Kapitel 8
Schwierigkeiten und der sonnenhelle Pfad
Worte Sri Aurobindos
Du irrst dich sehr, wenn du meinst, die Möglichkeit des sonnenhellen Pfades sei eine Entdeckung oder ursprüngliche Erfindung von mir. Die allerersten Bücher über Yoga, die ich vor mehr als dreißig Jahren las, sprachen bereits vom dunklen und vom sonnenhellen Weg und betonten die Überlegenheit des letzteren.
Es ist auch nicht etwa so, dass ich selbst nur den sonnenhellen Pfad gegangen wäre oder vor Schwierigkeit, Leiden und Gefahr zurückgeschreckt wäre. Ich habe meinen vollen Anteil an diesen Dingen gehabt, und die Mutter hat das Zehnfache ihres vollen Anteils getragen. Doch das war notwendig, weil die Wegbereiter diesen Dingen entgegentreten mussten, um sie zu überwinden. Es gibt keine Schwierigkeit, die einem Sadhak begegnen kann, die uns nicht selbst auf dem Weg begegnet wäre; gegen viele mussten wir hunderte Male kämpfen (tatsächlich ist das noch untertrieben), bevor wir sie überwinden konnten. Viele bestehen noch immer und behaupten ihr vermeintliches Recht – bis zur vollendeten Vollkommenheit. Doch wir haben niemals zugestimmt, dass diese Schwierigkeiten für andere unvermeidlich seien. In Wahrheit haben wir diese Last getragen, um für andere künftig einen leichteren Weg zu sichern. Zu diesem Zweck hat die Mutter einst zum Göttlichen gebetet, dass alle Schwierigkeiten, Gefahren und Leiden, die für den Weg notwendig sind, eher auf sie gelegt werden mögen als auf andere. Das Gebet ist soweit erhört worden, dass infolge täglicher und schrecklicher Kämpfe über Jahre hinweg jene, die ein vollständiges und aufrichtiges Vertrauen in sie setzen, imstande sind, dem sonnenhellen Pfad zu folgen; und selbst diejenigen, die es nicht können, finden doch, wenn sie Vertrauen fassen, dass ihr Weg plötzlich leicht wird – und wenn er wieder schwierig wird, dann nur, wenn Misstrauen, Auflehnung, Abhiman (Stolz/Verletztheit) oder andere Dunkelheiten über sie kommen. Der sonnenhelle Pfad ist keineswegs bloß eine Fabel.
Kapitel 9
Sadhana durch die Mutter und Sri Aurobindo
Worte Sri Aurobindos
Dies sind Fragen, die ich nicht beantworten kann – es ist nicht an mir, auf solche Anfragen zu antworten.1 Ich kann nur sagen, dass das endgültige Ziel des Yoga hier darin besteht, die supramentale Wahrheit herabzubringen (alle anderen Ziele und Stufen sind vorbereitend und dienend) und ihr Wirken zu organisieren. Der Ashram geht von der Annahme aus, dass dies durch mich und die Mutter geschehen muss, und indem die Sadhaks dieses Ziel und die Herabkunft dieser Wahrheit annehmen, nehmen sie mich und die Mutter an und müssen sich von uns führen lassen und von uns empfangen, was herabkommt, und können es nicht anders erreichen. Wenn sie einer anderen Wahrheit folgen oder folgen wollen, steht es ihnen frei, dies zu tun, aber sie können es nicht hier tun, denn hier werden sie keinen Erfolg haben, da es nicht das Ziel ist, für das die Göttliche Kraft hier wirkt. Und es hat sich gezeigt, dass, wenn sie die Kraft zurückweisen, die von uns kommt, um etwas anderem zu folgen, dies sie vom Weg abführt. Dann können sie weder aus unserer Gegenwart noch aus dem Yoga Nutzen ziehen, noch eine harmonische Einheit in der Arbeit bilden, die hier zu tun ist. Das ist alles, was ich zu diesem Thema sagen will.
1 Die Fragen, die an Sri Aurobindo gestellt wurden, liegen nicht vor. – Hrsg.
Kapitel 10
Offenheit gegenüber der Mutter und Sri Aurobindo
Worte Sri Aurobindos
Ist es dasselbe, ob wir an Sri Aurobindo oder an die Mutter schreiben? Einige sagen, beide seien eins, also ob wir an Sri Aurobindo oder an die Mutter schreiben, wir öffnen uns der Mutter. Ist das richtig?
Es ist wahr, dass wir eins sind, aber es gibt auch eine Beziehung, die erfordert, dass man sich der Mutter öffnet.
Kann es geschehen, dass jemand für Sri Aurobindo offen ist, aber nicht für die Mutter? Ist es so, dass, wer für die Mutter offen ist, auch für Sri Aurobindo offen ist?
Die zweite Aussage ist wahr. Wenn jemand für Sri Aurobindo offen ist und nicht für die Mutter, bedeutet das, dass er in Wirklichkeit auch nicht für Sri Aurobindo offen ist.
Sehr oft sagt Sri Aurobindo, man solle die Kraft der Mutter wirken lassen. Bedeutet das, dass es einen Unterschied zwischen den beiden Kräften gibt?
Es gibt nur eine einzige Kraft, die Kraft der Mutter – oder, wenn du es so ausdrücken willst, die Mutter ist die Kraft Sri Aurobindos.
Kapitel 11
Die Mutter und Sri Aurobindo anrufen
Worte Sri Aurobindos
Während ich mich der Mutter zuwende und ihren Namen wiederhole, kommt auch dein Name hinein. Seltsam!
Du musst dich immer der Mutter zuwenden, denn ihre Kraft ist es allein, die dir die wahre Verwirklichung des Göttlichen geben kann. Wenn dein mentaler Geist etwas anderes tun will, musst du ihn beherrschen. Jede Trennung, die er zwischen der Mutter und mir vornimmt (wie etwa meinen Namen anstelle des ihren einzusetzen), muss unterbunden werden – denn wenn das geschieht, können sich Fehler in die innere Erfahrung einschleichen.
Kapitel 12
Ihren Einfluss empfangen
Worte Sri Aurobindos
Es gibt keine Bedingungen, um den Einfluss Sri Aurobindos und der Mutter1 zu empfangen, außer Glauben, vollständiger Aufrichtigkeit im Folgen des spirituellen Weges und dem Willen und der Fähigkeit, sich ihrem Einfluss zu öffnen; doch diese Fähigkeit entsteht gewöhnlich als Ergebnis von Aufrichtigkeit und Glauben.
Es ist durchaus möglich, den Yoga zu praktizieren, während man außerhalb des Ashrams lebt. Es gibt viele, sowohl in Nord – als auch in Südindien, die dies tun.
1 Geschrieben von Sri Aurobindo an seinen Sekretär, der dem Fragenden antwortete. – Hrsg.