Kapitel 1
Was ist Wille?
Worte Sri Aurobindos
Was Wille bedeutet:
Die Kraft des Wesens in einer bewussten Handlung ist Wille…
Worte Sri Aurobindos
[Der Wille ist] eine bewusste Kraft, die mit einer Erkenntnis und einem Ziel handelt.
Worte Sri Aurobindos
[Unterschied zwischen Aspiration und Wille] Die Aspiration ist ein Ruf an die Göttliche Kraft, um zu wirken – der Wille ist selbst eine Kraft, die eingesetzt wird, um zu wirken oder Ergebnisse zu erreichen oder hervorzubringen.
Worte Sri Aurobindos
Was im Ego zum Begehren wird, ist im Geist Wille.
Worte Sri Aurobindos
Es ist dieses Chit [Chit ist das reine Bewusstsein], das sich so verändert, dass es auf der Wahrheitsebene zum Supramental wird, auf der Mentalebene zur mentalen Vernunft, zum Willen, zur Emotion, zur Empfindung, auf den niederen Ebenen zu den vitalen oder physischen Instinkten, Impulsen, Gewohnheiten einer obskuren Kraft, die nicht im unmittelbaren bewussten Besitz ihrer selbst ist. Alles ist Chit, weil alles Sat ist; alles ist eine verschiedenartige Bewegung des ursprünglichen Bewusstseins, weil alles eine verschiedenartige Bewegung des ursprünglichen Seins ist.
Worte Sri Aurobindos
Der Wille des menschlichen Wesens:
Der Wille ist Kratu, die wirksame Kraft hinter der Handlung. Er ist von der Wesensart des Bewusstseins; er ist Energie des Bewusstseins, und obwohl er in allen Formen, ob bewusst, unter- oder überbewusst, vital, physisch oder mental, vorhanden ist, gelangt er nur dann zu seinem eigentlichen Reich, wenn er im Mental auftaucht. Er benutzt die mentale Fähigkeit des Gedächtnisses, um die Aktivitäten des Individuums miteinander zu verbinden und bewusst auf das Ziel zu lenken.
Worte Sri Aurobindos
Die Essenz des göttlichen Willens ist, dass in ihm Bewusstsein und Energie, Wissen und Kraft eins sind. … Es ist dieser göttliche Wille, der das Universum lenkt; er ist eins mit allen Dingen, die er miteinander verbindet, und sein Sein, sein Wissen, sein Wirken sind untrennbar miteinander verbunden. Was er ist, das weiß er; was er weiß, das tut und wird er.
Sobald aber das egoistische Bewusstsein auftaucht und sich einmischt, gibt es eine Störung, eine Spaltung, ein falsches Wirken. Der Wille wird zu einem Trieb, der sein geheimes Motiv und Ziel nicht kennt, das Wissen wird zu einem zweifelhaften und partiellen Strahl, der nicht im Besitz des Willens, der Tat und des Ergebnisses ist, sondern nur danach strebt, sie zu besitzen und zu erfahren. Das liegt daran, dass wir nicht im Besitz unseres Selbstes, atmavan, unseres wahren Wesens sind, sondern nur im Besitz des Egos. Was wir sind, wissen wir nicht; was wir wissen, können wir nicht zur Wirksamkeit bringen.
Worte Sri Aurobindos
Der Wille des Menschen in der Unwissenheit wirkt im Schein partiellen Lichtes, öfter eines nur flackernden Lichtes, das ebenso irreführt wie erleuchtet. Das Mental ist Unwissenheit, die geltende Maßstäbe des Wissens zu errichten strebt. Sein Wille ist Unwissenheit, die geltende Maßstäbe rechten Handelns aufstellen möchte. Sein Mentalwesen ist infolgedessen eher ein Reich, das mit sich selbst zerfallen ist, eine Idee, die mit anderen Ideen in Konflikt steht. Der Wille befindet sich oft im Widerstreit mit dem Ideal des Rechten oder mit dem intellektuellen Wissen. Der Wille selbst nimmt verschiedene Gestalten an: als Wille der Intelligenz, Wünsche des Gefühls-Mentals, Begierden der Leidenschaft und des vitalen Wesens, als Impulse und blinder oder halbblinder Zwang der nervlichen und der unterbewussten Natur. Alle diese Willenstendenzen führen keineswegs zur Harmonie; bestenfalls kommt es zu einer zweifelhaften Harmonie innerhalb der Disharmonien. Der Wille des Mentals und des Lebens tastet unsicher bei seinem Suchen nach der rechten Kraft, dem rechten Tapas, die man in ihrem wahren, vollen Licht und als wirkliche Leitung nur im Einswerden mit dem spirituellen und supramentalen Wesen erlangen kann.
Worte Sri Aurobindos
Man sagt, das Verlangen sei die eigentliche Antriebskraft im menschlichen Leben; würde man es ausschalten, so würden die Quellen des Lebens versiegen. Sein Begehren zu befriedigen, ist des Menschen einziges Vergnügen; wenn man ihm das wegnehmen würde, käme es zur Vernichtung des Lebensimpulses durch quietistisches Asketentum. Die wirkliche Antriebskraft des seelischen Lebens ist aber der Wille. Das Begehren ist nur eine Entstellung des Willens im vorherrschenden körperlichen Leben und im physischen Mental. Die wesenhafte Hinwendung der Seele zum Besitz und Genuss der Welt ist eigentlich ein Wille zur seligen Freude. Der Genuss an der Befriedigung des Verlangens ist nur eine vitale und physische Entwürdigung des Willens zur seligen Freude. Darum ist es wesentlich, zwischen geläutertem Willen und dem Verlangen, zwischen dem inneren, auf die wahre Freude gerichteten Willen und der nach außen strebenden Lust, dem Verlangen des Mentals und dem des Körpers zu unterscheiden.
Worte Sri Aurobindos
Der Göttliche Wille:
Hinter der belanglosen instrumentalen Tätigkeit des menschlichen Willens wirkt etwas ungeheuer Weites, Machtvolles, Ewiges, das den Überblick über die Tendenz des Willens hat und seinen Druck auf seine Einstellung ausübt. In der Natur herrscht eine totale Wahrheit, die größer ist als unsere individuelle Entscheidung. In dieser totalen Wahrheit – oder eigentlich jenseits von ihr und hinter ihr –, regiert das, was alle Ergebnisse entscheidend bestimmt. Seine Gegenwart und sein geheimes Wissen halten im Gang der Natur stetig eine dynamische, fast automatische Ordnung der richtigen Beziehungen, der unterschiedlichen oder immer wiederkehrenden Notwendigkeiten und der unvermeidlichen Schritte des Ablaufs aufrecht. Ein geheimer göttlicher Wille bringt sich ewig und unendlich, allwissend und allmächtig sowohl in den universalen Vorgängen als auch in jedem besonderen Prozess aller dieser erscheinenden vergänglichen und endlichen, unbewussten oder halbbewussten Dinge zum Ausdruck. Das ist jene Macht oder Gegenwart, auf welche die Gita hinweist, wenn sie von dem Herrn im Herzen aller Geschöpfe des Daseins spricht, durch den diese sich so im Kreise drehen, als ob sie durch die Illusion der Natur auf eine Maschine montiert wären.
Dieser göttliche Wille ist für uns keine fremde Macht oder Gegenwart. Er ist uns innig vertraut, und wir selbst sind ein Teil von ihm. Denn unser eigenes höchstes Selbst ist es, das ihn besitzt und trägt. Nur ist das nicht unser bewusster mentaler Wille. Jener göttliche Wille in uns verwirft oft genug das, was unser bewusster Wille akzeptiert, und nimmt das an, was unser bewusster Wille ablehnt. Während dieser geheime Eine alles weiß und jedes Ganze und jegliches Detail kennt, weiß das Mental unserer äußeren Person nur einen ganz geringen Teil der Dinge. Unser Wille wird uns im Mental bewusst; was er weiß, weiß er nur durch das Denken. Der göttliche Wille ist für uns überbewusst, weil er seinem Wesen nach supramental ist; er weiß alles, weil er alles ist. Unser höchstes Selbst, das diese universale Macht besitzt und stützt, ist nicht unser Ego-Selbst und nicht unsere personale Natur. Es ist etwas Transzendentes und Universales, wovon diese untergeordneten Erscheinungen nur etwas wie ein Schaum und eine flutende Oberfläche sind. Wenn wir unseren bewussten Willen unterwerfen und ihn mit dem Willen des Ewigen einswerden lassen, dann, und nur dann, werden wir zur wahren Freiheit gelangen. Wir werden dann in der göttlichen Freiheit leben und uns nicht mehr an diesen gefesselten sogenannten freien Willen klammern, an die Freiheit einer Marionette, die unwissend, illusionär, relativ und an den Irrtum ihrer eigenen unzulänglichen vitalen Motive und mentalen Gedankenbilder gebunden ist.
Worte Sri Aurobindos
Das ist die einzige für einen Menschen mögliche wahre Freiheit: eine Freiheit, die er erlangen kann, wenn er über seine mentale Abgesondertheit hinauswächst und zur bewussten Seele in der Natur wird. Der einzige freie Wille in der Welt ist allein der göttliche Wille, dessen Vollstreckerin die Natur ist. Denn sie ist die Meisterin und Schöpferin aller anderen Willensregungen.
Kapitel 2
Wie man den Göttlichen Willen erkennt
Worte Sri Aurobindos
Man bedarf eines ruhigen Mentals, um den Göttlichen Willen zu erkennen. In das ruhige, dem Göttlichen zugewandte Mental kommt die Intuition aus dem Göttlichen Willen und auch der rechte Weg, ihn zu erfüllen.
Worte Sri Aurobindos
Sobald das Mental geläutert und die Seele hervorgetreten ist, spürt man den Göttlichen Willen und auch das, was sich ihm widersetzt.
Worte Sri Aurobindos
Ein empfangsbereites Schweigen des Mentals, ein Auslöschen des mentalen Egos und die Zurückführung des mentalen Wesens auf den Platz eines Betrachters, ein enger Kontakt mit der Göttlichen Macht und die Offenheit des Wesens gegenüber diesem einen Einfluss und keinem anderen sind die Bedingungen dafür, ein Instrument des Göttlichen zu werden, von ihm und nur von ihm bewegt zu werden.
Worte Sri Aurobindos
(Immer vom Göttlichen beherrscht zu werden:) Eine fortwährende Aspiration, ein sehnsuchtsvolles Streben danach ist das erste; als nächstes eine Art innerer Stille und ein Zurücktreten von der äußeren Tätigkeit in diese Stille sowie eine Art lauschender Erwartung, nicht eines Klanges, sondern des spirituellen Fühlens oder Befehls des Bewusstseins, der über die Seele erfolgt.
Worte Sri Aurobindos
Was das innere Fühlen anbelangt, so hängt es davon ab, ob man fähig ist, sich nach innen zu wenden. Manchmal kommt es von selbst mit der Vertiefung des Bewusstseins durch Bhakti oder durch etwas anderes, manchmal kommt es durch Übung – gleichsam indem man auf etwas hinweist und dann auf die Antwort hört; „hören“ ist natürlich eine Metapher, doch ist es schwierig, es anders auszudrücken; es bedeutet nicht, dass die Antwort notwendigerweise in Form von gesprochenen oder ungesprochenen Worten kommen muss – obwohl auch dies manchmal geschieht –, sie kann jede Form annehmen. Die Hauptschwierigkeit für die meisten besteht darin, der rechten Antwort sicher zu sein. Hierfür ist es notwendig, mit dem Bewusstsein des Guru innerlich Kontakt aufnehmen zu können – am besten durch Bhakti. Andernfalls kann der Versuch, das rechte Fühlen von innen zu erlangen, eine heikle und schwierige Angelegenheit werden. Folgendes steht ihm im Wege: (1) die übliche Gewohnheit, sich für alles auf äußere Mittel zu verlassen; (2) das Ego, das seine Vorschläge als die richtige Antwort suggeriert; (3) die mentale Aktivität; (4) eindringende Störungen.
Worte der Mutter
Der Wille des Göttlichen ist nicht schwer zu erkennen. Er ist unmissverständlich. Man braucht dazu auf dem Pfad nicht weit fortgeschritten zu sein. Doch musst du auf seine Stimme hören, die leise, ruhige und friedvolle Stimme in der Stille deines Herzens. Wenn du an dieses Lauschen gewöhnt bist und dann etwas dem Göttlichen Willen Entgegengesetztes tust, empfindest du sogleich ein Unbehagen; gehst du aber trotzdem in der falschen Richtung weiter, so erfasst dich eine schwere Verstimmung. Für diese kannst du irgendeine materielle Begründung finden, um auf deinem Weg zu beharren. Dann verlierst du allmählich die Gabe der Wahrnehmung, und schließlich kannst du alles Mögliche begehen, ohne eine Warnung zu erhalten. Wenn du aber umgekehrt beim geringsten Unbehagen innehältst und dein inneres Wesen fragst: „Wo rührt das her?“, so bekommst du die richtige Antwort, und die Sache wird völlig klar. Empfindest du eine leichte Niedergeschlagenheit oder ein leises Unwohlsein, so versuche nicht, dafür eine äußere Erklärung zu finden. Und wenn du in dich gehst, um diesen Vorgang zu ergründen, sei absolut gerade und aufrichtig. Zunächst wird dein Denken irgendeine einleuchtende und vorteilhafte Erklärung liefern. Nimm sie nicht an, sondern blicke darüber hinaus und frage: „Was steht hinter dieser Regung? Warum habe ich das getan?“ Zuletzt entdeckst du in einem Winkel versteckt einen Knick, eine kleine Abweichung oder Entstellung in deiner Haltung, und da sitzt die Ursache der Störung.
Worte der Mutter
Wenn du dem Weg der Hingabe folgst, musst du der persönlichen Anstrengung ein Ende setzen; das heißt aber nicht, dass du auch allen Willen beim Tun aufgeben sollst. Du kannst im Gegenteil die Verwirklichung beschleunigen, indem du deinen Willen dem Göttlichen Willen zugesellst. Auch das ist Hingebung, in anderer Form.
Erforderlich ist nicht eine passive Hingabe, die dich zu einem trägen Klotz werden lässt, sondern dass du deinen Willen dem Göttlichen Willen zur Verfügung stellst.
Wie aber lässt sich das tun, bevor die Einung vollzogen ist?
Du hast einen Willen und du kannst diesen Willen darbringen. Du willst zum Beispiel dir deiner Nächte bewusst werden. Nimmst du nun die Haltung passiver Hingabe ein, würdest du sagen: „Wenn es Gottes Wille ist, dass ich bewusst werden soll, dann werde ich bewusst.“ Bringst du hingegen deinen Willen dem Göttlichen dar, so fasst du einen Entschluss und sagst: „Ich werde mir meiner Nächte bewusst.“ Du hast den Willen, dass es sei; du wartest nicht einfach untätig ab. Die Hingabe kommt ins Spiel, wenn du die Haltung einnimmst, die sagt: „Ich gebe meinen Willen dem Göttlichen. Ich will mit aller Kraft mir meiner Nächte bewusst werden, ich habe aber nicht das Wissen, möge es der Göttliche Wille für mich ausarbeiten.“ Dein Wille muss weiterhin ständig handeln und zwar nicht in der Weise, dass er eine bestimmte Tätigkeit wählt oder etwas Bestimmtes verlangt, sondern als eine inbrünstige Aspiration, die sich auf das zu erreichende Ziel konzentriert. Das ist der erste Schritt. Wenn du wachsam und aufmerksam bist, wirst du sicherlich etwas in Form einer Inspiration empfangen, was zu tun ist, und du machst dich unverzüglich an die Ausführung. Nur darfst du nie vergessen: Hingabe heißt, das Ergebnis deines Handelns anzunehmen, wie es auch sei, selbst wenn es ganz anders ist, als du es erwartet hast. Ist dagegen deine Hingabe von passiver Art, so willst und versuchst du gar nichts; indem du auf das Wunder wartest, schläfst du ganz einfach ein.
Nun, um zu wissen, ob dein Wille oder Wunsch mit dem Göttlichen Willen übereinstimmt oder nicht, musst du achtgeben, ob du darauf eine Antwort erhältst oder nicht, ob du dich bestätigt oder widersprochen fühlst, nicht vom Mental oder vom Vital oder vom Körper, sondern von etwas, das immer tief im inneren Wesen da ist, in deinem Herzen.
Teil 5 EINE GRUNDSÄTZLICHE FRAGE
Kapitel 1
Wozu machen wir eigentlich eine Sadhana?
Worte der Mutter
Liebe Mutter, hier steht: „…diese Befreiung, diese Vollkommenheit, diese Fülle werden nicht für uns selbst verwirklicht, sondern für das Göttliche.“ Ist denn die Sadhana, die man macht, nicht für uns selbst?
Er betont es ja gerade. Es ist lediglich, um es zu unterstreichen. Es bedeutet, dass diese ganze Vollkommenheit, die man erwirbt, nicht zu einem persönlichen, egoistischen Zweck erworben wird, sondern, um das Göttliche manifestieren zu können, sie wird in den Dienst des Göttlichen gestellt. Man verfolgt diese Entwicklung nicht mit einer egoistischen Absicht persönlicher Vollkommenheit; man verfolgt sie, weil das göttliche Werk vollendet werden soll.
Aber warum macht man dieses göttliche Werk? Ist es, um uns…
Nein, überhaupt nicht! Weil es der göttliche Wille ist. Es geschieht überhaupt nicht um eines persönlichen Grundes willen, das soll es nicht sein. Es geschieht deshalb, weil der göttliche Wille so ist, und es ist das göttliche Werk.
Solange sich eine persönliche Aspiration hineinmischt oder ein persönlicher Wunsch, ein egoistischer Wille, wird immer eine Mischung daraus und es ist nicht genau der Ausdruck des göttlichen Willens. Das Einzige, was zählen soll, ist der göttliche Wille, Sein Wille, Seine Manifestation, Sein Ausdruck. Dafür ist man da, das ist man und nichts anderes. Und solange ein Gefühl des Ichs, des Egos, der Person hereinkommt, beweist das, dass man noch nicht ist, was man sein sollte, das ist alles. Ich behaupte nicht, dass das von heute auf morgen geschehen kann, doch ist es nun mal die Wahrheit.
Es ist gerade deshalb, weil es auch auf dieser Ebene, auf der spirituellen Ebene, viel zu viele Leute gibt (ja, ich möchte sagen, die Mehrheit derer, die das spirituelle Leben aufnehmen und Yoga machen), es gibt viel zu viele, die Yoga aus persönlichen Gründen machen, aus allen möglichen persönlichen Gründen: die einen, weil sie des Lebens überdrüssig sind, die anderen, weil sie unglücklich sind, wieder andere, weil sie mehr wissen wollen, andere, weil sie spirituell groß werden wollen, andere, weil sie Dinge lernen wollen, die sie andere lehren können, also, es gibt tausend persönliche Gründe, um den Yoga aufzunehmen. Doch diese einfache Sache, sich dem Göttlichen zu geben, damit das Göttliche einen nimmt und aus einem macht, was Es will, und das in seiner ganzen Reinheit und Beständigkeit, nun, das tun nicht viele, und doch ist das die Wahrheit; und damit geht man direkt aufs Ziel los und läuft nie Gefahr, sich zu irren. Aber alle anderen Motive sind immer vermischt, gefärbt vom Ego; und natürlich können sie einen hierhin und dorthin führen, und auch sehr weit weg vom Ziel.
Doch diese Art von Gefühl, dass man nur einen einzigen Daseinszweck hat, ein einziges Ziel, einen einzigen Beweggrund, die ganze vollkommene und vollständige Weihung an das Göttliche, die so weit geht, dass man sich nicht mehr von Ihm unterscheiden kann, dass man das Göttliche gänzlich ist, vollständig, total, ohne irgendeine persönliche Reaktion, die dazwischentreten könnte, das ist die ideale Haltung; und im Übrigen ist es die einzige, durch die man im Dasein und im Werk vorankommen kann, unbedingt geschützt vor allem und geschützt vor sich selbst, der allergrößten Gefahr für einen – es gibt keine größere Gefahr als das Ich (ich fasse das „Ich“ im Sinn eines egoistischen Selbstes). Das ist es, was Sri Aurobindo hier sagen wollte, nichts anderes…
Mutter, du sagtest jetzt, dass wir alles für das Göttliche tun sollten.
Ja.
Aber warum will sich das Göttliche auf der Erde in einem Chaos manifestieren?
Weil das Göttliche dafür die Erde erschaffen hat, aus keinem anderen Motiv heraus – die Erde ist das Göttliche selbst in einer Entstellung –, und weil das Göttliche sie in ihrer Wahrheit wiederherstellen will. Die Erde ist nicht etwas von Ihm Getrenntes und Ihm Fremdes. Sie ist eine Entstellung von Ihm selbst und soll wieder das werden, was sie in ihrer Essenz war, das heißt das Göttliche.
Warum ist das Göttliche uns dann fremd?
Es ist doch nicht fremd, mein Kind. Du stellst dir vor, dass Es fremd ist, doch Es ist nicht im Geringsten fremd. Das Göttliche ist die Essenz deines Wesens – gar nicht fremd. Du kannst Es ignorieren, aber Es ist nicht fremd. Es ist sogar die Essenz deines Wesens. Ohne das Göttliche würdest du nicht existieren. Ohne das Göttliche könntest du nicht einmal den millionsten Teil einer Sekunde existieren. Nur, weil du in einer Art Illusion der Falschheit und Entstellung lebst, bist du nicht bewusst. Du bist dir selbst nicht bewusst, dir ist etwas bewusst, von dem du glaubst, dass du es bist, das aber nicht du ist.
Was bin ich dann, liebe Mutter?
Das Göttliche!
Worte der Mutter
Das wahre Ziel des Lebens besteht darin, die Göttliche Präsenz tief in sich selbst zu finden und sich Ihr hinzugeben, damit Sie die Führung des Lebens, aller Gefühle und aller Tätigkeiten des Körpers übernimmt.
Bibliographie
Zitat
- CWSA Vol. 33-34, pp. 432-33
Oh, wozu sich aufregen
- CWM Vol. 1, p. 105
Das ganze Geheimnis des Karma-Yoga
- CWSA Vol. 23-24, p. 279
- CWSA Vol. 12, p. 351
- CWSA Vol. 12, p. 354
- CWSA Vol. 23-24, pp. 39-40
- CWSA Vol. 12, p. 349
Das ist Karma-Yoga
- CWSA Vol. 12, p. 353
- CWSA Vol. 12, p. 472
Der Knoten der Begierde – Wie man ihn löst
- CWSA Vol. 23-24, pp. 101-03
Die Umwandlung der motivierenden Kraft unseres Handelns
- CWSA Vol. 23-24, pp. 104-05
Die vier Schritte im Karma-Yoga
- CWSA Vol. 23-24, pp. 221-53
Die Formulierung unseres Bestrebens
- CWSA Vol. 23-24, p. 101
Dies, zusammengefasst, wird von uns gefordert
- CWSA Vol. 23-24, pp. 111-13
Der Empfänger des Opfers und das Opfer
- CWSA Vol. 23-24, pp. 109-10
- CWSA Vol. 23-24, p. 109
Wie das Göttliche dem Sucher auf dem Weg begegnet
- CWSA Vol. 23-24, pp. 261-62
- CWSA Vol. 23-24, pp. 245-47
- CWM Vol. 14, p. 9
Anleitung für Aspiranten
- CWSA Vol. 29, pp. 220-21
- CWSA Vol. 29, p. 216
- CWSA Vol. 29, p. 221
- CWSA Vol. 29, p. 212
- CWSA Vol. 29, p. 209
- CWSA Vol. 29, p. 213
- CWSA Vol. 29, pp. 234-35
- CWSA Vol. 29, p. 248
- CWSA Vol. 29, pp. 290-91
- CWSA Vol. 32, p. 254
Wie man sich bei der Arbeit an das Göttliche erinnert
- CWSA Vol. 29, pp. 214-15
Früchte der geleisteten Arbeit für das Göttliche
- CWSA Vol. 29, pp. 216-18
Mantrische Worte Sri Aurobindos
- CWSA Vol. 32, pp. 12-13
- CWSA Vol. 32, p. 319
Was ist Wille?
- CWSA Vol. 21-22, p. 1061
- Guidance from Sri Aurobindo, 1., p. 107
- Guidance from Sri Aurobindo, 1., p. 107
- CWSA Vol. 21-22, p. 800
- CWSA Vol. 23-24, p. 389
- CWSA Vol. 17, p. 79
- CWSA Vol. 17, pp. 80-81
- CWSA Vol. 24, p. 791
- CWSA Vol. 24, p. 658
- CWSA Vol. 23-24, p. 97
- CWSA Vol. 23-24, p. 96
Wie man den Göttlichen Willen erkennt
- CWSA Vol. 29, p. 263
- CWSA Vol. 29, p. 263
- CWSA Vol. 29, p. 266
- CWSA Vol. 29, p. 261
- CWSA Vol. 29, p. 261
- CWM Vol. 3, pp. 8-9
- CWM Vol. 3, pp. 18-19
Wozu machen wir eigentlich eine Sadhana?
- CWM Vol. 7, pp. 189-92
- CWM Vol. 14, p. 5
Gesamtausgaben
- CWM: Collected Works of the Mother, 2nd ed., Vols. 1-17
- CWSA: Complete Works of Sri Aurobindo, 2012, Vols. 1-37