Sri Aurobindo Digital Edition
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  1. ALLES LEBEN IST YOGA
  2. Bonne Année – Gutes neues Jahr!

Kapitel 1

Wer (Gedicht)

Im Blau des Himmels, im Grün des Waldes,

Wessen Hand hat den Schimmer gemalt?

Als die Winde noch schliefen im Schoße des Äthers,

Wer hat geweckt sie und ließ sie wehen?

Im Herz ist verloren Er, in der Höhle der Natur,

Er findet im Hirn sich, wo Denken Er baut:

In das Muster und die Blüte der Blumen ist Er eingewoben,

Im leuchtenden Netz der Sterne wird Er erhascht.

In der Stärke eines Mannes, der Schönheit einer Frau,

Im Lachen eines Jünglings, im Erröten einer Maid;

Die Hand, die Jupiter durch den Himmel wirbeln ließ,

Schenkt auch einer Locke all ihre Kunst.

Dies sind Seine Werke, SeineSchleier und Seine Schatten;

Wo aber ist Er? wie nennt Er sich denn?

Ist Er Brahma oder Vishnu? männlich oder weiblich?

Mit Leib oder ohne? zu zweit oder alleine?

Wir lieben Ihn als Knaben, dunkel und strahlend,

Eine Frau gebietet über uns, grimmig und nackt.

Wir sahen Ihn sinnieren auf schneebedeckten Bergen,

Wir haben Ihn bei der Arbeit im Herzen der Sphären erlebt.

Wir werden der ganzen Welt von Seinen Wegen und Seiner Schlauheit erzählen:

Ihn freuen Tortur und Passion und Pein;

Er genießt unseren Kummer und bringt uns zum Weinen,

Dann wieder lockt Er mit Seiner Freude und Seinem Glück.

Alle Musik ist nur der Klang Seines Lachens,

Alle Schönheit das Lächeln Seiner leidenschaftlichen Glückseligkeit;

Unser Leben ist Sein Herzschlag, unsere Verzückung die Hochzeit

Von Radha und Krishna, unsere Liebe deren Kuss.

Er ist Kraft, die laut schmettert im Schall von Trompeten,

Und Er fährt im Wagen und Er schleudert im Speer;

Er tötet ohne Unterlass und ist voller Mitgefühl;

Er kämpft für die Welt und ihre letzten Jahre.

Im Sausen der Welten, im Branden der Zeiten,

Unsäglich und mächtig, hoheitsvoll und rein,

Jenseits der letzten Zinne, die der Denker ergreift,

Da thront Er auf Sitzen, die auf ewig bestehen.

Des Menschen Meister und sein unendlicher Liebhaber,

Ist nah Er unseren Herzen, könnten wir sehen;

Uns blendet Hochmut und der Pomp unserer Leidenschaft,

Wir wähnen frei uns in denkender Fron.

In der Sonne ist Er es, der zeitlos und todlos,

Sein Schatten ist es, der da fällt in die Nacht;

Als blind noch das Dunkel in Dunkel versunken,

Da saß Er inmitten, unermesslich und allein.

Kapitel 2

Sri Aurobindos Versprechen

Man mag an allem anderen zweifeln – ob das Supramental herabkommen wird, ob diese Welt jemals etwas anderes sein wird als ein Kampffeld für die Masse der Menschen –, aber dass derjenige, der nur das Göttliche ersehnt, das Göttliche erreichen wird, ist eine Gewissheit, die viel gewisser ist, als dass zwei und zwei vier ergibt. Das ist der Glaube, den jeder Sadhak im Grunde seines Herzens haben muss, der ihn durch alles Straucheln, jeden Schlag und jede Prüfung trägt.

Kapitel 3

Auch der Körper soll sich an Gott erinnern

…es gibt auch ein dunkles Mental des Körpers, selbst der Zellen, Moleküle und Korpuskeln. Haeckel, der deutsche Materialist, spricht irgendwo vom Willen im Atom; die Wissenschaft, welche in letzter Zeit die unberechenbare, individuell verschiedene Wirkungsweise der Elektronen erforscht, erkennt dunkel, dass dies keine Einbildung ist, sondern der Schatten einer geheimen Wirklichkeit. Dieses Körper-Mental ist eine sehr spürbare Wahrheit; infolge seiner Dunkelheit, seines mechanischen Anklammerns an vergangene Regungen, seiner schnellen Vergesslichkeit, seiner Zurückweisung des Neuen sehen wir in ihm eines der Haupthindernisse für die Durchdringung der supramentalen Kraft und für die Umwandlung der Körperfunktionen. Andererseits, wenn es einmal wirksam umgewandelt ist, wird es eines der kostbarsten Instrumente für die Stabilisierung des supramentalen Lichtes und der supramentalen Kraft in der stofflichen Natur sein.

Jede Ebene unseres Wesens, die mentale, vitale und physische, hat ihr eigenes Bewusstsein, das für sich besteht und dennoch mit den anderen verbunden ist und auf diese einwirkt. Doch in unserem äußeren Mental und Gefühl, in unserer Wacherfahrung, geraten sie alle durcheinander. Der Körper zum Beispiel hat sein eigenes Bewusstsein, das ihn handeln lässt, selbst ohne unseren mentalen Willen oder sogar gegen ihn. Unser Oberflächenmental weiß sehr wenig über dieses Körperbewusstsein, es fühlt es in nur unvollständiger Weise, sieht lediglich seine Ergebnisse und hat die größten Schwierigkeiten, ihre Ursachen herauszufinden. Es gehört zu unserem Yoga, dieses für sich bestehende Körperbewusstsein wahrzunehmen, seine Regungen und die Kräfte, die von innen und außen darauf einwirken, zu erkennen und zu fühlen und weiterhin zu lernen, wie es zu überwachen und zu lenken ist, selbst in seinen verborgensten und unbewusstesten Vorgängen. Doch das Körperbewusstsein als solches ist nur ein Teil des individualisierten physischen Bewusstseins in uns, das wir aus den verborgen bewussten Kräften der universalen physischen Natur sammeln und aufbauen.

Ich lege Wert auf den Körper, zunächst als Instrument, dharmasadhana, oder, genauer gesagt, als Zentrum der manifestierten Persönlichkeit in Aktion, als Grundlage des spirituellen Lebens und der spirituellen Tätigkeit wie allen Lebens und aller Tätigkeit auf der Erde, aber auch, weil für mich der Körper ebenso wie das Mental und das Leben ein Teil des göttlichen Ganzen ist, eine Form des Geistes, und daher nicht als etwas unverbesserlich Grobes und Unfähiges zur spirituellen Verwirklichung oder zum spirituellen Gebrauch missachtet oder verachtet werden darf. Die Materie selbst ist insgeheim eine Form des Geistes und muss sich als diesen enttarnen; sie kann dazu gebracht werden, bewusst zu werden und sich zu entwickeln und den Geist, das Göttliche in ihr zu realisieren. Meiner Ansicht nach müssen sowohl der Körper als auch das Mental und das Leben spiritualisiert oder, man könnte sagen, vergöttlicht werden, um ein geeignetes Instrument und Gefäß für die Verwirklichung und Manifestation des Göttlichen zu sein.

Der Weg des Yoga, dem man hier folgt, unterscheidet sich von anderen Yogawegen in seinen Zielen; sein Ziel ist nicht, sich aus dem gewöhnlichen unwissenden Weltbewusstsein in das göttliche Bewusstsein zu erheben, sondern die supramentale Macht jenes göttlichen Bewusstseins in die Unwissenheit von Mental, Leben und Körper herabzubringen, sie umzuwandeln, das Göttliche hier zu manifestieren und ein göttliches Leben in der Materie zu schaffen.

Das sind einige der Auswirkungen der Herabkunft des höheren in das ganz physische Bewusstsein. Es bringt Licht, Bewusstsein, Kraft, Ananda in die Zellen und in alle physischen Regungen. Der Körper wird bewusst und wachsam und führt die richtigen Bewegungen aus, er gehorcht dem höheren Willen oder aber tut es automatisch durch die Kraft des Bewusstseins, das in ihn eingetreten ist. Es wird dann leichter möglich, die Funktionen des Körpers zu kontrollieren und etwas Falsches richtigzustellen, sich mit Krankheit und Schmerz usw. auseinanderzusetzen. Die Tätigkeiten des Körpers und selbst die Geschehnisse, die von außerhalb auf ihn zukommen, werden besser beherrscht, zum Beispiel verringern sich Unfälle und kleine Missgeschicke. Der Körper wird ein wirksameres Instrument für die Arbeit. Es wird möglich, Müdigkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Friede, Glück, Stärke und Leichtheit erfüllen das ganze physische System. Dies sind die sichtbaren und normalen Ergebnisse, die in dem Maß zunehmen, wie das Bewusstsein wächst; aber noch viele andere sind möglich, auch die Einung mit dem Erdbewusstsein, die immerwährende Empfindung des Göttlichen im Physischen usw..

Natürlich ist es nicht leicht, das Physische auf diese Weise bewusst zu machen, denn es ist der Bereich des Unbewussten, der Finsternis und Trägheit – doch kann durch eine teilweise und hinlänglich wirksame Einführung des höheren Bewusstseins eine Grundlage geschaffen und das übrige Gelände in dem Maß erobert werden, wie die Auswirkung seiner Kraft [der Kraft des Bewusstseins] auf den Körper zunimmt.

Physische Sadhana bedeutet, das höhere Licht, die Macht, den Frieden und das Ananda in das Körperbewusstsein herabzubringen, sich von der Trägheit des Physischen zu befreien, von den Zweifeln, Begrenzungen, von dem äußeren Hang des physischen Mentals, den unvollkommenen Energien des vitalen Physischen (den Nerven) und sie durch das wahre Bewusstsein zu ersetzen, so dass das Physische ein vollendetes Instrument für den Göttlichen Willen werde.

Und schließlich gehorcht zwar der Körper dem Mental automatisch in jenen Dingen, in denen zu gehorchen er geformt oder erzogen wurde, doch ist die Beziehung des Körpers zum Mental nicht immer die eines automatischen und vollkommenen Instrumentes. Der Körper hat ebenfalls ein eigenes Bewusstsein, und obwohl dies ein untermentales Instrument oder ein „dienendes“ Bewusstsein ist, kann es ungehorsam sein oder in seinem Gehorsam versagen. In vielen Dingen, in Fragen der Gesundheit und Krankheit zum Beispiel, in allen automatischen Funktionen handelt der Körper selbständig und ist kein Diener des Mentals. Sobald er ermüdet, vermag er dem Willen des Mentals einen passiven Widerstand entgegenzusetzen. Er kann ihn mit tamas umwölken, mit Trägheit, Dumpfheit, mit den Schwaden des Unterbewussten, so dass das Mental nicht zu handeln vermag. Wenn du der Hand befiehlst, eine gerade Linie zu ziehen oder Musik zu spielen, kann und wird sie es anfangs nicht tun. Sie muss geschult, geübt, belehrt werden, und dann tut sie automatisch, was man von ihr erwartet. All dies beweist, dass es ein Körper-Bewusstsein gibt, welches die Dinge auf Befehl des Mentals tun kann, jedoch zuerst geweckt und geschult und zu einem guten und bewussten Instrument gemacht werden muss. Es kann so sehr geschult werden, dass ein mentaler Wille oder eine Suggestion eine Krankheit des Körpers heilen kann.

Ein großer Teil des Körper-Bewusstseins ist unterbewusst, Und das Körper-Bewusstsein und das Unterbewusste sind eng miteinander verbunden. Der Körper und das Physische entsprechen einander nicht genau – das Körper-Bewusstsein ist nur ein Teil des gesamten physischen Bewusstseins.

Kapitel 4

Heilung von Krankheiten durch spirituelle Kraft

Heilung durch die Göttliche Gnade

Ich möchte gerne etwas über die Göttliche Gnade sagen – denn du scheinst zu glauben, sie sollte so etwas wie eine Göttliche Vernunft sein, die auf einer ähnlichen Grundlage wie die menschliche Intelligenz wirkt. Das stimmt aber nicht. Ebensowenig ist sie ein universales Göttliches Mitgefühl, das sich unparteiisch über alle ergießt, die sich ihm nähern und das alle Gebete erhört. Sie wählt nicht den Tugendhaften und weist den Sünder ab. Die Göttliche Gnade kam dem Verfolger zur Hilfe (Saulus von Tarsus), sie kam zu St. Augustinus, dem Lasterhaften, zu Jagai und Madhai, den Berüchtigten, zu Bilwamangal und vielen anderen, deren Bekehrung sehr wohl den puritanischen, menschlich-moralischen Verstand schockieren könnte. Sie kann aber auch zu den Gerechten kommen und sie von ihrer Selbstgerechtigkeit heilen und zu einem reineren Bewusstsein jenseits dieser Dinge führen. Sie ist eine Macht, die über jeglicher Regel steht, selbst über dem Kosmischen Gesetz – und daher unterscheiden alle spirituellen Seher zwischen dem Gesetz und der Gnade. Und dennoch wirkt sie nicht willkürlich – sie hat nur ein eigenes Unterscheidungsvermögen, welches Dinge und Personen, die rechten Zeiten und Zeitspannen von einer anderen Sicht her betrachtet als diejenige, die dem Mental oder einer anderen gewöhnlichen Macht eigen ist. Ein Zustand der Gnade wird häufig im Individuum hinter dicken Schleiern durch Hilfsmittel vorbereitet, die vom Mental nicht erkannt werden können, und wenn dieser Zustand der Gnade eingetreten ist, wirkt die Gnade selbst. Es gibt diese drei Mächte: (1) das Kosmische Gesetz, sei es des Karma oder dergleichen; (2) das Göttliche Mitgefühl, welches auf so viele einwirkt, wie es durch die Netze des Gesetzes erreichen kann, und das ihnen eine Chance gibt; (3) die Göttliche Gnade, die unberechenbarer, jedoch auch unwiderstehlicher als die anderen wirkt. Die einzige Frage ist, ob es hinter all den Ungereimtheiten des Lebens etwas gibt, das auf den Ruf reagieren und sich öffnen kann, bis es für die Erleuchtung durch die Göttliche Gnade bereit ist – wie groß die Schwierigkeiten auch sein mögen. Und dieses „Etwas“ darf nicht eine vitale oder mentale Regung sein, sondern ein inneres Etwas, das vom inneren Auge leicht erkannt wird. Ist dies vorhanden und tritt es aktiv hervor, kann das Mitgefühl wirken, das volle Wirken der Gnade jedoch kann bis zur endgültigen Entscheidung oder Wandlung auf sich warten lassen. Es kann auf eine spätere Stunde verschoben werden, da möglicherweise ein Teil oder ein Element des Wesens noch im Wege steht, etwas, das noch nicht bereit ist zu empfangen.

Doch warum es erlauben, dass sich irgendetwas zwischen dich und das Göttliche stellt, irgendeine Idee oder irgendein Vorfall? Wenn du von voller Aspiration und der vollen Freude erfasst bist, dann lasse nichts anderes zählen, nichts von Wichtigkeit sein, außer dem Göttlichen und deiner Aspiration. Das Göttliche zu wollen, schnell, vollkommen und gänzlich, absolut und alles beanspruchend, und dies dann zu deiner einzigen Sache zu machen, der nichts in den Weg treten darf – das muss der Geist der Annäherung sein.

Welchen Wert haben mentale Ideen über das Göttliche, Ideen darüber, was Es tun sollte, wie alles zu geschehen habe und wie nicht – sie sind nur im Wege. Nur das Göttliche selbst ist wichtig. Wenn dein Bewusstsein das Göttliche umfängt, dann allein vermagst du zu erkennen, was das Göttliche ist, vorher nicht. Krishna ist Krishna, es ist nicht wichtig, was er tat oder nicht tat: Nur ihn zu sehen, ihm zu begegnen, das Licht, die Präsenz, die Liebe und das Ananda zu fühlen ist das Einzige, was zählt. Das gilt immer für die spirituelle Aspiration – es ist das Gesetz des spirituellen Lebens.

Heilung durch spirituelle Kraft und Empfänglichkeit für diese

Insofern aber spirituelle Kraft existiert, muss sie offensichtlich dazu in der Lage sein, spirituelle Ergebnisse zu zeitigen, daher ist nichts Vernunftwidriges in dem Anspruch jener Sadhaks, die sagen, sie fühlten die Kraft des Gurus oder die Kraft des Göttlichen in sich wirken und sie zu spiritueller Erfüllung und Erfahrung führen. Ob es in einem besonderen Fall so ist oder nicht, ist eine persönliche Frage, doch die Äußerung kann nicht als in sich unglaubwürdig oder offensichtlich falsch bezeichnet werden, einfach mit der Begründung, dass es solche Dinge nicht geben kann. Und wenn es weiterhin wahr ist, dass spirituelle Kraft die ursprüngliche ist und die anderen Kräfte sich davon ableiten, dann liegt wiederum nichts Vernunftwidriges in der Annahme, dass spirituelle Kraft mentale Ergebnisse, vitale Ergebnisse, physische Ergebnisse hervorbringen kann. Sie kann durch mentale, vitale oder physische Energien wirken und durch die Mittel, die diese Energien benutzen, oder sie kann direkt auf Mental, Leben oder die Materie als dem Bereich ihrer eigenen speziellen und unmittelbaren Tätigkeit einwirken. Jeder Weg ist prima facie möglich. Nimm als Beispiel die Heilung einer Krankheit. Jemand ist seit zwei Tagen krank, schwach, er leidet an Schmerzen und Fieber, nimmt keine Arznei, doch erbittet schließlich die Hilfe seines Gurus; am nächsten Morgen steht er auf, gesund, stark und voller Energie. Er hat zumindest einigen Grund zu glauben, dass eine Kraft angewandt wurde und auf ihn einwirkte und dass es eine spirituelle Kraft war. In einem anderen Fall aber mögen Arzneien eingenommen werden, während zur Unterstützung der stofflichen Mittel gleichzeitig die unsichtbare Kraft zu Hilfe gerufen wird; denn es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass Arzneien helfen können oder nicht und es darüber keine Gewissheit gibt. In diesem Fall bleibt es für einen Dritten (für einen, der weder die Kraft gebraucht noch der Arzt oder der Patient ist) ungewiss, ob der Patient durch die Arznei oder die spirituelle Kraft mit der Medizin als Instrument geheilt wurde. Beides ist möglich, und man kann nicht sagen, weil Arzneien verwendet werden, sei das Wirken einer spirituellen Kraft per se unglaubwürdig und offensichtlich unwahr. Es ist ebenfalls möglich, dass der Arzt eine Kraft in sich wirken fühlte, die ihn führte, oder erkennt, dass der Zustand seines Patienten sich mit einer Geschwindigkeit bessert, die medizinischer Erfahrung zufolge unglaubhaft ist. Auch der Patient mag die Kraft in sich wirken fühlen, die ihm Gesundheit, Energie und schnelle Heilung bringt. Derjenige, der die Kraft anwendet, kann die Ergebnisse beobachten und sehen, wie die Symptome, auf die er einwirkt, sich verringern und jene, auf die er nicht einwirkt, sich vergrößern, bis er auf sie einwirkt, worauf sie sofort verschwinden; oder er beobachtet, wie der Arzt seinen unausgesprochenen Vorschlägen gemäß arbeitet usw. usw., bis die Heilung schließlich erfolgt. (Andererseits mag er erkennen, dass Kräfte gegen die Heilung wirken, und daraus schließen, dass die spirituelle Kraft sich mit einem Rückzug oder unvollkommenen Erfolg zufrieden geben muss.) In jedem Fall können sowohl der Arzt als auch der Patient oder derjenige, der die Kraft anwendet, glauben, die Heilung sei zumindest teilweise oder überhaupt aufgrund der spirituellen Kraft erfolgt. Diese Erfahrung ist natürlich nur für die Beteiligten gültig, nicht für einen äußeren, rationalisierenden Beobachter. Doch letzterer hat logischerweise kein Recht zu behaupten, dass ihre Erfahrungen unglaubwürdig oder falsch seien.

Noch etwas. Daraus folgt nicht, dass spirituelle Kraft in jedem Fall erfolgreich sein muss oder aber, wenn sie erfolglos war, nicht existierte. Von keiner Kraft kann dies behauptet werden. Die Kraft des Feuers besteht darin zu brennen, doch gibt es Dinge, die nicht brennen; unter bestimmten Umständen verbrennen nicht einmal die Füße der Menschen, die barfuß über rotglühende Kohlen gehen. Das beweist nicht, dass Feuer nicht brennen kann oder dass es nichts Derartiges wie die Kraft des Feuers, Agni-Shakti, gibt.

Es stimmt durchaus, dass du, wenn du dir selbst überlassen bist, nichts zu tun vermagst; das ist der Grund, warum du mit der Kraft in Kontakt sein musst, die dazu da ist, für dich das zu tun, was du selbst nicht für dich tun kannst. Die einzige Sache, die du tun musst ist, dem Wirken der Kraft stattzugeben und dich auf ihre Seite zu stellen; das bedeutet, Glauben an sie zu haben, sich auf sie zu verlassen, sich nicht zu sorgen und zu beunruhigen, ruhig an sie zu denken, ruhig sich an sie zu wenden, sie ruhig wirken zu lassen.

Heilung durch Öffnung des Körperbewusstseins für das Göttliche

Es ist immer die richtige innere Haltung, die innere und äußere Ruhe, der Glaube, die Öffnung des Körperbewusstseins für die Mutter und ihre Kraft, die die wahren Mittel zur Genesung sind – andere Dinge können nur kleine Hilfsmittel und Behelfe sein.

Was ich meinte war, dass das Körperbewusstsein aufgrund einer alten Gewohnheit des Bewusstseins die Kraft der Krankheit zulässt und die Erfahrungen durchläuft, die damit verbunden sind – zum Beispiel eine Ansammlung von Schleim in der Brust und das Gefühl des Erstickens oder Schwierigkeiten beim Atmen, usw. Um sich davon zu befreien, muss man im Körper selbst einen Willen und ein Bewusstsein wachrufen, die nicht zulassen, dass sich diese Dinge ihm aufdrängen. Das aber zu erreichen und mehr noch, es vollständig zu erreichen, ist schwierig. Ein Schritt darauf zu ist, das innere Bewusstsein vom Körper zu trennen – zu fühlen, dass nicht du es bist, der krank ist, sondern nur, dass im Körper etwas geschieht, das auf dein Bewusstsein einwirkt. Dann ist es möglich, dieses gesonderte Körperbewusstsein zu erkennen – was es fühlt, wie es auf Dinge reagiert und wie es arbeitet. Man kann dann darauf einwirken, um sein Bewusstsein und seine Reaktionen zu wandeln.

Viele Menschen verwechseln Passivität mit Trägheit. Ich habe das lange Zeit falsch verstanden. Ich blieb immer passiv, wenn ich eine Krankheit bekam, und dann stellte ich fest, dass ich ihr zustimmte.

Wahre Passivität ist Offenheit für die Höhere Kraft; sie ist keine Trägheit.

Passivität darf nicht zu Untätigkeit führen, andernfalls würde es die Trägheit des Wesens fördern. Nur innere Passivität gegenüber all dem, was von oben kommt, ist erforderlich – träge Passivität ist die falsche Art von Passivität.

Heilung durch Aspiration, Ruf, Gebet

In diesem Yoga besteht das ganze Prinzip darin, sich dem Göttlichen Einfluss zu öffnen. Er ist über dir, und sobald du dir seiner bewusst werden kannst, musst du ihn in dich herabrufen. Er kommt als Frieden, als Licht, als eine wirkende Kraft in das Mental und den Körper herab, als die Gegenwart des Göttlichen mit oder ohne Form, als Ananda. Bevor man dieses Bewusstsein erlangt hat, muss man Glauben haben und nach dem Sich-Öffnen streben. Die Aspiration, der Ruf, das Gebet sind Formen von ein und derselben Sache, und alle sind wirksam. Du kannst diejenige Form annehmen, die zu dir kommt oder die dir am leichtesten erscheint.

Das ist nicht Theorie, sondern eine ständige Erfahrung und, wenn sie eintritt, sogar eine sehr greifbare Erfahrung, dass sich über uns, über dem Bewusstsein im physischen Körper, gleichsam eine große, stützende Weite von Frieden, Licht, Macht und Freude befindet; wir können sie wahrnehmen und in das physische Bewusstsein herabbringen, sie kann bestehen bleiben – anfangs für eine gewisse Zeit, später häufiger und für längere Zeit und zuletzt für immer – und die gesamte Grundlage unseres täglichen Bewusstseins verändern. Noch bevor wir sie über uns wahrnehmen, können wir plötzlich fühlen, wie sie herabkommt und in uns eindringt. Erforderlich ist das sehnsuchtsvolle Streben nach einem ruhigen Mental, so dass das Sich-Öffnen möglich wird.

Kapitel 5

Heilung von Krankheiten durch innere Mittel

Heilung durch Gebrauch des Willens

Ja sicher, man kann von innen auf eine Krankheit einwirken und sie heilen. Es ist nur nicht immer einfach, weil in der Materie viel Widerstand vorhanden ist, ein Widerstand der Trägheit. Unermüdliche Beharrlichkeit ist notwendig; anfangs kann es durchaus misslingen; oder die Symptome [der Krankheit] können sogar zunehmen, langsam aber wächst die Fähigkeit, den Körper oder eine bestimmte Krankheit zu kontrollieren. Ich wiederhole: die Heilung eines gelegentlichen Anfalls von Krankheit durch innere Mittel ist verhältnismäßig einfach, aber den Körper für die Zukunft dagegen zu immunisieren ist schwieriger. Eine chronische Krankheit zu behandeln ist schwerer, und sie verschwindet zögernder als eine gelegentliche Störung des Körper-Systems. Solange die Kontrolle über den Körper noch nicht vollkommen ist, gibt es all diese und andere Mängel und Schwierigkeiten im Gebrauch der inneren Kraft.

Wenn du durch das innere Wirken eine Verschlimmerung verhindern kannst, bedeutet das allein schon etwas; dann musst du mit Hilfe von abhyasa die [Yoga-] Macht stärken, bis sie zu heilen vermag. Denke daran, dass eine Unterstützung durch physische Mittel nicht völlig zurückzuweisen ist, solange du noch nicht ganz über die [Yoga-] Macht verfügst.

Wie sollte sich der Sadhak in Bezug auf körperliche Krankheiten verhalten?

Vor allen Dingen muss er im vitalen Wesen und im Mental vollkommen unberührt bleiben. Die Krankheit ist die Auswirkung der Kräfte der Natur. Er muss seinen Willen einsetzen, um die Krankheit zurückzuweisen, und sein Wille muss als Vertreter des Göttlichen Willens benutzt werden. Wenn der Göttliche Wille in den Adhara [Gefäß] hinabsteigt, dann arbeitet er nicht mehr indirekt durch den Willen des Sadhaks, sondern direkt, und entfernt die Krankheit.

Mit dem Willen [die Krankheit loszuwerden] meinte ich, dass es etwas im Körper gibt, das die Krankheit akzeptiert und bestimmte Reaktionen hat, die diese Akzeptanz wirksam machen – es muss also immer einen entgegengesetzten Willen in den bewussten Teilen des Wesens geben, um diese höchst physische Akzeptanz loszuwerden.

Der Wille ist keine mentale Bemühung, es ist nicht der vitale Schub, von dem die Menschen im Allgemeinen Gebrauch machen, um ihre Wünsche zu befriedigen. Es ist auch kein starkes Wünschen; der Wille ist keine kämpferische, strebende und unruhige Angelegenheit. Er ist ruhig. Wenn er ruhig ist, ist es tatsächlich ein Ruf an die Höhere Kraft, herabzukommen und zu agieren. Es existiert ein gewisser Wille, der sich in einem Beherrschen der Natur auswirkt. Eine andere Art Wille übt keine Herrschaft aus, sondern sehnt sich in einer andächtigen Haltung nach der Herabkunft der Höheren Kraft. Der höchste Wille ist der Göttliche Wille. Eben dieser Wille ist unerlässlich für jeglichen Erfolg, er wirkt automatisch.

Heilung durch bewusste Suggestionen und Glaube

Suggestionen, die eine Krankheit oder ungesunde Verfassung des physischen Wesens hervorrufen, treten im Allgemeinen über das Unterbewusste auf – denn ein großer Teil des physischen Wesens, der stofflichste Teil, ist unterbewusst; das heißt, er hat ein eigenes, dunkles Bewusstsein, und zwar so dunkel und in sich selbst eingeschlossen, dass das Mental von seinen Bewegungen oder dem, was dort vorgeht, nichts weiß. Immerhin ist es ein Bewusstsein und kann Suggestionen von äußeren Kräften empfangen, genauso wie das Mental und Vital. Wäre das nicht der Fall, könnte es für die Kraft weder geöffnet noch durch diese Kraft geheilt werden, und ohne dieses Bewusstsein wäre es [das physische Wesen] nicht fähig zu reagieren. In Europa und Amerika wird diese Tatsache jetzt von vielen Menschen erkannt, die ihre Krankheit in der Weise behandeln, dass sie auf den Körper durch bewusste mentale Suggestionen einwirken, welche den dunklen, geheimen Suggestionen der Krankheit im Unterbewussten entgegenwirken. Ein berühmter französischer Arzt kurierte Tausende von Menschen, indem er sie veranlasste, auf den Körper ständig solche Gegensuggestionen einwirken zu lassen. Das beweist, dass Krankheit nicht nur rein stoffliche Ursachen hat, sondern durch eine Störung des verborgenen Bewusstseins im Körper ausgelöst wird.

Diese Autosuggestionen – in Wirklichkeit ist es Glaube in einer mentalen Form – wirken sowohl auf das Unterschwellige als auch auf das Unterbewusste ein. Im Unterschwelligen setzen sie die Kräfte des inneren Wesens in Tätigkeit, seine okkulte Fähigkeit, den Gedanken, Willen oder einfach die bewusste Kraft auf den Körper wirken zu lassen – im Unterbewussten bringen sie die Suggestionen von Tod und Krankheit zum Schweigen, welche die Wiederkehr der Gesundheit verhindern. Sie tragen auch dazu bei, die gleichen Dinge (feindliche Suggestionen) im Mental, Vital und Körperbewusstsein zu bekämpfen. Wo all dies vollständig oder mit einiger Vollständigkeit getan wird, können die Auswirkungen [der Autosuggestion] sehr bemerkenswert sein.

…die Heilung in den Zellen mit Hilfe des Glaubens ist eine Tatsache, ein Gesetz der Natur, und wurde häufig durchgeführt, auch außerhalb des Yoga. Der Weg zum Glauben sowie zu allen übrigen Dingen besteht darin, beharrlich auf ihrer Erlangung zu bestehen, sich der Schlaffheit, Verzweiflung oder des Aufgebens zu erwehren, bis man sie schließlich besitzt – es ist der Weg, auf dem bisher alles erreicht wurde, seit diese schwierige Erde begann, denkende und strebende Wesen zu beherbergen. Das bedeutet, sich wieder und wieder dem Licht zu öffnen und von der Finsternis abzuwenden. Es bedeutet, die Stimmen zurückzuweisen, die ständig sagen: „Du kannst nicht, du sollst nicht, du bist unfähig, du bist das Opfer eines Traumes“, denn dies sind feindliche Stimmen, die einen mit ihrem durchdringenden Getöse von dem Erfolg, der sich anbahnen wollte, abschneiden, um dann als Beweis ihrer Behauptung triumphierend auf die Dürftigkeit des Ergebnisses hinzuweisen. Die Schwierigkeit des Unterfangens ist bekannt, doch was schwierig ist, ist nicht unmöglich – es ist jene Schwierigkeit, die immer überwunden wurde, und alles Wertvolle in der Erdgeschichte wurde durch die Überwindung von Schwierigkeiten gewonnen. Auch in spiritueller Hinsicht ist es nicht anders.

Heilung durch Erinnerung des Purusha an seine wahre Natur

Wenn wir auf dem Pfad des Wissens einmal verstandesmäßig klargestellt haben, dass das, was als Wahrheit erscheint, gar nicht die Wahrheit ist, dass das Selbst nicht der Körper, das Leben oder das Mental ist, da diese nur seine Ausdrucksformen sind, muss es unser erster Schritt sein, das Mental in seinem praktischen Verhältnis zu Leben und Körper so zurechtzurücken, dass es in seine rechte Beziehung zum Selbst kommen kann. Das geschieht am leichtesten durch eine Methode, mit der wir schon vertraut sind, da sie bei unserer Betrachtung des Yoga des Wirkens eine wichtige Rolle spielte. Sie besteht darin, dass wir eine Trennung zwischen Prakriti und Purusha herstellen. Der Purusha, der als Seele erkennt und anordnet, hat sich in das Wirken seiner ausführenden bewussten Kraft so verwickeln (involvieren) lassen, dass er von ihrem physischen Wirken, das wir als Körper bezeichnen, irrtümlich annimmt, das sei er selbst. Er vergisst dabei seine Natur als die Seele, die weiß und befiehlt. Er meint, sein Mental und seine Seele seien dem Gesetz und Wirken des Körpers Untertan. Er vergisst, dass er viel mehr und größer ist als die physische Gestalt. Er hat vergessen, dass das Mental weiter reicht als die Materie und sich darum nicht ihren Verdunkelungen, Reaktionen und ihrer Gewöhnung an Trägheit und Untauglichkeit unterwerfen darf. Er hat vergessen, dass er, mehr noch als das Mental, eine Macht ist, die das mentale Wesen über sich hinausheben kann. Er weiß nicht mehr, dass er der Meister und das Transzendente ist und dass es sich nicht ziemt, als Meister an seine eigenen Wirkensweisen versklavt zu sein. Das Transzendente sollte nicht in eine Form eingesperrt werden, die nur als kleiner Teil seines eigenen Seins existiert. Dieses Vergessen des Purusha muss der Erinnerung an seine wahre Natur weichen. Durch Besinnung findet er vor allem jene Wahrheit wieder, dass der Körper nur eine unter vielen Wirkensweisen der Prakriti ist.

Wir sagen also zum Mental: „Das ist ein Wirken der Prakriti. Das bist nicht du, noch bin ich es. Tritt daher hinter den Körper zurück!“ Jetzt werden wir finden, dass das Mental die Kraft hat, sich vom Körper zu lösen und in der Tat, physisch oder vital, hinter ihn zurückzutreten. Die Loslösung des Mentals muss durch eine gewisse gleichgültige Haltung gegenüber dem, was den Körper betrifft, verstärkt werden. Wir sollen uns nicht so, als ob das das Wesentliche sei, um seinen Schlaf oder sein Wachsein, seine Bewegung oder Ruhe, seinen Schmerz oder seine Lust, um seine Gesundheit oder Krankheit, seine Stärke oder Ermüdung, um seine Bequemlichkeit oder Unbequemlichkeit oder darum kümmern, was er isst oder trinkt. Das bedeutet keineswegs, dass wir unseren Körper nicht, soweit wir es vermögen, in der rechten Ordnung halten sollen. Wir dürfen nicht in gewaltsame Askese oder in Missachtung unserer physischen Struktur verfallen. Andererseits sollen wir aber auch in unserem Mental nicht durch Hunger, Durst, Unbequemlichkeit oder Erkrankung beeinträchtigt werden. Wir dürfen den Dingen des Körpers nicht eine solche Bedeutung beimessen, wie das der physische oder vitale Mensch tut. Wir sollen ihnen nur eine untergeordnete, rein instrumentale Bedeutung beilegen, die nicht die Ausmaße einer Notwendigkeit annehmen darf. Wir dürfen uns nicht etwa einbilden, die Reinheit des Mentals hänge von den Dingen ab, die wir essen oder trinken, wenn auch in einer gewissen Entwicklungsstufe Einschränkungen im Essen und Trinken für unseren Fortschritt nützlich sein mögen. Auch sollen wir stets daran denken, dass die Abhängigkeit des Mentals, ja des Lebens von Speise und Trank nichts ist als eine Gewohnheit, eine gewohnheitsmäßige Beziehung, die die Natur zwischen diesen Prinzipien eingerichtet hat. Tatsächlich kann die Nahrung, die wir einnehmen, durch eine entgegengesetzte Gewohnheit herabgesetzt, ein neues Verhältnis kann durch ein Minimum an Nahrung hergestellt werden, ohne dass die mentale und vitale Kraft dadurch vermindert würden. Im Gegenteil können diese in einer wohl überlegten Entwicklung dadurch zu höherer Kraftentfaltung und Stärke gebracht werden, dass sie lernen, sich auf die geheimen Quellen der mentalen und vitalen Energie, mit der sie verbunden sind, mehr zu verlassen als auf die untergeordnete Hilfe der physischen Nahrungsmittel. Dieser Aspekt der Selbst-Disziplin ist jedoch im Yoga der Selbst-Vervollkommnung wichtiger als hier. Für unsere gegenwärtige Absicht ist es wichtig, dass das Mental alle Bindung an den Körper aufgibt und aller Abhängigkeit entsagt.

Es hängt ganz davon ab, wo das Bewusstsein sich festigt und konzentriert. Konzentriert oder festigt sich das Bewusstsein im Ego, dann ist es mit dem Ego identifiziert; konzentriert es sich im Mental, dann ist es mit dem Mental und seinen Tätigkeiten identifiziert und so weiter. Richtet das Bewusstsein sich nach außen, dann sagt man, es lebt im äußeren Wesen, es vergisst sein inneres Mental, sein inneres Vital und seine innerste Seele; wendet es sich nach innen und verlagert dorthin sein zentrales Gewicht, dann erkennt es sich als das innere Wesen oder noch tiefer als das seelische Wesen; erhebt es sich aus dem Körper zu jenen Ebenen, auf denen das Selbst sich in natürlicher Weise seiner Weite und Freiheit bewusst ist, dann erkennt es sich als das Selbst und nicht als Mental, Leben oder Körper. Dieses Ausgerichtetsein des Bewusstseins ist es, das den ganzen Unterschied ausmacht. Daher muss man das Bewusstsein im Herzen oder im Mental sammeln, um sich nach innen oder oben wenden zu können. Das Ausgerichtetsein des Bewusstseins entscheidet alles und macht den Menschen überwiegend mental, vital, körperlich oder seelisch, gebunden oder frei, losgelöst im Purusha oder verstrickt in die Prakriti.

Wenn wir lernen, in unserem Innern zu leben, erwachen wir unfehlbar zur Erkenntnis dieser Gegenwart in uns, die unser wirklicheres Selbst ist: eine tiefe, stille, frohe und machtvolle Gegenwart, deren Meister nicht die Welt ist, eine Gegenwart, die, wenn sie nicht der Herr Selbst, dann doch die Strahlung des Herrn in unserem Innern ist. Wir werden ihrer inne, da sie unser äußerlich erscheinendes und vordergründiges Selbst fördert und ihm hilft, seiner Lust und seinen Schmerzen zulächelt, als sei es der Irrtum und die Leidenschaft eines kleinen Kindes. Und wenn wir zurücktreten können in uns selbst und uns identifizieren, nicht mit unserer oberflächlichen Erfahrung, sondern mit dem strahlenden Lichtkreis des Göttlichen, vermögen wir den Kontakten der Welt gegenüber in dieser Haltung zu leben. Indem wir in unserem ganzen Bewusstsein hinter den Erfahrungen von Lust und Schmerz des Körpers, des vitalen Wesens und des Mentals zurückstehen können, besitzen wir sie zwar als Erfahrungen, ihre Natur kann aber, oberflächlich wie sie ist, unseren Kern und wahres Wesen nicht berühren oder beeindrucken. Nach den höchst ausdrucksvollen Begriffen des Sanskrit gibt es ein anandamaya hinter dem manomaya, ein unermessliches Seligkeits-Selbst hinter dem begrenzten mentalen Selbst. Letzteres ist nur ein Schattenbild und ein entstellter Reflex des ersteren. Die Wahrheit unserer selbst liegt in unserem Inneren und nicht an der Oberfläche.

Der Friede und das spontane Wissen sind im seelischen Wesen und von dort breiten sie sich zum Mental, Vital und Physischen aus. Im äußeren physischen Bewusstsein versucht die Schwierigkeit noch anzudauern und überträgt die Ruhelosigkeit manchmal auf das physische Mental, manchmal auf die Nerven und manchmal in Form von physischer Störung auf den Körper. All diese Dinge aber können und müssen gehen. Selbst die Krankheit kann gänzlich mit dem Wachsen des Friedens und der Kraft in den Nerven und physischen Zellen aufhören – Magenschmerzen, Augenschwäche und alles Übrige.

  1. Bibliographie

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