Sri Aurobindo Digital Edition
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  1. ALLES LEBEN IST YOGA
  2. Gedenken an Sri Aurobindo (2) – Sri Aurobindos Botschaft

Kapitel 6

Sri Aurobindos Botschaft an die Sadhaks

Zwei Kräfte allein können durch ihr Zusammenwirken das Große und Schwierige vollbringen, dem unsere Bemühung gilt; eine entschlossene und unermüdliche Aspiration, die von unten ruft, und eine höchste Gnade, die von oben antwortet.

Aber die höchste Gnade wird nur unter den Bedingungen des Lichts und der Wahrheit handeln; sie wird nicht unter Bedingungen handeln, die ihr von der Falschheit und der Unwissenheit auferlegt werden. Denn gäbe es den Forderungen der Falschheit nach, würde sie ihre eigene Absicht vereiteln.

Dies sind die Bedingungen des Lichts und der Wahrheit, die einzigen Bedingungen, unter denen die höchste Kraft herabkommen wird; und nur die höchste supramentale Kraft, von oben herabkommend und von unten öffnend, kann die physische Natur siegreich meistern und deren Schwierigkeiten beseitigen...

Es muss eine umfassende und aufrichtige Überantwortung gegeben sein; es muss eine ausschließliche Öffnung seiner selbst für die göttliche Kraft gegeben sein; es muss eine beständige und ganzheitliche Wahl der herabkommenden Wahrheit gegeben sein, eine beständige und ganzheitliche Zurückweisung der Falschheit der mentalen, vitalen und physischen Mächte und Erscheinungen, die immer noch die Erd-Natur beherrschen.

Die Überantwortung muss vollständig sein und alle Teile des Wesens erfassen. Es genügt nicht, wenn das Seelische antwortet und das höhere Mental zustimmt oder sogar das innere Vital sich unterwirft und das innere Physische den Einfluss fühlt. Es darf in keinem Teil des Wesens, nicht einmal im äußersten, irgendetwas geben, das einen Vorbehalt hat, das sich hinter Zweifeln, Verwirrungen und Ausflüchten versteckt, das revoltiert oder sich verweigert.

Wenn ein Teil des Wesens sich überantwortet, ein anderer aber sich zurückhält, seinen eigenen Weg geht oder seine eigenen Bedingungen stellt, dann stößt du jedes Mal, wenn das geschieht, die göttliche Gnade von dir fort.

Wenn deine Weihung und Überantwortung dir als Deckmantel für deine Begierden, egoistischen Forderungen und vitalen Ansprüchen dienen, wenn du diese an die Stelle der wahren Aspiration setzt oder sie damit vermischst und versuchst, sie der Göttlichen Shakti aufzudrängen, ist es müßig, die göttliche Gnade anzurufen, dich umzuwandeln.

Wenn du nur auf einer Seite oder in einem Teil dich der Wahrheit öffnest und auf der anderen Seite ständig feindlichen Kräften die Tore offen hältst, ist es vergeblich zu erwarten, dass die göttliche Gnade bei dir bleiben wird. Du musst den Tempel rein halten, willst du, dass die lebendige Gegenwart sich dort niederlässt.

Wenn du jedes Mal, wenn die Kraft eingreift und die Wahrheit hereinbringt, dich von ihr abwendest und die Falschheit wieder hereinrufst, die vertrieben wurde, so darfst du nicht die göttliche Gnade dafür verantwortlich machen, dich im Stich gelassen zu haben, sondern die Falschheit in deinem eigenen Willen und die Unvollkommenheit deiner eigenen Überantwortung.

Wenn du nach der Wahrheit rufst und doch etwas in dir das Falsche, Unwissende und Ungöttliche wählt oder einfach nicht willens ist, es ganz und gar zurückzuweisen, dann wirst du immer Angriffen gegenüber geöffnet sein, und die Gnade wird sich von dir zurückziehen. Entdecke zuerst, was falsch oder dunkel in dir ist, und weise es beharrlich zurück, nur dann kannst du mit Recht die göttliche Macht anrufen, dich umzuwandeln.

Bilde dir nicht ein, dass es Wahrheit und Falschheit, Licht und Dunkelheit, Hingabe und Selbstsucht gestattet wäre, in dem Haus beisammen zu wohnen, das dem Göttlichen geweiht ist. Die Umwandlung muss ganzheitlich sein, und ganzheitlich darum auch die Zurückweisung von allem, was sich ihr widersetzt.

Weise die irrige Vorstellung zurück, dass die göttliche Macht auf dein Verlangen hin willens und verpflichtet sei, alles für dich zu tun, selbst dann, wenn du die vom Höchsten gestellten Bedingungen nicht erfüllst. Lass deine Überantwortung aufrichtig und vollständig sein, nur dann wird alles Übrige für dich getan werden.

Weise auch die falsche und träge Erwartung zurück, dass die göttliche Macht sogar die Überantwortung für dich leisten wird. Der Höchste fordert deine Überantwortung an sie, doch erzwingt er sie nicht: bis die unwiderrufliche Umwandlung kommt, bist du in jedem Augenblick frei, das Göttliche zu leugnen oder abzuweisen oder deine Selbsthingabe zu widerrufen, insofern du gewillt bist, die spirituellen Konsequenzen zu tragen. Deine Überantwortung muss eigenständig und frei sein; es muss die Überantwortung eines lebendigen Wesens sein, nicht die eines trägen Automaten oder eines mechanischen Werkzeugs.

Immer wieder wird träge Passivität mit der wahren Überantwortung verwechselt, aber aus träger Passivität kann nichts Wahres und Mächtiges kommen. Gerade die träge Passivität der physischen Natur liefert diese jedem dunklen und ungöttlichen Einfluss aus. Gefordert ist eine freudige, starke und willige Unterwerfung dem Wirken der Göttlichen Kraft gegenüber, der Gehorsam des erleuchteten Schülers der Wahrheit, des inneren Kriegers, der gegen Dunkelheit und Falschheit kämpft, des treuen Dieners des Göttlichen.

Das ist die wahre Haltung, und nur wer diese Haltung einnehmen und bewahren kann, wird sich auch jenen Glauben erhalten können, der weder durch Enttäuschungen noch Schwierigkeiten zu erschüttern ist und wird durch alles Leid gehen, hin zum höchsten Sieg und zur großen Wandlung.

2

In allem, was im Universum geschieht, wirkt das Göttliche durch seine Shakti, doch ist es von seiner Yoga-Maya verschleiert und wirkt in der niederen Natur durch das Ego des Jiva.

Auch im Yoga ist es das Göttliche, das sowohl der Sadhaka ist als auch die Sadhana; es ist seine Shakti mit ihrem Licht, ihrer Macht, ihrem Wissen, ihrem Bewusstsein und ihrem Ananda, die die Sadhana möglich macht, indem sie auf den Adhara einwirkt und, wenn er sich ihr geöffnet hat, mit diesen göttlichen Kräften in ihn einströmt. Aber solange die niedere Natur noch aktiv ist, bleibt die persönliche Bemühung des Sadhaka erforderlich.

Die geforderte persönliche Anstrengung besteht in einem dreifachen Bemühen der Aspiration, der Zurückweisung und der Überantwortung, –

eine Aspiration, die wachsam, stetig, unaufhörlich ist – des Mentals Willen, des Herzens Suche, des vitalen Wesens Zustimmung, der Wille, das physische Bewusstsein und die physische Natur zu öffnen und formbar zu machen;

Zurückweisung der Regungen der niederen Natur – zurückweisen der Ideen, Meinungen, Vorlieben, Gewohnheiten, Konstruktionen des Mentals, damit das wahre Wissen in einem stillen Mental einen freien Raum vorfinden kann, – zurückweisen der Begierden, Forderungen, Gelüste, Gefühle, Leidenschaften der vitalen Natur und ihrer Selbstsucht, Einbildung, Anmaßung, Lust, Gier, Eifersucht, Neid und Feindseligkeit gegenüber der Wahrheit, damit sich die wahre Kraft und Freude von oben her in ein ruhiges, weites, starkes und geweihtes vitales Wesen ergießen kann, – zurückweisen des Stumpfsinns, Zweifels und Unglaubens der physischen Natur und ihrer Dunkelheit, Halsstarrigkeit, Kleinlichkeit, Faulheit und Unwilligkeit sich zu wandeln und ihres Tamas, damit sich die wahre Beständigkeit von Licht, Macht und Ananda in einen immer göttlich werdenden Körper niederlassen kann;

Überantwortung seiner selbst mit allem was man ist und hat und jeder Bewusstseinsebene und jeder Regung an das Göttliche und die Shakti.

In dem Maße, wie die Überantwortung und die Selbst-Weihung zunehmen, wird es dem Sadhaka bewusst, dass die Göttliche Shakti die Sadhana tut, immer mehr von sich selbst in ihn einströmen lässt und die Freiheit und Vollkommenheit der Göttlichen Natur in ihm begründet. Je mehr dieser bewusste Vorgang die eigene Bemühung ersetzt, desto schneller und wirklicher wird sein Fortschritt. Doch bleibt die Notwendigkeit der persönlichen Bemühung bestehen, bis die Überantwortung und die Weihung von Kopf bis Fuß rein und umfassend sind.

Wisse, dass eine tamasische Überantwortung, die sich weigert, die Bedingungen zu erfüllen, und Gott ersucht, alles zu tun und einem alle Schwierigkeit und Kampf zu ersparen, eine Täuschung ist und weder zu Freiheit noch zur Vollkommenheit führt.

Teil 4 SRI AUROBINDOS BOTSCHAFT

Kapitel 1

Die glorreiche Zukunft

Wenn das Auftauchen und Wachsen des Bewusstseins das eigentliche Motiv der Evolution ist und der Schlüssel zu ihrem verborgenen Sinn, dann muss sich durch dieses Wachstum, der eigentlichen Natur der Evolution gemäß, nicht nur eine ständig zunehmende Leistungsfähigkeit ergeben, sondern auch der Aufstieg zu immer höheren Ebenen, bis die höchstmögliche erreicht ist. Denn das Bewusstsein, das wir in der Materie an der Arbeit sehen, das materielle Universum erschaffend, startet auf der untersten Ebene, wo es in das Nichtbewusste eingewickelt ist; es entfaltet sich weiter über eine Unwissenheit, die doch immer mehr Wissen entwickelt und zu immer größerem Licht und zu immer umfassenderer Organisation und Wirksamkeit des Willens führt, wie auch zu einer Harmonisierung aller ihm innewohnenden und auftauchenden Kräfte; zuletzt muss es dazu kommen, die ganze Fülle seiner Fähigkeiten zu entwickeln oder zu erwerben, und das muss ein Zustand sein oder ein Wirken, in dem nicht länger Unwissenheit nach Wissen strebt, sondern das Wissen selbstbeherrscht dem Wesen innewohnt, Herr seiner eigenen Wahrheiten ist und sie mit einer natürlichen Vision und Kraft, an der weder Begrenzung noch Irrtum haften, herausarbeitet. Oder aber, wenn eine Begrenzung da ist, dann muss sie wie ein freiwillig vorgezogener Vorhang sein, hinter dem es die Wahrheit zurückhält für eine Offenbarung im Zeitlichen, sie aber hervorholt – willentlich und ohne sie erst suchen oder sich aneignen zu müssen – in der Reihenfolge einer richtigen Wahrnehmung der Dinge oder in der rechten Abfolge dessen, was dem Ruf der Zeit gehorchend offenbart werden muss.

Das würde bedeuten, dass man in das sogenannte in sich selbst existierende Wahrheitsbewusstsein eintreten oder sich ihm nähern würde, in dem sich der Mensch seiner eigenen Wirklichkeiten bewusst wäre und die innewohnenden Kräfte hätte, diese in einer Zeitschöpfung zu offenbaren, wo alles Wahrheit wäre, Wahrheit, die ihren eigenen unfehlbaren Schritten folgte und ihre eigenen Harmonien aufbaute; jeder Gedanke und Wille, alles Fühlen und Handeln würde spontan richtig sein, inspiriert oder intuitiv und vollkommen, weil es aus dem Lichte der Wahrheit stammte. Alles würde Wirklichkeiten ausdrücken, die dem Geiste innewohnen; es würde viel mehr an Geistesmacht da sein. Man würde die jetzigen Grenzen des Mentals überschritten haben: Denken würde zum Schauen im Lichte der Wahrheit werden, Wille zu Kraft und Macht der Wahrheit, Leben zu wachsender Erfüllung der Wahrheit, der Körper selbst ein bewusstes Gefäß der Wahrheit und Teil der Mittel zu ihrer Selbstverwirklichung und eine Form des Daseins, das seiner selbst gewahr ist. Wenn es ein göttliches Leben oder irgendeine volle Offenbarung der Materie geben soll, müsste zumindest eine Art Initiation dieses Wahrheitsbewusstseins, ein erstes Erscheinen und Wirken erreicht werden und in eine erste Operation eingetreten sein. Oder zumindest muss solch ein Wahrheitsbewusstsein mit unserem eigenen Denken, Leben und Körper in Verbindung stehen, zu einer Berührung mit ihm herabkommen, seine Schau und sein Wirken kontrollieren, seine Motive veranlassen, seine Kräfte ergreifen und ihre Richtung und ihren Zweck formen. Nicht alle, die von ihm berührt würden, mögen fähig sein, es voll zu verkörpern, aber jeder würde ihm eine gewisse Form geben, entsprechend seinem spirituellen Temperament, seiner inneren Fassungskraft und der Richtung seiner Entwicklung in der Natur: Er würde sicher jene Vollkommenheit erreichen, deren er unmittelbar fähig wäre und auf dem Weg sein zum vollen Besitz der Wahrheit des Geistes und der Wahrheit der Natur...

Im Wirken eines solchen Wahrheitsbewusstseins würde sich ein bestimmter Automatismus in seinem Wahrheitsvollzug zeigen, der bewusst und gewollt ist und der an die Stelle der unfehlbaren Automatik der unbewussten oder scheinbar unbewussten Kraft treten würde, die aus einer scheinbaren Leere das Wunder eines geordneten Universums geschaffen hat, und dies könnte eine neue Offenbarungsordnung des Seins hervorrufen, in der eine vollkommene Vollkommenheit möglich würde, ja eine höchste und totale Vollkommenheit als letzte Möglichkeit in Aussicht stünde. Wenn wir diese Kraft in die materielle Welt herunterholen könnten, dann würden unsere jahrtausendealten Träume von menschlicher Vervollkommnungsfähigkeit, sowohl von individueller wie auch von der Vervollkommnungsfähigkeit der Gesellschaft, des Menschengeschlechtes überhaupt, der inneren Herrschaft über uns selbst, und einer völligen Kenntnis, Beherrschung und Nutzung der Naturkräfte schließlich und endlich Aussicht auf volle Verwirklichung haben. Diese völlige menschliche Selbst-Erfüllung könnte durchaus über ihre Grenzen hinausgehen und den Charakter eines göttlichen Lebens annehmen. Die Materie würde, nachdem sie die Kraft des Lebens und das Licht des Denkvermögens in sich aufgenommen und offenbart hat, das höhere oder höchste Licht des Geistes und seine Kraft in sich hineinziehen und in einem irdischen Körper, nachdem sie dessen nichtbewussten Teil losgeworden wäre, zu einem vollkommenen bewussten Gefäß des Geistes werden. Durch den Willen und die Kraft dieses innewohnenden Herrn könnte der körperlichen Hülle dauernde Kraftfülle und sichere Gesundheit erhalten bleiben; alle natürlichen Fähigkeiten des Körpers, alle Kräfte des physischen Bewusstseins würden ihre äußersten Grenzen erreichen und uns auf Wunsch, ihres fehlerlosen Wirkens sicher, zur Verfügung stehen. Als Instrument würde der Körper Fähigkeiten in einer Fülle, Tauglichkeit für alles, was sein Herr von ihm verlangen würde, in einer Totalität erwerben, die weit überall das hinausginge, was er bis jetzt vermag. Er könnte sogar das Gefäß der Offenbarung einer höchsten Schönheit und Seligkeit werden, das die Lichtschönheit des Geistes ausstrahlte, – von ihm überfließend und sich ausgießend, so wie eine Lampe das Leuchten ihrer inneren Flamme ausgießt und verstrahlt, – das in sich die Glückseligkeit des Geistes trüge, seine Freude des schauenden Erkennens, seine Freude des Lebens und der spirituellen Seligkeit, die Freude der Materie, die zu einem spirituellen Bewusstsein erlöst und von einer dauernden Ekstase durchschauert wäre. Das wäre die totale Vollkommenheit des spiritualisierten Körpers.

Kapitel 2

Das einzig Wesentliche

Das einzig Wesentliche aber muss den Vorrang haben: die Wandlung des ganzen menschlichen Lebens unter der Führerschaft des Geistes. Der Aufstieg des Menschen zum Himmel ist nicht das wesentliche, vielmehr ist es sein Aufstieg im Irdischen zum Geist und der Abstieg des Geistes in seine natürliche Menschlichkeit, die Wandlung seiner irdischen Natur. Dies, nicht irgendeine Erlösung nach dem Tod, ist die wirkliche Neugeburt, die die Menschheit erwartet als Krönung ihres langen, dunklen und leidvollen Weges.

Deshalb werden in einem neuen Zeitalter jene Einzelnen der Zukunft der Menschheit am meisten helfen, die eine spirituelle Entwicklung als Ziel und entscheidende Notwendigkeit des Menschen erkennen. Wie einst der Tiermensch den weiten Weg der Wandlung zu einem mentalen und dann als höchstes Ziel zu einem hochentwickelten mentalen Menschentum gehen musste, so ist heute oder in Zukunft eine Entfaltung – dabei ist es gleichgültig, welche Auslegung wir ihr geben oder durch welche Theorie wir sie zu unterstützen suchen – oder Wandlung des gegenwärtigen Typus der Menschheit in einen spiritualisierten die Notwendigkeit für die Menschenart. Sicherlich liegt eine solche Entwicklung in der Absicht der Natur, deren Ideal und Streben sie ist. Dieser Menschentypus wird besonderen Glaubensformen verhältnismäßig gleichgültig gegenüberstehen und es den Menschen überlassen, die Glaubensformen zu wählen, zu denen sie sich naturnotwendig hingezogen fühlen. Sie werden nur den Glauben an diese spirituelle Wandlung für wesentlich halten, den Versuch, diese zu leben und jedwede Erkenntnis – in welcher Form diese gegossen sein mag, ist dabei nicht ausschlaggebend – in dieses Leben einzubeziehen. Die Menschen werden vor allem nicht den Fehler begehen anzunehmen, dass diese Wandlung durch äußere Systeme und Organisationen erreicht werden kann. Sie werden wissen und niemals vergessen, dass jeder Mensch diese innerlich ausleben muss. Andernfalls kann sie für die Menschheit als Ganzes niemals Wirklichkeit werden. Sie werden in ihrer ureigensten Bedeutung sich die östliche Anschauung zu eigen machen, dass der Mensch das Geheimnis seiner Bestimmung und Erlösung in seinem eigenen Innern suchen muss. Sie werden aber ebenso, wenn auch mit einer anderen Betonung die Wichtigkeit bejahen, die der Westen mit Recht dem Leben und seiner bestmöglichen Erfüllung zuspricht und werden sich eine allgemeine Lebensordnung schaffen. Sie werden die Gesellschaft nicht zu einem dunklen Hintergrund für eine weniger erleuchtete spirituelle Menschheit machen oder zu einem eng umzäunten, erdgebundenen Boden für das Wachstum einer verhältnismäßig seltenen, unfruchtbaren Blume asketischer Spiritualität. Sie werden nicht als Grundsatz annehmen, dass die vielen für immer in den niederen Bereichen des Lebens bleiben müssen und nur wenige in freiere Luft und zum Licht hinaufsteigen dürfen. Sie werden vielmehr von dem Standpunkt der großen spirituellen Wesen ausgehen, die sich um eine Erneuerung des Lebens auf Erden bemühen, und werden trotz früheren Misserfolgen an diese Möglichkeit glauben. Zahlreich müssen zu Beginn die Fehler in allem Großen und Schweren gewesen sein. Aber es kommt eine Zeit, in der die Erfahrung aus vergangenen Fehlern erfolgreich genutzt werden kann, in der sich das Tor, das so lange Widerstand leistete, öffnet. Wie bei allen großen Zielsetzungen und Bemühungen der Menschheit bedeutet hier eine a-priori-Erklärung der Unmöglichkeit ein Zeichen von Unwissenheit und Schwäche. Leitspruch des Suchenden muss das solvitur ambulando [„es wird durch Gehen gelöst“] des Entdeckers sein. Denn nur im Tun lösen sich die Schwierigkeiten. Ein Anfang muss in vollem Ernst gemacht werden. Das Übrige muss der Zeit überlassen werden, die bisweilen ein schnelles Vollbringen schenkt oder aber lange, geduldige Arbeit verlangt.

Was getan werden muss, ist so umfassend wie das menschliche Leben. Darum müssen die Einzelnen, die den Weg weisen, das ganze menschliche Leben zu ihrem Bereich machen. Nichts wird diesen Vorkämpfern fremd sein. Nichts wird außerhalb ihrer Reichweite liegen. Jedes Teil des menschlichen Lebens muss von dem Spirituellem aufgenommen werden – nicht nur das intellektuelle, ästhetische und ethische, sondern auch das dynamische, vitale und physische. Deshalb werden sie nichts, das aus diesen Bereichen hervorgeht, verachten oder ablehnen, wie sehr sie auch auf einer Wandlung im Spirituellen und auf einer Umwandlung der Form bestehen. In jeder natürlichen Kraft werden sie die ihr eigenen Mittel zur Wandlung suchen. In dem Wissen, dass in allem das Göttliche verborgen liegt, werden sie überzeugt sein, dass sie alles zum Mittel spiritueller Selbstfindung gemacht haben, dass alles zum Werkzeug eines göttlichen Lebens verwandelt werden kann.

Bibliographie

Zitat

  • CWM Vol. 12, p. 116

Dasein ist keine Illusion

  • CWSA Vol. 12, p. 218
  • CWSA Vol. 12, p. 219
  • CWSA Vol. 23, p. 74
  • CWSA Vol. 25, p. 125

Das Wunder der Geburt

  • CWSA Vol. 2, p. 615
  • CWSA Vol. 2, p. 595

Das Schlüsselwort des Rätsels der Erde

  • CWSA Vol. 12, p. 161
  • CWSA Vol. 12, p. 334
  • CWSA Vol. 12, p. 166

Der nächste Schritt in der Evolution der Erde

  • CWSA Vol. 36, p. 547

Das Schicksal unseres geplagten menschlichen Daseins

  • CWSA Vol. 12, pp. 157-160
  • CWSA Vol. 12, p. 97

Erhebe dich, überschreite dich, werde du selbst

  • CWSA Vol. 12, pp. 150-52

Der alte Yoga und das neue Ziel

  • Bengali Writings (SAA 1991): 359-61
  • SABCL Vol. 26, pp. 122-124-125

Der Integrale Yoga

  • CWSA Vol. 12, p. 358
  • CWSA Vol. 12, pp. 367-68

Selbsthingabe – das Schlüsselwort des Yoga

  • Dies ist einer von mehreren Essays, die um 1930 über den supramentalen Yoga verfasst wurden. Davon wurden dieser und zwei weitere gemeinsam unter der redaktionellen Überschrift „The Supramental Yoga“ [„Der Supramentale Yoga“; in "Die Stunde Gottes" (1961) enthalten] in "The Advent" vom November 1955 veröffentlicht. Der vorliegende Essay ist der am weitesten ausgearbeitete der drei und der einzige, der im Manuskript eine Überschrift trägt.

Die Göttliche Mutter und ihre Verkörperung

  • SABCL Vol. 25, p. 65
  • SABCL Vol. 25, pp. 20-21
  • SABCL Vol. 25, p. 49

Sri Aurobindo über Religion

  • SABCL Vol. 22, pp. 137-38
  • CWSA Vol. 25, pp. 177-78

Wie die Gesellschaft das Individuum betrachten sollte

  • CWSA Vol. 25, pp. 227-28

Der Schlüssel zu menschlicher Einheit

  • CWSA Vol. 25, pp. 621-62
  • CWSA Vol. 25, p. 611

Sri Aurobindos Botschaft an das freie Indien

  • CWSA Vol. 36, pp. 478-80

Die Renaissance in Indien

  • CWSA Vol. 20, pp. 38-40
  • CWSA Vol. 20, p. 15

Sri Aurobindos Botschaft an die Sadhaks

  • SABCL Vol. 25, pp. 1-8

Die glorreiche Zukunft

  • CWSA Vol. 13, pp. 532-34

Das einzig Wesentliche

  • CWSA Vol. 25, pp. 265-67

CWM: Collected Works of the Mother, 2nd ed., Vols. 1-17
CWSA: Complete Works of Sri Aurobindo, 2012, Vols. 1-37
SABCL: Sri Aurobindo Birth Centenary Library, Edition 1971-73

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