Kapitel 5
Beine und Füße
Worte Sri Aurobindos
Es ist das materielle Bewusstsein, das durch die Beine und Füße repräsentiert wird. Unter den Füßen befindet sich das Unterbewusstsein. Es gibt kein großes Zentrum unterhalb des Muladhara im Körper, sondern überall kleinere Zentren.
Worte Sri Aurobindos
Das Bein steht für das physische (materielle) Bewusstsein. Alles unterhalb des Muladhara ist der Bereich des eigentlichen physischen Bewusstseins, einschließlich des mental-physischen, des vital-physischen und des stofflich-physischen Bewusstseins. Dieses [von den Beinen aufsteigende Streben] würde daher ein Streben von der Stofflichkeit (der körperlichen Stofflichkeit) anzeigen.
Kapitel 6
Die Körperseiten
Worte Sri Aurobindos
Die beiden Seiten des Körpers sollen zwei verschiedene Seiten des Wesens darstellen, die Seite des Bewusstseins und des Wissens und die Seite der Kraft und des Wirkens. Das Gefühl, das du während der Meditation hattest, war vielleicht das Gefühl, dass ein Schleier der Dunkelheit entfernt wurde, der den mentalen Geist bedeckte – der Kopf vom Scheitel bis zum Hals ist der Sitz des denkenden Mentals.
Worte Sri Aurobindos
Normalerweise geht man davon aus, dass die linke Seite die Seite der Kraft und die rechte die Seite des Wissens ist.
Der Aufstieg von unten [dem linken Fuß] bedeutet natürlich, dass das Stoffliche und Unterbewusste die höhere Kraft herabruft – und es ist wahr, dass es eine Entsprechung gibt zwischen der Tiefe, aus der der Aufstieg erfolgt, und der Höhe, aus der die Kraft von oben kommt.
Worte Sri Aurobindos
Ich muss hier davor warnen, dem Irrtum derjenigen zu verfallen, die versuchen, die yogische Wissenschaft mit der physikalischen Wissenschaft der Europäer zu harmonisieren und die yogischen Nadis und Chakren im physischen Körper zu suchen. Sie werden sie dort nicht finden. Es gibt bestimmte Zentren im physischen Nervensystem, denen die Chakren entsprechen, sonst wäre Hatha-Yoga unmöglich. Aber die Chakren sind nicht diese Zentren. Die Europäer sind Meister auf ihrem eigenen Wissensgebiet, und du brauchst nicht zu zögern, von ihnen zu lernen, aber unterwerfe um Gottes Willen nicht dein höheres Wissen ihrem niederen; du wirst nur eine schreckliche Verwirrung stiften. Entwickle zuerst dein höheres Wissen, dann studiere ihre Wissenschaften, und die Letzteren werden sofort sich von selbst ergeben.
Worte Sri Aurobindos
Dann komme ich zum Chitta. Es gibt zwei Ebenen des Chitta, eine für die Emotionen und eine für das passive Gedächtnis. In der unteren Schicht des Chitta werden die Eindrücke von allem Gesehenen, Gedachten, Empfundenen, Gefühlten gespeichert und bleiben dort, bis der Jiva diesen Körper verlässt. Auch danach werden alle diese Eindrücke vom Sukshma-Körper aufgenommen und gehen mit dem Jiva in andere Welten. Wenn der Jiva wiedergeboren wird, werden sie als latente Samskaras im Muladhara mitgebracht; deshalb erinnert sich der Mensch nicht an seine vergangenen Geburten, kann aber die Erinnerung zurückgewinnen, indem er die Kundalini im Muladhara erweckt. Diese Eindrücke sind im Chitta latent vorhanden, bis die aktive Erinnerung in der Buddhi sie abruft. Diejenigen, die ständig zur Buddhi gelangen, haben die Angewohnheit, auch dann wieder aufzutauchen, wenn sie nicht erwünscht sind: gewohnheitsmäßige Gedanken, Ideen, Gefühle, Meinungen usw., die das Hauptproblem des Yogis sind, bis das Manas, in dem sie auftreten, zur Ruhe kommt.
Worte der Mutter
Gestern Abend, nach einer kleinen Meditation, als ich kurz vor dem Einschlafen war, füllte sich mein Körper vom Herzen her mit Energie. Ich tat nichts, ich beobachtete nur. Es dauerte nur einige Sekunden. Das ist mir schon zwei oder drei Mal passiert, und die Male davor dauerte es ein paar Minuten. Ich möchte wissen, was das ist. Ist es eine Erfahrung von Kundalini Shakti? Wie verhält man sich am besten, wenn man so unter Druck steht?
Die beste Haltung ist, ruhig und gelassen zu bleiben und die Erfahrung auf sich zukommen zu lassen, sie zu beobachten, ohne darüber nachzudenken.
Segen.
Teil 5 EINIGE ERLÄUTERUNGEN
Kapitel 1
Die sich inkarnierende Person tritt in die Zentren ein
Worte Sri Aurobindos
Im Veda gibt es nicht die Vorstellung oder Erfahrung einer persönlichen Emanation oder Inkarnation eines der vedischen Götter. Wenn die Rishis von Indra oder Agni oder Soma im Menschen sprechen, dann meinten sie Gott in seiner kosmischen Gegenwart, Macht oder Funktion. Das geht deutlich aus dem Gesagten selbst hervor, nämlich wenn sie von Agni als dem Unsterblichen in den Sterblichen sprechen, vom unsterblichen Licht im Menschen, vom inneren Krieger, vom Gast im menschlichen Wesen. Ebenso ist es mit Indra oder Soma. Das Erschaffen der Götter im Menschen bedeutet ein Hervorbringen göttlicher Mächte in der menschlichen Natur, zum Beispiel Indra, die Macht des Lichts, Soma, die Macht des Ananda.
Kein Zweifel, die Rishis fühlten die unmittelbare Gegenwart der Götter über sich, ganz nahe, um oder in sich, doch war dies eine allgemeine Erfahrung aller, nicht etwas Besonderes und Persönliches, nicht eine Emanation oder Inkarnation. Man kann die Gegenwart des Göttlichen, eine göttliche Macht über dem Kopf oder im Herzen sehen oder fühlen, oder man kann die Gegenwart in einem oder allen Zentren fühlen, die lebendige Form dort sehen; man kann davon in seinem ganzen Tun, in seinen Gedanken und Gefühlen gelenkt werden; man kann seine gesonderte Personalität in ihr verlieren, kann sich mit ihr identifizieren oder mit ihr verschmelzen. Doch all dies macht keine Inkarnation oder Emanation des Göttlichen oder der Macht aus. Solche Dinge sind universale Erfahrungen, die jeder Yogi erreichen kann; einen solchen Zustand im Hinblick auf das Göttliche zu erlangen ist sogar ein allgemeines Ziel des Yoga.
Eine Inkarnation ist etwas mehr, etwas Spezielles und Individuelles für ein individuelles Wesen. Es ist die Ersetzung der menschlichen Person durch die Person eines göttlichen Wesens und sein Eindringen in alle Regungen, wodurch diese und die gesamte menschliche Natur eine dynamisch-persönliche Wandlung erfahren; und zwar nicht nur eine Wandlung des Bewusstseins-Charakters oder eine allgemeine Überantwortung, sondern eine subtile, innere, persönliche Wandlung. Doch sogar bei einer Inkarnation von Geburt an müssen die menschlichen Elemente mit einbezogen werden, bei einem Herabkommen jedoch findet eine totale, bewusste Ersetzung statt.
Dies ist ein langer, subtiler und anhaltender Vorgang. Die sich inkarnierende Person wirft ihre Schatten zunächst als Einfluss, dann tritt sie in die Zentren, eines nach dem anderen ein, manchmal in der gleichen Form, manchmal in verschiedenen Formen, und erfasst dann die gesamte Natur und ihre Tätigkeiten. Was du beschreibst, stimmt mit diesem Vorgang nicht überein; es scheint sich um ein Bemühen zu handeln, die Götter im vedischen Sinn und auf die vedische Weise in dir zu formen. Das kann, wenn es Erfolg hat, ihre Macht und eine Empfindung ihrer Gegenwart mit sich bringen, doch kann es keine Inkarnation herbeiführen. Eine Inkarnation ist vorherbestimmt, für dich erwählt; die menschliche Person kann eine Inkarnation weder wählen noch durch ihren persönlichen Willen für sich erschaffen. Dies zu versuchen hieße, eine spirituelle Katastrophe herbeizuführen.
Eines muss gesagt werden – eine Inkarnation ist nicht das Ziel dieses Yoga; sie ist lediglich eine Gegebenheit oder ein Mittel zum Zweck Das eine und einzige Ziel, das wir vor uns haben, ist, das supramentale Bewusstsein und die supramentale Wahrheit in die Welt herabzubringen; die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist unser Ziel, und wenn wir die Wahrheit nicht verkörpern können, zählen hundert Inkarnationen nicht. Doch das wahre Supramental herabzubringen und allem mentalen Wirrwarr zu entkommen, ist nicht einfach. Das reine Herabkommen der Sonnen in die Zentren, selbst aller sieben Sonnen in alle sieben Zentren ist nur ein Anfang; es ist nicht die vollbrachte und beendete Sache selbst. Man mag das Herabkommen der Sonnen fühlen, man mag eine Inkarnation versuchen oder beginnen und doch am Ende scheitern, wenn sich ein Makel in der Natur findet oder man im Bestehen von Prüfungen und in der Erfüllung all der harten Bedingungen für einen vollkommenen spirituellen Erfolg versagt. Nicht nur die ganze mentale, vitale und physische Natur des unwissenden menschlichen Wesens muss überwunden und gewandelt werden, sondern auch die drei Bereiche des mentalen Bewusstseins, die zwischen dem menschlichen und supramentalen Bewusstsein liegen und die, wie das gesamte Mental, große und entscheidende Fehler zulassen können. Bis dahin mag der supramentale Einfluss herabkommen, das Licht, die Macht, der Ananda, doch die supramentale Wahrheit kann nicht in Besitz genommen und geordnet und in die gesamte menschliche Natur gebracht werden. Zuvor aber ist nicht einmal daran zu denken, das Supramental zu besitzen, denn das wäre eine Täuschung und würde die Erfüllung verhindern.
Und noch eines: je intensiver die Erfahrungen sind, je höher die Kräfte, die herabkommen, umso größer werden die Möglichkeiten des Abweichens und Irrens. Denn gerade die Intensität und Höhe der Kräfte erregen und vergrößern die Bewegungen der niederen Natur und lassen alle widersetzlichen Elemente sich in ihrer vollen Stärke erheben, häufig in der Verkleidung der Wahrheit und die Maske einer einleuchtenden Rechtfertigung tragend. Große Geduld wird benötigt, Besonnenheit, Ernsthaftigkeit, Gleichgewicht, ein unpersönliches Losgelöstsein und eine Wahrhaftigkeit, die frei von jedem Makel durch das Ego oder persönliches, menschliches Begehren ist. Es darf kein Verhaftetsein mit einer eigenen Idee geben, mit einer Erfahrung, mit irgendeiner Einbildung, mit einem mentalen Gerüst oder einem vitalen Begehren; der Lichtstrahl der Unterscheidung muss immer spielen, um diese Dinge aufzudecken, wie richtig und einleuchtend sie auch erscheinen mögen. Andernfalls wird sich die Wahrheit in ihrer Reinheit in der menschlichen Natur nicht festigen können.
Kapitel 2
Das göttliche Bewusstsein über dem Kopf und hinter dem Herzen
Worte Sri Aurobindos
Ein Schleier hinter dem Herzen, ein Lid über dem Mental scheiden uns vom Göttlichen; Liebe und Verehrung zerreißen den Schleier, in der Stille des Mentals wird das Lid durchsichtig und schwindet.
Worte Sri Aurobindos
Was du nach unten strömen fühlst, muss die über dem Kopf sich befindende Kraft der Mutter sein. Gewöhnlich fließt sie von oberhalb des Kopfes herab, arbeitet zunächst in den mentalen Zentren (Kopf und Nacken),geht danach hinab in die Brust und in das Herz, und dann durch die Bewegung des ganzen Körpers.
Es muss der Effekt dieses Wirkens sein, den du im Kopf bis zu den Schultern spürst. Die Kraft, die von oben herabkommt ist diejenige, die daran arbeitet, das Bewusstsein in das eines höheren spirituellen Wesens zu transformieren. Zuvor arbeitet die Kraft der Mutter auf der psychischen, mentalen, vitalen und physischen Ebene,um das Bewusstsein zu unterstützen, zu läutern und psychisch zu verändern.
Worte Sri Aurobindos
Was du über dir siehst, ist natürlich das wahre oder höhere Bewusstsein, das Bewusstsein der Mutter, in welchem man die ganze Welt als eins sieht, ein weites, unbehindertes Bewusstsein voller Freiheit, Frieden und Licht – es ist das, was wir als höheres oder göttliches Bewusstsein bezeichnen. Selbst wenn es kommt und geht, zeigt seine Auswirkung auf das Herz, dass durch die Seele dennoch eine Verbindung damit hergestellt wurde – denn die Seele ist hinter dem Herzen. Dorthin, über den Kopf, muss das Bewusstsein aufsteigen und dort muss es bleiben; dann kommt es auch in den Kopf und das Herz und das niedere Vital und Physische herab und bringt dorthin seine Weite, sein Licht, seinen Frieden, seine Freiheit.
Worte Sri Aurobindos
Es ist die Einung des Bewusstseins von oben mit dem erwachten seelischen Wesen, die die wahre Verbindung zwischen dem, was oben ist, und dem Universum herstellt.
Worte Sri Aurobindos
Etwas in dir hat das höhere Bewusstsein wahrgenommen und ist nach dort aufgestiegen – über den Kopf, wo das gewöhnliche Bewusstsein und die höheren Ebenen einander begegnen. Das muss weiterentwickelt werden, bis sich der ganze Ursprung des Bewusstseins dort befindet und alles Übrige von dort gelenkt wird – und gleichzeitig eine Befreiung der Seele, damit sie im Mental, Vital und in den physischen Teilen das Wirken von oben unterstützen kann.
Worte Sri Aurobindos
Auf der anderen Seite ist das Herabströmen und die Befreiung, die es auslöst, ein Zeichen dafür, dass das Sich-Öffnen darüber noch besteht; denn das Schweigen und die Ruhe der [menschlichen] Natur sind eine Berührung von oben und für die Läuterung und Befreiung äußerst notwendig. Was fehlt, ist das volle Sich-Öffnen des seelischen Wesens hinter dem Herzen – denn hierdurch könnte das Herz von der dunklen Kraft befreit und eine Läuterung der übrigen Natur durch ein ruhiges und stetiges Wirken eher ermöglicht werden als durch ein ungestümes, das von chaotischer Tätigkeit und chaotischem Kampf begleitet wird. Wenn ein Sich-Öffnen im spirituellen Mental stattfindet ohne eine ausreichende seelische Wandlung, stellen sich dieses ungestüme Wirken der Kraft und dieser Widerstand ein; wenn sich die Seele öffnet, wirkt sie auf die ganze Natur ein, auf Mental, Vital und das Physische, lenkt sie von innen, damit sie sich umwandeln und für das volle spirituelle Sich-Öffnen und spirituelle Bewusstsein bereit werden. Hingabe und eine immer vollständigere innere Weihung sind der beste Weg, um die Seele zu öffnen.
Worte Sri Aurobindos
Das, was man in der Terminologie des Yoga unter „psychisch“ versteht, ist das Element der Seele in der Natur, die reine Seele oder der göttliche Nukleus, der hinter dem Mental, Leben und Körper steht (es ist nicht das Ego) und dessen wir uns nur undeutlich bewusst sind. Es ist ein Teil des Göttlichen, und er besteht fort von Leben zu Leben, wobei er die Lebenserfahrung durch seine äußeren Instrumente empfängt. In dem Maße, wie diese Erfahrung wächst, offenbart er eine sich entfaltende seelische Persönlichkeit, die immer auf dem Guten, Wahren und Schönen beharrt und schließlich bereit und stark genug wird, die [menschliche] Natur dem Göttlichen zuzuwenden. Sie kann dann gänzlich hervortreten und den mentalen, vitalen und physischen Schirm durchbrechen, die Instinkte beherrschen und die Menschennatur wandeln. Die Natur drängt sich nicht länger mehr der Seele auf; vielmehr ist es die Seele, der Purusha, der der Natur seine Befehle auferlegt.