt den Turban eines Zweifels.
Jetzt wird alles in Frage gestellt, alles auf ein Nichts reduziert.
Einst monumental in ihrem wuchtigen Machwerk,
Verschwinden ihre alten großen mystischen Schriften
Und an ihre Stelle treten strikte flüchtige Zeichen;
Dieser stete Wechsel heißt in ihren Augen Fortschritt:
Ihr Denken ist ein endloser Marsch ohne ein Ziel.
Es gibt keinen Gipfel auf dem sie stehen
Und mit einem Blick das Unendliche in seiner Gesamtheit sehen kann.
Ein ergebnisloses Spiel ist das Mühen der Vernunft.
Als Werkzeug dient sie jeder starken Idee;
Akzeptierend jedes Mandat vertritt sie ihre Sache.
Für jeden Gedanken offen, kann sie nichts wissen.
Die ewige Advokatin, zu Gericht sitzend,
Wappnet mit hieb- und stichfester Rüstung der Logik
Tausend Streiter, die nach der Wahrheit verhülltem Throne trachten,
Und hebt sie auf ein hohes Ross der Argumentation,
Um mit wortreicher Lanze fortwährend gegeneinander anzurennen
In einem Scheinturnier, das keiner gewinnen kann.
Prüfend die Werte des Denkens mit ihren strengen Kontrollen,
Sitzt sie ausgeglichen da auf weiter und leerer Luft,
Fern und rein in ihrer unparteiischen Haltung.
Absolut scheint ihr Urteil, ist aber nie gewiss;
Zeit hebt alle ihre Urteilssprüche in der Berufung auf.
Obgleich ihr Wissen wie Sonnenglanz auf unser Glühwurm-Mental
Von einem klaren Himmel zu fallen vorgibt,
Ist jenes Strahlen nur Lampenschein in der Nacht;
Der Unwissenheit wirft sie über ein glitzerndes Gewand.
Aber jetzt ist ihr uralter souveräner Anspruch verwirkt,
Das hohe Reich des Mentals unumschränkt zu regieren,
Denken mit geschmiedet zuverlässiger Kette der Logik zu binden
Oder Wahrheit nackt in einem hellen abstrakten Nebel zu sehen.
Als Meisterin und Sklavin bloßer Phänomene
Reist sie auf den Straßen irrender Sicht
Oder blickt auf eine fertige mechanische Welt,
Für sie von ihren Instrumenten konstruiert.
Ein Ochse, vor den Karren bewiesener Tatsachen gespannt,
So zieht sie große Wissensballen durch den Staub der Materie
Zum riesigen Basar der Nützlichkeit.
Zum Lehrmädchen ihres alten Kulis ist sie geworden;
Ein beistehender Sinn ist der Richtungsgeber ihrer Suche.
Als Prüfstein verwendet sie jetzt diesen.
Als wüsste sie nicht, dass Tatsachen Hülsen der Wahrheit sind,
Behält sie nur die Hülsen, die Kerne wirft sie weg.
Eine uralte Weisheit schwindet in die Vergangenheit,
Der Glaube der Zeitalter wird zum eitlen Märchen,
Aus dem erwachten Denken weicht Gott hinweg,
Ein alter ausgedienter Traum, den niemand mehr braucht:
Sie sucht nur Schlüssel der mechanischen Natur.
Interpretierend unerbittliche Steingesetze,
Wühlt sie im harten verbergenden Boden der Materie,
Um die Abläufe aller geschaffenen Dinge ans Licht zu bringen.
Ein beladener riesiger selbsttätiger Apparat erscheint
Dem begierigen und staunenden Starren ihres Auges,
Ein komplizierter und bedeutungsloser Mechanismus
Von geordnet schicksalhaftem und unfehlbarem Zufall:
Genial und akribisch und minutiös,
Entrollt seine brachiale unbewusst akkurate Vorrichtung
Einen zielsicheren Marsch, kartographiert eine sichere Straße;
Er plant ohne Denken, handelt ohne Willen,
Dient Millionen Zwecken ohne einen Zweck
Und baut eine vernünftige Welt ohne Verstand.
Er hat keinen Antreiber, keinen Ersteller, keine Idee:
Seine gewaltige Selbsttätigkeit schuftet ohne jeden Grund;
Eine leblose Energie, unwiderstehlich getrieben,
Des Todes Haupt auf dem Körper der Notwendigkeit,
Erzeugt Leben und ruft Bewusstsein ins Leben,
Und fragt sich dann, warum alles war und woher er kam.
Unsere Gedanken sind Teile des immensen Apparates,
Unser Sinnieren nur eine Laune des Gesetzes der Materie,
Die Kunde des Mystikers war ein Hirngespinst oder ein Blendwerk;
Seele oder Geist brauchen wir nun nicht mehr:
Materie ist die bewundernswerte Wirklichkeit,
Das offenkundig unausweichliche Wunder,
Die harte Wahrheit der Dinge, einfach, ewig, allein.
Eine selbstmörderisch überstürzte Verausgabung,
Die Welt erschaffend durch ein Mysterium von Selbstverlust,
Hat ihre verstreuten Werke leerem Raum zugegossen;
Schließlich wird die selbstauflösende Kraft
Die von ihr geschaffene immense Ausdehnung zusammenziehen:
Dann endet dies mächtige und sinnlose Mühen,
Nackt bleibt die Leere zurück, öde wie zuvor.
So bestätigt, gekrönt, hat das großartige neue Denken
Die Welt erklärt und all ihre Gesetze gemeistert,
Die stummen Wurzeln angerührt, verhüllte riesige Mächte geweckt;
Es hat die unbewussten Djinns in seinen Dienst gezwungen,
Die ungenutzt in unwissender Trance der Materie schlafen.
Alles war genau, starr, unbezweifelbar.
Als aber, gegründet auf urzeitlichem Fels der Materie,
Ein Ganzes aufstand, fest und klar und sicher,
Da taumelte alles zurück in ein Meer von Zweifel;
Dieses solide Schema schmolz in endlosem Fluss:
Sie war der formlosen Macht begegnet, der Erfinderin aller Formen;
Plötzlich stolperte sie über ungesehene Dinge:
Ein Blitz aus der unentdeckten Wahrheit
Erschreckte ihre Augen mit seinem verwirrend grellen Schein
Und riss eine Kluft zwischen dem Wirklichen und dem Bekannten,
Bis all ihr Wissen nur noch Unwissen schien.
Und wieder ward die Welt zu einem Wundergewebe gemacht,
Zum Prozess einer Magie in einem magischen Raum,
Zu Tiefen eines unverständlichen Wunders,
Deren Ursprung im Unbeschreibbaren verloren ging.
Und wieder stehen wir vor dem reinen Unerkennbaren.
In einem Einsturz der Werte, in einem großen Untergangsknall,
Im Sprühen und Splittern ihres berstenden Werkes
Verlor sie ihre klar konservierte konstruierte Welt.
Ein Quantentanz blieb, ein Wirrwarr des Zufalls
Im gewaltigen leichtfüßig tanzenden Wirbel der Energie:
Eine unaufhörliche Bewegung in der grenzenlosen Leere
Erfand Formen ohne Denken oder Ziel:
Notwendigkeit und Ursache waren gestaltlose Gespenster;
Materie war ein Zwischenfall im Fluss des Seins,
Gesetz bloß Uhrwerk-Gewohnheit einer blinden Kraft.
Ideale, Ethik, Systeme hatten keine Basis
Und brachen bald zusammen oder lebten ohne Sanktionierung;
Alles wurde zu einem Chaos, einem Hickhack und Gezänk und Kampf.
Ideen, kriegerisch und ungestüm, stürzten sich aufs Leben;
Ein harter Druck hielt nieder die Anarchie
Und Freiheit war nur der Name eines Phantoms:
Schöpfung und Zerstörung tanzten Walzer Arm in Arm
Auf der Brust einer zerrissenen und bebenden Erde;
Alles taumelte in eine Welt von Kalis Tanz.
So gestürzt, versinkend, sich in der Leere ausbreitend,
Nach Halt greifend, nach einem Boden zum Stehen,
Sah sie nur eine dünne atomare Weite,
Das spärlich gepunktete dünne Substrat Universum,
Auf dem das phänomenale Gesicht einer festen Welt schwimmt.
Dort gab es bloß den Ablauf von Ereignissen
Und die plastische und proteische Wandlung der Natur,
Und, stark durch Tod zu vernichten oder zu erschaffen,
Die allmächtige Kraft von gespalten unsichtbarem Atom.
Eine Möglichkeit blieb, dass hier eine Macht sein könnte,
Den Mensch von den alten unzulänglichen Mitteln zu befreien
Und ihn als Herrscher über den irdischen Schauplatz zurückzulassen.
Denn Vernunft könnte dann die ursprüngliche Kraft ergreifen,
Um ihren Wagen auf den Straßen der Zeit zu steuern.
Dann könnte alles dem Bedürfnis der denkenden Art dienen,
Ein absoluter Staat das Absolute einer Ordnung gründen,
Nach einer standardisierten Vollkommenheit alle Dinge regeln,
Die Gesellschaft zu einem gerecht exakten Apparat aufbauen.
Dann könnten Wissenschaft und Vernunft ohne Rücksicht auf die Seele
Eine beschaulich einheitliche Welt auswalzen,
Äonische Suche mit äußeren Wahrheiten stillen
Und mentalen Geist mit einem einzigen Gedankenmuster sättigen,
Den Träumen des Geistes die Logik der Materie auferlegen,
Ein vernunftbegabtes Tier aus dem Menschen machen
Und aus seinem Leben eine symmetrische Struktur.
Dies wäre dann der Gipfel der Natur auf einem dunklen Erdball,
Das großartige Resultat der Mühen vieler Zeitalter,
Der Erde Evolution gekrönt, ihre Mission erfüllt.
So könnte es sein, wäre der Geist eingeschlafen;
Der Mensch wäre dann zufrieden und könnte in Frieden leben,
Herr der Natur, der einst ihr Leibeigener war,
Die Unordnung der Welt würde zum Gesetz erstarren, –
Revoltierte nicht des Lebens furchtbares Herz,
Fände Gott im Innern nicht größeren Plan.
Doch vielgesichtig ist die kosmische Seele;
Eine Berührung kann ändern die starre Stirnseite des Geschicks.
Eine plötzliche Wendung kann kommen, ein Weg erscheinen.
Ein größeres Mental mag eine größere Wahrheit sehen,
Oder wir finden, wenn alles andere versagt hat,
Versteckt in uns selbst den Schlüssel zur perfekten Wandlung.
Aufsteigend von dem Boden, wo unsere Tage kriechen,
Mag das Bewusstsein der Erde sich mit der Sonne vermählen,
Unser sterbliches Leben auf den Schwingen des Geistes reiten,
Unser endliches Denken mit dem Unendlichen verkehren.
In den hellen Königreichen der aufgehenden Sonne
Ist alles eine Geburt in die Macht des Lichtes:
Was hier missgestaltet ist, bewahrt dort seine freudvolle Gestalt,
Was hier vermischt und vermindert ist, dort ist es rein und ganz;
Doch jedes ist ein Zwischenschritt, die Phase eines Augenblicks.
Erwacht zu einer größeren Wahrheit jenseits ihrer Taten,
Saß die Vermittlerin und sah ihre Werke
Und fühlte das Wunder darin und die Kraft,
Kannte aber die Macht hinter dem Antlitz der Zeit:
Sie erledigte die Aufgabe, folgte dem gewährten Wissen,
Ihr tiefes Herz sehnte sich nach großen idealen Dingen
Und schaute vom Licht nach umfassenderem Licht:
Eine glänzende Hecke, um sie herum gezogen, beengte ihre Macht;
Getreu ihrem begrenzten Feld des Wirkens schuftete sie, wusste aber,
Dass sein höchster, weitester Ausblick nur eine Halbsuche war,
Seine mächtigste Tat nur ein Übergang oder eine Stufe.
Denn nicht von Vernunft ward Schöpfung geschaffen
Und nicht von Vernunft kann die Wahrheit gesehen werden,
Die durch die Schleier des Denkens, die Abschirmung der Sinne
Kaum sich erspähen lässt von der Schau des Geistes,
Getrübt durch das Unvollkommene seiner Mittel:
Das kleine Mental ist gebunden an kleine Dinge:
Sein Sinn ist des Geistes äußere Berührung nur,
Halb erwacht in einer Welt dunkler Nichtbewusstheit;
Es tastet nach seinen Wesen und seinen Formen
Wie einer, der in der unwissenden Nacht herumtappt.
In dieser kleinen Gussform von kindlichem Mental und Sinn
Ist Begier das Weinen eines Kinderherzens, das nach Glück schreit,
Unsere Vernunft nur ein Spielzeugmacher,
Ein Regelsetzer in einem seltsam verwirrenden Spiel.
Doch sie kannte ihre Zwerggehilfen, deren zuversichtliche Schau
Eine vorherbestimmte Erfolgsaussicht für das ferne Ziel hielten.
Die Welt, die sie gemacht hat, ist ein Zwischenbericht
Eines Wanderers zur halbgefundenen Wahrheit in Dingen,
Sich bewegend zwischen Nichtwissen und Nichtwissen.
Denn nichts wird gewusst, solange etwas im Verborgenen bleibt;
Die Wahrheit wird nur erkannt, wenn alles gesehen wird.
Angezogen von dem Ganzen, welches der Eine ist,
Ersehnt sie ein höheres Licht als das ihrige;
Versteckt von ihren Kulten und Glaubenssätzen ahnt sie Gottes Antlitz:
Sie weiß, sie hat nur eine Form gefunden, ein Gewand,
Doch hofft sie beständig, ihn in ihrem Herzen zu sehen
Und den Körper seiner Wirklichkeit zu fühlen.
Noch ist eine Maske da und kein Gesicht,
Obwohl zuweilen zwei verborgene Augen erscheinen:
Vernunft kann diese schimmernde Maske nicht herunterreißen,
Ihre Mühen lassen sie nur noch stärker schimmern;
In Pakete schnürt sie das Unteilbare;
Findend ihre Hände zu klein, um die weite Wahrheit zu halten,
Zerlegt sie das Wissen in artfremde Teile
Oder späht durch Wolkenrisse nach einer entschwundenen Sonne:
Sie sieht, wenn auch nicht begreifend, was sie gesehen hat,
Durch die verschlossenen Gesichter der endlichen Dinge
Die Myriaden Aspekte der Unendlichkeit.
Eines Tages muss das Angesicht durch die Maske hervorbrennen.
Unsere Unwissenheit ist der Weisheit Schmetterlingspuppe,
Unser Irrtum verbindet sich auf seinem Wege eng mit neuem Wissen,
Seine Dunkelheit ist ein geschwärzter Knoten aus Licht;
Denken tanzt Hand in Hand mit Nichtwissen
Auf der grauen Straße, die sich empor zur Sonne windet.
Sogar während ihre Finger an den Knoten herumfummeln,
Die beide an ihre seltsame Kameradschaft binden,
Brechen in die Momente ihres ehelichen Zwistes
Zuweilen Blitze erleuchtenden Feuers ein.
Schon jetzt wandeln einsam erhabene Gedanken hier:
Gewappnet sind sie mit dem unfehlbaren Wort gekommen
In einer Investitur des intuitiven Lichtes,
Die eine Gutheißung von Gottes Augen ist;
Als Verkünder einer entlegenen Wahrheit flammen sie auf,
Vom Rande der Ewigkeit kommend.
Ein Feuer wird kommen aus den Unendlichkeiten,
Eine größere Gnosis wird die Welt betrachten,
Segelnd aus irgend fernem Allwissen her
Auf strahlenden Meeren vom still verzückt Alleinigen,
Um das tiefe Herz des Selbstes und der Dinge zu erleuchten.
Dem Mental wird sie ein zeitloses Wissen bringen,
Dem Leben sein Ziel, dem Unwissen sein Ende.
Hoch oben in einer atemlosen Stratosphäre lebten,
Überschattend die zwergenhafte Trinität,
Anwärter auf ein grenzenloses Jenseits,
Gefangene des Raumes, umschlossen von begrenzenden Himmeln,
Im unaufhörlichen Kreislauf der Stunden,
Ersehnend die geraden Wege der Ewigkeit,
Und von ihrem hohen Stand blickten auf diese Welt herab
Zwei sonnenschauende Geister, die alles bezeugen, was ist.
Als eine Macht, die träge Welt zu erheben,
Glitt gebieterisch daher ein gewaltig hochgeflügeltes Lebens-Denken,
Nicht gewöhnt auf dem festen gleichbleibenden Boden zu gehen:
Mit blauer Unendlichkeit vertraut
Zog es durch sonnenhelle Himmel und sternenhelle Luft;
Es sah in weiter Ferne das unerreichte Heim des Unsterblichen
Und hörte aus der Ferne die Stimmen der Götter.
Bilderstürmer und Zerschmetterer der Festungen der Zeit,
Überspringend Grenze und übersteigend Norm,
Entfachte es die Gedanken, die durch die Jahrhunderte glühen
Und spornte zu Taten von übermenschlicher Kraft.
So weit wie seine selbstfliegenden Luftschiffe fliegen konnten,
Besuchend in großen glanzvollen Vorstößen das Zukünftige,
Erkundete es Ausblicke des Traumgeschicks.
Begabt zu ersinnen, unfähig zu verwirklichen,
Zeichnete es seine Konzeptpläne und Visionspläne,
Zu groß für die Architektur des sterblichen Raumes.
Dort oben in der Weite, wo kein Fußhalt ist,
Ein Einbildner von körperlosen Ideen,
Gleichgültig gegenüber dem Schrei von Leben und Sinn,
Betrachtete ein reines Denk-Mental den kosmischen Akt.
Als Erzengel eines weißen transzendenten Reiches
Sah es die Welt aus einsamen Höhen,
Leuchtend in einer weltentrückten und inhaltslosen Luft.
Ende des zehnten Cantos
Elfter Canto
Die Königreiche und Gottheiten des größeren Mentals
Dort endeten die Grenzen der sich mühenden Macht.
Nicht aber Sein und Schöpfung enden dort.
Denn Denken transzendiert die Kreise des sterblichen Mentals,
Es ist größer als sein irdisch Instrument:
Die Gottheit, eingepfercht in den engen Raum des Mentals,
Entflieht auf allen Seiten in eine Weite,
Die ein Übergang in die Unendlichkeit ist.
Ewig bewegt es sich im Feld des Geistes
Als ein Läufer zum fernen spirituellen Lichte,
Als ein Kind und Diener der Kraft des Geistes.
Aber auch das Mental fällt zurück von einem namenlosen Gipfel.
Sein Wesen erstreckte sich über die Sicht des Denkens hinaus.
Denn ewig und unerschaffen ist der Geist
Und nicht durch Denken ward seine Größe geboren
Und nicht durch Denken kann sein Wissen kommen.
Er kennt sich selbst und in sich selbst lebt er,
Er bewegt sich, wo weder Denken noch irgendeine Form ist.
Seine Füße stehen fest auf endlichen Dingen,
Seine Schwingen wagen sich durch das Unendliche.
In sein Blickfeld gelangend, ein Wunder-Raum
Voll großer und prachtvoller Begegnungen rief seinen Schritt,
Wo Denken sich auf eine Vision jenseits des Denkens stützte
Und eine Welt aus dem Undenkbaren gestaltete.
Auf Gipfeln, die Imagination nicht betreten kann,
In den Horizonten eines unermüdlichen Sehens,
Unter einem blauen Schleier von Ewigkeit,
Waren die Herrlichkeiten des idealen Mentals zu sehen,
Ausgebreitet über die Grenzen der bekannten Dinge.
Ursprung von dem Wenigen, das wir sind,
Triebfeder für das unendliche Mehr, das wir sein müssen,
Eine Stütze all dessen, was menschliche Stärke bewirkt,
Erwecker von Hoffnungen, auf Erden unerfüllt,
Streckt es sich aus über das expandierende Universum;
Es fliegt über die Grenzen des Traumes hinaus,
Es übersteigt die Gipfelhöhe des Lebens Höhenflug.
Wach in einer lichten Sphäre, ungebunden durch Denken,
Ausgesetzt allwissenden Unermesslichkeiten,
Wirft es seine großen gekrönten Einflüsse auf unsere Welt,
Seine Schnelle, die das Schlendern der Stunden übertrifft,
Seine Kraft, die unbesiegbar durch die Zeit schreitet,
Seine Mächte, die die Kluft zwischen Mensch und Gott überbrücken,
Seine Lichter, die Unwissenheit und Tod bekämpfen.
In seinem weiten Umkreis von idealem Raum,
Wo Schönheit und Mächtigkeit Hand in Hand gehen,
Nehmen des Geistes Wahrheiten als lebendige Götter Gestalt an
Und jeder kann eigenständig eine Welt erbauen.
In einer Luft, die Zweifel und Irrtum nicht trüben können
Mit den Stigmata ihrer Missgestalt,
In Kommunion mit dem sinnierenden Eigenleben
Einer Wahrheit, die in untrüglichem Lichte sieht,
Wo das Sehen nicht schwankt noch Denken schweift,
Verschont von unserer Welt maßlosem Tribut an Tränen,
Schauen träumerisch seine lichten Schöpfungen
Auf die Ideen, die Ewigkeit bevölkern.
In einem Sonnenglanz von Freude und absoluter Macht
Thronen die Meister des Ideals hoch oben
In Sitzungen gesicherter Glückseligkeit,
In Regionen erleuchteter Sicherheit.
Fern sind diese Reiche von unserem Mühen, Sehnen und Rufen,
Verschlossen sind der Vollendung Reich und geweihtes Heiligtum
Den unklaren Gedanken des menschlichen Mentals,
Weitab vom wirren Schritt sterblichen Lebens.
Weil aber unser heimliches Selbst der nächste Verwandte ist,
Besucht ein Hauch von unerreichter Göttlichkeit
Die unvollkommene Erde, auf der wir uns plagen;
Durch das goldne Lachen eines schimmernden Äthers
Fällt ein Licht auf unser leidiges unzufriedenes Leben,
Kommt ein Gedanke hernieder aus den idealen Welten
Und bewegt uns, sogar hier neu zu gestalten
Ein Ebenbild von deren Größe und Reiz
Und Wunder jenseits des Feldes sterblicher Hoffnung.
Inmitten der schweren Gleichförmigkeit der Tage
Und im Widerspruch zum menschlichen Gesetz,
Lebt ein Glaube an Dinge, die nicht sind aber sein müssen,
Als Kamerad von Freude und Schmerz dieser Welt,
Das Kind des verbotenen Wunsches der geheimen Seele,
Geboren aus ihrer großen Liebe zur Ewigkeit.
Unser Geist reißt sich frei von seiner Umgebung los;
Die Zukunft bringt ihr Antlitz von Wunder nahe,
Ihre Gottheit blickt uns mit gegenwärtigen Augen an;
Für unmöglich gehaltene Taten werden ganz natürlich;
Wir fühlen die Unsterblichkeit des Helden;
Der Mut und die Stärke, die der Tod nicht berühren kann,
Erwachen in Gliedern, die sterblich sind, im Herz, das versagt;
Wir bewegen uns durch den schnellen Impuls eines Willens,
Der das säumige Stapfen sterblicher Zeit verspottet.
Diese Eingebungen kommen nicht aus einer fremden Sphäre:
Wir selbst sind Bürger von jenem Mutterland,
Abenteurer, wir haben die Nacht der Materie besiedelt.
Doch jetzt sind unsere Rechte gesperrt, unsere Pässe ungültig;
Wir haben uns selbst verbannt aus unserem himmlischeren Heim.
Ein umherschweifender Strahl aus dem unsterblichen Mental
Nahm die Blindheit der Erde an und wurde
Unser menschliches Denken, Diener der Unwissenheit.
Ein Verbannter, Arbeiter auf diesem unsicheren Erdball,
Gefangen und getrieben im nichtwissenden Griff des Lebens,
Gehemmt von dunkler Zelle und tückischem Nerv,
Träumt er von glücklicherem Stand und edleren Mächten,
Dem natürlichen Vorrecht ungefallener Götter,
Sich noch entsinnend seiner alten verlorenen Souveränität.
Inmitten der Erde Dunst und Nebel, Schlamm und Gestein,
Gedenkt er noch seiner erhabenen Sphäre
Und der hohen Stadt seiner herrlichen Geburt.
Aus verlorenen Himmeln der Wahrheit schleicht sich eine Erinnerung ein,
Eine umfassende Befreiung naht, eine Glorie ruft,
Eine Macht hält Ausschau, eine fremd gewordene Glückseligkeit.
In glamourösen Passagen aus halbverschleiertem Lichte
Wandernd, ein schimmernder Schatten seiner selbst,
Dieser schnelle unsichere Führer blinder Götter,
Dieser Versorger kleiner Lampen, dieser Minister-Knecht,
Angeheuert von einem Mental und Körper für den Erdgebrauch,
Vergisst sein Werk inmitten roher Wirklichkeiten;
Er gewinnt sein aufgegebenes kaiserliches Recht zurück,
Er trägt wieder ein purpurnes Gewand des Denkens
Und weiß sich selbst als Seher und König des Ideals,
Übermittler und Prophet des Ungeborenen,
Erbe von Wonne und Unsterblichkeit.
Alle Dinge sind wirklich, die hier nur Träume sind,
In unseren unbekannten Tiefen schläft ihr Vorrat an Wahrheit,
Auf unseren unerreichten Höhen herrschen sie und kommen zu uns
Im Denken und Sinnen, hinter sich herziehend ihr Gewand aus Licht.
Doch unser zwergenhafter Wille und kalter pragmatischer Sinn
Lassen die himmlischen Besucher nicht herein:
Harrend unser auf den Gipfeln des Ideals
Oder in unserem geheimen Selbst ungesehen gehütet
Doch manchmal blitzend durch die erwachte Seele,
Sind ihre Größe, Schönheit und Macht unserem Leben verborgen.
Unsere Gegenwart spürt zuweilen ihre königliche Berührung,
Unsere Zukunft strebt nach ihren leuchtenden Thronen:
Aus spiritueller Heimlichkeit blicken sie hervor,
Unsterbliche Schritte erschallen in den Gängen des Mentals:
Unsere Seele kann die strahlenden Ebenen ersteigen,
Die Breiten, aus denen sie kamen, können unsere Heimat sein.
Sein Vorrecht schattenlosen Schauens zurückgewonnen,
Betrat der Denker die Luft der Unsterblichen
Und trank erneut seinen reinen und gewaltigen Quell.
Unwandelbar in rhythmischer Ruhe und Freude
Sah er, unumschränkt frei in grenzenlosem Licht,
Die ungefallenen Ebenen, die vom Denken geschaffenen Welten,
Wo Wissen der Führer des Handelns ist
Und Materie aus denkender Substanz besteht,
Gefühl, ein Himmelsvogel, auf träumenden Schwingen schwebend,
Dem Ruf der Wahrheit antwortet wie auf die Stimme der Eltern,
Form leuchtend dem allgestaltenden Strahl entspringt
Und Wille ein bewusster Wagen der Götter ist,
Und Leben, ein herrlicher Strom besinnlicher Kraft,
Die Stimmen der mystischen Sonnen mit sich trägt.
Ein Glück bringt es von geflüsterter Wahrheit;
Da strömt in seinem Fluss, versüßend den Schoß des Raumes,
Ein Lachen aus dem unsterblichen Herz der Seligkeit,
Die unergründbare Freude der Zeitlosigkeit,
Der Klang des Murmelns der Weisheit im Unbekannten
Und der Atem einer ungesehenen Unendlichkeit.
In schimmernden Klarheiten von amethystfarbener Luft
Sinnierte der kettenlose und allmächtige Geist des Mentals
Auf dem blauen Lotus der Idee.
Eine goldne überirdische Sonne zeitloser Wahrheit
Goss das Geheimnis des ewigen Strahles herab
Durch ein Schweigen, das vom Wort des Lichtes erbebte,
Auf einen grenzenlosen Ozean der Entdeckung.
In der Ferne sah er die sich einenden Hemisphären.
Auf dem aufsteigenden Grat der Trance der Meditation
Klommen große Stufen des Denkens gen ungeborener Höhen,
Wo die letzten Kuppen der Zeit die Himmel der Ewigkeit berühren
Und Natur zum Absoluten des Geistes spricht.
Zuerst kam ein dreifaches Reich geordneten Denkens,
Ein kleiner Anfang eines immensen Aufstiegs:
Oben waren helle ätherische Himmelsräume des Mentals,
Ein dichtes und endloses Hinaufragen, als drängte Himmel an Himmel,
Gegen die Leere gestützt auf bastioniertem Lichte;
Das Höchste strebte nach Nachbarschaft zur Ewigkeit,
Das Weiteste dehnte in das Unendliche sich aus.
Doch obwohl unsterblich, mächtig und göttlich,
Waren die ersten Reiche dem menschlichen Mental verwandt und nah;
Ihre Gottheiten gestalten die Straßen unseres größeren Denkens,
Ein Bruchteil ihrer Kraft kann die unsre sein:
Diese Breiten waren nicht zu weit für das Durchwandern unserer Seele,
Diese Höhen waren nicht zu hoch für menschliches Hoffen.
Eine dreifache Treppenflucht führte zu dieser dreifachen Welt.
Obwohl für das Ersteigen gewöhnlicher Stärke abschüssig,
Blickt ihr aufsteigender Hang zu unserer Erdenlage hernieder:
Auf einem nicht allzu steilen Abhang
Konnte man umkehren, wandernd auf tief absteigenden Bahnen,
Um mit dem Universum des Sterblichen zu verkehren.
Die mächtigen Hüter der aufwärtsführenden Treppe,
Die bei dem allschöpferischen Wort Fürsprache einlegen,
Harrten dort der himmelsgebundenen Pilger-Seele;
Bei sich tragend die tausend Schlüssel des Jenseits,
Boten sie dem aufwärts steigenden mentalen Geist ihr Wissen an
Und erfüllten das Leben mit Denkens Unermesslichkeiten.
Die Propheten-Hierophanten des okkulten Gesetzes,
Die flammenhellen Hierarchen der göttlichen Wahrheit,
Dolmetscher zwischen dem Mental des Menschen und dem Gottes,
Sie bringen das unsterbliche Feuer den sterblichen Menschen.
Schillernd, das Unsichtbare verkörpernd,
Traten die Hüter der hellen Grade des Ewigen
In strahlenden Phalanxen vor die Sonne.
Aus der Ferne schienen sie ein Symbolbild zu sein,
Erleuchtete Originale der schattenhaften Schrift,
Wo hinein unsere Schau den idealen Strahl überträgt,
Oder Ikonen, darstellend eine mystische Wahrheit,
Doch näher, Götter und lebendige Gegenwärtigkeiten.
Eine Reihe von Friesen kennzeichnete die untersten Stufen;
Fantasievoll verziert und üppig im Kleinen,
Hatten sie Raum für die ganze Bedeutung einer Welt,
Winzige Symbole der Freude ihrer Vollkommenheit,
Seltsame Tiergeschöpfe, die der Natur Kräfte lebendig machten,
Und, zum Wunder seiner Rolle erwacht,
Der Mensch, herangewachsen zum unentstellten Ebenbild Gottes,
Und Dinge, feine Prägungen der Schönheit Reich;
Weit aber waren die Gelände, die diese Ebenen bedienen.
Vor der aufsteigenden Epiphanie standen
Der Weltzeit Genießer, Lieblinge der Weltseligkeit,
Die Meister aktueller Dinge, Herren der Stunden,
Spielgefährten der jugendlichen Natur und des kindlichen Gottes,
Schöpfer der Materie durch verborgenen Druck des Mentals,
Deren feine Gedanken unbewusstes Leben stützen
Und die Fantasie gefühlloser Geschehnisse lenken,
Ein Geschlecht junger scharfblickender Götter,
Königskinder, geboren auf den frühen Ebenen der Weisheit,
Gelehrt in ihrer Schule das mystische Spiel des Welterschaffens.
Als Erzbaumeister des ewigen Thaumaturgen,
Former und Vermesser zerteilten Raumes,
Haben sie nach ihrem Plan von dem Verborgenen und Bekannten
Dem unsichtbaren König ein Wohnhaus gebaut.
Folgend dem tiefen Geheiß des Ewigen,
Haben sie an der materiellen Front der Dinge
Diesen weiten Weltkindergarten junger Seelen eingerichtet,
Worin der kindliche Geist durch Verstand und Sinn erlernt,
Die Buchstaben der kosmischen Schrift zu lesen
Und den Körper des kosmischen Selbstes zu studieren
Und nach dem geheimen Zweck des Ganzen zu suchen.
Allem, was Geist sich vorstellt, dem geben sie eine Form;
Natur verleitend zu sichtbaren Stimmungen,
Verleihen sie Grenzenlosem eine endliche Gestalt.
Jedwede Kraft, die dem Ungeoffenbarten entsprang,
Die Weite von des Ewigen Frieden verlassend,
Fassten und hielten sie mit ihrem prüfendem Blick
Und schufen eine Figurantin im kosmischen Tanz.
Seine freie Launenhaftigkeit banden sie durch rhythmische Gesetze
Und zwangen zur Einhaltung von Position und Linie
Im Zauberspiel eines geordneten Universums.
Der Allenthaltende war in einer Form enthalten,
Einssein ward in messbare Einheiten zerlegt,
Das Grenzenlose in eine kosmische Summe gebracht:
Nicht endender Raum ward in eine Krümmung gehämmert,
Unteilbare Zeit in kurze Minuten geschnitten,
Das unendlich Kleine zur Masse zusammengeballt, um das Mysterium
Des zur Form gewordenen Formlosen zu bewahren.
Ihr unbezwingliches Handwerk erfand zum Gebrauch
Die Magie der Zahlenfolge und den Bann des Zeichens,
Die wundersame Macht der Formgebung wurde erfasst,
Mit Schönheit und Bedeutung befrachtet
Und durch die bestimmende Weisung ihres Blickes
Vereinigten sich gleichsetzend Gestalt und Qualität
In einer unentwirrbaren Übereinstimmung.
Jedem Geschehen drückten sie dessen Gesetzeskurven auf
Und seinen Auftrag und die Last der aufgebürdeten Umstände;
Kein freies und göttliches Ereignis mehr,
Allzeit gewollt oder Abenteuer der Seele,
Verlängerte es eine schicksalgebundene mysteriöse Kette,
Eine vorhergesehene Linie in einem unveränderlichen Plan,
Ein Schritt mehr im langen Marsch der Notwendigkeit.
Jeder eifrigen Macht ward eine Frist gesetzt,
Die ihren Willen zügelte, die Welt zu vereinnahmen,
Ein Gleis aus Bronze war für Kraft und Tat vorgeschrieben
Und jedem Augenblick sein Platz zugewiesen,
Unabänderlich vorbestimmt in der spiralförmigen
Riesigen Zeitschleife, die vor der Ewigkeit flieht.
Unausweichlich zwangen ihre Gedanken, wie Glieder des Schicksals,
Dem sprunghaften und blitzschnellen Lauf des mentalen Geistes
Und dem schwächlichen und zufälligen Fluss des Lebens
Und der Freiheit der atomaren Dinge
Unabänderliche Ursache und unerbittliche Konsequenz auf.
Idee ließ ab vom formbar Unendlichen,
Für das sie einst geboren war und entwarf stattdessen
Kleine separate Schritte der Verkettung in einem Handlungsablauf:
Einst unsterblich, nun an Geburt und Ende gebunden,
Herausgerissen aus der Unmittelbarkeit ihres irrtumslosen Sehens,
Ward Wissen aus den Zellen der Schlussfolgerung neu erbaut
Zu einem festen Körper, gebrechlich und vergänglich;
Derart gebunden wuchs sie, doch konnte nicht dauern und zerbrach
Und hinterließ an ihrer Stelle den Körper eines neuen Denkens.
Ein Käfig für die großäugigen seraphimen Gedanken des Unendlichen
War kreuz und quer verschlossen mit einem Gitter aus Weltgesetzen
Und sperrte in den Bogen eines knapp gefassten Horizontes
Die irisierte Vision des Unbeschreibbaren ein.
Ein zeitloser Geist ward zum Sklaven der Stunden gemacht;
Der Ungebundene ward ins Gefängnis der Geburt geworfen,
Um eine Welt zu schaffen, begreif- und beherrschbar für das Mental.
Auf einer Erde, die zu tausend Sonnen blickte,
Damit Erschaffenes Herr der Natur werde
Und die Tiefen der Materie von einer Seele durchstrahlt,
Banden sie an Zeitmaß und Norm und endlichen Umfang
Die millionenfältig mystifizierte Bewegung des Einen.
Oben stand gereiht ein feines Erzengel-Geschlecht
Mit größeren Lidern und Blicken, die das Ungesehene absuchten.
Ein Licht befreienden Wissens schien
Durch die Klüfte des Schweigens in ihren Augen;
Sie lebten im Mental und kannten die Wahrheit von innen;
Ein Sehen, zurückgezogen in das konzentrierte Herz,
Durchdrang den Schirm der Resultate der Zeit
Und sichtbarer Dinge starre Prägung und Form.
Was immer der engen Schlinge der Konzeption entging,
Gewahrte und erfasste die Schau; ihr sehendes Denken
Füllte die Lücken, die der suchende Sinn hinterließ.
Hohe Architekten des Möglichen
Und Ingenieure des Unmöglichen,
Mathematiker der Unendlichkeiten
Und Theoretiker unwissbarer Wahrheiten,
Sie alle formulieren die Postulate des Rätsels
Und verknüpfen das Unbekannte mit den erkennbaren Welten.
Als Akolythen dienen sie der zeitlosen Macht,
Den Zyklus von deren Werken erkunden sie;
Durch deren Umfriedung wortloser Heimlichkeit
Drang ihr mentaler Geist in deren okkultes Mental ein
Und zeichnete das Diagramm von deren geheimen Gedanken nach;
Sie lasen die von ihr versiegelten Kodexe und Chiffren,
Machten Abschriften von all ihren verwahrten Plänen
Und jeder Wendung ihres mysteriösen Laufes
Wurde ein Grund und eine unveränderliche Regel zugewiesen.
Das Ungesehene ward sichtbar für Forscher-Augen,
Erklärt das Schema des immensen Nichtbewussten,
Mit kühnen Linien das Leere überzogen;
Das Unendliche war auf Quadrat und Kubus reduziert.
Einordnend Symbol und Bedeutung,
Aufzeichnend die Kurve einer transzendenten Macht,
Umrissen sie die Kabbala des kosmischen Gesetzes,
Entdeckten die ausgleichende Linie der Technik der Lebensmacht
Und strukturierten ihre Magie und ihr Mysterium.
Der Weite Schemata des Wissens aufzwingend,
Klemmten sie in Syllogismen endlichen Denkens
Die freie Logik eines unendlichen Bewusstseins,
Grammatisierten die verborgenen Rhythmen des Tanzes der Natur,
Kritisierten die Inszenierung des Dramas der Welten,
Machten Figur und Zahl zum Schlüssel all dessen, was ist:
Die Psychoanalyse des kosmischen Selbstes
Ward erspürt, seine Geheimnisse erjagt, und untersucht
Die unbekannte Pathologie des Einzigen.
Beurteilt wurde das System des Wahrscheinlichen,
Die Gefahr fliehender Möglichkeiten,
Um des Tatsächlichen unberechenbare Summe zu erklären,
Die Logarithmentafeln der Notwendigkeit verfasst,
Die dreifache Tat des Einen in ein Schema gepresst.
Entschleiert, die unvermittelt unsichtbare Fülle
An Kräften, die aus den Händen des Zufalls wirbeln,
Schienen einem gewaltigen Gebot zu gehorchen:
Ihre verschlungenen Motive arbeiteten Einheit aus.
Eine Weisheit las ihr Mental, ihnen selbst unbekannt,
Ihre Anarchie in eine Formel gestampft
Und aus ihrer kolossalen Willkür von Kraft,
Folgend der Gewohnheit ihrer Millionen Wege,
Bemerkend jede feinste Linie und jeden Strich
Eines verborgenen unabänderlichen Musters,
Aus dem Chaos der Launen des Unsichtbaren
Das Kalkül des Schicksals abgeleitet.
In seinem gescheiten Stolz auf allumfassendes Weltwissen
Überragte das Wissen des Mentals die Macht des Allwissenden:
Die kreisenden Adler-Kräfte des Ewigen,
In ihrem spurenlosen Empyreum überrascht,
Stießen herab, um dem Wink des Denkens zu gehorchen:
Jeder geheime Gott zu enthüllender Gestalt gezwungen,
Zugewiesen seine festgelegten Züge im Spiel der Natur,
Im Zickzack nach der Weisung eines Schachspielers Willen
Auf dem Schachbrett kosmischen Schicksals.
In der weiten Abfolge der Schritte des Notwendigen
Vorhergesehen, jeder Akt und Gedanke Gottes,
Deren Werte vom Bilanzbuchhalter Mental abgewogen
Und überprüft in seiner mathematisierten Allmacht,
Verlor seine göttliche Erscheinung des Wunderbaren
Und war nur eine Ziffer in einer kosmischen Summe.
Die Einfälle und blitzartigen Stimmungen der mächtigen Mutter,
Entsprungen ihrer allweisen ungezügelten Freude
In der Freiheit ihrer süßen und leidenschaftlichen Brust,
Wurden, beraubt ihrer Wunder, an Ursache und Ziel gekettet;
Ein bronzenes Götzenbild ersetzte ihre mystische Gestalt,
Die die Bewegungen der kosmischen Weiten einfängt,
In der genauen Skizze eines idealen Gesichts
War der Traumabdruck ihrer Augenwimpern außer Acht gelassen,
Die auf ihren Bögen Träume der Unendlichkeit tragen,
Das verführerische Wunder ihrer Augen eingebüßt;
Die wogenden Wellenschläge ihres weiten Ozeanherzens
Banden jene an ein Theorem geordneter Takte:
Ihre tiefen Pläne, die sie vor sich selbst verborgen hatte,
Gaben sich in ihrem Beichtstuhl preis.
Für die Geburt und den Tod der Welten legten sie ein Datum fest,
Der Durchmesser der Unendlichkeit ward gezeichnet,
Gemessen der ferne Bogen der ungesehenen Höhen
Und sichtbar gemacht die unausgeloteten sichtlosen Tiefen,
Bis alles erkannt schien, was jemals sein kann in Zeit.
Alles unterlag dem Zwang von Zahl, Name und Form;
Nichts blieb unsagbar, unberechenbar.
Und doch war ihre Weisheit umringt von einem Nichts:
Wahrheiten konnten sie finden und halten, aber nicht die eine Wahrheit:
Das Höchste war für sie unerkennbar.
Zuviel wissend, verfehlten sie das Ganze, das es zu erkennen galt:
Das unergründliche Herz der Welt blieb ungeahnt
Und das Transzendente behielt seine Heimlichkeit.
In einem erhabeneren und kühneren Aufstieg
Auf den weiten Gipfelpunkt der dreifachen Treppe
Klommen blanke Stufen wie flammende Felsen aus Gold empor,
Brennend ihren Weg zu einem reinen absoluten Firmament.
Die majestätischen und wenigen souveränen Könige des Denkens
Haben den Raum zu ihrem weiten allsehenden Blick gemacht,
Inspizierend das gewaltige Werk der Zeit:
Eine Weite alles enthaltenden Bewusstseins
Stützte das Sein in einer stillen Umarmung.
Als Fürbitter bei einem leuchtenden Ungesehenen
Empfangen sie in dem langen Durchgang zur Welt
Die Imperative des Schöpfer-Selbstes,
Befolgt von unwissender Erde, vom bewussten Himmel;
Ihre Gedanken teilen die weite Aufsicht mit ihm.
Dort existiert ein großes allbeherrschendes Bewusstsein
Und das Mental dient ohne zu wissen einer höheren Macht;
Es ist ein Kanal, nicht der Ursprung von allem.
Der Kosmos ist kein Missgeschick in der Zeit;
Es liegt ein Sinn in jedem Spiel des Zufalls,
Es gibt eine Freiheit in jedem Antlitz des Schicksals.
Eine Weisheit kennt und führt die geheimnisvolle Welt;
Ein Wahrheitsblick formt ihre Wesen und Geschehnisse;
Ein Wort, selbstgeboren auf den Höhen der Schöpfung,
Stimme des Ewigen in den zeitlichen Sphären,
Prophet von allem, was das Absolute schaut,
Sät in die Gestalt die Bedeutung der Idee
Und aus jener Saat entsteht alles Wachstum der Zeit.
Auf Gipfeln jenseits unseres Horizontes thront die Allweisheit:
Ein einziger und unfehlbarer Blick schaut herab,
Ein stiller Hauch aus der überirdischen Luft
Erweckt zu unkundigem Wissen im Tätigsein
Die geheime Macht in den nichtbewussten Tiefen,
Zwingend die verblendete Gottheit aufzutauchen,
Bestimmend den nackten Tanz der Notwendigkeit
Während sie durch den Kreis der Stunden zieht
Und entschwindet der Verfolgung endlicher Augen
Hinab kreisender Fluchten äonischer Zeit.
Die ungreifbaren Kräfte des kosmischen Wirbels
Tragen in ihren bacchantischen Gliedern die Festigkeit
Einer ursprünglichen Vorausschau, die das Schicksal ist.
Sogar die Unwissenheit der Natur ist das Instrument der Wahrheit;
Unser ringendes Ego kann ihren Lauf nicht ändern:
Und doch ist sie eine bewusste Macht, die sich in uns regt,
Eine Saat-Idee ist Erzeuger unserer Taten
Und Bestimmung das verkannte Kind des Willens.
Unfehlbar unter dem lenkenden Blick der Wahrheit
Enthüllen hier alle Geschöpfe ihr geheimes Selbst,
Zu werden gezwungen, was sie in sich bergen.
Denn Er, der Ist, wird mit den Jahren offenbar
Und der bedächtige Gott, in der Zelle eingeschlossen,
Steigt aus dem Plasma zur Unsterblichkeit auf.
Verborgen aber, sterblichem Griff versagt,
Mystisch, unbeschreiblich ist die Wahrheit des Geistes,
Stillschweigend, erfasst nur durch das Auge des Geistes.
Von Ego und mentalen Geist entblößt, hört er die Stimme;
Er schaut durch Licht zu immer größerem Licht
Und sieht das Leben von Ewigkeit umgeben.
Diese größere Wahrheit ist unseren Gedanken fremd;
Wo eine freie Weisheit wirkt, da suchen sie nach einer Regel;
Oder wir sehen nur ein stolpernd Spiel des Zufalls
Oder eine Arbeit in Ketten, erzwungen durch gebundenes Naturgesetz,
Ein Absolutismus von stummer gedankenloser Macht.
Kühn in ihrem Gefühl von gottgeborener Stärke
Wagten sie, mit ihrem Denken das Absolute der Wahrheit zu ergreifen;
Durch eine abstrakte Reinheit gottlosen Sehens,
Durch eine nackte Erkenntnis, intolerant gegenüber Formen,
Brachten sie dem Mental, was das Mental nie erreichen konnte,
Und hofften, die übernatürliche Basis der Wahrheit zu erobern.
Ein entblößter Imperativ konzeptioneller Formulierung,
Architektonisch und unabänderlich,
Übersetzte das Undenkbare in Gedanken:
Ein silbergeflügeltes Feuer nackten subtilen Sinns,
Ein Ohr des Mentals, abgewandt den Reimen des Äußerlichen,
Entdeckte die Keimlaute des ewigen Wortes,
Hörte den Rhythmus und die Musik, die die Welten schufen,
Und ergriff in Dingen den körperlosen Willen zu sein.
Das Unbegrenzbare maßen sie mit Stäben der Zahl
Und spürten die letzte Formel begrenzter Dinge auf,
Verliehen begriffslosen Wahrheiten transparente Systeme,
Machten das Zeitlose für die Zeit erklärbar
Und werteten das unvergleichbar Höchste.
Um die unergriffenen Unendlichkeiten zu parkieren und abzusichern,
Errichteten sie absolute Mauern aus Sprache und Denken
Und schufen ein Vakuum, um das Eine festzuhalten.
In ihrer Sicht steuerten sie auf einen leeren Gipfel zu,
Einem mächtigen Raum von kalter und sonniger Luft.
Um ihre Aufgabe zusammenzufassen, ausschließend das Leben,
Das die Nacktheit der Weite nicht ertragen kann,
Machten zur Ziffer sie eine Mannigfaltigkeit,
Fanden in Negation den Sinn des Alls
Und im Nichts das absolute Positiv.
Ein einzig Gesetz vereinfachte das kosmische Thema,
Komprimierend die Natur in eine Formel;
Ihre Titanenarbeit machte alles Wissen eins,
Zu einer mentalen Algebra die Wege des Geistes,
Einem Abstraktum der lebendigen Gottheit.
Hier endete die Weisheit des Mentals; wähnte sich ganz;
Denn nichts blieb mehr zu denken oder zu wissen:
Sie thronte auf einer spirituellen Null
Und hielt deren weites Schweigen für das Unbeschreibliche.
Dies war das Spiel der lichten Götter des Denkens.
Lockend in die Zeit das zeitlose Licht,
Einsperrend Ewigkeit in die Stunden,
Dies haben sie geplant, um die Füße der Wahrheit einzufangen
In einem goldnen Netz von Begriffen und Phrasen
Und sie für die Freude des Denkers festzuhalten
In seiner kleinen Welt, erbaut aus unsterblichen Träumen:
Dort muss sie wohnen, eingemauert in das menschliche Mental,
Eine Kaiserin, gefangen im Hause ihres Untertanen,
Verehrt und rein und still auf dem Throne seines Herzens,
Sein herrlicher Besitz, gehegt und für sich
In der Mauer des Schweigens seiner heimlichen Muse,
Unbefleckt in weißer Jungfräulichkeit,
Die gleiche auf ewig und auf ewig die eine,
Seine verehrte unveränderliche Göttin durch alle Zeiten.
Oder aber, eine treue Gattin seines mentalen Geistes,
Zustimmend seiner Wesensart und seinem Willen,
Sanktioniert und inspiriert sie seine Worte und Taten,
Verlängernd durch lauschende Jahre deren Resonanz,
Begleiterin und Archivarin seines Marsches
Durch einen lichten Landstrich von Denken und Leben,
Herausgeschnitzt aus der Ewigkeit der Zeit.
Eine Zeugin seines hohen triumphalen Sternes,
Ihre Gottheit Dienerin einer gekrönten Idee,
Wird durch sie er eine unterworfene Welt beherrschen;
Als Bürgin seiner Taten und seiner Anschauungen
Steht sie ein für sein göttlich Recht, zu führen und zu herrschen.
Oder wie ein Liebender seine Liebste umschlingt,
Gottheit der Huldigung und Begier seines Lebens,
Ikone für seines Herzens einzige Vergötterung,
Ist sie nun sein, muss leben für ihn allein:
Sie hat ihn mit ihrer plötzlichen Seligkeit übermannt,
Ein unerschöpflich Wunderbares in seinem glücklichen Griff,
Eine Verlockung, ein erhaschtes hinreißend Wunderwerk.
Sie ist es, die er nach langer verzückter Verfolgung nun fordert,
Die einzige Freude für seinen Körper und seine Seele:
Unentrinnbar ist ihr göttlicher Reiz,
Sie völlig zu besitzen ist ein Erschauern, das nie vergeht,
Ein Rausch und eine Ekstase:
Die Leidenschaft ihrer selbstenthüllenden Launen,
Eine himmlische Herrlichkeit und Vielfalt,
Macht ihren Körper immer neu in seinen Augen,
Oder aber wiederholt die Berührung der ersten Verzauberung,
Das strahlende Entzücken ihrer mystischen Brust
Und schönen bebenden Glieder, ein lebendiges Feld
Von pulsierend neuer Entdeckung ohne Ende.
Ein neuer Beginn erblüht in Wort und Lachen,
Ein neuer Liebreiz bringt das alte Hochgefühl zurück:
Er ist verloren in ihr, sie ist sein Himmel hier.
Wahrheit lächelt über das anmutig goldne Spiel.
Sich neigend aus ihren stillen ewigen Räumen,
Gewährte die große und ungebundene Göttin zum Schein
Die sonnenhelle Süße ihrer verborgenen Geheimnisse.
Verkörpernd ihre Schönheit in seiner Umarmung,
Bot sie ihre unsterblichen Lippen für einen flüchtigen Kuss
Und zog an ihren Busen ein verklärtes sterbliches Haupt:
Sie machte Erde sich zum Heim, denn Himmel war zu klein.
In einer menschlichen Brust lebte ihre okkulte Präsenz;
Er schnitzte sein Bild von ihr aus dem eignen Selbst:
Für die Umarmung eines mentalen Geistes formte sie ihren Leib.
In die engen Schranken des Denkens ist sie gekommen;
Geduldet hat sie, dass ihre ganze Größe gepresst werde
In das Kämmerlein der Idee,
Den abgeschlossenen Raum eines einsamen Denkers Verständnis:
Zum Maß unserer Seele hat sie ihre Höhen gesenkt,
Geblendet unsere Augenlider mit ihrem himmlischen Blick.
So ist jeder zufrieden mit seinem hohen Gewinn
Und glaubt sich über alle Sterblichkeit hinaus beglückt,
Ein König der Wahrheit auf seinem separaten Throne.
Für ihren Eigentümer im Feld der Zeit
Scheint ein einziger Glanz, ergriffen aus ihrer Herrlichkeit,
Das einzig wahre Licht zu sein, das strahlende Ganze ihrer Schönheit.
Doch weder Denken noch Wort können die ewige Wahrheit erfassen:
Die ganze Welt lebt in einem einsamen Strahl von ihrer Sonne.
Im engen lampenbeleuchteten Haus unseres Denkens
Träumt die Eitelkeit unseres zugeriegelten sterblichen Mentals,
Sie sei durch die Ketten des Denkens die unsere nun;
Doch mit unseren eigenen glanzvollen Fesseln spielen wir nur;
Sie niederbindend, binden wir uns selber.
In unserer Hypnose durch einen leuchtenden Punkt
Sehen wir nicht, welch winzige Gestalt wir von ihr halten;
Wir fühlen nicht ihre inspirierende Ungebundenheit,
Wir teilen nicht ihre unsterbliche Freiheit.
Genauso ist es mit dem Seher und Weisen;
Denn noch schränkt das Menschliche das Göttliche ein:
Wir müssen aus unserem Denken zum Sehen uns schwingen,
Atmen ihre göttlich unermessliche Luft,
Uns ihre schlichte weite Überlegenheit eingestehen,
Es wagen, sich ihrem Absolutum hinzugeben.
Dann spiegelt der Ungeoffenbarte seine Gestalt
Im stillen Mental wie in einem lebendigen Glas;
Der zeitlose Strahl kommt nieder in unser Herz
Und wir werden ins Ewige versetzt.
Denn Wahrheit ist weiter, größer als ihre Formen.
Tausende von Ikonen haben sie von ihr gemacht
Und finden sie in den Idolen, die sie verehren;
Sie aber bleibt sie selbst und unendlich.
Ende des elften Cantos