Kapitel 5
Verständigung ohne Worte
„Wenn du nicht allein bist und mit anderen zusammen lebst, kultiviere die Gewohnheit, dich nicht ständig durch lautes Sprechen nach außen zu wenden, und ganz allmählich wirst du bemerken, dass sich zwischen dir und anderen ein inneres Verstehen bildet. Ihr werdet euch dann mit einem Minimum an Worten oder sogar ganz ohne Worte verständlich machen können.“ – Die Mutter
Kann eine innere Verständigung zwischen Leuten in jedem Fall gebildet werden, sogar in Bezug auf materielle Dinge?
Ja, Worte dienen bloß als Mittel der Verständigung zwischen einem Mental und dem anderen. Das ist ihre einzige Rechtfertigung. Aber wenn der mentale Geist klar und kraftvoll genug ist, sich ohne Worte zu verständigen, kommuniziert er viel besser, viel klarer, feinfühliger und genauer. Und dann werden keine Worte gebraucht.
Sogar bei gänzlich materiellen Dingen?
Ja, man kann ein Experiment machen. Wenn zum Beispiel zwei Leute geistig aufeinander eingestimmt sind, und einer denkt: „Warum sollte dies Objekt hier sein statt dort?“, geht der andere ganz natürlich, schaut nach dem Objekt und stellt es an seinen Platz. Er versteht das ganz klar, es braucht ihm nicht gesagt werden. Oder jemand denkt: „Es ist Zeit nach draußen zu gehen“ oder „ich brauche dieses und jenes“, und der andere versteht das ohne Probleme und braucht es nicht gesagt zu bekommen. Bevor man soweit ist, geschieht etwas sehr häufig, – ich spreche von denen, die eine Kontrolle über sich haben und bewusst sind – bei zusammen lebenden Menschen: jemand beantwortet eine Frage, die der andere nicht ausgesprochen hat. Jener dachte mental daran, und der andere antwortet: – „Warum, ja, so ist das nun mal; nein, das wurde nicht gemacht.“ Die andere Person hatte nicht gefragt, aber sie hat die Nachricht bekommen und verstanden. Das passiert oft, nicht wahr? Und dann – sogar wenn bei Dingen etwas unbedingt mitgeteilt werden muss, kannst du statt zehn Worten nur eines sagen, und es genügt, der Rest wird verstanden. Und diese direkte Kommunikation ist eine Erfahrung, die man sehr leicht machen kann. Wenn du mit jemand anderem sprichst, aber keinen ausreichenden geistigen Kontakt mit ihm hast, wird er Worte benutzen, die du gewöhnlich in einem bestimmen Zusammenhang gebrauchst, und du verstehst ihn überhaupt nicht. Es ist, als ob ihr nicht die gleiche Sprache sprecht. Nach einiger Zeit, wenn ihr euch mehrfach trefft und geistig aufeinander eingestimmt seid, fangt ihr an euch zu verstehen.
Wirklich, Worte dienen nur als Transportmittel für etwas, das dahinter steht, und das von jenen, die einen genügend entwickelten und präzisen Sinn haben, ohne zu sprechen ausgedrückt werden kann. Wenn man sich wirklich in den Gefilden des Denkens befindet, mindern Worte den Sinn. Sie verringern ihn, engen und grenzen ihn ein und nehmen ihm seine Kraft. Durch direkte Übermittlung ist der Gedanke viel kraftvoller als durch sein Aussprechen. Worte reduzieren, begrenzen, verhärten und nehmen die Flexibilität und echte Kraft – das Leben – weg. Dass uns keine Gedankenübermittlung ohne Worte möglich ist, liegt einfach daran, dass die menschliche Ausrüstung nicht richtig angepasst ist. Wenn sie sehr fein abgestimmt wäre, müsste man, um immer verstanden zu werden, an einem ganzen Tag keine zehn Worte sprechen.