Kapitel 1
Sri Aurobindos Zimmer
Jemand möchte noch einmal Sri Aurobindos Zimmer besuchen und dort eine Zeit lang meditieren.
Was sind seine Berechtigung und sein Vorrecht auf ein solch großes Privileg? Ein weiterer Besuch ist in Ordnung. Menschen können in Sri Aurobindos Zimmer kommen. Aber um dort sitzen und meditieren zu dürfen, muss man viel für Sri Aurobindo getan haben.
Liebe Mutter, Du hast gesagt, dass man „viel für Sri Aurobindo getan haben muss, um in seinem Zimmer sitzen und meditieren zu dürfen“. Was meinst du damit, Mutter? Was kann man für den Herrn tun, das dieses „viel“ sein wird?
Etwas für den Herrn zu tun, bedeutet, Ihm etwas von dem zu geben, was man hat, oder von dem, was man tut, oder von dem, was man ist. Das heißt, Ihm einen Teil unserer Güter oder unseren ganzen Besitz zu schenken, Ihm einen Teil unserer Arbeit oder unsere gesamte Tätigkeit zu weihen oder uns Ihm ganz und ohne Vorbehalt hinzugeben, damit Er von unserer Wesensart Besitz ergreift, um sie zu wandeln und zu vergöttlichen. Aber es gibt viele Menschen, die, ohne etwas zu geben, immer nur nehmen und empfangen wollen. Diese Menschen sind selbstsüchtig und nicht würdig, in Sri Aurobindos Zimmer zu meditieren.
Kapitel 2
Ein wunderbares Geschenk von Sri Aurobindo zu seinem 90. Geburtstag
…am 15. hielten wir um zehn Uhr eine Meditation ab. Seit Viertel vor zehn saß ich in vollkommenem Schweigen am Tisch hier. Und … ich kann nicht sagen, Sri Aurobindo sei „gekommen“, denn er ist immer hier, aber er manifestierte sich auf eine besondere Art … Im Subtilphysischen wurde er konkret so groß, dass er mit gekreuzten Beinen auf dem ganzen Gebäudekomplex saß. Er ragte etwas darüber hinaus, aber er saß buchstäblich auf dem Gebäude. Das bewirkte, dass alle meditierenden Leute, wenn sie nicht verschlossen waren, in ihm waren. Er saß da (nicht auf ihrem Kopf!), und ich fühlte (ich war hier), ich fühlte die REIBUNG seiner Gegenwart im Subtilphysischen, eine absolut physische Reibung. Ich sah ihn, denn du weißt wohl, dass ich nicht dort drinnen bin (im Körper), ich sah ihn sehr groß, in vollkommenen Proportionen, sitzend, und dann kam er ganz sanft, ganz sanft, ganz sanft herab. Dieser Herabstieg verursachte die Reibung – sehr sanft, um den Leuten keinen Schrecken einzujagen –, ganz sanft, ganz sanft. Dann ließ er sich nieder und blieb mehr als eine halbe Stunde da, ein bisschen länger, einige Minuten länger, einfach so, völlig unbewegt, aber sehr konzentriert auf alle Leute, die da waren – sie waren in ihm.
Ich saß da, lächelnd, fast … fast lachend: Man fühlte ihn überall, überall (Mutter berührt ihren ganzen Körper). Aber in einem solchen Frieden – ein Friede! Eine Kraft! Eine Macht! Das Gefühl der Ewigkeit, der Unermesslichkeit, des Absoluten. Eine Empfindung des Absoluten, als sei alles vollbracht, als lebte man in der Ewigkeit.
Es war unwiderstehlich. Man musste völlig verschlossen sein, um das nicht zu fühlen.
Ich bestreite nicht, dass es viele verschlossene Leute gab. Das weiß ich nicht (lachend), ich fragte sie nicht nach ihrer Meinung.
Danach verschwand er nicht plötzlich: es geschah langsam, ganz langsam, wie etwas, das sich verflüchtigt. Dann ging alles wieder seinen gewohnten Gang, mit Konzentrationen hier und Aktivitäten dort.
Ich glaube, manche Leute müssen es gefühlt haben (vielleicht verstanden sie es nicht im vollen Ausmaß, denn sie hatten nicht die Schau des Ganzen), aber sie fühlten vielleicht, wie er in sie herabkam. Denn am Nachmittag, als alles wieder in seine gewohnte Ordnung zurückgekehrt war, kam es wie eine Welle des Bedauerns, als ob man sagte: „Ach, diese schöne Erfahrung ist vorbei.“ (Er ist natürlich immer da, aber nicht auf diese Weise! Er ist immer da.) Das ging durch die Atmosphäre: „Ach, jetzt ist der 15. August vorbei. Dieser schöne Anlass ist vorbei.“ Aber so war es … mehr als konkret, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, es kam … mit einer Absolutheit.
Ich sah ihn sehr oft in seinem supramentalen Licht. Sehr oft kam er (als ich auf dem Balkon war, kam er – manchmal war er über dem Samadhi, er kam sehr oft), aber das … vor allem war das Ausmaß ungeheuer, denn, wie ich dir sagte,überragte er sitzend das Gebäude, und dann materialisierte er sich auf PHYSISCH fühlbare Weise. Es brachte eine solche Zuversicht, eine solche Freude, eine solche Gewissheit, ein solches Vertrauen. Alles war so sicher, so absolut gewiss, als sei alles vollbracht worden. Es herrschte nicht mehr diese Angst oder Spannung, die Dinge zu vollbringen.
Das dauerte ungefähr eine Dreiviertelstunde. Danach kehrten die Dinge in ihre gewohnte Ordnung zurück. (Schweigen)
Es war der schönste 15. August, den wir je hatten.
Es dauerte eine Dreiviertelstunde. (Schweigen)
Das einzige … (er hatte mir sein Vorhaben nicht angekündigt) aber als man mir sagte, dass man sich versammeln wolle, um eine halbe Stunde zu meditieren, nahm etwas in mir das sehr ernst: „Also gut!“ Ich bereitete alles für die Meditation vor. Ich setzte mich an den Tisch (ungefähr Viertel vor zehn) – und dann begann es. Es brauchte ungefähr fünf Minuten, um sich zu bilden. Ah! Dann verstand ich.
Er hat uns ein wunderbares Geschenk gemacht.
All seine Milde, all seine Größe, all seine Macht, all seine Ruhe, all das war da. Sogar viel stärker und viel klarer als zu der Zeit, wo er in seinem Körper war!
Ich hatte immer diesen Eindruck – in seinem Zimmer war es immer so. Wann immer ich ihn traf, hatte ich diesen Eindruck. Selbst während der ganzen Zeit, als ich arbeitete, hatte ich den Eindruck, dass er hinter mir stehe und alle Dinge verrichte. Aber dies war sehr viel stärker. Viel stärker … Man wurde erfasst, und dann gab es kein Entrinnen mehr. So war es. Es war etwas ABSOLUTES.
Kapitel 3
Sri Aurobindo verweilt im Feinstofflichen
Dort, in dieser unermesslichen Höhle des inneren Wesens, muss man eintauchen, um den inneren Halt zu finden; man muss weiter und weiter hinabsteigen, Ebene für Ebene, Bewusstsein für Bewusstsein, alle Eindrücke hinter sich lassend, und in die tiefsten Tiefen eindringen, um den heiteren Frieden zu finden: In dieser unermesslichen Stille des Wesens, weit weg vom äußeren Lärm, weit weg von der Angst und dem Schmerz, weit weg von den Gedanken und den Vorstellungen, weit, weit weg von den Wellen der Empfindungen, muss man sehr vorsichtig eintreten, dort, wo das Ego nicht existiert, um die Gegenwart zu spüren. Es gilt, noch weiter zu gehen, noch mehr zu entdecken, das Bewusstsein nach innen zu wenden, wo die Kraft schwingt, die allmächtig ist, die alles vollbringt. Man muss noch tiefer gehen, wo es keinen Vorgang, keinen Eindruck, kein Ego, kein getrenntes Selbst gibt, nichts als Wellen der Freude und eine Schwingung, die der Ursprung von allem ist, so, gleich (Geste) und von vollkommenem Gleichmut. Diesen vollkommenen und unveränderlichen Frieden zu spüren und mit ihm vereint zu sein … dann in jene heitere Seligkeit einzutreten, in der das Bewusstsein vollständig mit dem zentralen Wesen identifiziert ist. Dort gibt es keine Dualität mehr, keine Existenz mehr, gar nichts – eins sein mit diesem Funken der Unsterblichen Flamme, dem Immanenten Göttlichen, dem Einzigartigen und dem Einen, der Seele, die in uns wohnt.
Und noch tiefer in dieser reinigenden Flamme weilt Sri Aurobindo – Unwandelbares Ananda, Allmacht, der Unbesiegbare, der Höchste Herr unseres Daseins, die Manifestation der Allgegenwart im Dasein, der Allmächtige in Seinen Ausführungen, der Allwissende der manifestierten Höchsten Macht; einer, der das Ziel ist, der Meister, der Geliebte, – der auch der Höchste Herr ist.
Kapitel 4
Die Macht von Sri Aurobindos Namen
Wenn man Ihn wirklich ruft, dann antwortet Sri Aurobindo von dort aus (Mutter deutet auf das Herz). Es schwingt durch Seinen Namen, mit Seinem Bewusstsein; dort erklingt der Name Sri Aurobindos, weil Seine Prägung dort ist.
In den tiefsten Tiefen wohnt Er … Alle Existenz lebt durch Ihn.
Sie vibriert durch Ihn. Das ganze Universum vibriert durch Ihn.
Er ist in allem, lebendig und beseelt durch Seine Gegenwart.
Die Wonne Seines Namens durchdringt und reinigt alles, erklingt überall in der erhabenen Freude, ewig und wahr. Mit Seinem Namen bekommt die Existenz einen Sinn. Das Immanent Göttliche, das in allem in diesem ganzen Universum verborgen ist, wiederzuentdecken … Ihn zu finden ist das ewige Spiel. Ihn zu fühlen bedeutet, den unveränderlichen Frieden der vollkommenen Reinheit zu spüren. Ihn zu erkennen bedeutet, die ewige Freude zu finden. Ihn zu rufen bedeutet, die Türen der Unendlichkeit zu öffnen. Dies ist die Macht hinter dem Namen Sri Aurobindo (Trance)….
Ich bin da als eine Präsenz in der Ewigen Flamme, die Kraft, die belebt und die Aktion initiiert, der Friede, der alles süß und friedlich macht, die Freude, die überschäumt und sublimiert, das Licht, das reinigt, und die Schwingung, die sanktioniert.
Sri Aurobindo ist dort als eine unterstützende Wesenheit, und ich bin dort wie ein Führer. In Wirklichkeit ist es dieselbe Wesenseinheit in zwei. Der eine, der beobachtet, ist der Zeuge, und der andere, der wirkt, ist die Shakti.
Solange man das nicht erkannt hat, kann man nichts verstehen.
Ja, mein Kind, wer Sri Aurobindo und mich erkennt, – in der Tat, es ist dasselbe, dieselbe Wesenseinheit, – für den sind alle Hindernisse, alle Schwierigkeiten, alle Fallstricke, alle sogenannten Störfaktoren auf dem Weg zur Wahrheit weggefegt und für immer beseitigt, – in diesem Leben, wie auch nach dem Tod und in den kommenden Leben, – bis in alle Ewigkeit.
Ja, für ihn ist der Herr allmächtig. Nur um es zu wiederholen:
„Ma – Sri Aurobindo, Ma – Sri Aurobindo“ (Trance). Das ist genug. (Trance)
Kapitel 5
Sri Aurobindos Barmherzigkeit
Als ich Ihn (am 8. Dezember 1950) bat, seinen Körper wiederzubeleben, da antwortete Er ganz klar: „Ich habe diesen Körper vorsätzlich verlassen. Ich nehme ihn nicht wieder an. Ich werde mich im ersten supramentalen Körper, der in einer supramentalen Weise erschaffen ist, erneut manifestieren.“