Kapitel 9
KONZENTRATION, MEDITATION, ARBEIT
Die Aufmerksamkeit konzentrieren
Was du immer im Leben tun willst, eine Sache ist absolut unentbehrlich und liegt allem zugrunde, die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Wenn du in der Lage bist, die Strahlen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins auf einen Punkt zusammenzubündeln und diese Konzentration mit einem beharrlichen Willen aufrechterhalten kannst, ist nichts imstande, dem zu widerstehen – was immer es sein mag, von äußerster materiell-physischer Entwicklung bis zur höchsten spirituellen. Aber dieser Disziplin muss man in beständiger und, es darf gesagt werden, unerschütterlicher Weise folgen. Nicht, dass du immer auf dieselbe Sache konzentriert sein solltest – das ist es nicht, was ich meine, ich meine, lernen, sich zu konzentrieren.
Auf der physischen Ebene, fürs Lernen, für jede körperliche und mentale Entwicklung ist es absolut unerlässlich. Und die Bedeutung eines Individuums entspricht dem Vermögen seiner Aufmerksamkeit.
Aus spiritueller Sicht ist es sogar noch wichtiger. Es gibt kein spirituelles Hindernis, das der durchdringenden Macht der Konzentration widerstehen kann. Zum Beispiel die Entdeckung des psychischen Wesens, Einheit mit dem inneren Göttlichen, sich höheren Sphären öffnen – alles kann durch eine intensive und hartnäckige Konzentration erreicht werden – aber man muss sie erst erlernen.
Im menschlichen oder sogar übermenschlichen Feld gibt es nichts, zu dem die Macht der Konzentration nicht den Schlüssel liefert.
Mit dieser Fähigkeit kannst du der beste Athlet werden, der beste Lernende, ein künstlerischer, literarischer oder wissenschaftlicher Genius, der größte Heilige. Und jeder birgt in sich selbst einen winzig kleinen Keim davon – es ist jedem gegeben, aber die Menschen entwickeln es nicht.
Konzentration
Was ist Konzentration?
Es bedeutet, all die versprengten Fäden des Bewusstseins auf einen einzigen Punkt, eine einzige Idee zurückzuführen. Jene, die vollkommene Aufmerksamkeit erreichen, sind in allem, was sie unternehmen, erfolgreich. Sie werden immer einen raschen Fortschritt erzielen. Und diese Art von Konzentration kann man genauso entwickeln wie seine Muskeln. Man mag unterschiedlichen Systemen, unterschiedlichen Trainingsmethoden folgen. Heute wissen wir, dass zum Beispiel der bedauernswerteste Schwächling mit Disziplin so stark werden kann wie jeder andere. Man sollte keinen Willen haben, der wie eine Kerzenflamme flackernd erlischt.
Der Wille, die Konzentration müssen herangebildet werden. Es ist eine Frage der Methode, der regelmäßigen Übung. Wenn du willst, kannst du.
Aber der Gedanke: „Wozu soll das gut sein?“ darf nicht aufkommen und den Willen schwächen. Die Vorstellung, man sei mit einem bestimmten Charakter geboren und daran sei nichts zu ändern, ist Dummheit.
Konzentriere dich im Zentrum der Sehnsucht
Es ist immer besser zu versuchen, sich in einem Zentrum zu konzentrieren, dem Zentrum der Sehnsucht könnte man sagen, dem Ort, wo die Flamme der Sehnsucht brennt, alle Energien dort zu versammeln und, wenn möglich, ein aufmerksames Schweigen herzustellen, so als wolle man etwas äußerst Feinem lauschen, etwas, das vollständige Aufmerksamkeit, vollkommene Konzentration und allumfassendes Schweigen verlangt. Und dann sich überhaupt nicht regen. Nicht zu denken, sich nicht zu rühren und jene Bewegung des Sich-Öffnens vollziehen, um alles zu empfangen, das empfangen werden kann, während man aber sorgfältig darauf achtet, nicht versuchen zu verstehen, was gerade geschieht, denn wenn man verstehen oder sogar aktiv beobachten will, hält das eine Art zerebraler Tätigkeit aufrecht, die sich ungünstig auf die volle Aufnahmefähigkeit auswirkt – ruhig sein, so vollkommen wie möglich, in einer aufmerksamen Konzentration und dann still sein.
Wenn man das schafft, dann, wenn alles vorüber ist, wenn man aus der Meditation herauskommt, einige Zeit später – gewöhnlich nicht unmittelbar danach – steigt aus dem Inneren des Wesens etwas Neues in das Bewusstsein: ein neues Verständnis, eine neue Wertschätzung der Dinge, eine neue Lebenseinstellung – kurz, eine neue Art zu sein.
Dynamische Meditation
Ich glaube, das Wichtigste zu wissen ist, warum man meditiert; das ist es, was der Meditation den Wert verleiht und ihr den ihr eigenen Stellenwert verschafft.
Du kannst meditieren, um dich der göttlichen Kraft zu öffnen, du kannst meditieren, um das gewöhnliche Bewusstsein zurückzuweisen, du kannst meditieren, um in die Tiefen deines Wesens einzudringen, du kannst meditieren, um zu lernen, dich vollständig zu überantworten; du kannst für alles mögliche meditieren. Du kannst meditieren, um in Frieden, Ruhe und Schweigen einzugehen – das ist es, was Leute im allgemeinen tun, aber ohne großen Erfolg. Aber du kannst auch meditieren, um die Kraft zur Umwandlung zu erhalten, die Punkte, die es umzuwandeln gilt, zu entdecken, den Pfad des Fortschritts aufzuspüren. Und dann kannst du auch aus sehr praktischen Gründen meditieren: wenn du eine Schwierigkeit klären, eine Lösung finden musst, wenn du Hilfe bei irgend einem Tun brauchst. Dafür kannst du auch meditieren.
Ich glaube, jeder hat seine eigene Weise der Meditation. Aber wenn jemand möchte, dass seine Meditation dynamisch sei, muss er eine Sehnsucht nach Fortschritt empfinden, und die Meditation muss im Sinne einer Unterstützung und Erfüllung dieser Fortschrittssehnsucht betrieben werden. Dann wird sie dynamisch.
Meditation und Fortschritt
Die Anzahl der in Meditation verbrachten Stunden ist kein Beweis spirituellen Fortschritts. Es ist ein Beweis deines Fortschritts, wenn du zum Meditieren keine Anstrengung mehr aufwenden musst. Dann ist es eher mühsam, damit aufzuhören: es wird schwierig, es zu beenden, schwierig, dich vom Denken an das Göttliche abzuwenden, schwierig, auf die Ebene des gewöhnlichen Bewusstseins herabzusteigen. Dann kannst du deines Fortschritts sicher dein, dann bist du wirklich vorangekommen, wenn die Konzentration im Göttlichen die Notwendigkeit deines Lebens ist, wenn du nicht ohne sie auskommst, wenn sie in natürlicher Weise von morgens bis abends andauert, womit immer du beschäftigt sein magst. Ob du dich zur Meditation niederlässt oder herumgehst und Dinge erledigst und arbeitest, das, was von dir verlangt wird, ist Bewusstsein. Das ist das eine Erfordernis: sich des Göttlichen fortwährend bewusst sein.
Aber ist es nicht eine unentbehrliche Disziplin, sich zur Meditation zu setzen, und vermittelt das nicht eine intensivere und konzentriertere Einheit mit dem Göttlichen?
Das mag sein. Aber eine Disziplin als solche ist es nicht, was wir suchen. Wonach wir streben ist, in allem, was wir tun, zu jeder Zeit, bei all unseren Handlungen und in jedem Augenblick auf das Göttliche konzentriert zu sein. Es gibt hier einige, denen gesagt wurde, sie sollen meditieren, andere wiederum, die überhaupt nicht dazu aufgefordert wurden. Doch darf man nicht annehmen, sie schritten nicht voran. Auch sie befolgen eine Disziplin, die jedoch von anderer Natur ist. Mit Hingabe und innerer Weihung zu arbeiten, zu handeln, ist gleichfalls eine spirituelle Disziplin. Das letztendliche Ziel ist, in beständiger Einheit mit dem Göttlichen zu sein, nicht nur bei der Meditation, sondern in allen Umständen und im gesamten tätigen Leben.
Meditiere in allen Umständen
Du kannst mit einer äußerst aktiven Tätigkeit beschäftigt sein, z.B. mit Basketballspielen, was viel Bewegung erfordert, und verlierst dennoch nicht die Haltung innerer Meditation und Konzentration auf das Göttliche. Und wenn du das erreichst, wirst du sehen, dass all dein Handeln seine Qualität verändert. Du wirst nicht nur Besseres leisten, sondern du wirst das mit einer völlig unerwarteten Kraft tun und gleichzeitig dein Bewusstsein so hoch und rein halten, dass nichts mehr dich zu berühren vermag. Und merke, das kann so weit gehen, dass du selbst bei einem Unfall keinen Schaden nimmst. Natürlich ist das ein Gipfelpunkt, aber einer, nach dem du streben kannst.
Verfalle nicht in den sehr üblichen Fehler zu glauben, du müsstest in einer absolut stillen Ecke sitzen, wo niemand vorüberkommt, wo du in einer klassischen Position und vollständig unbewegt verharrst, um zu meditieren imstande zu sein – es ist nicht wahr. Was erforderlich ist, ist in allen Umständen meditieren zu können, und ich bezeichne als „meditieren“ nicht, deinen Kopf zu entleeren, sondern dich in einer Kontemplation des Göttlichen zu konzentrieren. Und wenn du diese Kontemplation in dir bewahrst, wird alles, was du tust, seine Qualität verändern – nicht seine äußere Erscheinung, denn die wird offensichtlich dieselbe bleiben, sondern seine Qualität. Und das Leben wird seine Qualität verändern, und du, du wirst dich ein wenig anders fühlen als vorher, mit einem Frieden, einer Gewissheit, einer inneren Ruhe, einer gleichbleibenden Kraft, etwas, das nie von dir ablässt.
Kontrolle des Körpers
Diejenigen, die körperliche Aktivitäten geringschätzen, sind Menschen, die nicht imstande sein werden, auch nur einen einzigen Schritt auf dem wahren Pfad des integralen Yoga voranzuschreiten, es sei denn, sie entledigten sich zuerst ihrer Verachtung. Kontrolle des Körpers in all ihren Formen ist eine unentbehrliche Grundlage. Ein Körper, der dich beherrscht, ist ein Feind, eine Störung, die du nicht hinnehmen kannst. Es ist der im Geiste erleuchtete Wille, der den Körper führen, nicht der Körper, der dem Geist seinen Willen aufzwingen sollte. Wenn man weiß, eine Sache ist schlecht, sollte man fähig sein, sie zu unterlassen. Wenn man etwas verwirklichen möchte, muss man es tun können und nicht bei jedem Schritt durch die Unfähigkeit des Körpers, seinen schlechten Willen oder Mangel an Zusammenarbeit gestoppt werden. Und hierfür muss man eine körperliche Disziplin aufnehmen und Herr im eigenen Hause werden.
Es ist gut und schön, in Meditation zu flüchten und von der Höhe seiner sogenannten Erhabenheit auf materielle Dinge herabzublicken, aber einer, der nicht Herr im eigenen Hause ist, ist ein Sklave.
Der Körper braucht Betätigung
Der Körper braucht Betätigung: wenn du ihn untätig hältst, wird er anfangen, sich aufzulehnen, indem er krank wird, usw. Er braucht eine Tätigkeit, die braucht er tatsächlich, wie Blumenpflanzen, ein Haus bauen, etwas Physisches. Du musst es fühlen. Manche Leute machen Übungen, manche fahren Fahrrad, es gibt unzählige Aktivitäten, aber in eurer kleinen Gruppe müsst ihr euch alle einigen, so dass jeder das finden kann, was seinem Temperament entspricht, seiner Natur und seinem Bedürfnis. Aber nicht mit Vorstellungen! Vorstellungen sind nicht sehr gut, sie schaffen Vorurteile, z.B.: „Dies ist eine gute Arbeit, jene ist meiner nicht wert“ und all diese Art von Unsinn. Es gibt keine schlechte Arbeit – es gibt nur schlechte Arbeiter. Alle Arbeit ist gut, wenn du sie auf die rechte Weise zu erbringen vermagst. Alles! Und es ist eine Art Kommunion. Wenn du das Glück hast, dir eines inneren Lichtes bewusst zu sein, wirst du sehen, dass es so ist, als riefest du durch deine körperliche Arbeit das Göttliche in die Dinge herab. Dann wird die Verbindung sehr konkret, es gibt eine ganze Welt zu entdecken, es ist wunderbar.
„Erinnere und überantworte Dich“
Wenn wir auf mentale oder intellektuelle Tätigkeiten konzentriert sind, warum vergessen wir dann manchmal oder verlieren den Kontakt mit dem Göttlichen?
Das geschieht, weil dein Bewusstsein noch gespalten ist. Das Göttliche ist in deinem Geist noch nicht fest begründet. Du bist dem Göttlichen Leben noch nicht gänzlich geweiht. Sonst könntest du dich in beliebigem Umfang auf solche Dinge konzentrieren und immer noch das Empfinden haben, vom Göttlichen unterstützt und getragen zu werden.
Bei allen Bestrebungen, intellektuellen oder praktischen, sollte dein einziges Motto sein: „Erinnere und überantworte dich“. Lass, was immer du tust, ein Geschenk an das Göttliche sein. Und das wird auch eine hervorragende Disziplin für dich sein. Es wird dich davon abhalten, viele dumme und unnütze Dinge zu tun.
Kapitel 10
DAS GÖTTLICHE WERK
Die drei Siege
Der erste Sieg ist, eine Individualität zu schaffen. Und dann später, der zweite Sieg ist, diese Individualität dem Göttlichen zu übergeben. Und der dritte Sieg ist, dass das Göttliche deine Individualität zu einem göttlichen Wesen umwandelt.
Es gibt drei Stufen: die erste ist, ein Individuum zu werden. Die zweite, dieses Individuum zu weihen, damit es sich ganz und gar dem Göttlichen hingeben möge und mit Ihm identifiziert ist. Und die dritte, dass das Göttliche von diesem Individuum Besitz ergreift und es in ein Wesen nach Seinem Bilde formt, das heißt es wird selbst göttlich.
Im allgemeinen endete aller Yoga bei der zweiten Stufe. Wenn man es geschafft hatte, das Individuum zu überantworten und es rückhaltlos dem Göttlichen hinzugeben, um mit Ihm identifiziert zu sein, betrachtete man seine Arbeit als beendet, als erfüllt.
Aber wir beginnen genau dort, und wir sagen: „Nein, dies ist nur ein Anfang. Wir möchten, dass dieses Göttliche, mit dem wir identifiziert sind, in unsere Individualität eintritt und aus ihr eine göttliche Persönlichkeit, die in einer göttlichen Welt wirkt, hervorbringt.“ Und das ist es, was wir Umwandlung nennen. Aber das andere geht ihr voraus, muss ihr vorausgehen. Wenn das nicht getan ist, gibt es keine Möglichkeit, die dritte Stufe zu durchlaufen. Man kann nicht von der ersten auf die dritte Stufe wechseln. Man muss durch die zweite hindurchgehen.
Komme um des göttlichen Werkes willen
Jedes Mal, wenn einer zu mir kommt und sagt: „Ich bin meines Yoga wegen gekommen“, sage ich: „Oh, nein! Dann nicht! Es ist hier sehr viel schwieriger als irgendwo anders.“…
Wenn jemand kommt, mir zu sagen: „Ich bin hier, um zu arbeiten, um mich nützlich zu machen“, dann ist es in Ordnung. Aber wenn jemand sagt: „Ich habe draußen Schwierigkeiten, ich schaffe es nicht, sie zu überwinden, ich möchte hierher kommen, weil es mir helfen wird“, dann sage ich: „Nein, nein, es wird hier sehr viel schwieriger sein; deine Schwierigkeiten werden hier beträchtlich wachsen.“ Und genau das heißt es, denn es sind nicht mehr vereinzelte Schwierigkeiten, sondern kollektive.
Zusätzlich zu deinen persönlichen Schwierigkeiten bist du all den Reibungen, all den Kontakten, all den Reaktionen, all den Dingen, die von außen kommen, ausgesetzt. Als Prüfung! Genau an dem schwachen Punkt, die Sache, die am schwersten zu lösen ist. Dort wirst du von jemandem genau das hören, was du nicht hören wolltest. Jemand wird sich genau so verhalten, dass es dich empören konnte. Du wirst dich einem Umstand, einer Bewegung, einer Tatsache, einem Objekt, irgend etwas gegenüber finden – eben den Dingen, die… „Ah, wie hätte ich mir gewünscht, dies wäre nicht geschehen!“ Und das ist es, was geschieht. Und immer mehr. Weil du deinen Yoga nicht für dich allein machst. Du übst den Yoga für jeden – ohne es zu wollen – automatisch.
Wenn sich also Leute bei mir einfinden und sagen: „Ich suche Frieden hier, Ruhe, Muße, um meines Yoga wegen“, sage ich: „Nein, nein, nein! Gehe sofort irgendwo anders hin. Du wirst anderswo sehr viel mehr Frieden erfahren als hier.“
Wenn jemand kommt und sagt: „Nun, hier bin ich, ich fühle, dass ich mich dem göttlichen Werk weihen sollte. Ich bin bereit, jede beliebige Arbeit, die du mir gibst, auszuführen“, dann sage ich: „Gut, das ist in Ordnung. Wenn du guten Willens bist, Ausdauer hast und einige Fähigkeiten, dann ist es in Ordnung. Aber um die für deine innere Entwicklung notwendige Einsamkeit zu finden, ist es besser, irgendwo anders, überall hinzugehen, aber nicht hierher.“
Warum dieses göttliche Werk?
Die ganze Vollkommenheit, die wir erreichen wollen, erfüllt nicht einen persönlichen oder selbstsüchtigen Zweck, sie ist dazu da, uns fähig zu machen, das Göttliche zu offenbaren, sie ist in den Dienst des Göttlichen gestellt. Wir verfolgen diese Entwicklung nicht in selbstbezogenem Streben nach persönlicher Perfektion. Wir verfolgen sie, weil das göttliche Werk vollbracht werden muss.
Aber warum leisten wir dieses göttliche Werk? Doch damit wir selbst…
Nein, ganz und gar nicht! Es geschieht, weil das der göttliche Wille ist. Überhaupt nicht aus persönlichen Gründen, das darf es nicht sein. Es geschieht, weil dies der göttliche Wille und das göttliche Werk ist.
So lange, wie sich ein persönliches Streben oder Begehren, ein selbstsüchtiger Wille einmengen, wird immer eine Vermischung entstehen, und das ist nicht genau ein Ausdruck göttlichen Willens. Alles, was zählen darf, ist das Göttliche, Sein Wille, Seine Manifestation, Sein Ausdruck. Dafür ist man hier, das ist man und nichts anderes. Und solange ein Empfinden von Selbst, von Ego, der Person, die sich einmischt, besteht, nun, das beweist, dass man noch nicht das ist, was man sein sollte, das ist alles. Ich sage nicht, dass dies über Nacht getan werden kann, aber dennoch ist das tatsächlich die Wahrheit.
Wahre Integrität
Mutter, warum ist das so, dass es hier bei der Arbeit viele Leute wagen, ihre Launen zu befriedigen und auf diese Weise viel Geld vergeudet wird?
Es ist nicht Geld allein, das nutzlos vertan wird!
Energie, Bewusstsein wird unendlich, tausendmal mehr verschwendet als Geld. Dürfte es keine Verschwendung geben… auf mein Wort, ich glaube, den Ashram könnte es nicht geben! Es vergeht nicht eine Sekunde, in der nichts vergeudet wird – manchmal ist es sogar noch schlimmer. Es besteht diese Gewohnheit – kaum bewusst, hoffe ich – soviel Energie, soviel Bewusstsein wie möglich zu absorbieren und sie dann zur persönlichen Befriedigung zu benutzen. Das ist etwas, das in der Tat in jeder Minute geschieht. Wenn all die Energie, all das Bewusstsein, die sich ständig über alle ergießen, für den wahren Zweck verwendet werden würden, d.h. für das göttliche Werk und für dessen Vorbereitung, wären wir schon sehr weit auf dem Pfad vorangeschritten, viel weiter, als wir es sind. Aber jeder, mehr oder weniger bewusst und in jedem Fall instinktiv, nimmt soviel Bewusstsein und Energie auf, wie er kann, und sobald er diese Energie in sich fühlt, gebraucht er sie für seine persönlichen Zwecke, seine eigene Befriedigung.
Wer denkt daran, dass die ganze Kraft hier, die unendlich viel größer und kostbarer als alle Geldmächte ist, dass diese Kraft, die hier ist und bewusst gegeben wird und unablässig mit unerschöpflicher Beharrlichkeit und Geduld, nur für einen einzigen Zweck, nämlich der Verwirklichung des göttlichen Werkes – wer denkt daran, sie nicht zu verschwenden? Wer erkennt es als seine heilige Pflicht, Fortschritte zu machen, sich selbst vorzubereiten, um besser zu verstehen, besser zu leben? Denn die Menschen leben durch die göttliche Energie, sie leben durch das göttliche Bewusstsein und verwenden sie für ihre persönlichen, selbstsüchtigen Ziele.
Ihr seid entsetzt, wenn einige tausend Rupien vergeudet werden, aber ihr seid es nicht… wenn Ströme von Bewusstsein und Energie von ihrer wahren Bestimmung fortgelenkt werden!
Wenn man ein göttliches Werk auf Erden tun will, muss man Tonnen von Geduld und Ausdauer mitbringen. Man muss in der Ewigkeit zu leben verstehen und auf das Erwachen des Bewusstseins in jedem einzelnen warten können – dem Bewusstsein dessen, was wahre Integrität bedeutet.
Das göttliche Werk tun
Mutter, wenn man sich zum Beispiel im Weitsprung darum bemüht, weiter und weiter zu springen, wie erfüllt man damit das göttliche Werk?
Eh? Entschuldige, aber dies geschieht nicht um des Vergnügens am Weitsprung, es geht darum, deinen Körper in seinen Funktionsabläufen vollkommener zu gestalten und ihn damit zu einem für das Empfangen göttlicher Kräfte und deren Manifestation geeigneteren Instrument zu machen.
Nun, alles und jedes, was man an diesem Ort leistet, muss in diesem Geiste getan werden, sonst ziehst du nicht einmal einen Nutzen aus der Gelegenheit und den Umständen, die dir geschenkt sind. Das habe ich euch neulich schon erklärt, nicht wahr, dass das Bewusstsein hier ist, alle Dinge durchdringend und sich bemüht, sich in allen Bewegungen zu offenbaren. Wenn ihr euch jedoch eurerseits sagt, dass eure Bemühung und der Fortschritt, den ihr macht, nur den Zweck haben, dass ihr fähiger werdet, dieses Bewusstsein zu empfangen und es zu verwirklichen, dann wird die Arbeit natürlich viel besser und viel schneller geschehen.
Kapitel 11
FRIEDEN UND RUHE
Die Illusion des Handelns
Aufregung, Hast, Ruhelosigkeit führen zu nichts. Es ist Schaum auf dem Meer. Es ist ein großes Theater, das mit sich selbst endet. Menschen haben das Gefühl, sie täten nichts, wenn sie nicht unentwegt umherrennen und in Anfälle fieberhafter Aktivität ausbrechen. Es ist eine Illusion zu glauben, all diese sogenannten Tätigkeiten änderten die Dinge. Es bedeutet nichts weiter, als eine Tasse nehmen und das Wasser darin schlagen. Das Wasser wird aufgerührt, aber trotz all deines Schlagens nicht verändert. Diese Illusion vom Tun ist eine der mächtigsten in der menschlichen Natur. Sie schadet dem Fortschritt, weil sie dir die Notwendigkeit aufzwingt, dich ständig in irgendeine aufgeregte Tätigkeit zu stürzen. Wenn du doch diese Illusion wahrnehmen und erkennen könntest, wie nutzlos all dies ist, wie es nichts verändert! Nirgends kannst du dadurch etwas erreichen. Diejenigen, die in dieser Art herumjagen, sind Werkzeuge von Kräften, die sie zu ihrem eigenen Vergnügen tanzen lassen. Und es sind auch nicht Kräfte von bester Qualität. Was immer bisher in der Welt geschehen ist, wurde von den wenigen getan, die schweigend außerhalb des Geschehens stehen können. Denn sie sind Instrumente der göttlichen Macht. Sie sind dynamische Mittler, bewusste Instrumente. Sie bringen die Kräfte herab, die die Welt verändern. Dinge können nur auf diese Weise getan werden, nicht durch rastlose Aktivität. In Frieden, Schweigen und Ruhe wurde die Welt erschaffen; und jedes Mal, wenn etwas wahrhaft aufgebaut wird, dann muss dies in Frieden, Schweigen und Ruhe geschehen. Es ist Unwissenheit zu glauben, du müsstest von morgens bis abends herumrennen und dich mit allen möglichen nutzlosen Dingen abmühen, um etwas für die Welt zu tun.
Lerne, still zu sein
Der Lärm, verursacht durch all die Worte, all die Ideen in deinem Kopf, ist so betäubend, dass er dich daran hindert, die Wahrheit zu hören, die sich offenbaren will.
Lerne, still zu sein und zu schweigen. Wenn du ein Problem lösen musst, anstatt alle Möglichkeiten, alle Konsequenzen, all die Dinge, die man tun oder nicht tun sollte, in deinem Kopf zu wälzen, wenn du stattdessen mit einer Sehnsucht nach gutem Willen, möglichst mit einem Bedürfnis danach, still bleibst, dann kommt die Lösung sehr schnell. Und da du schweigst, bist du imstande, sie zu hören.
Wenn du in einer Schwierigkeit festsitzt, versuche diese Methode: Anstatt dich aufzuregen, Ideen zu wälzen und aktiv nach Lösungen zu suchen, anstatt dich zu sorgen, zu ärgern, in deinem Kopf hierhin und dorthin zu rennen – ich meine nicht äußerlich, denn äußerlich hast du wahrscheinlich genug gesunden Menschenverstand, das zu unterlassen, sondern innerlich, in deinem Kopf – bleibe ruhig. Und entsprechend deiner Natur mit Inbrunst oder mit Frieden, mit Intensität oder Weitwerden oder mit all diesem zusammen, bitte um das Licht und warte auf sein Erscheinen.
Auf diese Weise würde der Pfad beträchtlich verkürzt.
„Friede, Friede, Friede“
Wie können wir in unserem Mental Frieden und Schweigen errichten, die fest begründet sind?
Zuallererst musst du es wollen.
Und dann musst du es versuchen und musst durchhalten und immer wieder versuchen…
Zunächst sitze ruhig. Und dann, anstatt an fünfzig verschiedene Dinge zu denken, beginnst du dir zu sagen: „Friede, Friede, Friede, Friede, Friede, Friede, Ruhe, Friede!“ Du stellst dir Frieden und Ruhe vor. Du sehnst dich danach, bittest darum, dass sie kommen mögen: „Friede, Friede, Ruhe!“ Und dann, wenn etwas kommt und dich berührt und handelt, sage leise folgendes: „Friede, Friede, Friede.“ Betrachte deine Gedanken nicht, höre ihnen nicht zu, verstehst du? Du darfst nicht allem, was auftaucht, Aufmerksamkeit widmen. Nicht wahr, wenn jemand dich sehr stark belästigt und du möchtest ihn loswerden, dann hörst du ihm nicht zu! Gut! Du wendest deinen Kopf ab (Geste) und denkst an etwas anderes. Nun, das musst du tun: wenn Gedanken auftauchen, schaust du nicht hin, du hörst nicht auf sie, du darfst ihnen keine Beachtung schenken, du musst dich verhalten, als existierten sie nicht, verstehst du! Und dann, wiederhole es die ganze Zeit wie ein – wie soll ich es ausdrücken? – wie ein Idiot es tut, der ständig dasselbe vor sich hinspricht. Nun, du musst es genauso machen. Du musst immer wieder sagen: „Friede, Friede, Friede.“ So versuchst du das einige Minuten lang und dann tust du, was du tun musst; und dann, ein anderes Mal, fängst du von neuem an. Setze dich nieder und bemühe dich. Tue das, wenn du morgens aufstehst und am Abend, wenn du zu Bett gehst. Du kannst das machen… nun, wenn du deine Nahrung richtig verdauen willst, kannst du es einige Minuten vor dem Essen praktizieren. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr das deiner Verdauung hilft! Bevor du mit dem Essen beginnst, setze dich eine Weile ruhig hin und sage: „Friede, Friede, Friede!“ und alles wird ruhig (die Mutter breitet beide Arme aus) und dann musst du weitermachen. Und es kommt eine Zeit, in der du dich nicht länger niedersetzen musst, ganz gleich, was du tust und sagst, es ist immer: „Friede, Friede, Friede.“ Alles bleibt hier, so, es dringt nicht ein (Geste vor ihrer Stirn), es bleibt dort. Und dann weilt man in einem vollkommenen Frieden… nach einigen Jahren.
Aber am Anfang, einem sehr kleinen Anfang, zwei oder drei Minuten, es ist sehr einfach. Für etwas Kompliziertes musst du eine Anstrengung unternehmen, und wenn man das tut, ist man nicht still. Es ist schwierig, während einer Anstrengung ruhig zu bleiben. Sehr einfach, sehr einfach, du musst bei diesen Dingen sehr einfach sein. Es ist, als lerntest du, einen Freund zu rufen: kraft deines Rufes kommt er. Nun, mache Frieden und Ruhe zu deinen Freunden und rufe sie: „Komme, Friede, Friede, Friede, Friede, komme!“
Setze dich ruhig nieder
Wenn du ein wenig Zeit hast, sei es eine Stunde oder wenige Minuten, dann sage dir: „Endlich habe ich Zeit, mich zu konzentrieren, mich zu sammeln, den Sinn meines Lebens wiederzuerleben, mich selbst der Wahrheit und dem Ewigen zu überantworten.“ Wenn du dafür sorgtest, dich immer so zu verhalten, wenn dich die äußeren Umstände nicht umtreiben, dann entdecktest du, dass du auf dem Pfade schnell voranschreitest. Statt deine Zeit zu vergeuden, indem du schwatzt, sinnlose Dinge treibst und Sachen liest, die das Bewusstsein herabmindern … ist es besser, maßvoll, ausgeglichen, geduldig, still zu sein, aber niemals eine Gelegenheit zu versäumen, die dir geschenkt wurde, nämlich eine, die du für den wahren Zweck des vor dir liegenden, unbeschäftigten Augenblicks verwenden kannst.
Wenn du nichts zu tun hast, wirst du unruhig, du läufst herum, triffst Freunde, gehst spazieren, um nur die besten Dingen zu erwähnen; ich beziehe mich nicht auf Dinge, die offenkundig nicht getan werden sollten. Stattdessen setze dich still hin, dem Himmel, dem Meer zugewandt oder unter Bäume, was immer möglich ist (hier steht dir alles zur Verfügung) und versuche, eines dieser Dinge zu verstehen – zu begreifen, warum du lebst, zu lernen, wie du leben musst, darüber nachzusinnen, was du tun möchtest und was getan werden sollte und welches der beste Weg ist, der Unwissenheit und Falschheit und dem Schmerz, in denen du lebst, zu entrinnen.
Mache dein Bewusstsein weit
Liebe Mutter, wie können wir unser Bewusstsein weit machen?
Weit? Ah, es gibt viele Methoden.
Die einfachste ist, sich mit etwas, das weit ist, zu identifizieren. Zum Beispiel wenn du fühlst, dass du in vollständig engem und beschränkten Denken, Wollen, Bewusstsein eingeschlossen bist, dich wie eingekapselt empfindest, dann beginnst du, über etwas sehr Weites nachzudenken, wie zum Beispiel die Unermesslichkeit des Ozeans, und wenn es dir wirklich gelingt, dir diesen Ozean vorzustellen. wie er sich weit, weit, weit, weit in alle Richtungen ausdehnt, so (die Mutter breitet ihre Arme aus), wie er, verglichen mit dir, sich so weit erstreckt, so weit, dass du das andere Ufer nicht sehen, du nirgends sein Ende erfassen kannst, weder hinten noch vorne, noch links oder rechts… er ist weit, weit, weit, weit… Daran denkst du, und dann fühlst du, dass du auf diesem Meer dahintreibst, so, und dann gibt es keine Grenzen.… Das ist sehr leicht. Dann kannst du dein Bewusstsein ein wenig weiten.
Andere beginnen zum Beispiel damit, den Himmel zu betrachten. Und dann lassen sie in ihrer Vorstellung all jene Räume zwischen den Sternen erstehen und die ganze… diese ganze Unendlichkeit von Räumen, in welchen die Erde nur ein winziger Punkt ist und du auch nur ein winziger Punkt, kleiner als eine Ameise auf der Erde. Und so schaust du den Himmel an und fühlst, dass du in diesen endlosen Räumen zwischen den Wolken schwebst und dich immer mehr ausdehnst, um weiter und weiter zu werden. Manche Leute sind damit erfolgreich.
Es besteht auch die Möglichkeit zu versuchen, sich mit allen Dingen auf der Erde zu identifizieren. Zum Beispiel wenn du einer Sache in einer engen Sichtweise begegnest und durch den Standpunkt anderer gekränkt bist, musst du damit beginnen, dein Bewusstsein zu verschieben, es in andere zu verlagern und dich allmählich mit den ganzen verschiedenen Denkweisen all der anderen zu identifizieren zu versuchen. Das ist ein wenig… wie soll ich es ausdrücken?… gefährlich. Denn sich in das Denken und Wollen anderer hineinzuversetzen, bedeutet, sich mit einem Haufen Dummheit (Mutter lacht) und schlechtem Willen zu identifizieren, und das kann Folgen, die nicht sehr gut sind, mit sich bringen. Aber dennoch fällt dies manchen Leuten leichter. Wenn sie sich zum Beispiel mit jemandem in Unstimmigkeit befinden, bemühen sie sich, um ihr Bewusstsein zu erweitern, sich in dessen Lage zu versetzen und die Angelegenheit nicht mehr aus ihrem eigenen, sondern aus dessen Gesichtswinkel zu sehen. Das weitet das Bewusstsein, wenn auch nicht so umfangreich, wie die ersteren Methoden, von denen ich sprach, welche ganz unschuldig sind. Sie fügen dir keinen Schaden zu, sie nützen dir sehr. Sie lassen dich ein Gefühl tiefen Friedens erleben.
Öffne dich den höheren Regionen
Wenn du dich den höheren Bewusstseinsregionen öffnest und die Kraft von oben herabkommt, dann begründet sie auf ganz natürliche Weise ein Schweigen in den niederen Bereichen, denn diese werden von dieser herabkommenden höheren Macht regiert. Sie stammt aus den höheren Bereichen des Mentals oder jenseits davon, selbst vom Supramental. Wenn also diese Kraft und dieses Bewusstsein herabkommen und in das Bewusstsein einer niederen Ebene eindringen, wird dieses naturgemäß ruhig, denn es wird gleichsam besetzt, überflutet von diesem höheren Licht, das es umwandelt.
Tatsächlich ist dies sogar der einzige Weg, ein beständiges Schweigen in seinem Mental zu errichten. Es geschieht, damit man sich den höheren Sphären öffnet und dieses höhere Bewusstsein, diese Kraft, dieses Licht, fortwährend in das niedere Mental hineinlässt und von ihm Besitz ergreift. Und dann, wenn dies geschieht, vermag dieses dauerhaft ruhig und still zu sein, denn es ist dieses Eine, welches wirkt und das ganze Wesen erfüllt. Man kann handeln, schreiben und sprechen, ohne dass dabei das Mental tätig wird, nur mit dieser Kraft, die von oben herab das Mental durchdringt und von ihm Gebrauch macht. Das Mental selbst wird zu einem ausschließlich passiven Instrument. Und wirklich, dies ist die einzige Möglichkeit, ein Schweigen fest zu begründen; denn sobald dies stattgefunden hat, rührt sich das Mental nicht länger, es agiert nur noch auf den Impuls dieser Macht hin, wenn sie sich in ihm offenbart. Es ist ein sehr ruhiges, sehr stilles Feld, und die Kraft bringt bei ihrem Erscheinen seine Elemente in Bewegung und bedient sich ihrer, und sie findet ihren Ausdruck durch ihn, ohne ihn in Bewegung zu versetzen. Es bleibt sehr still.
Kapitel 12
DER SPIRIT UND DAS PSYCHISCHE WESEN
Spirituelle Erfahrung
Du sprichst von spiritueller Erfahrung. Was ist Erfahrung und wie kann man eine erlangen?
Es ist etwas, das dich mit einem sehr viel höheren Bewusstsein, als du es sonst hast, in Berührung bringt. Du hast in Bezug auf dich selbst ein bestimmtes Gefühl, du nimmst es nicht einmal wahr, es betrifft deinen gewöhnlichen Zustand, verstehst du. Nun, wenn dir innerlich plötzlich etwas sehr Andersartiges und viel Höheres bewusst wird, dann, was immer es sein mag, wird dies eine spirituelle Erfahrung sein. Du magst es durch eine mentale Idee ausdrücken oder auch nicht. Du magst es dir selbst erklären oder auch nicht. Es mag von Dauer sein oder nicht, es mag für einen Augenblick sein. Aber wenn es diesen wesentlichen Unterschied im Bewusstsein gibt, und wenn, natürlich, die Qualität dessen, was kommt, sehr… viel höher, klarer, reiner als das ist, was man normalerweise erlebt, dann kann man das eine spirituelle Erfahrung nennen. Dies bedeutet, dass es tausende verschiedene Dinge gibt, die als spirituelle Erfahrung bezeichnet werden können.
Sollten wir nach einer spirituellen Erfahrung streben?
Ich denke, es ist weiser, seine Sehnsucht darauf zu richten, fortzuschreiten oder bewusster zu werden oder sein Handeln zu verbessern, als nach einer spirituellen Erfahrung zu streben. Denn das könnte die Tür zu mehr oder weniger eingebildeten oder verfälschten Erfahrungen öffnen, den Regungen des Vitals, die sich den Anschein höherer Regungen geben. Man kann sich selbst durch ein Streben nach Erfahrungen betrügen. Tatsächlich muss die Erfahrung spontan erfolgen, als ein Ergebnis inneren Fortschritts, aber nicht als Selbstzweck.
Komme heraus aus Worten
Die Hauptschwierigkeit ist, dass du in Worten denkst, aber diese Worte sind bar aller Bedeutung. Meist sind es bloße Worte – du sprichst vom Göttlichen, vom Höchsten, von Yoga, du sagst viele Dinge, aber entspricht das in deinem Kopf etwas Konkretem? Einem Gedanken, einem Gefühl, einer klaren Vorstellung, einer Erfahrung? Oder sind es einfach Worte?
…Du musst die Sache sehen, die Erfahrung hinter den Worten. Hier sprechen wir von „Yoga“, aber woanders würde man es anders ausdrücken. Einige würden sagen: „Ich suche meine raison d`etre“. usw. Solche mit einer religiösen Neigung werden sagen: „Ich möchte die göttliche Gegenwart erfahren.“ Es gibt fünfzig Arten, diese Sache zu formulieren, aber es ist die Sache, die wichtig ist. Du musst sie in deinem Kopf fühlen, in deinem Herzen, überall. Sie muss konkret, lebendig sein, sonst kannst du nicht voranschreiten. Du musst aus den Worten herauskommen und in die Tat eintreten – in die Erfahrung, in das Leben.
„Damit“ in Kontakt treten
Es gibt „etwas“, es gibt eine Wirklichkeit jenseits all unserer Beschreibungen, mit der es uns aber gelingen kann, in Kontakt zu treten, indem wir eine Disziplin üben. Wir können uns mit dieser Wirklichkeit identifizieren. Sobald das geschehen ist, weiß man, was es ist, aber man kann es nicht ausdrücken, denn Worte können es nicht erklären. Daher, wenn du ein bestimmtes Vokabular benutzt, wenn du einer bestimmten Überzeugung anhängst, wirst du das Vokabular verwenden, das dieser entspricht. Gehörst du einem anderen Kreis an, der sich einer anderen Sprache bedient, wirst du es auf diese Weise benennen oder sogar so darüber denken. Ich erzähle euch das, um euch den rechten Eindruck davon zu vermitteln, das etwas existiert, das nicht erfasst – nicht durch das Denken – erfasst werden kann, das aber existiert. Auf den Namen jedoch, den du ihm verleihst, kommt es wenig an, er ist von keiner Bedeutung – es existiert. Und deshalb ist das einzige, was zu tun ist, mit ihm in Kontakt zu treten – nicht ihm einen Namen zu geben oder es zu beschreiben. Tatsächlich ist es kaum von Nutzen, das zu tun. Man muss versuchen, in Berührung zu gelangen, sich darauf zu konzentrieren, es zu leben, diese Realität zu leben, und welchen Namen du ihr auch immer gibst, er spielt überhaupt keine Rolle, sobald du die Erfahrung hast. Allein die Erfahrung zählt. Und wenn Menschen die Erfahrung mit einem bestimmten Ausdruck verknüpfen – und auf eine so beschränkte Art, so in sich selbst verkapselt, dass abgesehen von dieser Formel nichts zu finden ist, so ist dies etwas von geringem Wert. Man muss diese Wirklichkeit leben können, auf jedem nur erdenklichen Pfad, bei jeder Gelegenheit, in allen Umständen, jeder Gestaltung. Man muss sie leben, denn das ist in der Tat wahr, das ist in höchstem Maße gut, das ist allmächtig, das weiß alles, das… Ja, man kann es leben, aber man kann nicht darüber sprechen. Und wenn man spricht, dann hat alles, was man sagt, keine große Bedeutung. Es ist nur eine Ausdrucksweise, das ist alles. Es gibt eine ganze Richtung von Philosophen und auch Menschen, die den Begriff von Gott durch den eines unpersönlichen Absoluten oder den der Wahrheit, Gerechtigkeit oder sogar des Fortschritts ersetzt haben – von etwas ewig Fortschreitendem. Aber für jemanden, der die innere Fähigkeit besitzt, sich mit jenem zu identifizieren, hat das, was darüber gesagt wird, keine große Wichtigkeit. Manchmal mag man ein ganzes Buch über Philosophie lesen und kommt nicht einen Schritt voran. Manchmal mag man ein leidenschaftlicher Anhänger einer Religion sein, und man macht keinen Fortschritt. Es gibt Menschen, die das ganze Leben in Kontemplation sitzend verbracht und nichts erreicht haben. Es gibt Menschen (wir haben berühmte Beispiele), die die bescheidenste handwerkliche Arbeit zu tun pflegten, wie ein Flickschuster, der alte Schuhe ausbessert, und die eine Erfahrung hatten. Es ist vollständig jenseits dessen, was man darüber denkt und sagt. Es ist ein Geschenk, das da ist, das ist alles. Und alles, was notwendig ist, ist das zu sein – es zu schaffen, sich damit zu identifizieren und es zu leben. Manchmal liest man einen Satz in einem Buch, und der führt dich dorthin. Manchmal liest du ganze Bücher über Philosophie oder Religion, und sie bringen dich nirgendwo hin. Es gibt jedoch Menschen, denen das Lesen von philosophischen Büchern hilft, voranzukommen. Aber all diese Dinge sind zweitrangig. Es gibt nur eines, das wichtig ist: das ist ein aufrichtiger und beharrlicher Wille, denn diese Dinge vollziehen sich nicht im Handumdrehen. Deshalb muss man beständig sein. Wenn jemand das Gefühl hat, er mache keine Fortschritte, darf er nicht entmutigt sein. Er muss versuchen herauszufinden, was in seiner Natur Widerstand leistet und dann den notwendigen Schritt vorwärts tun. Und dann geht es plötzlich weiter. Und am Ende hat man eine Erfahrung. Und das Bemerkenswerte ist, dass Leute, die vollkommen unterschiedlichen Pfaden gefolgt sind, mit vollkommen unterschiedlichen mentalen Konstruktionen, vom überzeugtesten Gläubigen bis zum Ungläubigsten, sogar Materialisten, bei dieser Erfahrung angelangt sind, es ist für jeden dasselbe. Weil es wahr ist – weil es real ist, weil es die alleinige Wirklichkeit ist. Und es ist ganz einfach das. Mehr sage ich nicht. Es ist von keinerlei Bedeutung, wie man darüber spricht, was wichtig ist, ist dem Pfad zu folgen, deinem Pfad, ganz gleich, welchen – ja dort zu gehen.
Geburt in den Spirit
In der individuellen Existenz ist es (der Spirit), der den ganzen Unterschied ausmacht. So lange, wie man nur von ihm spricht und er etwas ist, über das man gelesen hat, von dessen Existenz man vage etwas weiß, er aber nicht eine ganz konkrete Realität für das Bewusstsein ist, bedeutet das, dass man noch nicht in den Spirit geboren ist. Und wenn das geschehen ist, wird er etwas viel Konkreteres, viel Lebendigeres, viel Wirklicheres, viel Greifbareres als die ganze materielle Welt. Und das macht den wesentlichen Unterschied zwischen den Wesen aus. Wenn das spontan real wird – die wahre, konkrete Existenz, die Atmosphäre, die man frei atmen kann – dann weiß man, dass man zur anderen Seite übergewechselt ist. Aber so lange, wie es etwas eher Unbestimmtes, Verschwommenes ist – du hast etwas davon gehört, du weißt, dass es existiert, aber… es besitzt keine konkrete Realität – nun, das bedeutet, dass die neue Geburt noch nicht stattgefunden hat.
Eine Wende des Bewusstseins
Es gibt einen Augenblick – weil es eine Frage ist, die immer intensiver und akuter wird – in dem du sogar das Gefühl hast, die Dinge seien genaugenommen fremdartig, das heißt nicht real. Es kommt ein Augenblick, in dem du diese Empfindung, die du von dir selbst hast, du selbst zu sein, seltsam wird, eine Art Eindruck von Unwirklichkeit. Und immer wieder taucht die Frage auf: „Aber dann, was bin ich?“ Nun, es gibt einen Augenblick, in dem sie sich in solcher Dichte und Eindringlichkeit aufdrängt, dass sich dadurch eine Wende vollzieht, und dann bist du statt auf dieser auf jener Seite, und wenn du da bist, ist alles sehr einfach. Du verstehst, du weißt, du bist, du lebst, und dann siehst du klar die Unwirklichkeit dessen, was übrig bleibt, und das ist genug.
Seht ihr, man muss vielleicht Tage, Monate, Jahre, Jahrhunderte, ganze Leben warten, bevor dieser Augenblick eintritt. Aber wenn man seine Sehnsucht verstärkt, gibt es einen Augenblick, in dem der Druck so stark und die Intensität der Frage so mächtig ist, dass etwas im Bewusstsein umschlägt, und dann ist es dies, was man unumstößlich fühlt: anstatt hier zu sein ist man dort, anstatt von außen zu sehen und sich darum zu bemühen, nach innen zu schauen, befindet man sich innen. Und im selben Augenblick, in dem man dort ist, verändert sich absolut alles, vollständig, und alles, was einem vorher wahr, natürlich, normal, real, greifbar erschien, alles das – ja, wirkt sehr grotesk, sehr sonderbar, sehr unwirklich, ganz absurd. Aber man hat etwas berührt, das in höchstem Maße wahr und ewig schön ist, und das verliert man niemals wieder.
Sobald die Wende stattgefunden hat, kannst du in ein äußeres Bewusstsein gleiten, nicht den gewöhnlichen Kontakt mit den Dingen des Lebens verlieren, aber das bleibt und weicht niemals. Vielleicht fällst du bei deinen Beziehungen mit anderen ein wenig in deren Unwissenheit und Blindheit zurück, aber es ist immer etwas da, lebendig, sich innerlich erhebend, das nicht mehr fortgeht, bis es ihm gelingt, alles zu durchdringen, bis zu dem Punkt, wo es vorüber ist und die Blindheit für immer verschwindet. Und das ist eine absolut greifbare Erfahrung, etwas Konkreteres als das konkreteste Objekt, konkreter als ein Schlag auf den Kopf, etwas Realeres als alles, was immer es sei.
Deshalb sage ich immer… wenn Leute mich fragen, wie man wissen könne, ob man in Kontakt mit seinem psychischen Wesen sei, oder wie man wissen könne, ob man das Göttliche gefunden habe, nun, das bringt mich zum Lachen; denn wenn dir das geschieht, ist das vorbei, du kannst nicht länger irgend welche Fragen stellen, es ist vollbracht. Du fragst nicht wie, es ist vollbracht.
Der Kontakt mit unserem psychischen Wesen
Im gewöhnlichen Leben gibt es unter einer Million Menschen nicht einen, der einen bewussten Kontakt zu seinem psychischen Wesen, nicht einmal vorübergehend, hat. Das psychische Wesen arbeitet vielleicht von innen, aber für das äußere Wesen so unsichtbar und ihm so unbewusst, als existierte es nicht. Aber in den meisten Fällen, der überwiegenden Mehrheit, fast der Gesamtheit, ist es, als schliefe es, überhaupt nicht aktiv, in einer Art Erstarrung.
Nur mit der Sadhana und beharrlicher Bemühung gelingt es uns, einen bewussten Kontakt mit dem psychischen Wesen herzustellen…
In beinahe, beinahe allen Fällen ist eine sehr, sehr dauerhafte Bemühung erforderlich, um des eigenen psychischen Wesens gewahr zu werden. Gewöhnlich betrachtet man es als einen Glücksfall, wenn man es in dreißig Jahren schafft – dreißig Jahre unermüdlicher Bemühung, sage ich. Es mag schneller gehen. Aber das ist so selten, dass man sofort sagt: „Das ist nicht ein gewöhnliches menschliches Wesen.“ Das verhält sich so bei Menschen, die man als mehr oder weniger göttliche Wesen betrachtet und die große Yogis waren, große Eingeweihte.
Das psychische Wesen
Das psychische Wesen ist ein Zentrum des Lichtes und der Wahrheit und des Wissens und der Schönheit und Harmonie, das das Göttliche Selbst nach und nach durch seine Gegenwart in jedem erschafft. Es wird beeinflusst, geformt und bewegt durch das göttliche Bewusstsein, von dem es ein wesentlicher Bestandteil ist. In jedem von euch ist es das tiefe innere Wesen, das ihr finden müsst, um mit dem Göttlichen in euch in Kontakt treten zu können. Es ist der Vermittler zwischen dem Göttlichen Bewusstsein und deinem äußeren Bewusstsein. Es ist der Baumeister des inneren Lebens. Es ist das, was in der äußeren Natur die Ordnung und das Gesetz des göttlichen Willens offenbart. Wenn du in deinem äußeren Bewusstsein deines psychischen Wesens in dir gewahr wirst und dich mit ihm einst, kannst du das reine Ewige Bewusstsein finden und in ihm leben. Anstatt, wie es dem menschlichen Wesen ständig widerfährt, von Unwissenheit getrieben zu werden, erwachst du zum Bewusstsein der Gegenwart eines ewigen Lichtes und einer ewigen Wahrheit in dir, und ihnen überantwortest du dich und weihst dich ihnen gänzlich und wirst in allen Dingen von ihnen geführt.
Denn dein psychisches Wesen ist der Teil deiner selbst, welcher dem Göttlichen schon gegeben ist. Es ist sein Einfluss, der sich allmählich von innen bis zu den äußersten und materiellen Grenzen deines Bewusstseins ausbreitet und der die Umwandlung deiner gesamten Natur hervorbringen wird. Es kann dort keine Finsternis geben. Es ist der lichtvolle Teil in dir. Die meisten Menschen sind sich dieses psychischen Teiles in sich unbewusst. Das Bestreben des Yoga geht dahin, sich dessen bewusst zu werden, so dass der Vorgang deiner Umwandlung, anstatt eine langsame, sich durch Jahrhunderte dehnende Mühsal zu sein, in ein Leben oder sogar einige wenige Jahre zusammengedrängt wird.
Es ist das psychische Wesen, das nach dem Tode fortdauert, denn es ist dein ewiges Selbst. Dieses ist es, das das Bewusstsein von Leben zu Leben fortträgt.
Das psychische Wesen ist die wirkliche Individualität der wahren göttlichen Individualität in dir. Denn deine Individualität bedeutet deine besondere Ausdrucksweise, und dein psychisches Wesen ist ein besonderer Aspekt des einen göttlichen Bewusstseins, das in dir Gestalt angenommen hat.
Der Tempel in dir
In den Tiefen deines Bewusstseins befindet sich das psychische Wesen, der Tempel des Göttlichen in dir. Dies ist das Zentrum, um welches sich die Einung all dieser verschiedenen Teile, all dieser widersprüchlichen Regungen deines Wesens vollziehen sollte. Sobald du das Bewusstsein des psychischen Wesens und seiner Sehnsucht erlangt hast, können diese Zweifel und Schwierigkeiten beseitigt werden. Es braucht mehr oder weniger Zeit, aber du wirst sicherlich schließlich erfolgreich sein. Sobald du dich dem Göttlichen zugewandt und gesagt hast: „Ich möchte dir gehören“, und das Göttliche: „Ja!“ gesagt hat, vermag dich die ganze Welt nicht davon abzuhalten. Wenn das zentrale Wesen seine Hingabe vollbracht hat, ist die Hauptschwierigkeit verschwunden. Das äußere Wesen ist wie eine Kruste. Bei gewöhnlichen Menschen ist sie so hart und so dick, dass sie sich des Göttlichen in sich selbst nicht bewusst ist. Wenn einmal, selbst für nur einen Augenblick, das innere Wesen gesagt hat: „Ich bin hier, und ich bin dein“, dann ist es, als sei eine Brücke geschlagen, und die Kruste wird allmählich dünner und dünner, bis die zwei Teile vollständig miteinander vereint und das innere und äußere Wesen eins sind.
Der Wert des physischen Körpers
Diese Art Arbeit, diese Harmonisierung und Organisation des Wesens um das göttliche Zentrum, kann nur in einem physischen Körper und auf der Erde vollbracht werden. Das ist der wahrhaft wesentliche und ursprüngliche Anlass für das physische Leben. Denn sobald du nicht mehr in deinem physischen Körper weilst, kannst du das nicht länger tun.
Und noch bemerkenswerter ist, dass nur Menschen dazu fähig sind, denn nur sie besitzen in dem psychischen Wesen in ihrer Mitte die göttliche Gegenwart…
Und dennoch, die meisten gelangen in einen physischen Körper, ohne den Grund zu kennen, die meisten durchschreiten dieses Leben, ohne zu wissen warum, sie verlassen ihren Körper unwissend und sie müssen dieselbe Sache immer wieder neu beginnen, auf unbestimmte Zeit, bis ihnen eines Tages jemand begegnet, der ihnen sagt: „Gib acht! Weißt du, dem Ganzen wohnt ein Zweck inne. Du bist hier für dieses Werk, versäume nicht deine Gelegenheit!“
Und wie viele Jahre werden verschwendet!
Die Arbeit des psychischen Wesens
Welche Arbeit leistet das psychische Wesen?
Welche Arbeit leistet das psychische Wesen? Du möchtest, dass es eine Arbeit hat? Was genau willst du sagen? Was ist seine Funktion? Ah! Nun gut! Man könnte es so ausdrücken, es ist wie ein elektrischer Draht, der den Generator mit der Lampe verbindet. Wenn jemand verstanden hat, so soll er erklären, was ich gesagt habe!…
Der Generator ist das Göttliche, und die Lampe ist der Körper.
Sie ist der Körper, sie ist das sichtbare Wesen.
Also, das ist seine Funktion. Das bedeutet, gäbe es nichts Psychisches in der Materie, wäre sie nicht fähig, irgend einen direkten Kontakt mit dem Göttlichen einzugehen. Und es ist glücklicherweise dieser psychischen Gegenwart in der Materie zu verdanken, dass der Kontakt zwischen ihr und dem Göttlichen unmittelbar sein und allen Menschen gesagt werden kann: „Du trägst das Göttliche in dir. Du musst nur in dein Inneres eintreten, und du wirst Ihn finden.“
Schwierigkeiten und das psychische Wesen
Ich denke, je psychischer man ist, desto mehr Schwierigkeiten hat man gewöhnlich. Nur, man ist gerüstet, diesen Schwierigkeiten zu begegnen. Aber je psychischer man ist, desto mehr befindet man sich im Widerspruch zum gegenwärtigen Zustand der Welt. Wenn man also im Gegensatz zu etwas steht, hat das Schwierigkeiten zur Folge. Und ich habe festgestellt, dass sehr oft die mit den meisten Schwierigkeiten diejenigen sind, die in mehr oder weniger engem Kontakt mit ihrem psychischen Wesen leben. Wenn du von äußeren Umständen sprechen möchtest – ich rede nicht vom Charakter, das ist etwas anderes, sondern von äußeren Umständen – die Leute, die am meisten zu kämpfen haben und am meisten Ursache zu leiden hätten, sind diejenigen, die ein sehr entwickeltes psychisches Wesen besitzen. Zunächst hat die Entwicklung des psychischen Wesens eine doppelte Wirkung als Begleiterscheinung. Das heißt mit seiner Entwicklung wächst die Empfindungsfähigkeit des Wesens. Und damit einher geht auch das Wachstum der Leidensfähigkeit. Aber da gibt es die Gegenseite, das heißt in dem Ausmaß, in dem man sich zum psychischen Wesen in Beziehung befindet, tritt man den Bedingungen des Lebens in völlig anderer Weise und in einer Art innerer Freiheit entgegen, was uns befähigt, uns von einem Umstand zurückzuziehen und den Schock nicht in der gewöhnlichen Weise zu erleben. Du kannst der Schwierigkeit oder äußeren Dingen mit Ruhe, Frieden und einem ausreichenden inneren Wissen ins Auge sehen, ohne beunruhigt zu werden. So bist du auf der einen Seite feinfühliger und verfügst auf der anderen über mehr Kraft, mit der Feinfühligkeit umzugehen.
Das Psychische und die Wahrheit
Identifiziert sich das psychische Wesen mit der inneren Wahrheit?
Es baut sich um sie herum auf und tritt mit ihr in Kontakt. Das Psychische wird durch die Wahrheit bewegt. Die Wahrheit ist etwas ewig aus sich selbst Existierendes und ist von nichts in Zeit und Raum abhängig, während das psychische Wesen ein Wesen ist, das wächst, Gestalt annimmt und sich selbst immer mehr individualisiert. Auf diese Weise wird es mehr und mehr befähigt, die Wahrheit zu offenbaren, die ewige Wahrheit, die eins ist und fortdauernd. Das psychische Wesen ist ein sich entwickelndes Wesen, was bedeutet, dass die Beziehung zwischen ihm und der Wahrheit eine sich entwickelnde ist. Es ist nicht möglich, des psychischen Wesens gewahr zu werden ohne gleichzeitig zum Bewusstsein der inneren Wahrheit zu erwachen. Alle, die diese Erfahrung hatten – nicht eine mentale Erfahrung, sondern eine ganzheitliche des Kontakts mit dem psychischen Wesen, nicht mit der Idee, die sie davon konstruiert haben, sondern einen konkreten Kontakt – alle sagen dasselbe: im selben Augenblick, in dem sich dieser Kontakt vollzieht, ist man sich der ewigen Wahrheit in sich selbst absolut bewusst, und man sieht, dass sie der Sinn des Lebens und die Führerin der Welt ist.
Das Wissen des Psychischen
Die Wahrnehmung des äußeren Bewusstseins mag die Wahrnehmung des Psychischen verleugnen. Aber das Psychische besitzt das wahre Wissen. Es sagt: „Ich weiß; ich kann keine Gründe nennen, aber ich weiß.“ Denn sein Wissen ist nicht mental, begründet auf Erfahrung oder als wahr erwiesen. Es glaubt nicht, nachdem Beweise erbracht wurden: Glaube ist die Bewegung der Seele, deren Wissen unmittelbar ist und direkt. Selbst wenn die ganze Welt nein sagt und tausend Beweise für das Gegenteil vorbringt, sie weiß dennoch durch ein inneres Wissen, eine direkte Wahrnehmung, die allem gegenüber Bestand hat, eine Wahrnehmung durch Identität. Das Wissen des Psychischen ist etwas Konkretes, Greifbares, eine solide Substanz. Du kannst es in dein Mental, dein Vital und deine Physis hineinbringen. Und dann besitzt du einen ganzheitlichen Glauben – einen Glauben, der wirklich Berge zu versetzen vermag.
Yoga mit dem Kopf machen
Ich glaube, es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Bemühung zur Umwandlung, die genau dem psychischen Zentrum entstammt, und einer Art mentaler Konstruktion, um etwas zu erreichen.
Ich weiß nicht, es ist sehr schwierig, sich verständlich zu machen, aber so lange, wie die Sache im Kopf, auf diese Weise herumgeht (die Mutter lässt einen Finger in der Nähe der Stirn kreisen), hat sie keine Macht. Sie hat sehr wenig Kraft, die äußerst begrenzt ist. Man glaubt, man sammelt mit großer Anstrengung einen Willen, künstlich genug übrigens, und man versucht, etwas zu erhaschen, und im selben Augenblick ist alles entschwunden. Und man bemerkt es nicht einmal. Man fragt sich selbst: „Wie kommt es nur, dass es sich auf diese Weise entwickelt?“ Ich weiß nicht, aber es erscheint mir in der Tat sehr schwierig, den Yoga mit dem Kopf zu machen – wenn man nicht davon ergriffen ist.
Der Wille ist nicht im Kopf.
Der Wille – was ich den Willen nenne – ist etwas, das sich hier befindet (die Mutter zeigt auf die Mitte der Brust), das über eine Macht zum Handeln, eine Macht zur Verwirklichung verfügt.
Was man ausschließlich im Kopf tut, ist unzähligen Schwankungen unterworfen. Es ist zum Beispiel nicht möglich, eine Theorie zu entwerfen, ohne dass sich augenblicklich Dinge einmischen, welche Gegenargumente aufbringen. Und dann, weißt du, gibt es diese großartige Fähigkeit des Verstandes: er kann, was auch immer, beweisen und über alles mögliche streiten. Folglich kommt man nicht einen Schritt weiter. Selbst wenn man vorübergehend eine Idee, die eine gewisse Kraft besitzt, ergreifen kann, tauchen, wenn man diesen Zustand der Intensität nicht aufrechterhalten kann, alle die entgegengesetzten Dinge auf, sobald es ein Nachlassen gibt, und alle, wie ihr wisst, mit dem Charme ihrer eigenen Ausdrucksweise. Daher ist es eine endlose Schlacht.
Das Herz hat Schwingen
Es gibt Menschen, in denen die psychische Bewegung, der emotionale Impuls stärker ist als das intellektuelle Verstehen. Sie empfinden eine unwiderstehliche Anziehung für das Göttliche, ohne zu wissen, ohne die leiseste Ahnung zu haben, was es ist, was es sein kann, was es darstellt – nichts, keinen intellektuellen Begriff – aber eine Art Impuls, Anziehung, ein Bedürfnis, ein unausweichliches Bedürfnis.
Und diese Leute, die das haben, ich könnte sagen als eine Folge der Gnade, sie besitzen ein Mental, das sie nicht stört, nicht fragt, nicht diskutiert, sie kommen sehr schnell voran…
Es gibt andere, die zuerst verstehen, die sehr intellektuell sind, studiert haben, mit Worten und Ideen zu spielen vermögen, die dir brillante Vorträge über alle Philosophien, Religionen, alle menschlichen Entwürfe halten und die vielleicht Jahre brauchen, um einen Schritt voranzukommen. Weil sich das alles im Kopf abspielt.
Viele Dinge gehen im Kopf herum. Ich habe euch das bereits mehrere Male gesagt, der Kopf ist wie ein Öffentlicher Platz. Es kann alles dort beliebig eintreten, kommen, kreuzen, herausgehen und eine Menge Unordnung stiften. Und Leute, die die Gewohnheit haben, mit Ideen zu spielen, sind diejenigen, die am meisten behindert sind, weiterzukommen. Es ist ein Spiel, das hübsch ist und reizvoll. Es verschafft dir den Eindruck, du seiest bei weitem kein gewöhnlicher Mensch, nicht auf der Ebene des gewöhnlichen Lebens; aber das beschneidet die Flügel.
Es ist nicht der Kopf, der Schwingen hat; es ist das Herz.
Kapitel 13
EGO UND SELBSTHINGABE
Komme aus deinem Ego heraus
Das ganze Universum bewegt sich in Übereinstimmung mit deinem Ego: Du bist im Zentrum, und das Universum dreht sich um dich. Wenn du dich aufmerksam betrachtest, wirst du sehen, dass es so ist. Deine Schau vom Universum – das bist du im Zentrum und das Universum rund um dich herum. Deshalb gibt es keinen Platz für irgend etwas anderes. Es ist nicht das Universum, das du siehst: es bist du selbst, was du dort erblickst.
Deshalb musst du am Anfang zunächst fähig sein, aus dem Ego herauszutreten. Später muss es in einem gewissen Zustand der Nichtexistenz sein. Dann beginnst du, die Dinge so wahrzunehmen, wie sie sind, von einem ein wenig höheren Standpunkt. Aber wenn du wissen willst, wie die Dinge wirklich sind, musst du vollkommen wie ein Spiegel sein: schweigend, friedvoll, unbeweglich, unparteiisch, ohne Vorlieben und in einem Zustand totaler Empfänglichkeit. Und wenn du so bist, wirst du zu erkennen beginnen, dass es viele Dinge gibt, derer du nicht gewahr bist, die aber da sind und die anfangen, in dir aktiv zu werden.
Dann wirst du fähig sein, in diesen Dingen zu sein, anstatt ausschließlich in diesem kleinen Punkt befangen, der du im Universum bist.
Es gibt alle möglichen Methoden, aus dir selbst herauszukommen. Aber es ist unerlässlich, wenn du wissen willst, wie die Dinge wirklich und nicht in Begriffen deiner selbst sind.
Die harte Schale des Ego
Dieses Empfinden der eigenen Person wird eine Art Käfig, ein Gefängnis, das dich einschließt, dich davon abhält, wahrhaftig zu sein, wahrhaft zu wissen, zu handeln, zu verstehen. Es ist, als hätte dich jemand in eine sehr harte Schale gesteckt und du wärest gezwungen, dort zu bleiben.
Das ist das erste Gefühl, das du erlebst. Danach beginnst du, gegen die harte Schale zu pochen, um sie zu zerbrechen. Manchmal widersteht sie sehr lang. Dennoch, wenn du anfängst, das zu fühlen, dass das, was du glaubtest, das seiest du selbst, die Person, die Dinge tut und durch die sie getan werden, die Person, die existiert und dich zu dem macht, was du bist, ja, wenn du davon zu dem Bewusstsein wechselst, dass diese ein Gefängnis ist, das dich davon abhält, wahrhaft du selbst zu sein, dann hast du einen großen Fortschritt gemacht, und es gibt Hoffnung. Du fühlst dich erstickt, zerschmettert, vollkommen eingemauert in ein Gefängnis ohne Luft, Licht, Öffnung, und dann beginnst du, von innen dagegen zu stoßen, zu stoßen, zu stoßen, zu stoßen, damit es zerbersten möge.
Und am Tage, an dem das geschieht, an dem es sich öffnet, trittst du plötzlich in das psychische Bewusstsein ein. Und dann verstehst du. Und dann, wirklich, wenn du einen Sinn für Humor hast, lachst du; du erkennst deine Dummheit.
Zerschneide den Knoten des Ego
Liebe Mutter, was bedeutet das, „der Knoten des Ego“?
Knoten? Oh! Das ist ein Bild, weißt du. Aber es ist etwas, das dir anhaftet und dich festhält wie ein gut gefertigter Seilknoten. Und so sagt man immer, dass das erste, was man tun muss, um wahrhaft fortzuschreiten, das Zerschneiden des Ego-Knotens ist. Das ist sehr ausdrucksstark und gibt ein Bild, nicht wahr? – Man ist gefesselt, in sich selbst eingeschlossen, wie durch Knoten, die alle Teile des Wesens zusammenbinden, eingeschnürt, als wäre man in einem Gefängnis. Das ist es, was einen Zusammenhalt bewirkt. Aber zur selben Zeit ist es eine Begrenzung, eine Beschränkung. Du kannst nicht all die Kräfte empfangen, die du gerne empfangen möchtest, weil du in diese Hülle, die von einem Haufen Knoten in dem dich fesselnden Seil gebildet wird, eingekapselt bist.
Liebe Mutter, wie können wir den Knoten des Ego zerschneiden?
Wie ihn zerschneiden? Nimm ein Schwert und zerschlage ihn (Gelächter), wenn du seiner bewusst wirst. Denn gewöhnlich ist man das nicht. Wir halten das, was geschieht, für ganz normal; und es ist tatsächlich sehr normal. Aber wir halten es auch für ganz gut. Deshalb brauchen wir zunächst eine große Klarsicht, um dessen bewusst zu werden, dass wir in alle diese Knoten eingeschlossen sind, die uns in Knechtschaft halten. Und dann, wenn man dessen gewahr wird, dass es da etwas gibt, das ganz und gar eng dort eingezwängt ist – so eng, das man sich vergeblich bemüht hat, es zu bewegen – dann stellt man sich seinen Willen als ein sehr scharfes Schwert vor, und mit all seiner Kraft führt man gegen diesen Knoten einen Hieb aus (einen imaginären, natürlich, man ergreift nicht tatsächlich ein Schwert), und das bewirkt ein Ergebnis. Natürlich kannst du diese Arbeit von einem psychologischen Standpunkt aus tun, indem du all die Elemente aufspürst, die diesen Knoten ausmachen, die ganze Sammlung von Widerständen, Gewohnheiten, Vorlieben, all das, was dich eng umzäunt. Wenn du dir also dessen bewusst wirst, kannst du dich konzentrieren und all die göttliche Kraft und Gnade anrufen und einen guten Streich gegen die Formationen führen, gegen diese Dinge, die so fest zusammenhängen, so dass nichts sie zerteilen kann. Und in dem Augenblick musst du entschlossen sein, dass du auf diese Dinge nicht mehr hören willst, sondern nur noch auf das göttliche Bewusstsein, und keine andere Arbeit tun willst außer der göttlichen, ohne dich um persönliche Erfolge zu sorgen, frei von aller Bindung, frei von aller Vorliebe, vom Wunsch nach Erfolg, Macht, Befriedigung, Eitelkeit, all das… All das muss verschwinden, und du darfst nur den göttlichen Willen, der sich in deinem inkarniert hat und dich handeln lässt, sehen. Dann, auf diese Weise, wirst du befreit.
Das Ego und „Ziehen“
Welche Haltung sollte man annehmen, um aus dem Ego herauszukommen?
Haltung? Es ist eher ein Wille, nicht wahr? Du musst es wollen… Was sollte man tun, ist das deine Frage?
Das sicherste Mittel ist, sich selbst dem Göttlichen hinzugeben, nicht zu versuchen, es zu sich selbst zu ziehen, sondern sich dem Göttlichen zu geben. Dann bist du gezwungen, zunächst wenigstens ein wenig aus dir herauszukommen. Gewöhnlich, weißt du, wenn Leute an das Göttliche denken, ist das erste, was sie tun, soviel wie möglich in sich selbst „hineinzuziehen“. Und dann empfangen sie im allgemeinen gar nichts. Sie erzählen dir: „Ah! Ich habe gerufen, gebetet und ich habe keine Antwort bekommen. Ich bekam keine Antwort, nichts geschah.“ Aber dann, wenn du fragst: „Hast du dich überantwortet?“ – „Nein, ich zog.“ – „Ah, ja, das ist der Grund, weshalb nichts passiert ist!“ Es ist nicht so, als wäre nichts gekommen, es ist vielmehr so, dass du in deinem Ego eingeschlossen bleibst, wenn du ziehst,… dass eine Wand zwischen dir selbst und dem, was empfangen werden soll, errichtet wird. Du steckst dich selbst ins Gefängnis, und dann bist du erstaunt, dass du in deinem Gefängnis nichts empfindest.
Gefängnis und mehr noch, ohne Fenster zur Straße. Wirf dich selbst nach außen (die Mutter öffnet ihre Hände), gib dich selbst, ohne irgend etwas zurückzuhalten, einfach aus Freude daran, das zu tun. Dann besteht eine Möglichkeit, dass du etwas fühlen könntest.
Versuche niemals, die Kraft herabzuziehen
Ich möchte euch gerne etwas empfehlen. In eurem Verlangen nach Fortschritt und eurer Sehnsucht nach Verwirklichung sorgt dafür, dass ihr nicht versucht, die Kräfte zu euch zu ziehen. Gib dich hin, öffne dich mit soviel Selbstlosigkeit, wie du durch beständiges Dich-selbst-Vergessen erwerben kannst, verstärke deine Empfänglichkeit bis zum äußersten, aber versuche niemals, die Kraft zu dir zu ziehen, denn das zu wollen, ist bereits ein gefährlicher Egoismus. Du darfst streben, du darfst dich öffnen, du darfst dich hingeben, aber trachte niemals danach, zu nehmen. Wenn die Dinge schiefgehen, machen die Leute die Kraft verantwortlich, aber sie ist es nicht: es ist Ehrgeiz, Egoismus, Unwissenheit und die Schwäche des Gefäßes.
Gib dich selbst großzügig und mit vollkommener Selbstlosigkeit, und von einem tieferen Standpunkt aus wird dir niemals etwas Schlechtes widerfahren. Versuche zu nehmen, und du wirst dich am Rande des Abgrundes finden.
Gib, anstatt zu nehmen
Wenn man sich in alle Dinge ausgebreitet hätte, wenn all die Schwingungen, die kommen und gehen, das Bedürfnis ausdrückten, in alles zu verschmelzen, sich selbst zu weiten, zu wachsen, nicht, indem man in seinen Grenzen bleibt, sondern indem man aus ihnen herauskommt und um sich schließlich mit allem zu identifizieren, hätte man nicht länger irgend etwas zu verlieren, denn man hätte alles. Nur, das weiß man nicht. Und deshalb, da man es nicht weiß, kann man es nicht tun. Man versucht zu nehmen, zu akkumulieren, zu akkumulieren, zu akkumulieren, aber das ist unmöglich, man ist nicht imstande, das zu tun. Man muss sich identifizieren. Und dann möchte man das wenige, was man gibt, zurückhaben: man gibt einen guten Gedanken, man erwartet Anerkennung; man gibt ein wenig Zuneigung, man erwartet sie von anderen… denn man verfügt nicht über die Fähigkeit, der gute Gedanke in allem zu sein, die Zuneigung zu sein, die warme Liebe in allen Dingen. Man fühlt sich einfach so, ganz abgeschnitten und beschränkt und fürchtet, alles zu verlieren, das zu verlieren, was man hat, weil man dann arm wäre. Wäre man auf der anderen Seite fähig, sich zu identifizieren, hätte man es nicht länger nötig zu ziehen. Je mehr man sich ausdehnt, umso mehr hat man. Je mehr man sich identifiziert, desto mehr wird man. Und dann, anstatt zu nehmen, gibt man. Und je mehr man gibt, desto mehr wächst man.
Gib alles
Je mehr du dich dem Göttlichen gibst, desto mehr ist Er mit dir, total, beständig, in jeder Minute, in all deinen Gedanken, all deinen Bedürfnissen, und es gibt keine Sehnsucht, welche nicht eine unmittelbare Antwort erfährt; und du hast das Empfinden einer vollständigen und dauerhaften Vertrautheit, einer allumfassenden Nähe. Es ist, als wäre das Göttliche die ganze Zeit mit dir. Du gehst, und Er geht mit dir. Du schläfst, und Er schläft mit dir. Du isst, und Er isst mit dir. Du denkst und Er denkt mit dir. Du liebst, und Er ist die Liebe, die du fühlst. Aber dafür muss man sich selbst vollständig geben, uneingeschränkt, ausschließlich, nichts zurückhalten, nichts für sich selbst bewahren und nichts aufsparen, auch nichts verstreuen: das allerkleinste Ding in deinem Wesen, welches nicht dem Göttlichen überlassen wird, ist eine Vergeudung. Es ist das Vergeuden deiner Freude, etwas, was dein Glücklichsein um genau diesen Teil vermindert, und alles, was du dem Göttlichen nicht gibst, ist, als hieltest du es fest, so als wäre es möglich, das Göttliche gäbe sich Selbst dir. Du fühlst dich Ihm nicht nahe und Ihn nicht beständig mit dir, weil du nicht Ihm gehörst, weil du hunderten anderer Dinge und Leuten gehörst; in deinem Denken, deinen Gefühlen, Impulsen… es gibt Millionen Dinge, die du Ihm nicht gibst, und das ist der Grund, dass du Ihn nicht immer bei dir fühlst, weil all diese Dinge so viele Schleier und Wände zwischen Ihm und dir sind. Doch wenn du Ihm alles gibst, nichts zurückhältst, wird Er dauernd und uneingeschränkt, in allem, was du tust, denkst, fühlst, bei dir sein, immer, in jedem Augenblick. Dafür jedoch musst du dich selbst absolut geben, nichts zurückhalten; alles, was du zurückhältst, ist ein Stein, den du niederlegst, um eine Mauer zwischen dem Göttlichen und dir selbst aufzubauen.
Mache deinen Willen zum Geschenk
Du kannst in jedem Augenblick deinen Willen in einem Sehnen zum Geschenk machen – einem Sehnen, das sich selbst sehr einfach formuliert, nicht nur: „Herr, Dein Wille geschehe“, sondern: „Gib, dass ich so gut ich kann, das Beste tue.“
Du weißt vielleicht nicht in jedem Augenblick, was das Beste ist und wie du es tun sollst, aber du kannst deinen Willen dem Göttlichen zur Verfügung stellen, um das Beste, das möglich ist, zu tun, das Beste, das möglich ist. Du wirst sehen, das wird wunderbare Ergebnisse zeitigen. Tue das mit Bewusstsein, Aufrichtigkeit und Ausdauer, und du wirst dich selbst mit großen Schritten voranschreiten sehen. So ist es, nicht wahr? Man muss die Dinge mit der ganzen Inbrunst seiner Seele tun, mit der ganzen Kraft seines Willens. Tue in jedem Augenblick das Beste, das möglich ist, das Beste, das möglich ist. Was andere tun, geht dich nichts an – das ist etwas, was ich euch nicht oft genug wiederholen kann.
Übergib deinen Willen
Du besitzt einen Willen, und den kannst du überantworten. Du möchtest dir zum Beispiel deiner Nächte bewusst werden. Wenn du die Haltung passiver Hingabe annimmst, würdest du sagen: „Wenn es der Göttliche Wille will, dass ich bewusst werden soll, dann wird das geschehen.“ Überlässt du andererseits deinen Willen dem Göttlichen, dann beginnst du zu wollen, du sagst: „Ich will mir meiner Nächte bewusst werden.“ Du hast den Willen, dass das getan werden sollte. Du setzt dich nicht müßig nieder und wartest. Die Hingabe erfolgt, wenn du die Haltung annimmst, die sagt: „Ich gebe meinen Willen dem Göttlichen. Ich wünsche mir sehnlichst, mir meiner Nächte bewusst zu werden. Ich verfüge nicht über das Wissen, lass es den Göttlichen Willen für mich ausarbeiten.“ Dein Wille muss immerfort tätig sein, nicht in der Art, eine bestimmte Handlungsweise zu wählen oder ein bestimmtes Objekt zu verlangen, sondern als ein glühendes Sehnen, das sich auf das zu erreichende Ziel konzentriert. Das ist der erste Schritt.
Der göttliche Wille ist unverkennbar
Wie sollen wir wissen, wirst du fragen, wann es der Göttliche Wille ist, der uns handeln lässt? Der Göttliche Wille ist nicht schwer zu erkennen. Er ist unverkennbar. Du kannst ihn erkennen, ohne sehr weit auf dem Pfad zu sein. Du musst nur auf seine Stimme hören, die kleine Stimme, die hier in deinem Herzen ist. Sobald du daran gewöhnt bist zu hören, spürst du, wenn du etwas dem Göttlichen Willen Widersprechendes tust, ein kleines Unbehagen. Wenn du auf der falschen Spur bestehst, wirst du sehr beunruhigt sein. Wenn du jedoch einen physischen Vorwand als Ursache deines Unbehagens vorgibst und weiter dem falschen Weg folgst, verlierst du allmählich die Fähigkeit zur Wahrnehmung, und schließlich fährst du fort, alles mögliche Unrecht zu tun, ohne dich unbehaglich zu fühlen. Doch wenn du, sobald du die geringste Störung empfindest, innehältst und dein inneres Selbst fragst: „Was ist dessen Ursache?“, dann bekommst du die wahre Antwort, und die ganze Sache wird ziemlich klar. Versuche nicht, eine physische Ausrede vorzubringen, wenn du eine kleine Niedergeschlagenheit fühlst oder ein geringfügiges Unbehagen. Wenn du anhältst und dich nach dem Grund umsiehst, sei absolut aufrecht und aufrichtig. Zuerst wird dein Verstand eine sehr plausible und schöne Erklärung konstruieren. Akzeptiere sie nicht, sondern schaue dahinter und frage: „Was ist hinter dieser Regung? Warum tue ich das?“ Du wirst schließlich dahinter, verborgen in einem Winkel, das kleine Kräuseln entdecken – eine leichte Verbiegung oder Verzerrung in deiner Haltung, die den Ärger verursacht.
Den göttlichen Willen kennen
Es gibt vier Bedingungen, den göttlichen Willen zu erkennen:
Die erste wesentliche Bedingung: eine absolute Aufrichtigkeit.
Zweitens: Begehren und Vorlieben zu überwinden.
Drittens: Das Mental zum Schweigen zu bringen und zu lauschen.
Viertens: Sofort zu gehorchen, wenn du den Befehl erhältst.
Wenn du beharrlich bist, wirst du den Göttlichen Willen immer deutlicher wahrnehmen. Jedoch sogar bevor du ihn erkennst, kannst du deinen Willen überantworten, und du wirst sehen, dass alle Umstände so angeordnet werden, dass sie dich das Richtige tun lassen. Du darfst hingegen nicht wie die Person sein, die ich kannte und die zu sagen pflegte: „Ich sehe den Göttlichen Willen immer in anderen.“ Das kann dich wer-weiß-wohin führen und es gibt nichts Gefährlicheres, denn wenn du glaubst, du siehst den Göttlichen Willen in anderen, kannst du sichergehen, dass du ihrem, nicht dem Göttlichen Willen folgst. Hier können wir auch wieder sagen, dass nicht einer unter vielen, vielen Menschen im Einklang mit dem Göttlichen Willen handelt.
Du kennst die Geschichte von dem reizbaren Elefanten, seinem Mahout und dem Mann, der dem Elefanten nicht Platz machen wollte. In der Mitte der Straße stehend sagte der Mann zu dem Mahout: „Der göttliche Wille ist in mir und der verlangt von mir, nicht beiseite zu gehen.“ Der Elefantenführer, ein Mann von einiger Intelligenz, antwortete: „Aber der göttliche Wille im Elefanten verlangt, dass du beiseite gehst!“
Die rechte Haltung
Es gibt manchmal allzu gewissenhafte Leute, die sich selbst Probleme schaffen und es sehr schwierig finden, sie zu lösen, weil sie das Problem falsch formulieren. Ich kannte eine junge Frau, die Theosophin war und sich bemühte, das zu praktizieren. Sie sagte zu mir: „Man lehrt uns, der Göttliche Wille müsse in all unseren Handlungen herrschen, aber wenn ich morgens frühstücke, wie kann ich dann wissen, ob Gott will, dass ich mir zwei oder nur ein Stück Zucker in meinen Kaffee tun soll?“… Und das war ziemlich rührend, wisst ihr, und es kostete mich einige Mühe, ihr zu erklären, dass der Geist, in welchem sie ihren Kaffee trank, die Haltung gegenüber ihrer Nahrung, viel bedeutungsvoller ist, als die Anzahl der Zuckerstücke, die sie nimmt.
Es ist mit all den kleinen Dingen, die man in jedem Augenblick tut, dasselbe. Das Göttliche Bewusstsein arbeitet nicht auf menschliche Weise. Es entscheidet nicht darüber, wie viele Zuckerstücke du in deinen Kaffee hineingeben wirst. Es versetzt dich allmählich in die rechte Haltung gegenüber Handlungen und Dingen, eine Haltung der Weihung, Geschmeidigkeit, des Einverständnisses, der Sehnsucht, des guten Willens, der Formbarkeit, der Bemühung um Fortschritt – das ist es, was zählt, sehr viel mehr als die kleinen Entscheidungen, die du in jeder Sekunde triffst. Man kann vielleicht versuchen herauszufinden, welches Handeln der Wahrheit am nächsten kommt, aber diese Dinge können nicht durch eine mentale Diskussion oder über eine mentale Problemstellung gelöst werden. Es geschieht tatsächlich durch eine innere Haltung, die eine Atmosphäre der Harmonie – eine sich fortschreitend entwickelnde Harmonie – erschafft, in welcher alles, was man tut, notwendigerweise das Beste ist, das unter diesen bestimmten Umständen getan werden konnte.